Vor- und Nachteile GU

  • Hallo!
    Unsere Schule überlegt, demnächst GU-Schule zu werden...Welche Vor- und Nachteile seht ihr darin? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Hattet ihr Bedenken an einer GU-Schule zu unterrichten???


    Freu mich über eure Antworten...


    liebe grüße,


    monster

  • Hallo,
    erkläre doch mal was du mit "GU-Schule" meinst.- bitte.
    Ich unterrichte GU-Stunden an anderen Schulen und mit GU-Scchule kann ich nix anfangen.


    Ulla

  • Hab leider grad nur kurz Zeit: deswegen ein paar Stichpunkte:


    - GU = Gemeinsamer Unterricht
    - in der Klasse sind dann auch Kinder mit Lernbehinderungen etc
    - für gewisse Stunden arbeitet man dann in der Klasse mit zwei Lehrkräften (Sonderpädagogin und "normale" Lehrerin)


    das nur ganz kurz dazu


    liebe Grüße,


    monster

  • Das kann recht unterschiedlich sein.


    Wir haben z.B. eine Klasse, die hat nur ein GU-Kind. Für dieses Kind kommt einmal die Woche (für 2 Stunden) eine sonderpädagogische Fachkraft. Die restliche Zeit wird dieses Kind ganz normal im Klassenverband unterrichtet, die Klassenlehrerin hat die ganze Arbeit. Ob die Förderung durch die Fachkraft (hinsichtlich der Zeit) ausreichend ist lasse ich mal offen.


    An meiner Ausbildungsschule waren es in einer Klasse deutlich mehr Kinder. Somit war die Fachkraft mehrere Stunden am Tag mit in der Klasse und konnte sich um die Kinder kümmern. Das funktionierte ganz gut. Die Kinder hatten mehr von der Förderung, als es jetzt bei diesem einen Kind der Fall ist.


    Grundsätzlich halte ich viel von den Möglichkeiten des GU - wenn der Rahmen stimmt. Und da müssten m.E. die Schulen viel mehr Freiräume haben. Aber das ist ein anderes Thema. Wenn der Bedarf bei euch ausreichend ivorhanden st würde ich es machen.

  • Hallo monster -


    meine Schule ist sonderpädagogisches Beratungs- und Förderzentrum und "versorgt" darum die Regelschulen im Schulamtsbezirk mit GU-Kräften... ich bin seit einem Jahr eine davon & 4 Stunden (das ist die Regel bei uns) für einen Schüler mit Erziehungshilfebedarf (2. Klasse) zuständig.
    Dies ist mein erster Einsatz im GU und ich muss sagen ich finde es aus vielerlei Gründen oft sehr schwierig.


    Zum einen: Vier Stunden empfinde ich bei diesem speziellen Kind wie den berühmten "Tropfen auf dem heißen Stein"...und damit stehe ich anscheinend nicht alleine da. Sprich - Kinder, für die ein GU bewilligt wurde, brauchen meist eigentlich mehr Hilfe als solche vier Kleckerstunden leisten können.


    Was ich zusätzlich als problematisch empfinde (deswegen schreibe ich hier auch eigentlich) ist die Kommunikation zwischen BFZ-Schule und den Regelschulen.
    Irgendwie scheinen viele Regelschulen anzunehmen, dass wir Förderschullehrer lediglich gelassen durch die Gegend kurven, uns gemütlich hinten in die Klassen setzen und lustig mit den auffälligen Schülern in eventuellen Einzelförderstunden noch ein bisserl üben.
    Dass da bei nahezu jedem GU-Lehrer (zumindest bei uns) noch eine eigene Klasse dranhängt, scheinen viele nicht zu wissen, geschweige denn Ernst zu nehmen... sind ja dann auch weniger Schüler, gell?
    So verwerflich das sein mag, muss ich doch ehrlicherweise zugeben, dass meine Prioritäten bei meiner eigenen Klasse liegen...


    Mit der Klassenlehrerin klappt die Zusammenarbeit nach anfänglicher leichter Holperei gut, ...das Problem liegt eher eine Ebene höher.
    Ich hänge da komplett zwischen der Rektorin "meiner" Grundschule und meiner Stammschule.
    Die betreffende Rektorin ist der Meinung dass SIE Wünsche (eher: Forderungen) anmelden kann bezüglich meiner Einsatzzeiten, übersieht dabei aber völlig, dass mein Rektor eine eigene Schule zu koordinieren hat, inklusive 24 im GU eingesetzter und 5 in BFZ-Arbeit tätiger Lehrer.
    Seitdem ich vorsichtig rückgemeldet habe, dass meine Stammschule entscheidet wann ich frei bin und nicht die den GU anfordernde Regelschule ernte ich eisige Blicke (und mehr) der Rektorin.


