Beiträge von alias

    2003 ... so lange schon? Ich bin damals im Forum "hängengeblieben", weil es immer wieder tolle Ideen und Empfehlungen für die Arbeit als Lehrer gab. Linktipps. Quellen. Anregungen. Kollegiale Unterstützung. Zuspruch.

    Irgendwann habe ich mich hier verabschiedet, weil die Tonlage sich veränderte. Hickhack, Beleidigungen, Frustabbau. Nutzlos.
    Nun schaue ich mal wieder rein. Es bleibt nutzlos. Oft genug Stammtisch mit zu viel Bier.
    Aus den früheren Zeiten sind nicht mehr viele KuK anwesend. Verständlich.
    Ciao. Frohen Stammtisch.

    Eine Klasse ist keine Horde von Affen. Da trifft der Vergleich mit einem Wolfsrudel eher zu. Einer muss der Leitwolf sein. Und ab und an versucht einer aus der zweiten Reihe, den Leitwolf vorzuführen und seine Position einzunehmen.

    Mit der "Mützenfrage" kann der Leitwolf seine Position auf einfache Art verteidigen - weil wegen einer derartigen Lappalie kein Rudelmitglied eine längere Auseinandersetzung riskiert.
    ;-)

    Ich wäre schon zufrieden, wenn die jungen Menschen, die zu uns kommen, die Grundrechenarten beherrschten.


    Regeln der Form „Du machst das, weil ich es sage.“ bleut ihr ihnen besser nicht ein. Das ist ein großes Hindernis, wenn wir bei der Einführung von Regeln auf Einsicht setzen.


    Danke.

    Entweder willst - oder kannst - du es nicht verstehen. Ich bleue niemand etwas ein. Aber ich bestehe auf Regeln, die in der Schule und Hausordnung und auch in der "Lex Klassenzimmer Alias" verankert sind. Da diskutiere ich auch nicht.
    Die Zeit, die andere für derartige Scharmützel verschwenden, nutze ich lieber, um die Regeln der Grundrechenarten, des Pythagoras und der Formelumstellung zu vermitteln. Ich muss auch nicht über die Straßenverkehrsordnung diskutieren.
    Als Klassenlehrer, der in der Klasse 70-80% der Unterrichtszeit präsent ist, habe ich da sicher auch andere Möglichkeiten, als ihr an BS, BK oder BBS mit wechselnden Klassen. Im Klassenzimmer bin ich Chef im Ring - und muss es sein. Mit oder ohne Einsicht.
    Daran, das es solche Leute gibt, die als Chef die Regeln vorgeben, müssen sich Schüler der 8. und 9. Klasse auch gewöhnen. Sonst ist nach dem Schulabschluss die Lehre vorbei, ehe sie begonnen hat.
    Das als "undemokratisch" abzukanzeln, zeugt von einem falschen Demokratieverständnis.

    Dann könnte ich sagen, davon sehe ich nicht viel, also gibt es bei euch keine Regeln?


    Kippeln (bzw. es nicht tun), ist eine Regel, die ich aus Unfallschutzgründen durchsetze. Kappen und Mützen sind mir relativ schnuppe, solange ich noch das Gesicht / die Augen sehen kann.

    Vielleicht kommen deine "Klienten" aus Schulen, in denen solche "kleinen" Regeln als unwichtig empfunden werden.
    Wenn man bei "unverfänglichen" Themen wie einem Mützenverbot konsequent die Einhaltung von Regeln einfordert, haben die Schüler eine "billige" Möglichkeit, auszutesten, wie der Lehrer bei Regelverstoß reagiert - zumal man als Lehrer hier mit einem launigen Spruch schnell intervenieren kann - ohne die große Keule benutzen zu müssen.

    Damit müssen die Schüler keine schwerwiegenderen Regelverstöße austesten. Ein Mützenverbot dient damit zur Deeskalation.
    Kannst du gerne auch in Fachliteratur zur Schulpsychologie nachlesen.

    Mit dem Argument kannst du auch verlangen, dass die jungen Menschen während des Unterrichts keine Hosen tragen.

