Die Frage nach Du und Sie interessiert mich und zwar aus einer fremdsprachlichen Perspektive. Und zwar ist es in Spanien nicht unüblich, dass Schüler ihre Lehrkräfte duzen und beim Vornamen nennen. Ich weiß, dass im Französischunterricht die Schüler den Lehrer mit vous ansprechen und aus meinem Spanischunterricht kenne ich es auch so, dass die Schüler gerne das usted nutzen, sobald sie es mal beherrschen. Etwas seltsam klingt es für mich aber schon und da Spanischunterricht mehr als nur Sprache vermitteln soll, überlege ich immer mal wieder, ob es nicht sinnvoll wäre, da das Du und Vorname als interkulturelle Lernerfahrung mal einzuführen.
Ich bin eine bekennende Du-Meiderin und möchte auch nicht von Lernenden in einer Lerngruppe geduzt werden.
Und jetzt lese ich den Beitrag und kenne die Ausnahme meines Lebens (ich habe ca. 8-9 Jahre gebraucht, meine Schwiegereltern zu duzen, die 6-7 Jahre davor weder Du, noch Sie. Wie gesagt, ich bin Meid-Expertin)
Ich hatte eine (Gebärden)sprach-AG und die Gebärdensprache kennt kein Sie. Da einige Wörter "mitgesprochen" bzw. mit dem Mund mitgebildet werden, ist es aber wichtig, das Richtige zu machen und so war es, dass einige 8.-Klässler*innen mich 5 Jahre lang (bis zum Abi) einmal die Woche mit "Du"/"Dein"-Gebärden und Wörtern angesprochen haben, während ich ihnen erst Monate (Jahr?) nach dem Abitur das Du angeboten habe / es sich so eingeschlichen hat.
Ich halte es also durchaus für eine kulturelle Sache, die man wirklich trennen kann, wenn der Unterricht auch fast einsprachig ist (und es nicht nur darum geht, ab und zu "Rosa, tu" auszusprechen und dann den zweiten Satz auf Deutsch..