Frage zu Aufsichten

  • Wenn das Wort Sauforgie nicht polemisch ist...
    Ich kenne meine Schüler recht gut, mit einigen habe ich privat noch Kontakt und wir unternehmen dann auch 1-2 im Jahr etwas (böse, böse: Da wird dann auch mal Alkohol konsumiert!). Mit meiner eigenen Klasse habe ich letztes Jahr eine Brauerei besucht mit anschließender (problemloser) Probeverkostung. Nach allen Erfahrungen kann ich sagen: Die meisten Schüler können überaus verantwortungsvoll mit Alkohol umgehen.
    Deswegen halte ich deine Unterstellung deutlich gesagt für vollkommen daneben. Ich bin in Bezug auf meine Person bereit, einiges runterzuschlucken, aber auf pauschale Verurteilungen der Schüler reagiere ich überaus sensibel.

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

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  • Ich nehme das Wort "Sauf-Disko" zurück - von Orgie war nie die Rede - und ersetze es durch "Problematik eines eventuell erhöhten Alkoholkonsums, der sich negativ auf die Lernleistungen des darauf folgenden Schultages auswirken kann" .


    Ich bleibe dabei. So wie die Veranstaltung geschildert wurde, find' ich sie daneben. Immerhin geht es hier nicht um eine Berufschule, sondern um Sek I/II

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

    Einmal editiert, zuletzt von alias ()

  • Zitat

    Tschuldigung, aber ist so ein Streit wegen des Wortes sinnig?


    Wegen der Wortwahl bestimmt nicht. alias hat aber geschrieben, dass er deutliche Worte benutzt hat. Da habe ich das so verstanden, dass er das, was er schreibt, auch so meint.
    Wenn ich da in die falsche Richtung laufe, dann sorry!
    Wenn alias das aber wirklich so meint, habe ich nichts zurückzunehmen. Ich werde immer leidenschaftlich dagegen ankämpfen, wenn in der Öffentlichkeit unsere Jugend als mit Alkopops und Joints zugedröhnte schlecht qualifizierte und niederkompetente Generation gezeichnet wird.

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  • Ups, da haben wir wohl zur gleichen Zeit gepostet. Alias, ich hoffe, du verstehst meine Motivation und hältst mich nicht für kleinlich.


    Die Idee finde ich immer noch nicht schlecht, nur ist der Rahmen völlg ungeeignet, da sind wir uns wohl alle einig.
    Und ich hoffe ganz stark, dass der Zutritt wenigstens erst ab 16 geregelt ist!!!

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  • @ Timm
    Es ist doch außerdem noch ein Unterschied, ob du privat mit einigen Schülern was unternimmst und dabei Alkohol getrunken wird, oder aber ob du als Lehrer auf einer solchen Veranstaltung die Aufsichtspflicht über mehrere 100 Schüler hast!


    Ich muss sagen, ich finde es auch nicht in Ordnung. Allein die Arbeitszeit und die Bedingungen sind doch unzumutbar (man kann doch nicht gezwungen werden, unter der Woche in eine Disco zu gehen!!...)


    Ich hoffe für Lise, dass da noch was getan wird!!


    Liebe Grüße,
    biene maja

  • Zitat

    @ Timm
    Es ist doch außerdem noch ein Unterschied, ob du privat mit einigen Schülern was unternimmst und dabei Alkohol getrunken wird, oder aber ob du als Lehrer auf einer solchen Veranstaltung die Aufsichtspflicht über mehrere 100 Schüler hast!


    @ biene maja: Da hast du wohl etwas falsch mitgekriegt. Ich habe keinesfalls den Vergleich bemüht, sondern im Gegenteil mich gegen Discos mit Alkoholkonsum ausgesprochen (vgl. meinen 3. Beitrag). Ich habe nur gesagt, dass Schüler in der großen Mehrheit (auch in Abwesenheit der Lehrer) vernünftig mit Alkohol umgehen können. Gerade aber Discos provozieren dazu, dass diejenigen, die den Umgang nicht beherrschen, unkontrolliert trinken.
    Gruß


    Timm

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  • @ timm
    tschuldigung, wenn ich dich falsch verstanden habe.
    ich hatte nur noch die 2. seite vor mir und nicht mehr im kopf, wer vorher schon was geschrieben hat.


