Beiträge von chilipaprika

    ja, wahrscheinlich ist mein Gedanke falschrum.
    DIEJENIGEN, die sich am lautesten echauffieren, sind welche, die nur einmal im Jahr die Religion für ihre Weihnachtsgeschenke und -stimmung "missbrauchen" bzw. "nutzen".
    Aber zum Glück (!!!) sind die allermeisten dieser Menschen (die wohl auch die allermeisten aller Christen in Deutschland bilden sollten) nicht so darauf.
    Sorry, ich hätte den Faden richtig rum spulen sollen, bevor ich ihn hierhin schreibe.

    Da stimme ich dir zu. Ich kenne eine ganze Reihe von Leuten, die das ganze Jahr über nicht in die Kirche gehen, sondern nur am Heiligabend.

    und leider sind es oft diejenigen, die sich am stärksten / lautesten gegen den Verfall der "christlichen" Werte oder "Islamisierung" unseres Alltags aufregen.
    Meine katholische, fromme Oma, die jeden Sonntag in die Kirche ging (oder am Ende den Gottesdienst im Fernsehen zuschaute), vor jedem Essen betete, usw.. hatte mehr (christliche) Nächstenliebe als diese Menschen.

    Eben. Es sind nicht alle mit "Migrationshintergrund" Muslime oder Nicht-Christen, deswegen

    Ich erfrage nicht die Konfessionen meiner Schüler (m/w/d), da dies für meine Unterrichtsfächer keine Rolle spielt, aber mir haben schon einige Schüler (m/w/d) mit migrantischen Wurzeln von Weihachtsgeschenken, die sie für ihre Liebsten gekauft/gebastelt haben, oder ihren Lieblingsweihnachtssongs erzählt.

    ergibt so ein Denken keinen Sinn.
    Wow, der türkischstämmige Christ oder der Katholik aus Spanien bastelt Weihnachtsgeschenke oder hat einen Lieblingsweihnachtssong....
    Das ist stark verkürzt...

    Ich erfrage nicht die Konfessionen meiner Schüler (m/w/d), da dies für meine Unterrichtsfächer keine Rolle spielt, aber mir haben schon einige Schüler (m/w/d) mit migrantischen Wurzeln von Weihachtsgeschenken, die sie für ihre Liebsten gekauft/gebastelt haben, oder ihren Lieblingsweihnachtssongs erzählt. Ob sie jetzt Würstchen mit Kartoffelsalat zu Weihnachten essen, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht ja deren Kinder irgendwann mal...

    Genau aus dem (Fremdsprachen-)Unterricht habe ich doch alle Infos zu allen möglichen Weihnachtsessen meiner Schüler*innen. Wo kann man sich sonst immer über Traditionen und Vergleiche unterhalten.
    (Auch darüber WER vorbeikommt und Geschenke bringt, denn nein, es gibt keine Übersetzung für das Christkind und ich habe locker 20 Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass dieses Wesen nicht Jesus und auch nicht Gott ist, sondern halt was Anderes).
    und unter meinen muslimischen Kindern (finde ich im Übrigen begrifflich viel besser, als "migrantisch", just saying) kenne ich beide Haltungen: Nichts damit zu tun und auch als Teil der Erziehung "wir feiern andere Feste, jeder Familie ihre Religion und Tradition" oder "Ach, wir mischen eh alles ein bisschen, auch wenn eine andere Religion die Überhand hat".
    Und wenn man sich hier ein paar Threads durchliest, die Mehrheit der "Christen" feiert Weihnachten doch nicht aus religiösen Gründen. Selbst der Kirchgang wird für Viele mehr Tradition sein als glaubensgeleitet.

    Meine SuS müssen bis zum 13. Januar ein Drama von Dürrenmatt lesen.
    Ich bin sicher, sie werden sich auch bei ihren Großeltern beschweren, wie schlimm die Deutschlehrerin ist.
    Wann hast du denn die Deutschlektüren zum Lesen aufgegeben? Lieber parallel zum Unterricht und zur Klausurenphase?

