Nur eine Naturwissenschaft - Keine Ahnung aufgrund mangelnder Synergien?

    • Ich glaube Dir geht's nur drum hier jemanden zu finden, der Dich in Deinen Annahmen bestätigt. Wenn Du selber auf Lehramt studieren willst, dann such Dir doch einfach zwei Fächer aus und fang mal an zu studieren. Was der Rest der Welt um Dich herum so treibt, kann Dir da vorläufig egal sein. Wenn Du meinst, irgendwas "besser" machen zu müssen, als Deine ehemaligen Lehrer, dann hau mal rein und vergiss bitte nicht, uns in 10 Jahren oder so zu schreiben, ob es Dir gelungen ist. ;)

      Was glaubst Du wohl, wie riesengroß mein Fachwissen als Diplom-Chemikerin ist im Vergleich zu dem, was ich heute an der Schule lehre? Ehrlich ... die Physik im Chemie-Unterricht beschränkt sich im Wesentlichen aufs Coulombsche Gesetz und ein bisschen Schmalspur-Thermodynamik. Das wuppt problemlos auch jemand, der z. B. Chemie und Englisch auf Lehramt studiert hat. Der erzählt wie gesagt vielleicht lieber von anderen Dingen im Chemie-Unterricht als ich. Aber das hat - wie auch schon gesagt - mit mangelndem Fachwissen nichts zu tun.
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      Früher war mehr Lametta!
    • Aha, daher weht der Wind. Die ewig alten Vorurteile der Naturwissenschaftler gegenüber den Geisteswissenschaftlern und der Nicht-Lehrämtler gegenüber den Lehrämtlern. Ja, es entspricht auch meiner Erfahrung aus alten Uni-Zeiten, dass im naturwissenschaftlichen Lehramtsstudium erst mal die nicht ganz so großen Leuchten überproportional häufig auftauchen, weil sie denken, sie könnten im Lehramt eine ruhige Kugel schieben. Die kommen aber nicht zwangsläufig in der gleichen Häufung auch im Beruf an, da sei mal ganz beruhigt.

      Ich würde mir da bezüglich Zweitfach an Deiner Stelle nicht so die Gedanken machen. Wähl doch einfach das aus, was Dir Spaß macht. Mathe wird für Dich vermutlich die einfachste Wahl sein. Wenn Du aber Spaß an irgendeiner Geisteswissenschaft hast, dann mach das doch. Ist halt aufwändiger, weil Du mit dem entsprechenden Studium praktisch noch mal von vorne anfangen musst.

      Was andere wählen oder nicht wählen, das spielt für Dich persönlich doch überhaupt keine Rolle.
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      Früher war mehr Lametta!
    • Wenn du einen Physik-Master hast bzw. kurz davor stehst, dann ist die Sache doch relativ klar.
      Du nimmst entweder Mathe als Zweitfach oder (falls es das noch gibt) dein nichtphysikalisches Nebenfach.
      Ich gehe mal davon aus, dass du beides ganz gut kannst. Entscheidender Vorteil ist dabei, dass du bereits vorhandene Studienleistungen ggf. anerkennen lassen kannst.
      Ich würde das nur dann anders machen, wenn du mit beidem kreuzunglücklich bist und lieber doch was anderes hättest studieren wollen.

      Rein von der fachlichen Kompetenz halte ich jeden, der Naturwissenschaften als sein Schwerpunktfach studiert hat, für fähig sich auch die anderen beiden Naturwissenschaften einzuarbeiten. Ganz ohne Einblick in die anderen Naturwissenschaften kommt man ja auch eh durch kein naturwissenschaftliches Studium. Der einzige Problemfall ist dabei meiner Meinung nach übrigens die klassische Biologie (Zoologie, Botanik, Systematik, Verhaltensbiologie, etc.), also das was sich der naive Schüler so klassisch unter Biologie vorstellt. O_o.
      Der Bereich hat wenig Überschneidungen mit Physik/Chemie. Entsprechend viel Arbeit mußt du als Physiker/Chemiker investieren, um diesen Teil nachzulernen. Umgekehrt geht es den darauf spezialisierten Biologen ebenso. Das betrifft aber soweit ich das sehe vor allem Leute, die vor Jahrzehnten studiert haben, als man sein Biostudium noch so gestalten konnte, dass fast keine Biochemie vorkam.
    • Ich hab Englisch, Pädagogik und Informatik studiert. Nach deiner Theorie dürfte ich also eigentlich nichts davon gut können, da es eigentlich keine Synergyeffekte gibt. Kann ich aber (behaupte ich mal). Vielleicht auch deshalb weil ich mal über den Tellerrand gucke.
      Vor allem in Englisch unterrichte ich gefühlt eh alles - Geschichte & Erdkunde (American Dream, Migration, Colonies etc), Bio (genetic engineering, PGD, health & nutrition), WiWi (Business English), Sowi (migrants & minorities...), Kunst (Bildanalyse, appropriation...), weil der Lehrplan am BK halt Bildungsgangbezug hat. Klar schwimmt man das erste mal, wenn man Präimplantationsdiagnostik bespricht. Aber man wird sicherer und lernt dazu und das geht allen anderen bestimmt auch so.
      Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.
    • haha, wenn wir das jetzt so machen, unterrichte ich in ethik am gym alles, alles, alles: englisch ja eh, von wegen englische quellen, und deutsch ja auch, textarbeit galore in der philosophie. und sozialwissenschaften tauchen ständig auf. etwa ethik 10, vertragstheorien und fragen nach dem zweck von herrschaft und macht noch und nöcher, freilich auch die frage nach der gestaltung des politischen gemeinwesens. dann ethik 11, da reden wir sehr viel über den freien willen im kontext der psychologie, soziologie, neurologie... weh dem, der nicht weiß, was ein aktionspotential ist oder was die kontrollgruppe da so den ganzen tag macht. oder ethik 5: lehrplan sagt, wir machen "wahrnehmung als erlebnis", also ästhetik für zehnjährige erfahrbar machen. kunst und musik voraus! die liste lässt sich problemlos erweitern.

