Hallo zusammen,
vorweg ist anzumerken, dass meine Umstände sehr kompliziert sind und mich mittlerweile psychisch belasten. Ich brach im Herbst letzten Jahres meine Ausbildung ab, da ich sehr unglücklich mit meiner Entscheidung war. Ich wollte seit meinem Abschluss eigentlich immer etwas im künstlerischen Genre studieren, konnte meine Eltern aber nicht davon überzeugen mich freie Kunst studieren zu lassen. Mein Arbeitsalltag hat mich ausgelaugt und ich fand keine Zeit mehr für mein Hobby. Das hat mich unglaublich unglücklich gemacht.
Was war das denn für eine Ausbildung und wie weit warst du denn?
ZitatWieso studiere ich nicht auf Lehramt?
Ich habe mich letztes Jahr auf gut Glück eingeschrieben, wurde jedoch abgelehnt. Ich suchte also erneut nach einer Ausbildung, ohne Erfolg. Nichts sprach mich an. Nun sitze ich wieder hier - ein Jahr später - erneut mit dem Gedanken spielend, auf Lehramt zu studieren. In den Sinn kommt mir zuerst Kunst, einfach weil Kunst mein Leben ist und ich es mir nicht vorstellen kann, einen Beruf ohne Kunst auszuüben.
Gibt es überhaupt Unis, an denen man sich "einschreibt"? Du musst dich doch bewerben und eine Mappe einreichen. Was hast du denn seit letztem Herbst gemacht? Hattest du für diesen Herbst eine Mappe eingereicht?
ZitatWas das Fach Deutsch betrifft... Es ist das einzige Zweitfach, das ich mir interessant vorstelle.
1) in welchem Bundesland möchtest du studieren und später arbeiten?
2) Bei Lehramt an Gymnasien kann man auch oft Kunst als sogenanntes Großfach studieren und hat somit kein zweites Fach. Viele Kunstlehrer*innen unterrichten eh kaum ihr Zweitfach, ich würde trotzdem immer empfehlen, eins zu haben.
Zum Deutschlehrerleben:
spannend und vielfältig, selten langweilig. Aber ehrlich gesagt glaube ich, dass dies auf alle Fächer zutreffen kann. Ich habe mein Deutschstudium geliebt und jeden einzelnen Bereich ausgiebig erkundet (neuere und ältere Literaturwissenschaft, ältere Sprachstufen und Linguistik, neuere Linguistik). Meiner Meinung braucht man auch diese große Basis, auch wenn man in der Schule anscheinend nur die neuere Literatur bräuchte. von den unteren Stufen bis zum Abitur ist es wichtig, dass man die Mechanismen hinter der Sprache verstanden hat, um alles unterrichten zu können.
Die Arbeitsbelastung ist was die Korrektur angeht so hoch wie in kaum einen anderen Fach, weil die meisten Schüler*innen sehr viel auf Deutsch schreiben können (und leider dies auch tun, auch wenn es absoluter Quatsch ist, was sie schreiben). Je nach Bundesland relativiert sich die empfundene Korrekturbelastung (schreibt man auch in den "Nebenfächern" Arbeiten? zb).
Je nach Bundesland und / oder eigenem Anspruch kannst du sehr viele unterschiedliche Unterrichtsreihen haben (es wird zum Beispiel das Thema "Stadtlyrik" oder "Wissenschaftlerdrama" vorgegeben, du kannst dich austoben und immer wieder neue Sachen suchen), du hast in dem Fach wie in kaum einen anderen die Möglichkeit (und die Verantwortung, aber nicht alleinige!), die Basis für die anderen Fächer zu legen. Sachtextverständnis, Texte auseinandernehmen und den tiefen Sinn verstehen, Wirkung von Sprache / Wörtern ... das ist zuallererst eine erste Erkenntnis im Deutschunterricht, die die Basis für alle Sachfächer bildet..
ZitatNun kommen wir zu meinem größten Anliegen, über welches ich mich selten traue zu sprechen:
Freizeit
Aus allen Richtungen höre ich oft, man solle sich einen Beruf suchen in welchem man eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit einhalten kann. Es ist wahrscheinlich schwer dies zu beantworten, aber wie sähe denn mein Wochenplan als Lehrerin in den beiden Fächern (KU, DE) aus? Mir ist die Malerei sehr wichtig und es würde mich nur endlos unglücklich machen, mich auf einen Beruf festzulegen, dafür studieren zu gehen und am Ende wieder keine Zeit für meine Leidenschaft zu haben. Dies war ja der ausschlaggebende Punkt, wieso ich es in meiner Ausbildung nicht ausgehalten habe.
und da komme ich zu meiner ersten Frage oben:
ein Job ist ein Job. Natürlich soll es dir gefallen, und dir Möglichkeiten geben, dich zu entfalten, aber man muss auch mal erwachsen werden und wissen, dass man bestimmte Sachen aushalten muss. Es steht für mich im Widerspruch, wenn du ernsthaft glaubst, dass die Arbeitsbelastung von Lehrkräften nah an den 50 Stunden pro Woche steht und du den BEruf machen willst. Ja, die 50 STunden hatte ich sicher im ersten Schuljahr. Danach weniger und obwohl ich ca. 10 Jahre im Geschäft bin, habe ich definitiv meine 41-Stunden-WOche gehabt. Im Schnitt. Ich bin jemand, der sehr diskontinuierlich arbeitet und auch in den Ferien sehr viel vorarbeitet oder verschiebt (Korrekturen). Es hängt auch nicht nur vom Stundenplan (den dir wirklich wirklich keiner sagen kann!!) ab, sondern auch vom Bedarf deiner Schule. Vielleicht unterrichtest du dieses Jahr 20 Stunden dein Zweitfach? Vielleicht hast du jede einzelne Klassenstufe in Kunst einmal und musst unglaublich viel abwechselnd vorbereiten? oder vielleicht hast du "Glück", unterrichtest ab dem 2. Jahr nur noch Kunst, bist in einem Bundesland ohne Arbeiten im Nebenfach und bist fast nur noch in der Sek1? Dann hast du ein schönes Leben und ganz viel Zeit für dein Hobby.
oder vielleicht ist dir dein Hobby wichtiger und du nimmst also einen "Geldverlust" in Kauf und gehst in Teilzeit?
So oder so: bis dahin musst du schon mindestens 5 Jahre in Vollzeit studieren, dann ebenfalls in Vollzeit ein Referendariat ableisten. Ob du währenddessen der Malerei in dem Umfang nachgehen kannst, der dir wichtig ist, gute Frage. Kannst du es so lange aushalten, um später die Zeit zu haben?
Arbeite erstmals an deiner Mappe und an deiner Bewerbung.