Beiträge von chilipaprika

    All das muss aber nicht zwanghaft in der Schule passieren. Dafür gibts zig andere soziale Kontexte, in denen sich Jugendliche bewegen und ausprobieren können - tun sie in anderen Ländern ja auch, oder würdest du deren Entwicklung aufgrund der schulischen Kleidungsrestriktionen pauschal als gestört bezeichnen?

    Nein, natürlich muss es nicht in der Schule passieren, und nein, die Entwicklung der Kids in Ländern mit Schuluniform ist nicht pauschal gestört, aber..
    Hier erinnern wir uns alle an die verschiedenen Funktionen von Schule (Fend) und Schule ist halt ein Sozialisationsfeld.

    (und da ist eben der schwierige Spagat der Erziehung in der Jugendphase: Jugendlichen das Ausprobieren lassen und gleichzeitig die gesellschaftlichen Regeln einführen.
    Also: Ja, ich will, dass die Jugendlichen die Möglichkeit haben, sich auszuprobieren, die Regeln zu missachten, und ich muss dann gucken, wie ich damit umgehe. Und wer glaubt, dass in Ländern mit Uniform nicht genau das an anderer Stelle passiert (Rock 1 cm höher, dunkelblaue Socken statt schwarze, getönte Haarsträhne, die man versucht zu verstecken, usw..), ist naiv.
    Das ist der Spagat, in welchem sich Individuen entwickeln. Die allerwenigsten Menschen kleiden sich als Erwachsene noch wie in der Jugend und die meisten von uns blicken sicher nicht mit großem Stolz auf die Jugendgarderobe (inklusive Stil und so). (und ich sage es als eine, die ihre Kleidung erst nach ihrem Auszug selbst kaufen durfte und davor in einem durchaus seltsamen Rahmen lebte. MEINE Rebellion war, dass ich in der Schule meine Haare offen trug, was meine Mutter sonst nie erlaubt hätte (man bekommt davon schlechte Noten. Was ich widerlegt habe :D )
    Und zur kommenden Nachfrage: Ja, ich HABE eine gestörte Entwicklung hinter mir, weil ich mich eben als Jugendliche nie ausprobieren konnte.

    Ich habe gerade "Kanak Kids" (Anna Dimitrova, 2024) angefangen, habe aber sonst "Tayo bleibt" (Irene Margil, Andreas Schlüter, 2016) auf dem Schreibtisch.
    Bei Kanak Kids geht es um den Spagat zwischen zwei Kulturen, 2. Generation, bei Tayo bleibt um einen aus Nigeria angekommenen Jugendlichen.
    Aus der Stadtbibliothek habe ich noch weitere fotografiert, ich hoffe, mein Lesesommer wird erfolgreich.
    Mal sehen, was sich als "überpädagogisiert" und was nicht ergibt, ich fand auf jeden Fall, dass viele Jugendbücher auf dem Regal "Erzählungen" echt spannend klangen (also auch mit Themen von Jugendlichen wie Mobbing, Mentalen Problemen, usw..)
    Ich ergänze gerne hier die Liste, wenn ich mehr lese und gerne hier auch ergänzen, wenn ihr euch an eure Jugendliteratur erinnert (nicht, dass ihr alt seid, natürlich ;) ).

    Ich strebe zwar eine "Zweitverwertung" in meinem Deutschunterricht ("Wer bin ich? Identität in literarischen Texten, in der Sprache und in sozialen Medien") an, aber grundsätzlich suche ich nach dem Potenzial einer literatursoziologischen Analyse von Machtverhältnissen in Kontext von Migration (grob), aber halt nicht nur heute sondern auch älter. Ich habe jetzt Reich-Ranicki und Elias Canetti (wenn auch nicht deutsch, ich fand es nebenbei interessant).
    Deswegen fände ich es aber auch spannend, "deutsche" Sichtweisen zu lesen.
    Und hinter diesem Überbau: Ich fange wieder an, mehr zu lesen, habe gerade einiges an interessanter Jugendliteratur entdeckt und das tut meinem Kopf gut.

    Also ein Dreifachprojekt, erstmal der Spass und die Gehirnaktivität. (Okay, ist dasselbe.)