      ich bin sicher, das kann man für viele fächer so anbringen, wenn man will. als lehrer ist man als fachidiot einfach falsch.

      edit: logik. ich hab' die logik vergessen. aussagenlogik-basics in ethik 8, negationen, immunisierung, alles am start.
    • Dass eine solche Kombination nicht nötig ist, zeigt ja auch die Tatsache, dass man an Gesamtschulen in NRW durchaus in die Situation kommen kann, mit einem Geschichtsstudium Gesellschaftslehre unterrichten zu müssen (Geschichte, Erdkunde, Politik) und mit einem Physikstudium Naturwissenschaften (Physik, Biologie, Chemie). Mitunter von der 5. bis zur 10. Jahrgangsstufe.
      Kann man das? Egal. Man muss und tut es. (Und wird an dieser Schulform gerne auch für alle möglichen anderen Fächer als qualifiziert angesehen, so dass man gerne mal fachfremd unterrichtet, auch Hauptfächer.)
      Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.
    • kecks schrieb:

      haha, wenn wir das jetzt so machen, unterrichte ich in ethik am gym alles, alles, alles: englisch ja eh, von wegen englische quellen, und deutsch ja auch, textarbeit galore in der philosophie. und sozialwissenschaften tauchen ständig auf. etwa ethik 10, vertragstheorien und fragen nach dem zweck von herrschaft und macht noch und nöcher, freilich auch die frage nach der gestaltung des politischen gemeinwesens. dann ethik 11, da reden wir sehr viel über den freien willen im kontext der psychologie, soziologie, neurologie... weh dem, der nicht weiß, was ein aktionspotential ist oder was die kontrollgruppe da so den ganzen tag macht. oder ethik 5: lehrplan sagt, wir machen "wahrnehmung als erlebnis", also ästhetik für zehnjährige erfahrbar machen. kunst und musik voraus! die liste lässt sich problemlos erweitern.

      ich bin sicher, das kann man für viele fächer so anbringen, wenn man will. als lehrer ist man als fachidiot einfach falsch.

      edit: logik. ich hab' die logik vergessen. aussagenlogik-basics in ethik 8, negationen, immunisierung, alles am start.
      Jein. Das war für mich z.B. in Englisch nämlich anfangs tatsächlich eine extreme Umstellung und Einarbeitung, da gerade der Oberstufenunterricht in Englisch eigentlich gefühlt nichts mit einem literatur- und sprachwissenschaftlichen Studium zu tun und reine Sprachvermittlung steht auch im Hintergrund, in der Oberstufe ist das Fach echt eher eine Geisteswissenschaft und das wissen die wenigsten, die das studieren. Das ist in Deutsch definitiv nicht so extrem (auch wenn ich da natürlich auch einen Hintergrund in Geschichte brauche). Das trifft also sicherlich nicht so extrem für alle Fächer zu (auch wenn ich Philo/ Ethik auch für eines dieser Fächer halte). Und gerade bei genetic engineering oder globalisation habe ich anfangs extrem geflucht - inzwischen mache ich es extrem gerne.

      Aber ich stimme dir zu: Fachidioten kommen nur eingeschränkt weit. Und meine alten Lehrer, gerne auch als "Mathe-Physik-Mafia" bezeichnet, waren vielleicht fachlich kompetent, aber alles andere als gut darin, ihr Wissen zu vermitteln (ok, vielleicht auch schlicht nicht daran interessiert, insbesondere an Mädchen... aber das ist ein Theme für sich).

      Studiere das, worauf du Lust hast, und was du dir vorstellen kannst, lange zu unterrichten.
      Die Überlegung, mit sehr gegensätzlichen Fächern auch mehr Spannung im Arbeitsalltag zu erleben, ist nicht zu verachten, das ist mit Sicherheit sehr befriedigend, wenn man viel Abwechslung und andere Zugänge zur Welt und Wissen hat.
      Denn das ist evtl. eine Fähigkeit, die den reinen Naturwissenschaftler sowie den reinen Geisteswissenschaftlern fehlt: einen breiteren, allumfassenderen, multiperspektivischen Blick auf die Welt und der kann mit Sicherheit sehr bereichernd sein (gerade auch für Schüler, wenn man es schafft, dieses zu vermitteln).

      Und wenn du sagst, dein Herz hängt daran, in die absoluten Tiefen der Materie einzusteigen und deinen Schülern die Faszination daran zu vermitteln, dann mach das.
      Belächle aber nicht die Kollegen, die einen anderen Zugang haben. Der muss nicht automatisch schlechter sein. Er ist anders.

      Und inkompetente Kollegen gibt es in jeder möglichen Fächerkombination...
      "Et steht übrijens alles im Buch, wat ich saje. ... Nur nit so schön." - Feuerzangenbowle
    • Aus irgendeinem Grund kann ich den Beitrag nicht bearbeiten...
      Eine kleine Korrektur: ich meinte natürlich, in der Oberstufe ist Englisch eher Gesellschaftswissenschaft (und nicht Geisteswissenschaft)... was auch immer da in meinem Kopf passiert ist...
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