Beiträge von fossi74

    Seit wann arbeitet man als Lehrer beim Staat? Der Staat ist die anstellende Behöre, ja, aber man arbeitet für die Institution Schule und ein bestimmtes Schulhaus ist der Arbeitsplatz. Ich meine, den Arbeitsplatz kann auch ein deutscher Lehrer wechseln, wenn es ihm nicht passt.

    Mit dem Rest hast Du wohl recht. Deshalb nur kurz zu obigem: Ich weiß nicht, wie es sich in der Schweiz verhält (paradiesisch, will mir scheinen), aber in Bayern (von Deutschland muss man ja im Bildungskontext nicht sprechen, und zu anderen Bundesländern fehlt mir die Erfahrung) arbeitest Du - auch gefühlt - nicht für eine bestimmte Schule oder einen bestimmten Schulleiter, der ohnehin bei Lichte betrachtet kaum etwas zu melden hat und eigentlich in erster Linie Grüßaugust und Watschenmann für Eltern, KuMi und Sachaufwandsträger ist. Die Rahmenbedingungen, unter denen Du arbeitest - die Höhe Deines Deputats, die Zahl Deiner Aufsichten und außerunterrichtlichen Verpflichtungen, die Zahl und Qualität Deiner schriftlichen Arbeiten, die Ausstattung Deiner Schule, personell und materiell - legt keineswegs die Schule fest (allerhöchstens im ganz kleinen Rahmen, wenn es darum geht, einen "großen" durch zwei "kleine" Leistungsnachweise zu ersetzen oder ähnlichen Pimperleskram), sondern Dein Arbeitgeber. Und den - ich bleibe dabei - kannst Du als Lehrer in D kaum wechseln. Außer Du gehst an eine Privatschule. Aber da gibt es dann andere Fährnisse.

    Ach so, eines noch: Das mit der Ironie solltest Du nochmal üben (also im Klartext: Geld interessiert mich schon, und es dürfte auch etwas mehr sein). Aber Du bist Naturwissenschaftlerin, also in diesem Punkte exkulpiert
    :) .

    Mir würde an Deiner Stelle schon etwas stinken, dass der Lokführer mehr bekommt als Du und wahrscheinlich einen recht gechillten Job bei der SBB hat.

    Ach, Geld interessiert mich doch nicht. Ich machs wegen der leuchtenden Kinderaugen :P . Die Frage ist natürlich außerdem, wie weit der Herr Lokführer mit seinen 78000 in der Schweiz kommt. Ideal wäre wohl (kannst es ja mal ausprobieren): Geld in der Schweiz verdienen, in Liechtenstein versteuern und in Deutschland ausgeben.

    als sei man ihnen schutzlos ausgeliefert, wenn sie im Größenwahn die Entscheidung über Obdachlosigkeit oder Oberstudienratslaufbahn entscheiden.
    Ganz so sehe ich es eben nicht, da man - wenn man vernünftig ist - durchaus auch noch andere Eisen im Feuer hat.

    Wie stets im Tier- und Pflanzenreich gibt es natürlich auch bei Seminarlehrern solche und solche. Ich gebe allerdings noch zu bedenken, dass die alternativen Eisen im Feuer a) je nach Fach ebenso spärlich gesät wie bezahlt sind und b) nach zwei Jahren Ref - in denen man definitiv keine Zeit hat, sie zu pflegen - so ziemlich erkaltet sein dürften.

    Ich bleibe außerdem bei meiner Aussage, dass im Referendariat erwachsene Leuter einer Begutachtung unterzogen werden, gegen die Labormäuse vergleichsweise geringe Aufmerksamkeit erfahren. Beurteilt wird ja nicht nur mehr oder weniger kompetent Dein Unterricht; nein - beurteilt wird ja schon, wie Du "Guten Tag" sagst. Und der komplette Rest Deiner Persönlichkeit.

    Das Grundproblem ist und bleibt allerdings, dass es - wenn überhaupt - äußerst wenige handfeste Kriterien für guten Unterricht gibt. Und wenn Dein Ausbildervogel Deine Stunde schlecht finden will, dann kann er das auch ganz einfach tun. Dann sind halt die Methoden, die Du angewendet hast, Mist und die, die Du nicht angewendet hast, super. Funktioniert umgekehrt natürlich auch; wenn Du also am ersten Tag Deines Refs (oder spätestens beim ersten UB) in der Lieblinge-Schublade gelandet bist, ist alles Champagner. Dann liegt es natürlich auch nicht an Deiner mangelnden Autorität, wenn Du von den Schülern im Unterricht mit Dingen beworfen wirst, sondern an der arschigen Klasse.