    Oder, unpopuläre Meinung, wir verstehen Schule als Ort, an dem sich die Jugendlichen entwickeln und auch ausprobieren können, und zwar einerseits im direkten Kontakt mit ihren Peers und mit Erwachsenen, andererseits aber auch geborgen durch den "Schutzraum Schule", wo ein fashion fail vielleicht nicht die gleichen Konsequenzen hat wie im richtigen Leben.
    Und vielleicht, nur so als Idee, finden dann Schülerinnen und Schüler zu einem Stil, in dem sie sich wohl fühlen und der Ausdruck ihrer eigenen Persönlichkeit ist, statt diesen Prozess durch solche Vorgaben zu ersticken und in ungeschütztere Bereiche zu verlagern.

    Danke!
    Ich verweise da auf die Modelle der Entwicklung in der Phase Jugend (Hurrelmann, Bauer/Hurrelmann) und es ist genau das: es gibt auch in der Jugendphase dieses Moratorium, die Möglichkeit, sich ohne zu viele Konsequenzen auszuprobieren.
    Aber auch zur Jugend gehört das Austesten von Beziehungen, das "Provozieren" von anderen Kulturen und das Losbinden von Beziehungen (durch den eigenen Ausdruck). Mein letzter Pädakurs (in welchem das Thema war) sowie meine letzten Oberstufenkurse mit realer Beziehungsarbeit sind prä-Corona, aber da fand ich zum Teil die Entwicklung zur Angepasstheit und "meine Mama ist die beste Freundin" ein bisschen bedenklich. Ich finde jeden Jugendlichen, der ein bisschen rebelliert, gut und meiner Meinung nach gesünder. (Natürlich ist es okay, wenn man sich mit seinen Eltern und den Erwachsenen gut versteht)

    Ich freue mich sehr darauf, mich heute doch noch von meiner 4. Klasse verabschieden zu können. Aufgrund meiner Krankmeldung bis zum 11. wurde mir untersagt die Schule zu betreten (wegen Verletzungsgefahr und dem fehlenden Versicherungsschutz) , so dass ich am Klassenfest gestern leider auch nicht als Gast teilnehmen durfte.

    Dir einen schönen Abschied heute. Es tut mir leid, dass an deiner Schule so umgegangen wird. Ich war in den letzten 2 Wochen auf zwei "Schulveranstaltungen" (Abiturentlassung und Schulaufführung), trotz Krankenstand und bin sehr froh, dass das kein Thema war.
    Ich hoffe, die Eltern zeigen alle ihre Versicherungspolicen beim Eingang des Klassenfests :(

    Ich finde die Fragestellung wirklich spannend, weil so schwierig (für mich) zu beantworten.
    Ich finde den Spagat echt schwer und bin froh, mir dazu in der Kindererziehung keine Gedanken machen zu müssen/dürfen.

    Ich fände es ein bisschen strange, aber objektiv okay, wenn mir jemand, der mich ein bisschen kennt, zur Seite nimmt und sagt "Chili, dein Schal passt nicht zum Rest, mir ist aufgefallen, du scheinst Probleme mit Farbkombination zu haben" aber nicht, wenn man mir sagt "Warum trägst du einen Schal, versteckst du dich?". Die Frage darf jemand meinetwegen stellen, der mir sehr nah steht, oder den ich dafür bezahle, um mein Gehirn zu analysiere.
    (Analog zum Ausschnitt würde ich es genauso eingrenzen).

    Oder ist "Lob" hier wieder mal okay aber "Tadel" muss man für sich behalten?

    Naja, grundsätzlich kann man sich auch fragen, ob es nicht generell netter ist, nette Sachen zu äußern, statt negative. Also, was das Ziel von einer geäußerten Kritik sein soll.


    Was meine in den Raum geworfene Frage weiter oben wiederum stützen würde: wenn man Ausschnitt und Schal nicht kritisieren soll, weil es einen nichts angeht, sollte man sich ebenfalls ein "ach was für ein schöner Schal!" oder "dieser Ausschnitt Schal steht dir aber gut" abgewöhnen. Selbst wenn man den Schal wirklich total schön findet oder denkt, dass er dem anderen ausgezeichnet steht, zeigt es doch, dass man sich mit dem Aussehen anderer beschäftigt, obwohl es einen nichts angeht.