    (Vll zum Hintergrund: Ich gehe zur Zeit immer sehr früh ins Bett, 20 Uhr ist bei weitem nicht besonders).
    Ich war von 3 Tagen Besuch (am 24. abgereist) sehr müde UND: wir haben eben NICHT gefeiert. Es war ein ganz normaler Tag.
    ein Mini-Weihnachtsgefühl war ein paar Tage davor (wegen Terminen, mit meiner Schwester), aber es kam kein Gott, kein Christkind, keine religiöse Stimmung und es wäre doch sinnlos (verlogen?), einfach etwas zu feiern... warum?
    Mir ist meine Erholung wichtig und "aus Prinzip" ganz spät ins Bett gehen, mit der selben Person, mit der ich alle Tage verbringe, und danach total aus dem Rhythmus zu sein... nee.
    Dafür war ich am 25. beim Sonnenaufgang (gut, ist echt keine Kunst, ich hatte schon zwei Stunden korrigiert :D ) am Strand.
    Alter macht gelassener.
    oder eher die Einsicht, dass Rituale schön sind, wenn man dahinter steht. Wenn nicht, machen sie unglücklich(er).

    Das ist vermutlich das größte Problem im Thread, es wird absichtlich oder versehentlich Aussagen geändert, um einen Shitstorm auszulösen?

    Geh doch von "versehentlich" aus.
    Die ganzen traurigen Aussagen könnten so was von meinem früheren Ich sein. Meine ersten (vielen) Jahre in Deutschland fand ich alle Infos zum Kartoffelsalat zu Weihnachten soooo schlimm und traurig.
    Ehrlich, ich "feiere" (erdulde, überlebe) die 26. deutsche Weihnachtszeit dieses Jahr und höre ZUM ERSTEN MAL davon, dass es sich um einen BESONDEREN Kartoffelsalat handeln kann.
    Mit meinem Hintergrund und der Tatsache, dass wir immer am 24. gefeiert haben, fand ich es (sorry für das Wort) traurig. Eine Mahlzeit, die nicht über zwei Stunden dauert, konnte keine Weihnachtsmahlzeit sein.
    Ich brauchte Zeit, um das zu verstehen und da wo man bei mir sagen kann "gut, du bist hier nicht aufgewachsen, du kannst es nicht wissen"... Woher sollen aber Menschen aus anderen Regionen wissen, was ein typisches Gericht woanders ist und dass "Kartoffelsalat" nicht der schnelle Salat mit Kartoffelwürfeln und Mayo ist?

    Mittlerweile ist mir alles egal, ich weiß gar nicht mal mehr, was ich am 24. Abends hatte, ich war um 20 Uhr im Bett. "Weihnachten" habe ich am 21. gefeiert, eine kleine Raclette (hätte ich früher auch traurig gefunden, es gab nichts dazu) mit meiner Schwester und Neffe (und Eheprinzen), die Tage darauf gab es Resteverwertung in Salaten und auf Baguettes. Ich wollte ein Couscous am 24. essen (aus Prinzip) (aus der Fertiggerichte-Abteilung), den gab es noch nicht, das werden wir wohl die Tage nachholen.
    Weihnachten ist mir eben nicht wichtig, ich habe aufgehört, dem vermeintlichen Familienbild nachzueifern. Ich freue mich aber WIRKLICH über alle, die es noch erleben. Ob mit Raclette, vielen Schnittchen und Nachtischen oder Pasta mit Pesto (hatte mein Neffe :D ).

