Beiträge von chilipaprika

    Der Sprung zwischen Schule und Uni ist riesengroß, auch im LK.

    ... und so ist es in den Geistes-/Sozialwissenschaften eben nicht.
    Ich hatte keins meiner Fächer in der Schule (mit der Ausnahme des "downgrads Muttersprachlicher Literaturunterricht > Fremdsprachenunterricht" und hatte nie Probleme. Nebenbei war ich in Politikkursen mündlich definitiv unter den Aktivsten (also auch mit den richtigen Beiträgen, nicht nur mit sinnlosen Fragen), was einige Dozent*innen als "peinlich für die Deutschen" bezeichnete (was ich widerum peinlich für deren Verständnis ihres Faches, von Offenheit für migrationsbedingtes Zusammenleben ganz zu schweigen).
    Diese Fächer basieren aber viel mehr auf Kompetenzen, Allgemeinwissen und Wille. und ob ich in Soziologie das _Gefühl_ habe, mitzukommen, oder in Physik, das sind Welten. Ob alle Soziologie-Absolvent*innen gute Soziolog*innen sind, ist eine andere Frage, aber die Frustration der Statistikvorlesung habe ich im Studium nur sonst bei Mittelhochdeutsch und französischer Phonetik erlebt (und beide Frustrationen basieren darauf, dass ich "schlecht" höre und deswegen lange Vokale nicht von kurzen unterscheide, die Betonung nicht höre, usw.. also mit einem echten Handicap startete, nichts mit Kognition)

    Ist das so? Glaub ich auch nicht. Ich habe mehr als genug Party gemacht. Ich erzähle meinen SuS gerne die Geschichte von der Multiple-Choice-Klausur "Sicherheit in der Chemie" die ich nach 20 min abgegeben habe um mich mit Restalkohol zu übergeben. Ich hab die bestanden, andere nicht :D

    1) nicht jede*r ist ein Überflieger, ich glaube, wir sind uns einig, dass du über bestimmte Fähigkeiten verfügst, die dir einiges ermöglichen, die die Allgemeinheit nicht hat ;)

    An meiner Uni hatten von allen anerkannt, die Chemiker die besten Partys.

    2) die besten Partys, aber vielleicht nicht unbedingt 3 Tage in der Woche in der Kneipe abends, nachdem der Nachmittag auf der Wiese war. Irgendwann müssen die Laborpraktika gemacht werden (während der Semesterferien, während der Germanist gefühlt um 11 aufsteht und ein bisschen an einer Arbeit rumkritzelt), die Mathezettel gerechnet werden (jede Woche, während die NIcht-NaWis alles bis Ende des Semesters schieben...)

    Es ist vermutlich verallgemeinernd, aber ich habe im Studium viel Hochschulpolitik gemacht und die sehr wenigen NaWis waren in dem aktivsten Jahr raus (aus dem Studium), weil man nicht unbedingt "nebenbei" zwischen Theo1 und Algebra 3 ein Finanzreferat schmeißt. Und da muss ich sagen, es ging bei mir problemlos, mich wellenartig einzustellen.

    Und die zweite Verallgemeinerung ist die Beobachtung eines Familienmitglieds, das 5 Jahre lang nur Chemie studieren wollte, im ersten Semester sich aber nicht genug auf dem Popo gesetzt hat, viel mit "das werde ich nie können" (aber vll gibt es ein Wunder) ausgeharrt hat, immer genervt war, dass Übungszettel gerechnet werden müssen, während andere aus dem Zweitfach (es ist bei Lehramt nunmal sehr bitter) einfach irgendwelche Spiele machten. Und wenn sie doch zu diesen Aktivitäten gegangen ist ("man will ja ein Studileben!"), dann nicht nachgeholt hat und Probleme bekommen hat.
    Aus der Startklique von ca. 8-10 Menschen studieren noch 2 Chemie. Der Rest hat zwischen dem 1. und 3. Semester aufgegeben. Wahlweise nach der ersten vermasselten Klausur, beim ersten Laborpraktikum oder zwischendurch.

    Aus der Beratung sehe ich viele "Fachwechsler*innen" und unglaublich viele Germanisten, Erziehungswissenschaftler oder Anglisten sind "ehemalige" Naturwissenschaftler nach 2 Semestern. Das wird wohl nicht bei Allen an "nur" einer Liebe für das neue Fach liegen.

    Warum sollte das denn interessieren? Ich trage auch Haare auf meinem Kopf, nur sehr wenige haben mich ohne gesehen. Interessieren tut es aber scheinbar auch keinen.

    Also ICH finde es schon seltsam, wenn ein Lehrer durchgehend eine Mütze trägt, und dies auch sogar noch zu einer Zeit, wo man nicht unbedingt sehr locker mit gesellschaftlichen Konventionen umging.
    Aber es war wahrscheinlich der "französische Flair"

    Und das WBK ist NOCH nicht geschlossen.

    Entweder steigen bald die Anmeldezahlen (und die Abschulungen/Abmeldungen sind nicht mehr so zahlreich …. Vgl deine allersten Beiträge) oder es geht weiter mit Abordnungen, Versetzungen und Schließung.