    Da bleibe ich ebenfalls wie oben: Aussehen ist nicht gleich Aussehen.
    Und zu sagen "ich mag deinen Schal", "Diese Bluse steht dir gut", "Die Farbe passt zu deinen Augen" ist für mich was Anderes als die Reduktion zum rein körperlichen Aussehen.
    Und wie so oft hängt es auch von der Person, dem Kontext und der Beziehung ab.
    Jemand musste / hätte dem Praktikanten sagen müssen, dass man sich nicht so kleidet (halb geschnittenes Shirt mit Ausschnitt bis zum Bauchnabel), allgemein darauf hinzuweisen, bei der Kleidungswahl zu bedenken, in welchen Positionen man regelmäßig ist (gebückt am Tisch zum Beispiel), ...

    Wenn du mit deiner Schule abklärst, dass sie dich weiterhin auf der Lehrkräfteliste (als "Null-Stelle") führen und sie damit einverstanden sind, dass du zurückkehrst, dann ist es kein Problem.
    (Das Restrisiko ist dasselbe wie für jede Lehrkraft: Überbesetzung und schulformgleiche oder schulformfremde Abordnung)

    Warum fühlt man sich so wohl? Man sieht seinen Ausschnitt nicht, natürlich hat es was mit sexy-sein-wollen zu tun.

    Ich werde nicht sagen, dass ich glaube, dass es möglich sei, sich komplett von Anderen loszulösen, trotzdem finde ich die Aussage problematisch.
    Ich habe noch nie einen tiefen Ausschnitt getragen, ich mag es nicht, aber zum Teil eben auch, weil es IMMER zu bescheuerten Anmerkungen führt. Und wisst ihr was: wenn man keinen trägt auch.
    Ich habe keine große Oberweite, trage 90% der Zeit einen Schal und auch das wird in Frage gestellt, warum ich mich hüllen würde, ich müsse mich nicht verstecken (also freizügig wäre kritisierbar, ohne auch.).
    Ich habe genug Jahre meines Lebens mit weiter Oberweite verbracht: dasselbe: Warum ich denn dies und das nicht tragen würde, wäre doch attraktiver.

    Beide Arten der Anmerkungen sowohl von Frauen als auch Männern.
    Ich trage, was mir gefällt und wie ich mich wohl fühle.

    Manchmal habe ich Phasen, in denen ich Röcke - ziemlich kurze - gerne trage. Immer mit Wollstrumpfhose.
    Meine damalige Klasse hatte "herausgefunden", dass ich, wenn ich einen Rock trug, total gut gelaunt sei. Habe ich interessant gefunden, beobachtet und dann für mich manchmal umgekehrt gemacht: Rock anziehen, es steigert die gute Laune.

    Zu unterstellen, jemand möchte angeguckt, angesprochen, angegrabscht, oder mehr .. werden, ist einfach unmöglich.
    Und wie hier gesagt wurde: wenn ich sicher sein will, dass eine stehende Person nichts von meinem sitzenden Körper registrieren kann, dann bin ich schnell bei radikalen Geboten der Ganzkörperverhüllung und des Kartoffelsacks.

    ich will wieder gegen die Beihilfe meckern.
    Mir wurde eine Behandlung genehmigt, aber jetzt doch (noch) nicht bezahlt.
    Begründung: Ich muss selbst den Nachweis der Kosten einbringen. Also: Fast als müsste ich die GOÄ einreichen, damit mir Kosten übernommen werden.
    Es sei nicht deren Aufgabe, nachzugucken, was die normalen Kosten seien, welche die GKVen tragen. Sie wissen nur: sie tragen maximal diese Kosten (also die Hälfte) und ich muss nachweisen, dass meine Behandlungskosten in diesem Rahmen sind.
    Jetzt habe ich es eingereicht, aber wenn man davon ausgeht, dass das zusätzlicher Stress ist, kann ich nur den Kopf schütteln. Und meinem Prinzen danken. Ohne ihn würde ich in Verzweiflung versinken und hätte schon einige Sachen direkt abgebrochen, wegen des Papierkrams.

    Herzlichen Glückwunsch!
    Du hast es entdeckt! Du lebst eigentlich in einem großen Paralleluniversum, schaue nach oben, die große Glaskugel und die Kameras, du bist Teil eines Experiments namens Beamtentum, du darfst ruhig weniger denken!

    (Sorry für den Sarkasmus, ich projiziere auf dich, ich werde selbst wahnsinnig, wenn die Sachen unsauber sind.)

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