    Quittengelee Was ist die Quote an muslimischen Schüler*innen in deiner Schule und wo erhalten sie ihre religiöse Bildung?
    Ich nehme mal an (an deiner "Verlorenheit"), dass ihr keinen muslimischen Kollegen in der Schule habt gar IR als Fach?
    Wir haben seit mehreren Jahren (und mit großem Erfolg) ein interkulturelles Fastenbrechen in meiner Schule. Angefangen hat es mit einer IR-Kollegin, das Fach konnte also nicht durchgängig angeboten werden. Wir haben mittlerweile einen übervollen oder zwei IR-Kurse pro Stufe, die selbst noch größer sind als der KR oder ER-Kurs. Ein PP-Kurs rundet das Ganze ab.
    Schulgottesdienste (Beginn, Weihnachten, Ende des Jahres) finden in der Unterrichtszeit (1. oder 2. Stunde) und sind freiwillig (dahin gehen oder im Klassenraum bleiben), es ist immer ein KR- oder ER-Kurs für die Gestaltung zuständig. Das Fastenbrechen ist an einem Abend und auch da ist ein Kurs für die KuK unterstützend. Ein Imam kommt, aber auch ein Pastor und ein Priester kommen und sprechen ein paar Worte. Ich freue mich jedes Jahr darauf und war immer dabei, außer einmal, da war ich leider krank. Und tatsächlich faste ich an dem Tag. Entweder vollständig oder mit begrenzter Flüssigkeitszufuhr (wer mich kennt, weiß, dass auch das sehr schwer ist), am Anfang habe ich nur das Essen gefastet. Da wir jetzt immer kürzere Tage haben, habe ich auch schon mal versucht, 2-3 Tage davor mit sehr reduzierter Einnahme anzufangen. NICHT als kulturelle Aneignung und Spleen, sondern weil ich es ganz interessant empfinde, die Erfahrung zu machen, die meine 12-18jährigen mehrere Wochen lang machen.
    Aber: weder den SuS blind vertrauen, was sie erzählen ("ich muss sitzen und kann nicht bei der Begrüßung stehen, Ramadan") noch essentialisieren (NICHT, dass ich glaube, dass du es machen würdest), eine halbwegs sachlich-wissenschaftliche Begleitung ist wichtig.
    Falls ihr keine Kontakte habt, aber eine andere Schule der Stadt es anbietet, wäre es vielleicht nett, sich da zu vernetzen, und im Tausch etwas anderes anzubieten. (interkulturelle, interreligiöse, interschulische) Kooperationen sind immer sinnvoll.

    Ganz kurz, weil ich eigentlich pausieren wollte und ausgerechnet, wenn ich reingucke, deine Frage sehe:
    Auslandspraktikum mit Erasmus+ – Nationale Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit - DAAD

    Du machst ein Schulpraktikum in Irland, so lange du kannst (Google "Schulpraktikum Irland Lehramt", du wirst ganz sicher etwas finden, sonst schreibst du mir ggf.).
    Die monatliche (!) Förderung von Erasmus plus in Irland liegt bei 750 Euro. Maximal 12 Monate Förderung im Bachelor (auch gerne mehrere Aufenthalte, Studium und Praktikum, etc..), 12 Monate im Master, 12 Monate in der Promotion.
    Als Erstakademiker bekommst du einen Top-up von 250 Euro im Monat.

    Mit 1000 Euro im Monat wirst du garantiert deinen Auslandsaufenthalt machen können, ggf. sogar besser als in Deutschland. (Minijob dürfte weiterhin auch laufen, falls du remote abends arbeitest, oder Stunden abbaust..)

    Es ist auch größtenteils mit dem Bafög kombinierbar, nur jeweils Teile werden angerechnet.

    Bafög: Hast du schon den Rechner für Studis bemüht oder gehst du von deiner aktuellen Situation aus? Es ist nämlich eine andere Berechnungsgrundlage, die Wohnzuschüsse sind glaube ich wesentlich höher, so dass mehr dabei rumkommt (weil deine Eltern dadurch andere Grenzen haben).

    Zumal es viele dieser kostenlosen Angebote in vielen Orten schon gibt. Aber auch für das kostenlose Mittagessen muss man z.B. in Berlin sein Kind anmelden und daran scheitert es schon seit Jahren bei einigen.

    Ja, das ist das Problem der Pfadabhängigkeit bei vielen politischen Maßnahmen oder Feldern.
    Keiner traut sich, was zu ändern, ergänzt aber mit Maßnahmen, die nicht zusammenpassen.

    Geld geben (Kindergeld), Mutter/Vater zuhause steuerlich fördern (Ehegattensplitting und zum Teil LSK), und dann kostenlose Angebote (Mittagessen, Lehrmittelfreiheit, Freizeitangebote aber auch kostenlose Mitversicherung in der GKV, usw..) sind Bausteine verschiedener Denkmodelle.
    Sich Angebote skandinavischer Länder wünschen, aber nicht bereit sein, deren Steuersystem zu übernehmen, das kann langfristig nicht klappen. Schon kurzfristig nicht.

    Damit bestätigst du doch aber genau das: man lernt "milieunah" Leute kennen. Als Lehrer halt andere Lehrer im Studium oder Bekannte mit ähnlichem Bildungs- und Interessenshintergrund. Die Wahrscheinlichkeit, auf spätere Topmanager zu treffen ist doch viel geringer, weil das ein Kreis von Leuten ist, die schon vor dem Studium bei der Jungen Union aktiv sind, statt auf Vernissagen brotloser Künstler rumzuhängen und dort arbeitslose Philosophen kennenzulernen.