    Ich erwarte nicht, dass mir irgendwer auf Knien für meinen Einsatz dankt (wobei... :rolleyes: ), aber irgendwie fände ich es nett wenn mal gesehen würde, dass sowas nicht einfach mal auf einer A...backe abgesessen wird (jaaaa, ich sehe es ein, ich habe ja kostbare 2 Stunden weniger Unterricht vorzubereiten dadurch!).
    Es kommen Fahrtzeiten hinzu ("Sie müssen immer so schnell weg, dabei wollte ich Sie doch noch was fragen..." ...äh, ich hab in 10 Minuten vor meiner Klasse zu stehen... *hetz*), Gespräche mit Eltern, Therapeuten, Püschologen; einige meiner Kollegen, die mehr als 4 Stunden eingesetzt sind, dürfen auch zu den Elternabenden der Regelschulen... und doch, die zwei Einzelförderstunden mit meinem Hascherl bereite ich vor, indem ich versuche, vor- und nachzuarbeiten und mit allerlei handlungsorientiertem Material vielleicht doch noch Verstehen zu schaffen. Jammerjammer...:P


    Fazit mal wieder allzu langer Rede:
    Ich finde GU-Maßnahmen durchaus sinnvoll, wobei wirklich abgewogen werden sollte, ob es dem jeweiligen Schüler wirklich etwas bringt, "auf Teufel komm raus" an der Regelschule gehalten zu werden (aber das ist eine andere Baustelle)...
    Fest steht dass der Bedarf an zusätzlichen Hilfen immer größer wird und da können GU-Stunden, so wenige das sein mögen, schon Erleichterung bringen.
    Ich kann fleckis Beitrag nur unterstützen... wenn ein GU-Lehrer z.B. 8 statt nur 4 Stunden in einer Klasse ist, kann das schon etwas bewirken.


    Günstiger ist es vermutlich wie es (anscheinend) andernorts statt findet: Da wird ein Förderschullehrer an ein oder zwei Regelschulen abgeordnet, so dass diese sozusagen seine Stammschulen werden. Dadurch gehören die GU-Lehrer zum Kollegium der Regelschulen, was die Planungen vereinfacht... hinzu kommt, dass man sich dann als GU-Lehrer einem Kollegium zugehörig fühlt und auch insgesamt intensiver und gewinnbringender mit diesem zusammenarbeiten kann.


    Man wird ja als GU-Lehrer (also als vermeintliche Fachkraft für sämtliche Arten von Behinderungen und Auffälligkeiten) ohnehin von Regelschulkollegen als Berater in Anspruch genommen... :rolleyes:
    Bei einer Regelung wie der eben beschriebenen würde das sehr vereinfacht werden. Nun gut, so etwas haben ja nicht Praktiker zu entscheiden... :P


    Ich kann euch nur ans Herz legen, von vorneherein mit der Stammschule eurer GU-Lehrer ins Gespräch zu kommen um Erwartungen und äußere Vorgaben abzugleichen.


    Grüßle
    NannyOgg

    ~ Wenn ihr mich sucht, ihr findet mich im Zwiespalt. ~

  • Hallo zusammen,


    ich arbeite an einer Grundschule und habe eine GU-Klasse mit 3 GU-Kindern.
    Auch ich finde GU oft sehr schwierig. Die „paar“ Stunden, die die GU-Kraft in meiner Klasse ist, reichen meiner Ansicht nach bei weitem nicht aus. Im Grunde bräuchten 2 der 3 GU-Kinder eine Rundum-Doppelbesetzung. Ein Kind hat PB-, das andere Lernhilfestatus.


    Ich denke, uns Regelschulen ist schon bewusst, dass der GU-Lehrer noch eine eigene Klasse zu unterrichten hat. Der Regelschullehrer hat ja auch noch eine eigene Klasse neben den GU-Kindern zu unterrichten. Von daher sehe ich, was das angeht, keinen allzu großen Belastungsunterschied.
    Meine Belastung finde ich in den Stunden, in denen ich alleine unterrichte, extrem hoch. Ich muss meine Grundschüler-Truppe mit Leistungsscheren bis ins Unermessliche unterrichten… und habe da noch 3 Schüler sitzen, die individuelle Inhalte und Methoden brauchen. Ich kann eigentlich fast nie neue Dinge in „Einzelstunden“ an die GU-Schüler heranbringen. Ich müsste mich dazu vierteilen. Naja, Fakt ist: Ich bin stets im Unterricht alleine – und auch bei meinen Grundschülern gibt es ja sehr Leistungsschwache, die übermäßig viel Zuwendung benötigen. Die Zeit, der ich mich den 3 Schülern widmen kann, ist gering. Wenn ich daran denke, was die alles lernen könnten, wenn meine Klasse doppelt besetzt wäre?!?!