    Liebe Grüße,
    biene maja

  • Heike, kann dich trösten, meine Schüler sind da nicht viel anders. Für mich gibt es aber zwei Arten Alkohol zu konsumieren:


    1. bei bestimmten Anlässen, in friedlich-ausgelassener Feierstimmung, auch mal mit der Gefahr, einen Schluck zu viel abzubekommen, ohne es aber darauf anzulegen,
    2. im bewussten Übermaß (Komasaufen), in rücksichtloser-unflätiger Manier, oft gepaart mit Schläger- und Pöbeleien, Krankenwagentransporten, ohne Kontrolle (auch und zunehmend unter der Woche).
    Letzteres bezeichne ich als Sauforgie(n), ersteres als Fest.
    Ich veranstaltete seit 10 Jahren das Vereinsfest der Ehemaligen an meiner "Abischule" mit einem Zuspruch von 300-500 Schülern und einigen 100 Ehemaligen und Eltern mit. Dazu unterstütze ich fast jeden Abi- und Valentinsball an dieser Schule. Alles Veranstaltungen mit Alkohol. In dieser Zeit brauchten wir 3 mal einen Krankenwagen und hatten 3-4 Rangeleien. Das ist unangenehm, aber wenn man bedenkt, wie viele Schüler sich korrekt verhalten, eine deutlich positive Aussage über unsere Schüler.
    Deswegen und weil ich glaube, ganz gut zu wissen, was meine Schüler in der Freizeit so machen, meine Aussage, dass die Mehrheit der Schüler zum von mir geschilderten Typ I gehört.
    Gruß


    Timm


    @ biene maja: Passt schon :)

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  • Hallo,


    an und für sich ist es ja ok, wenn eine Schülerfirma so eine Veranstaltung organisieren.


    Da kann man wirklich viel dabei lernen.


    Aber als Mutter hätte ich so meine Bedenken, denn man wird wohl kaum die Veranstaltung erst ab 16 Jahren freigeben. Ansonsten hätte man bestimmt nicht so viel Publikum.


    Als ehrenamtliche DRK´lerin hatte ich dieses Jahr wieder das zweifelhafte Vergnügen mich auf unserem großen Weinfest um die leidende Menschheit zu kümmern.


    Das jüngste Alkoholopfer, das wir hatten, war ein gerade mal 14-jähriges Mädchen. So etwas finde ich erschreckend.


    Wir sahen auch sehr viel Jugendliche, die noch keine 16 waren, mit Weinkanistern (der neue Wein wird in Kanister abgefüllt). Da kaufen einfach ältere Jugendliche das Zeugs oder die Bedienungen fragen nicht nach dem Alter.


    Neben Wein brachten einige Jugendliche diese unseeligen Alkopos mit und kippten sich das hinter die Binde, in Mengen, die mir persönlich undenkbar sind.


    Es ist also schon problematisch, solche Veranstaltungen zu beaufsichtigen, wenn die eigenen Schüler daran teilnehmen und man verantwortlich sein soll.


    Dann müsste der Lehrer hinter der Theke stehen, damit "nur" die zugelassene Altersklasse die Getränke erhält und selbst dann würde gemogelt.


    Beim Rauchen ist es ja ähnlich.


    Eine solche Veranstaltung ohne Alk und Rauchen, vielleicht mit Beginn so gegen 17.00, dafür aber Ende gegen 22.00 Uhr wäre sicher besser zu akzeptieren und auch unproblematischer.


    Vom Dienstrechtlichen her sehe ich wirklich das Problem, das dies m.E. keine offizielle Schulveranstaltung ist, somit kann man keinen Lehrer verpflichten.


    Selbst wenn es eine Schulveranstaltung wäre, es gibt Vorschriften über Arbeitszeiten, Pausen ect....


    Wenn ein Lehrer dies natürlich freiwillig macht, dann ist das ok. Nur die Verantwortung, die man sich damit auflädt ist groß.


    Selbst wenn die meisten Jugendlichen ok sind, nicht über die Strenge schlagen und Maß halten können, wird es immer Ausnahmen geben. Dann kann etwas passieren und wenn es nur das "Umkippen" ist, weil man zuviel geladen hat (passiert gerade "Anfängern", die unbedingt mithalten wollen). Eltern würden wohl einen Aufstand machen, weil ja die Kinder mit dem Deckmantel "Disko mit Lehreraufsicht" geworben haben.