    Jein...
    Weil jemand, der bewusst / unbewusst aufsteigen will, seine Kriterien anpasst.
    NICHT mit einer Kriterienliste, um Gottes Willen. Das Ganze läuft doch in den seltensten Fällen BEWUSST. Aber man fühlt sich irgendwo gut / besser. Und die Studienzeit ist ja nicht nur das Fach.

    NIEMALS im Leben hätte ich gedacht, ich ende mit einem BWLer zusammen. Gut, mein Mann kommt von der FH. pfiuuu...
    Aber auch wenn gute Gespräche NICHT am Hochschulabschluss hängen, habe ich - aus vorherigen schlechten Erfahrungen heraus - bei meiner Dating-App tatsächlich "Hochschulabschluss" angeklickt. Nicht wegen des Geldes. Nicht wegen des Status. Vielleicht unterbewusst, weil ich keinen Bock mehr auf Leute hatten, die etwas anfangen und die Weltrevolution machten, aber hängen blieben und ihr Studium im 30. Semester abbrachen.
    Dass ich mit meinem Mann nicht über Gott und die Welt in der Art und Weise sprechen kann, wie ich es vorher in meinen Kreisen machen konnte, ist nach mehr als einem Jahrzehnt noch schmerzhaft, aber auf arbeitslose Soziologen und Philosophen, die mit Ü40 von einem Mini- oder Midijob leben, hatte ich keine Lust. (und meine Ansprüche waren nicht hoch, ich lebte von einer halben Vertretungsstelle sehr glücklich).
    Dann habe ich vielleicht den "Aufstieg" gesucht und bildungsbiografisch gesehen IST eine Ehe mit einem Akademiker (FH :D ) ein krasser Aufstieg für meine Familie, da hätte ein Abitur für den Aufstieg gereicht. Finanziell sowieso aber ich alleine in TV13 70% habe mehr als meine beiden Eltern zusammen verdient. Da brauchte ich also nichts.

    So geoutet, faule Lehrerin mit Aufstiegsambitionen.

    und wenn ich schon an Unipartys denke: Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der "fachfremden" Besucher*innen auf Jura- oder BWL-Partys auf die beste Stimmung zurückzuführen ist. (Keine Ahnung, Unipartys waren nie was für mich, aber der beste Ruf war bei anderen Fachschaften. Trotzdem zogen Jura und BWL (oft zusammen sogar) richtig gut, insbesondere bei Frauen.)

    Oder gehen Geographie- und Grundschullehrerinnen auf LAN-Partys, um gezielt nach potentiell später gut verdienenden Informatikern zu suchen?

    Ich höre gerade einen Podcast (Alles gesagt von der Zeit, immer zu empfehlen), wo Christiane Nüsslein-Vollhard (Nobelpreisträgerin in Medizin) von ihrer Studienzeit erzählt hat, wo die Physiker (400 Studis, 3 Frauen) ihre Partys mit den XX (Ökotrophologen? Landschaftsökologen?) machen mussten, damit es mindestens ein paar Frauen gibt. Es ist natürlich sehr lange her, aber auch in meiner Studienzeit waren Doppelfeten nicht nur aus finanziellen Gründen...

    Hmm nein. Wir haben auch nur sehr sehr selten gleiche Interessen. Gemeinsam haben wir, dass wir so ziemlich alles zusammen machen können, wir können gut streiten ohne nachtragend zu sein. Keiner muss sich verstellen. Wir vertrauen uns eben ohne Bedingungen. Da brauche ich keine gemeinsamen Hobbies oder Interessen. Das kann ich auch mit Freunden machen.

    Ich kann das nachvollziehen, was du meinst, es ist seltsamerweise bei meinem Mann und mir auch so.
    Trotzdem wurden wir nicht von einer höheren Macht gematcht, sondern haben eben IRGENDETWAS gehabt, was uns zusammengeführt hat. Und es ist über das biologische Geruch-Ding hinaus (sowieso), weil es eben hält.
    Und dieses Unbegreifbare ist eben eine Mischung aus Werten, Kultur, Milieu.
    Das schließt nicht aus, dass Menschen sich über Werte, Kulturen oder Milieus kennenlernen, aber eben weil beide da eine gewisse Offenheit haben.

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