    Auch empfinde ich es als sehr schwierig, einen Schüler mit PB-Status oder Lernhilfestatus „mal eben“ nebenbei mitzuunterrichten. Zum einen habe ich als Grundschullehrerin keine Erfahrung mit PB oder Lerhilfe, zum anderen haben Regelschulen (zumindest unsere) kein Material für solche Schüler. Für PB gibt mir die GU-Kraft zwar recht gute Tipps, aber alleine vermag ich die einfach nicht umzusetzen. Wer sollte denn den PB-Unterricht machen? Ich unterrichte ja „nebenbei“ noch 2 andere GU-Kinder und natürlich die anderen Grundschüler.
    Und wehe, meine Klasse würde in irgendeiner Art und Weise weniger Leistung bringen als eine Parallelklasse!! Da würden meine Eltern auf die Barrikaden gehen. Denn von Anfang haben alle Eltern die GU-Klasse mit wechselnder Begeisterung zur Kenntnis genommen. GU-Klasse ja – aber nicht aufkosten der Förderung unserer Kinder! Naja, so sind sie, die Eltern ;o)


    Grüße,
    gluehwurm :o)

  • Ich bin als Sonderschullehrerin fest an einer Grundschule - das macht dann schon mehr Sinn. In einer Klasse habe ich mehrere GU-Kinder, sodass ich Kinder zu Fördergruppen zusammen packen kann. Auch klassenübergreifend je nach Förderschwerpunkt.
    Ich bin gern im GU. Dadurch, dass ich komplett vor Ort bin, bin ich im Rahmen meiner Stunden auch immer ansprechbar für Lehrer/ Schüler und relativ flexibel.
    Teamarbeit ist da wohl das A und O.

  • PB= "praktisch bildbar" - mit dieser unsäglichen Bezeichnung fasst man in Hessen Schüler mit einer geistigen Behinderung zusammen... ein sehr antiquierter und einschränkender Begriff.


    Ich kenne das aus meinem Schulamtsbezirk gar nicht, dass PB-Kinder in den GU an der Regelschule gehen. Bei uns sind es hauptsächlich die Kinder mit Förderbedarf im Bereich Erziehungshilfe (EH) und im Bereich der Schule für Körperbehinderte (KB) ... ganz selten mal ein Kind mit einer Lernbehinderung (LH). Oder vielleicht weiß ich das auch nur, weil wir eben genau diesen Bereich abdecken... hm.
    In "meiner" GU-Klasse ist wie gesagt nur dieses eine EH-Kind und die Lehrerin unterrichtet zielgleich, sie differenziert für dieses Kind (und die anderen Kinder mit Schwierigkeiten, denn es gibt ja jede Menge davon...) nur durch vermehrte Hilfestellung und wiederholte Erklärungen.


    Mal ganz vom "für" und "wider" der integrativen Beschulung abgesehen glaube ich dir, gluehwurm, ganz unbesehen, dass du bei einer solchen Klassensituation an deine Grenzen kommst.
    Das ist ja der helle Wahnsinn was dir da zugemutet wird! 8o
    Normalerweise ist es durchaus so, dass ein GU-Lehrer eigentlich positiv für die ganze Klasse sein kann - aber unter solchen Umständen können ja nur alle darunter leiden. :(


    NannyOgg

    ~ Wenn ihr mich sucht, ihr findet mich im Zwiespalt. ~

  • Hallo,


    "mein" Kind mit "PB-Status" ist ein Kind mit einer autistischen Behinderung. Welchen Status der hat, kann man nicht wirklich festmachen. Ist meines Erachtens eine Mischung zwischen PB und LH. Daher wird der auch als GU an unsere Schule gekommen sein.
    In der 1.Klasse lief der gut mit. Nun aber, zu Beginn der 2.Klasse, stößt der an seine Grenzen und benötigte dringend eine Doppelbesetzung in allen Fächern. Der hat zwar eine Integrationskraft an seiner Seite, aber die ist eben keine Lehrerin.
    Für das LH-Kind kann man ganz gut differenzieren - noch. Muss man abwarten, wie sich das so entwickelt.


    Nun, ich finde es halt schade, dass bei einer solchen GU-Klasse die GU-Kinder nebenher "so mitlaufen" müssen - sehr oft eben auch unbeachtet. Wirklich schade...