    All das gibt es auch in der gelobten "freien Wirtschaft". Auch dort gibt es unfähige Vorgesetzte, mobbende Kollegen, Kunden, für die mittelalterliche Foltermethoden zu harmlos wären, ja sogar ganze Firmen, die dermaßen schlecht geführt werden, dass man sich wundert, warum nicht längst der Insolvenzverwalter auf der Matte steht.

    Der entscheidende Unterschied ist aber: Wenn Du in so einem Betrieb gelandet bist - sei es zur Ausbildung, sei es als Job - dann kannst Du ganz in Ruhe einen neuen Job suchen und dem Laden den Stinkefinger zeigen; ganz exotische Branchen vielleicht ausgenommen. Im Schuldienst geht das, wie auch im übrigen Staatsdienst, nicht. Einen anderen Staat kannst Du Dir nicht so einfach suchen.

    Aus dem Wortlaut ergibt sich, dass eine "Verfassung" erst an dem Tage entsteht, an dem diese "von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist". Das hat aber bisher noch nicht stattgefunden.

    Völlig OT, aber vielleicht interessant: http://www.bpb.de/geschichte/deu…eine-verfassung

    - zusammengefasst: Unsere Verfassung heißt "Grundgesetz". Sie könnte auch "Basisbestimmungen", "Sachertorte" oder "Karl-Heinz" heißen und wäre dennoch eine Verfassung, denn entscheidend ist, was drin-, nicht was draufsteht.

    Sorry, das musste sein; Einlassungen des Tenors "Wir haben ja eigentlich gar keine Verfassung" kommen meist aus einer bestimmten Ecke (die sicher nicht Mikaels Ecke ist, notabene!) und verursachen mir immer spontanes Fußnagelrollen.

    Und wenn man das getan hat, dann "versaut" es auch nicht "das Leben", wenn der Seminarlehrer eine "falsche Bewertung" abgibt, sondern man kann halt das eine Ziel nicht mehr erreichen.

    ... sagt der saturierte Beamte, der es (sicher auch durch Leistung, aber auch mit einer guten Portion Glück) durchs Ref geschafft und anschließend eine Planstelle erwischt hat und dem nichts mehr passieren kann, außer dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt. Sorry, aber das ist eine Haltung, die ich hier im Forum des öfteren verspüre und die von mir ein ganz klares "gefällt mir nicht" bekommt.

    Und ich bleibe dabei: Der Seminarlehrer/Fachleiter/Schnullipups/Younameit hat eine Macht über Wohl und Wehe erwachsener Leute, die im Berufsleben ihresgleichen sucht. Das gilt übrigens nicht nur für Geisteswissenschaftler, sondern durchaus auch für Naturwissenschaftler, deren Staatsexamen (anders als bei den Geistis) wohl durchaus weniger wert ist als ein Diplom.

    Ein ehemaliger Schulleiter von mir hatte dermaßen nah am Wasser gebaut, dass er kaum während der Abschlusskonferenz den Kollegen für das abgeleistete Schuljahr danken konnte, ohne dass ihm die Tränen kamen. Das haben ihm weder Kollegen noch Schüler übelgenommen.

    Ach so, der ZEIT-Online-Artikel... einer der Kommentatoren dort bringt es auf den Punkt: Die Online-Ausgaben der Printmedien sind mittlerweile zu einer Art Orientierungsstufe zwischen Schülerzeitung und richtigem Journalismus verkommen. Nuff said.

    Ich habe mich lange gefragt, ob es daran liegt, dass Naturwissenschaften komplexere Thematiken behandeln, aber bin zu der Überzeugung gelangt, dass auch in Fächern wie Deutsch oder Geschichte durchaus anspruchsvolle Zulassungsarbeiten geschrieben werden können. Ich hatte mal eine linguistische Zulassungsarbeit einer Freundin vor der Nase, da merkte man deutlich, dass es sich um Wissenschaft handelte.

    Wow - und das aus dem Munde einer *ehrfürchtigerschauer* Natuuuuurwissenschaftlerin. Mit Diplom! Da wird es einem arm-im-Geistes"wissenschaftler" wie mir ganz selig ums Herz. Danke, danke, danke!

    Ist es in gewisser Weise typisch oder empfinde ich es nur als typisch, dass die weiblichen Teilnehmer dieses Threads Maßnahmen empfehlen, die von der / vom Geschädigten selbst ausgehen (Lobkarten, Flüsterkultur etc.), während nur die beiden männlichen Diskutanten darauf hinweisen, dass bei zu hoher Lärmbelastung am Arbeitsplatz der AG in der Pflicht ist?

    fragt sich
    Fossi

    Hm, das klingt verdammt nach den Bedingungen, unter denen ich Sprachen unterrichte.Ich bilde meine Schüler aus und bewerte sie.
    Okay, es gibt eine gewisse Kontrolle in Form der Respizienz, aber Prüfungsprotokolle wird es bei euch doch wohl auch geben?
    Dass sprachliche Leistungen nicht so eindeutig zu beurteilen sind wie eine Matheaufgabe ist ein gängiger Vorwurf an sprachliche Fächer.