    Fakt ist aber, dass es nichts bringt, den 12. geschichtslehrer zu behalten, den man reinrechnerisch erst wieder bei Verdoppelung der Zahlen braucht.

    Die größte Hürde beim Studium von Mathe, Info und NaWis ist weniger das vielleicht fehlende Wissen, sondern die eigene Frustrationstoleranz, Disziplin und Biss.

    Es sind nunmal harte Studiengänge und man muss es aushalten, dass die Geisteswissenschaftler*innen drum herum mehr Party machen können als eine*r selbst.
    Tja, dafür hat man später mehr Stellen zur Auswahl als mit Deutsch/Geschichte.

    Chili, reine Sprachlerin mit Geistes- /Sozialwissenschaften

    Irgendwie wollte ich den Fass von anderen Religionen aufmachen (Danke für die Ergänzung, Plattenspieler!), aber orthodoxe Jüdinnen decken sich auch das Haar / den Kopf in einigen Situationen. Die baptistischen Mütter haben auch immer eine Kopfbedeckung.
    Es scheint mir eher mit der Beziehung zum jeweiligen Gott zusammenzuhängen.

    Ich sage es mal so: wenn das Vertretungskonzept an deiner Schule daran kränkt, dass ein aktueller Krankenstand dazu führt, dass ihr auf mehr Bereitschaften zurückgreifen müsst und deswegen oft adhoc eine Bereitschaft anordnet, wäre eure Schule/Schulkonferenz gut beraten, die Anzahl an Präsenzen für alle zu verdoppeln. (Ich vermute, dass du nicht die einzige Lehrkraft bist, die immer für diese eine Stunde angefragt wird, es wird viele andere Stunden in der Woche betreffen.

    Ganz genau. Religion darf freie Meinungsäußerungen nicht unterdrücken. Genau das tut sie aber oft, eben durch anachronistische Traditionen, vor allem in der Familie. Dass ein Vater als CDUler im Stadtrat sitzt und möchte, dass Töchterlein das auch mal macht, ist ja wohl kein passender Vergleich.

    Ich habe NICHT davon gesprochen, dass der Vater will, dass Töchterchen in den Stadtrat geht.

    Sondern dass Töchterchen eine überzeugte Christdemokratin ist, aber vielleicht mit 20 merken wird, dass ihre Ideale doch nur sehr von den Familienvorstellungen geprägt waren und sie doch der Sozialdemokratie näher steht (ich gebe zu: mittlerweile alles sehr nah aneinander, der Fehler kann passieren).

    wir können gerne eine soziologische Debatte darüber führen, ob wir nur eine Marionette der Gesellschaft sind und ob wir überhaupt einen freien Willen haben, aber ich will in einer Gesellschaft leben, in der jeder Mensch das Gefühl hat, dass er jederzeit seine Meinung ändern kann.
    Und das geht nicht, wenn ich jungen Frauen immer spiegele, dass ich nicht glaube, dass es deren eigene Meinung ist, ein Kopftuch zu tragen. SELBST, wenn sie mit 18/20 merken, dass sie - wie JEDER Teenager - beeinflusst waren und nur einer familiären Tradition gefolgt sind, haben sie sich nicht zu rechtfertigen.
    Ich frage auch nicht jeden Tag einige Kids sich zu rechtfertigen, warum sie diese absolut viel zu kurze Jeans tragen und dazu keine Socken. Sie werden sich selbst in 10 Jahren dafür schämen und ihre Meinung ändern DÜRFEN, falls sie ihre Meinung ändern. So wie wir über unsere KLeidung der 80er/90er.
    Und natürlich weiß ich, dass das Kopftuch eben mehr ist als ein Kleidungsstück, ich will nicht durch den Vergleich verharmlosen.

    Vielleicht näher auf der ideologischen Ebene: Ich unterstelle nicht jedem Politikerkind Indoktrination. Ich hatte schon Kinder von Lokalpolitiker*innen im Unterricht und wenn sie in 10 Jahren keinen Bock mehr haben, links, grün oder konservativ zu sein, Super. und wenn sie es noch sind, auch super.

    Mein Studienseminar war wirklich unmenschlich auf vielen Ebenen, aber ich konnte Ortswünsche angeben und ohne die Angabe, dass ich ein Auto habe (extra fürs Ref gekauft), hätte ich meinen Wunschort nicht bekommen. 60km, anderthalb Stunden Zug mit Umsteigen, wenn mann 2-3 mal die Woche um 15 Uhr sein muss, schlecht. Diejenigen ohne Auto oder Führerschein waren am Seminarort, oder auf der direkten Verbindung, die eh eine starke Fahrgemeinschaft hatte, weil mehrere Schulen am Standort.
    Darauf wurde schon geachtet (und aus Kostengründen wurde eh gebeten, Fahrgemeinschaften zu bilden)

    Das Ref ist aber etwas Anderes als die Planstelle. Ich bin bewusst an den Schulort gezogen, damit ich sowohl kurze Wege zur Schule habe als auch nicht unter dem sehr diskontinuierlichen Alltag (Konferenzen, AGs, Veranstaltungen im Abendbereich oder Nachmittag, an denen ich doch teilnehmen WILL) leide.

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