Ich bin nicht lange genug im Geschäft bzw. habe nicht genug Überblick über "wer hatte was und wann?", um das sagen zu können.
Und ich bin ja die zweite Sprache, ich sehe also nicht direkt, was die Kids mitbringen. Ich war allerdings schon ein paar Mal in Vertretungsstunden in der 5/1, wo die Schüler*innen Englisch-Aufgaben machten und irgendwie sah es so aus, als ob 2/3 der Klasse noch nie von Konjugation etwas gehört hatten.
Womöglich bin ich eh zu unmodern, mir ist das Primat der Kommunikationskompetenz ein Dorn im Auge, ich bin schon ein Fand von ab und zu grammatikalischer Richtigkeit (ich weiß, old school), aber ich habe mich da gefragt "WAS habt ihr denn in der Grundschule gemacht?".
Mittlerweile habe ich leicht mehr Einblick, Bekannte mit Kids in der Grundschule, Social Media, und mir ist bekannt, dass ganz oft (ich will nicht "immer" schreiben), weder Rechtschreibung, noch Grammatik eine Rolle spielen, die Aussprache auch nicht unbedingt und der Schwerpunkt auf Spass haben liegt.
Jetzt wo ich auch noch tagtäglich mit zukünftigen Englisch-Lehrkräften [die der Meinung sind, ihr Abiturenglisch reiche für Grundschüler*innen sowieso aus und die ganzen Seminare und Auslandspflicht nerven eh nur] arbeite (aber auch weiß, dass mein Blick durch meine Position gebiast ist (das weiß ich!!)), dann denke ich mir "ein bisschen gut gemeint ist sicher nicht gut".
Wenn schon eine Fremdsprache, dann richtig. Natürlich auch spielerisch und altersangemessen. Aber ernsthaft, wir regen uns über Schreiben nach Gehör und solche Methoden, dann soll auch Englischunterricht ein bisschen mehr sein, als Klatschen und Farben lernen. Didaktische Reduktion soll nicht falsche Vorstellungen entstehen lassen. Altersangemessenheit soll nicht bedeuten, dass Sätze ohne Artikel und Konjugation und mit Rechtschreibfehlern aufgrund von "Kommunikation und Verständlichkeit" zu einer guten Note führen. Ist doch klar, dass diese falsche Vorstellung zu Problemen führt.
und wenn ich daneben nicht bereit bin, die Gesamtstunden in der Schule zu erhöhen, die Kompetenzliste weiter erhöhe, die Grundschullehrkräfte mit mehr Diversität und Heterogenität konfrontiere, dann soll ich denen die Chance geben, sich auf die Kern- und Kulturkompetenzen zu konzentrieren, auf die danach aufgebaut werden kann.