    Außerdem habe ich noch die Klassenfahrt 10 in Erinnerung. Unser armer Klassenlehrer hat wohl bis heute nicht erfasst, was wir damals so getrieben haben. Also harmloser O-saft war das nicht. Daneben hatten doch wirklich einige Mädels Joints gedreht. Ich dachte damals schon, dass dies herb ist, aber heute überläuft es mich, wenn ich an die Folgen denke, die uns geblüht hätten. Einem Mädchen wurde nämlich so ziemlich schlecht, schließlich vertragen sich Alk und Joints nicht, normale Zigaretten hatte sie auch noch in Unmengen geraucht. Die Vorgänge in der Nacht, bis wir sie wieder fit hatten, hat zum Glück kein Lehrer mitbekommen.


    Heute weiß ich, dass der Lehrer auch einen Ärger bekommen hätte, deshalb verstehe ich auch, wenn Lehrer Bammel vor solchen Fahrten haben.


    Eine Diskoveranstaltung ist da schon vergleichbar.


    Ich halte übrigens einen Termin unter der Woche für ziemlich ungünstig, denn am nächsten Morgen wäre doch bestimmt Schule? Den Unterrichtstag kann man dann zumindest bei den Teilnehmern vergessen.


    Doris

  • Danke, Doris, Du sprichst mir absolut aus der Seele.


    Abgesehen von dieser ganzen Angelegenheit möchte ich unsere Schülerfirma an dieser Stelle loben. Sie organisieren eine ganze Menge (u.a. auch Kinoveranstaltungen etc.) und vor allem haben sie vor einiger Zeit in den Ferien einen Raum in der Schule zur Cafeteria umgebaut. Diese Cafeteria betreiben sie eigenständig und gut.


    Die meisten Schüler sind ja auch vernünftig und total nett, aber eben logischerweise nicht alle. Vor allem ist da auch das Problem, dass an einer großen Schule wie unserer die Tendenz breitmacht, dass Schüler gern bloß auf die Anweisungen derjenigen Lehrer hören, die sie kennen und die anderen ignorieren. (Da gibts manchmal lustige Gesichter zu sehen, wenn die in der 11. dann in Kursen ebendieser Lehrer landen. *spaßhab*)


    Natürlich düren Schüler schon ab der 5. Klasse bis zu einem gewissen Zeitpunkt (ich glaube, 22 Uhr) auch in dieser Disco sein. Also ich selbst hätte mit 13 oder 14 überhaupt kein Problem gehabt, jemanden über 16 zu finden, der für mich an der Theke Alkoholika kauft. Außerdem gibt es auch noch andere Möglichkeiten, Alkohol zu konsumieren, als ihn dort vor Ort zu kaufen.


    Lise

  • Hallo Ihr alle,


    wollte Euch nur mal auf den neuesten Stand bringen. Anfrage an die Rechtsabteilung des Schulamtes läuft. Wir sind gespannt auf das Ergebnis.


    Eure Lise

  • Hallo Ihr alle,


    heute war Konferenz. Noch kein Ergebnis weil keine Antwort von der Rechtsabteilung. Die Schulleitung ist zuversichtlich. ?(
    Im Augenblick, also jetzt gerade, läuft eine Veranstaltung unter den geschilderten Bedingungen. Kollegen machen Aufsichten. Ich nicht, denn ich bin noch nicht 'dran'.
    Bin gespannt wie es weiter geht.


    Eure Lise

  • news from the disco front


    Hi,
    mittlerweile ist eine Rechtsauskunft vom Schulamt eingegangen. Sie lautet in etwa so, dass es sich bei den Veranstaltungen um Schulveranstaltungen handelt wenn wir das wollen.


    Sollte also am 25.11. die Mehrheit der Lehrerkonferenz darüber entscheiden dass ich irgendwann um 1 Uhr nachts in einer verqualmten Disco stehen und am nächsten Tag um 9 wieder in der Schule sein muss?


    Es läuft noch eine Anfrage an die Gewerkschaft, ob die von uns Lehrern zu leistenden wöchentlichen Aufsichtszeiten auch nachts in Discos abgeleistet werden müssen.


