steckt ein Handwerker, der den Meister macht und sich dann selbstständig macht bzw. bei einem Industrieunternehmen mit IG Metall Tarifvertrag anfängt, locker die meisten Akademiker und wohl auch fast alle Lehrer in die Tasche.
In der ganzen Diskussion frage ich mich allerdings mittlerweile manchmal, wo eigentlich der Mythos herkommt, dass Akademiker per se die bestbezahlten Posten besetzen (müssten). Ohnehin sollte man vielleicht mal ein bisschen differenzieren: Was ist denn eigentlich ein "Akademiker" (vielleicht gleich noch in der Steigerungsform "Vollakademiker")? Geht man nach den Studierendenzahlen, so stellen die Ärzte, Juristen und BWLer schon mal einen guten Teil. Davon sind die Ärzte diejenigen, die mit der größten Sicherheit ein Einkommen erzielen, das über dem von Nicht-Akademikern liegt. BWLer und Juristen stehen IM DURCHSCHNITT sicher nicht besser da als Lehrer. Nur gilt mit Bertolt Brecht: "Die im Dunkeln sieht man nicht", d.h. die unterdurchschnittlich verdienenden Juristen und BWLer nimmt man halt nicht wahr.
"Akademiker" sind aber auch eine ganze Menge Berufsgruppen, die zumindest im Durchschnitt deutlich weniger verdienen als Lehrer. Zahlenmäßig stellen die Geisteswissenschaften immer noch die größten Fakultäten. Klar - ein Professor lacht über ein Lehrergehalt und hat noch größere Freiheiten als ein Lehrer. Aber das sind doch Einzelfälle.
Um es wieder mal zu sagen: Wer sich über sein Gehalt Gedanken macht, möge sein Nettogehalt anschauen und anschließend einen Gehaltsrechner im Internet bemühen. Er wird dann feststellen, dass er als Angestellter weit über 70.000 Euro verdienen müsste, um auf ein Beamtenlehrernetto zu kommen. Und wenn wir über A15 reden (also einen Posten mit Führungsverantwortung), dann sind wir bei einem äquvalenten Gehalt von über 90.000. Das gibt es auch "draußen" nur mit Führungsverantwortung. Schließlich: Die vielbeschworene Sicherheit des Beamten, die ihn vollkommen unabhängig macht von konjunkturellen Schwankungen, Neuausrichtung von Unternehmensstrategien und anderen Unwägbarkeiten des echten Lebens ist eben auch was wert.
Ein Handwerker hingegen, der sich selbstständig macht, ist spätestens dann, wenn er mal vier, fünf Gesellen beschäftigt, im strengen Sinne kein Handwerker mehr, sondern Unternehmer. Ebenso wie ein gelernter Kaufmann, der nach einigen eher mager bezahlten Jahren als Angestellter einen Supermarkt übernimmt. Natürlich springt da - einigermaßen erfolgreiches Wirtschaften vorausgesetzt - erheblich mehr raus als ein Lehrergehalt.
Hinzu kommt, dass Lehrer eine Reihe von Privilegien genießen, die die meisten anderen Arbeitnehmer nicht haben und von denen Selbstständige ohnehin nur träumen können. An vorderster Stelle sind hier die Ferien zu nennen - auch wenn die Jahresarbeitszeit von Lehrer nicht geringer ist als die anderer Beschäftigter: Zweimal im Jahr für je eine Woche, dreimal im Jahr für jeweils zwei Wochen und einmal für sechs Wochen nicht frühmorgens aufstehen und irgendwohin hetzen zu müssen: Unbezahlbar! Sich über die Urlaubstage nicht mit Kollegen einig werden zu müssen: Herrlich! Versucht mal als Nicht-Lehrer (egal ob Angestellter, Beamter oder Selbstständiger) sechs Wochen Urlaub zu bekommen, um z.B. die große Australien-Rundreise machen zu können. Ich hab es ein Mal erlebt, dass einer Kollegin aus dem Klinikbereich das nach zähen Verhandlungen mit der Geschäftsführung gestattet wurde - sie hat dafür zwei Jahre lang jeweils zehn Tage Urlaub angespart und hat in diesen zwei Jahren als Entgegenkommen ihrerseits darauf verzichtet, den Urlaub nach eigenen Wünschen zu nehmen. Und für so einen Deal brauchst Du schon einen ganz guten Stand bei Deinen Vorgesetzten, sonst kannst Du derlei Zugeständnisse vergessen. Dann gibts halt maximal drei Wochen am Stück. Als Lehrer kannst Du jedes Jahr so eine Reise machen, ohne jemanden fragen zu müssen.
Schließlich die Pension... ja, dass sie in der Höhe wird angepasst werden müssen, ist ja schon seit Jahrzehnten klar. Aber ist sie denn jemals nach unten korrigiert worden? Soviel ich weiß, zumindest nicht in entscheidendem Maß. Und überhaupt: Bis die Höhe der Pension die "Höhe" - vielleicht besser: das Niveau, "Höhe" impliziert hier falsche Vorstellungen - der gesetzlichen Rente erreicht hat, wäre einiges zu kürzen. Das wird keiner der hier Anwesenden erleben.
So, ich habe fertig. Fast halb elf - Zeit fürs erste Bier! Am Stammtisch hocke ich ja schon 