Zum Glück sind die Zeiten vorbei und in fast allen (oder sogar allen?) Bundesländern ist es verpflichtend, zumindest Grundkurse in Mathematik und Mathedidaktik zu belegen. Keiner der auch nur ein bisschen Ahnung hat, möchte das in der Grundschule und weiterführenden Schule jemand fachfremd Mathematik unterrichtet. Das ist in 99 % der Fälle nur Mist! Ich habe ein meiner Schule auch so Exemplare rumlaufen, die es damals nicht studieren mussten. Der Unterricht ist auch dementsprechend schlecht. Dafür können die Kolleginnen nichts, die Ausbildungssituation war halt damals so. Wir müssen aber durch viele Förderstunden die ganzen Strukturfehler wieder auffangen, wenn wir die Kinder nicht verlieren wollen.
Prinzipiell stimme ich dir zu. Dennoch ein paar Punkte dazu:
1. Ich habe im nicht gewählten Fach auch ein paar Lehrveranstaltungen (ohne Prüfung) belegen müssen. Dennoch würde ich das Unterrichten dieses Faches als "fachfremd" bezeichnen.
2. Hier muss man beim GS-Lehramt inzwischen tatsächlich mindestens Grundlagen in Deutsch und Mathematik studieren (ob man das dann als "fachfremd" bezeichnet, ist wieder die Frage, siehe 1.). Bei Sonderpädagogik war es eine Weile auch so. Seit der neuesten Studien- und Prüfungsordnung ist aber nur noch die Grundbildung in einem der beiden Fächer für Sopäd. vorgeschrieben. Finde ich auch bedauerlich.
3. Trotzdem kann man als Student natürlich auch freiwillig Veranstaltungen im anderen Fach belegen. Auch in den Förderschwerpunkten muss man teilweise Inhalte beider Fächer belegen (je nach Förderschwerpunkt, je nach Hochschule). Teilweise gibt es auch in den Erziehungswissenschaften Veranstaltungen mit einem Bezug zu einem der beiden Fächer.
Im Referendariat musste ich mich auch mit Fragen des Deutsch- und Mathematikunterrichts beschäftigen.
4. Natürlich ist es besser, wenn man solide fachwissenschaftliche und fachdidaktische Kenntisse hat (in jedem Fach: auch Sport, Kunst, Sachunterricht usw.) aus dem Studium hat. Aber wenn jeglicher "fachfremder" Unterricht an der GS oder FöS schlechter Unterricht wäre, dann gäbe es an diesen Schulformen wenig guten Unterricht.
Klar: Sich ohne Vorkenntnisse in die Deutsch- oder Mathedidaktik einzuarbeiten ist aufwändig und geht nicht an einem Nachmittag oder in einer Fortbildung. Aber es ist nicht unmöglich. Eine Frage ist auch, wie hier die entsprechende Fachschaft unterstützt und welche schulischen Konzepte es gibt.