    Drückt uns bitte die Daumen, dass nicht wieder 50% der Kollegen sich der Stimme enthalten - so kommen nämlich bei uns Beschlüsse gern zu stande.


    Grüße, Eure Lise

  • Zitat


    Drückt uns bitte die Daumen, dass nicht wieder 50% der Kollegen sich der Stimme enthalten - so kommen nämlich bei uns Beschlüsse gern zu stande.


    Liebe Lise,


    ich drück ganz feste!!! *drückdrückdrück* :)
    Was deine Kollegen angeht, die sich da enthalten oder gar DAFÜR stimmen: Dafür kann ich null Verständnis aufbringen. Ich frag mich, aus welchen Motivationsgründen sie so handeln... irgendwo hört der "Spaß" doch nun wirklich auf!


    Alles Gute für dich,
    LG Lea

  • Falls eure Kollegen diese Aufsicht gerne privat führen wollen, sollen Sie. Aber eine generelle Verpflichtung des Kollegiums sehe ich nicht. Hier greift der Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Kollegen, die hier durch eine übermäßige Beanspruchung gesundheitlich gefährdet sind und zudem in eine Rechtsposition geraten können, die ein fürsorgender Dienstherr nicht zulassen kann. (Aufsicht in der Disko bei hundert oder mehr Kindern und Jugendlichen - schlechte Sichtverhältnisse - Undurchführbarkeit einer Aufsicht, aber evtl. Regressforderungen von Eltern, falls etwas passiert.....)
    http://www.gew-berlin.de/2892.htm


    Als Maßnahme, falls deine Kollegen sich wirklich selbst ins Knie schießen wollen, greift für die Weigerer das Remonstrationsrecht der Beamten:
    http://www.arge.schule-hamburg…hiv/STIRemonstration.html


    Ein Urteil, auf das man sich berufen könnte, ist das "Hülsmann-Urteil"
    http://mitglied.lycos.de/Korre…_antr_pflstd_ermaess.html

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

    Einmal editiert, zuletzt von alias ()

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Lise,
    ich weiß leider nicht, wie es bei euch ist, aber bei uns dürfen sich die Lehrer in der Lehrerkonferenzen nicht der Stimme enthalten, sondern müssen eine Entscheidung fällen. Das steht sogar irgendwo, wo finde ich leider im Augenblick nicht.
    Liebe Grüße,
    Hermine

  • Hallo Ihr Lieben,


    es ist geschehen - ich kann es noch nicht fassen!
    Gestern gab es also nun die (verschobene) Lehrerkonferenz und die Entscheidung ist gefallen.
    Trotz weitgehend gegensätzlicher Rechtsauskünfte der GEW (von Lehrern eingeholt) und des Schulamtes (nebenbei bemerkt haben wir weder das Originalschreiben des Schulleiters an das Schulamt noch die originale Rückantwort gesehen, sondern der Schulleiter hat uns über den Inhalt der Antwort auszugsweise informiert - Antwort? Worauf genau?) wurde eine Abstimmung herbeigeführt.
    Die Mehrheit der Kollegen hat die Discospaßveranstaltung als Schulveranstaltung anerkannt. Inclusive Alkohol und Zigaretten. Wie dämlich kann man eigentlich sein?
    Wir haben unsere Schüler lieb. Ist das nicht toll!? Anstatt sich um die Verbesserung der Unterrichtsqualität zu kümmern gucken wir ihnen lieber ein bißchen beim Saufen und Rauchen zu. Vielleicht sogar beim Kiffen oder noch besseren Sachen, denn Schüler haben verlauten lassen, dass dort im Umfeld des Veranstaltungsortes auch recht intensiv gedealt wird. Vielleicht werden die Drogen nicht gerade in unserem Beisein konsumiert, aber nach dem Konsum kommen die lieben Kleinen wieder in die Disco und findens wunderbar. Und wir halten dafür her wenn was passiert. Den Kollegen fällt dazu nichts Besseres ein als: Da ist doch noch nie was passiert - unsere Schüler sind doch vernünftig und son Kack!!!
    Ich bin total gefrustet und würde am liebsten streiken und einfach da nicht mehr hin.
    Aber in einem haben die Kollegen wirklich Recht: Unsere Schüler sind vernünftig. Mit Sicherheit jedenfalls deutlich vernünftiger als unsere Lehrer.


    Eure völlig entnervte
    Lise

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