    Sind jetzt alle Sprachenlehrer inkompetent oder Idioten?

    Der alles entscheidende Unterschied: Du versaust den Schülern nicht das Leben, wenn Du eine falsche Bewertung abgibst. Und sollte Dir jetzt spontan das Abi als Gegenbeispiel in den Sinn kommen: Auch da halte ich es für nicht ganz unproblematisch, dass die Fachlehrer die Abiturleistung bewerten. Mein Asyl-Gastland B-W ist da wesentlich weiter, Stichwort "Tour de Ländle".

    Auch ich habe es einmal gewagt, eine kritische Bemerkung zu machen, kann ich nur jedem davon abraten, es wird zu deinem Nachteil sein.

    Je mehr ich über außerbayerische Ausbildungssysteme höre, desto mehr weiß ich das bayerische zu schätzen (ha, wenn mir vor zehn Jahren einer gesagt hätte, dass ich das mal sagen würde...!). Zumindest sind hier die Seminarlehrer Leute aus der Praxis mit fast vollem Deputat und nicht irgendwelche ans Seminar weggelobten egomanischen Psychopathen mit Profilneurose. Diese Rolle übernehmen hierzulande schon die Schulleiter :teufel: .

    Für die Refs gilt: Offen geäußerte Kritik kann sich zum Nachteil auswirken - wenn einen der Seminarlehrer nicht mag. Dann allerdings wirkt sich alles zum Nachteil aus, insofern ist es auch wieder egal. Mag einen der Seminarlehrer, dann wirkt sich nichts zum Nachteil aus. Ob man gemocht wird (das ist hierzulande also ein legitimes Ziel, liebe Meike!) entscheidet sich meist in den ersten Tagen des Refs.

    Mikael, nein. Bitte schließe nicht von dir auf andere.Ich beute mich nicht aus, ich habe vielleicht einen anderen Zeitplan als du. Kollegen handhaben das durchaus unterschiedlich, von "wir alle machen dies und das "kann zumindest in meinem Fall keine Rede sein.
    Ich will einfach morgens nicht hetzen. Weder bei mir im Bad noch am Frühstückstisch noch in der Schule. Mein Privatvergnügen.

    Eben - Dein Privatvergnügen. Und wenn Du morgen beschließt, dass Du Dich im Bad noch weniger hetzen und noch gemütlicher frühstücken willst und auf das morgendliche Gejammer von Kollegin Siebenrist-Landshuter
    keinen Bock mehr hast... dann bist Du eben ab übermorgen erst fünf vor um in der Schule.

    IAW: Die Arbeitszeitrechnung von Mikael ist nicht von der Hand zu weisen. Die halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn fehlt abends am Schreitisch.

    der unbedingte Will, Lehrer zu werden! Wenn Du das unbedingt willst, dann wirst Du es auch irgendwann schaffen. Auch mit Deutsch/Geschichte.

    Im vollen Bewusstsein, dass der Thread über zwei Jahre alt ist, geht dieser Rat nicht an den TE, sondern an alle, die momentan in ähnlicher Situation sind:

    GLAUBT DIESEN QUATSCH NICHT!


    Genauso könnte ich sagen, "Ich habe den unbedingten Will, im Lotto zu gewinnen, also werde ich es irgendwann schaffen."

    Und ich mochte eigentlich schon immer "meine" Geisteswissenschaften.

    Das spricht Dir auch keiner ab. Ein ganz persönlicher Rat: Ich selbst würde (ich wiederhole mich) nie mehr eine Ausbildung machen, die mich auf den Staat als praktisch einzigen Arbeitgeber festlegt. Als AG ist der Staat - nennen wir das Kind ruhig beim Namen - ein Arschloch. Die "Sicherheit", auf die ja ganz viele im Berufsleben so großen Wert legen, hast Du nur noch als Beamter, und dann ist es in erster Linie die Sicherheit, mies behandelt zu werden.

    Wenn Du so auf die Geisteswissenschaften stehst, dann studier Jura, das ist nämlich auch eine. In Deiner Freizeit kannst Du dann immer noch ausgiebig Romane lesen und historische Studien betreiben. Und auch hier nochmal der dringende Rat: Finger weg von Geschichte! Lass Dir auch an der Uni nichts vom Pferd erzählen, von Leuten, die dann "am Ende doch noch reingekommen sind" und zu dem Zeitpunkt, an dem sie Dir das erzählen, fest im Sattel sitzen.

    Viel Erfolg bei der Berufswahl!

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