    Nachtrag:
    Nun habe ich unbeabsichtigt das ursprüngliche Thema entwas abgeändert. Das sollte nicht so sein. Daher hier eine Bemerkung zum Thema "Vor- und Nachteile GU" aus meiner Sicht.
    Ich finde GU imgrunde gut. Gut für die entsprechenden Kinder, wenn sie wohnortnah beschult werden. Für mich als Grundschullehrerin ist es aber eine zusätzliche Belastung. Eigentlich erwarte ich von der GU-Kraft, dass sie mich, was die GU-Kinder betrifft, entlastet. Während des 1.Schuljahres hatte ich leider auch die Meinung "da kommt eine und setzt sich h hinden rein". Denn die Arbeit hatte ich... ob da nun eine kam oder nicht.


    GU bedeutet für mich nicht nur, dass mir da jemand Tipps und Ratschläge gibt, sondern dass derjenige mich auch entlastet. Sonst entsteht der oben beschriebene Eindruck :o( Und der stimmt nicht gerade wohlgesonnen.


    Gruß,
    gluehwurm

  • Hm, welche Form des Autismus hat er denn? Asperger-Kinder können ja oft auch zielgleich mit unterrichtet werden. Da liegt der Förderbedarf dann eher im sozialen Bereich bzw in der Strukturierung/ Planung des Alltags. Aber Autismus ist eben ein sehr weites Feld...
    Hat das Kind einen Integrationshelfer? Z.B. von der Lebenshilfe? Im Grunde ist das eine sehr gute Unterstützung, wenn es vorrangig um die oben genannten Aspekte geht...

  • Hallo,


    welche Form er hat, steht nicht im Bericht.


    In der 1.Klasse wurde er zielgleich mitunterrichtet. Lesen und Schreiben kann er. Allerdings kam er nicht so voran, wie die "anderen" Kinder. Er kann nicht sinnentnehmend lesen, beantwortet kurze Fragen mit Ja oder Nein oder Kurzantworten. Oft verfällt er aber in Echolalie. Unterrichtsgesprächen wohnt er nicht bei (in Sachunterricht und Religion sitzt er nur still auf seinem Stuhl und macht, was die Integrationshelferin ihm sagt).
    Regeln im Bereich Schreiben (z.B. Grammatik oder Rechtschreibung) kann er nicht umsetzen. Er memoriert lediglich. Bestimmte Wörter, die ich ihn immer wieder abschreiben lasse, schreibt er nach Diktat korrekt nieder.


    Beim Rechnen ist er mir in der 1.Klasse wegen der Zielgleichheit so "mitgefluscht". Nur rechnete er nicht, sondern zählte - vorwärts und rückwärts. Imgrunde nicht so schlimm, aber er spielt beim Lösen von Aufgaben wirr mit den Zahlen. Bei einer Rechenaufgabe sucht er 2 Zahlen, das Recheoperationszeichen und das freie Feld. So schreibt er bei 4+_=6 eine 10 auf den Strich. Folglich ist er jetzt in der 2.Klasse vollkommen von der Zielgleichheit abgekoppelt und muss nochmal den Zahlenraum bis 10 erarbeiten, die Verwendung der Rechenoperationszeichen und überhaupt das Zahlen- und Mengenverständis festigen, bevor er über den 20er-Raum rechnet.


    Die Integrationshelferin ist eine Erzieherin. Diese hilft bei der Strukturierung und hält ihn zum Arbeiten an.


    Gruß,
    gluehwurm

  • Wenn ich das so lese, merke ich, wie gut ich das eigentlich bei uns habe ... bzw. wie einfach ich es bei mir in der klasse habe.


    aber mal ganz ehrlich: was man euch so aufbürgt, finde ich doch schon heftig. ich bin der festen überzeugung, es kann ein schulsystem geben, dass mit ganz unterschiedlichen kinder gut zurecht kommen kann - aber wenn ich das richtig verstehe, unterrichtet ihr ansonsten ja eine ganz "normale" klasse in einer ganz "normalen" schule. hammmer!


    ich unterrichte eine recht gute/homogene klasse und finde es selbst hierbei schon nicht immer einfach (mitunter unmöglich), den unterricht für alle schüler gewinnbringend (also differenziert) 29h/woche anzubieten. wenn ihr wenigstens immer eine zweite lehrerIn dabei habt - die 3 Stunden sind ja wohl nur ein heißer tropfen auf ...


    also: mein voller respekt! unsere schule hat vergangenes jahr auch über den i-status diskutiert. unser kollegium ist sich einig: wir finden das ziel integrativen unterrichtes SEHR wünschenswert, aber nicht unter diesen bedingungen.

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