    Ihr profitiert an BK und Beruflicher Schule von den Regeln, die wir in der Haupt- und Werkrealschule einführen. Auch davon, dass wir bestimmte Dinge und Anstandsregeln nicht lang und breit diskutieren, sondern uns auf die fachlichen Themen konzentrieren, auf denen ihr aufbauen könnt.
    BTW: Dein "Argument" solltest du schon überdenken... obwohl ich auch schon Schülerinnen mit zu kurzen Hotpants zum Kleiderwechsel Nachhause geschickt habe (in Absprache und Konsens mit der Schulleitung)

    Solange es keinen Feueralarm gibt und die (nicht vorhandene) Sprenkleranlage loslegt, regnet es in unserem Klassenzimmer nicht. Deshalb benötigt man weder Mützen, Kappen oder Helme.
    Regeln sind eine zentrale Vorbereitung auf das Berufsleben. Man hält sich an die festgelegten Regeln (Punkt)

    In welchem Bundesland unterrichtest du? In Baden-Württemberg sind die Interessenvertretungen der Schwerbehinderten an die Schulämter / Oberschulämter angegliedert. Such' dir auf der Website den Ansprechpartner raus - und frag' auf diese Weise jemand, der sich auskennt - und nicht im anonymen Forum. Die Interessenvertreter der Schwerbehinderten sind Betroffene, die sich für Betroffene einsetzen. Sie werden von Betroffenen gewählt und kennen sich aus.

    Als Lehrer, der - absichtlich und auf eigenen Wunsch - sowohl an der Werkrealschule (Hauptschule) und an der Schule für Erziehungshilfe gearbeitet hat, habe ich oft genug die Geringschätzung von KuK erfahren, die als "Studienräte" oder auch als "Realschullehrer" meine Fähigkeiten mit denen meiner "Klientel" gleichgesetzt haben.
    Aus meiner Erfahrung mit diesen KuK beruhte diese Einschätzung mangelnder Fähigkeiten jedoch auf Gegenseitigkeit.
    Ich gehe davon aus, das die meisten dieser KuK an meinen Schularten mangels pädagogischer und fachlicher Defizite gescheitert wären.
    Wenn man mich gefragt hat, welche Fächer ich unterrichte, war meine Antwort: "Alle, außer Sport und Religion - weil ungläubig und fußkrank."
    An Haupt- und Förderschulen unterrichtet man/frau als "Universalgelehrter" und Klassenlehrer Deutsch, Englisch, Mathematik, Biologie, Physik, Kunst, Technik, Chemie - und besonders Ethik, Politik und Gemeinschaftskunde.

    Wer Schüler dieser Schularten als "Rest" verunglimpft, sollte seine persönlichen Bedürfnisse mit Gedichtinterpretationen befriedigen und auf die Dienste von fachlich qualifizierten Flaschnern, Maurern, Köchen, Baggerfahrern, Verkäufern und Lastwagenfahrern verzichten.
    Die Versorgung kann er/sie sich ja vom Arzt holen, der Zuhause Infusionen verabreicht.

    JustMy2Cents

    Als ich noch jung und motiviert war 8), wollte ich mit den Eltern meiner Klasse den Raum mal an einem Samstag neu streichen. Vorher kam aber eine Dame von der STadt um zu prüfen, ob es in Ordnung war, diesen Raum zu streichen :sterne:. Sie legte mir ein Dokument vor, in dem ich unter anderem unterschreiben musste, keine pornografischen Zeichnungen an der Wand anzubringen.

    Dann halt nicht ...

    Selbst zu streichen kann gewaltige Probleme nach sich ziehen. An unserer Schule hatte ein Elternvertreter danach gerichtlich durchgesetzt, dass der Raum nicht genutzt werden durfte, bis ein Gutachten erstellt war, das die Unbedenklichkeit der Farbe für die Raumluft und somit für die Schüler bestätigte.
    Das war nicht spaßig.

    Wir haben zur Zeit 400 originalverpackte Notebooks im Keller stehen. Sind vor 3 Monaten gekommen, um bedürftige Schüler im Distanzunterricht damit auszustatten. Da kein Distanzunterricht mehr sttattfindet, dürfen die Geräte jedoch nicht ausgegeben werden.

    Klar, dass Schilda in NRW liegt - gepostet ohne politische Verknüpfung ... ähem .. ;-)

    Nebenbei - ich erinnere mich daran, dass wir damals in der 7.Klasse einen Wettstreit der Parallelklassen ausfochten - welche Klasse die meisten Vermerke im Tagebuch "schafft" ;-)

    Auf mich trifft auch das Gedicht von Ringelnatz zu und ich hoffe, für manche meiner Schüler ebenfalls:


    An meinen Lehrer

    Ich war nicht einer deiner guten Jungen.

    An meinem Jugendtrotz ist mancher Rat

    Und manches wohlgedachte Wort zersprungen.


    Nun sieht der Mann, was einst der Knabe tat.

    Doch hast du, alter Meister, nicht vergebens

    An meinem Bau geformt und dich gemüht.

    Du hast die besten Werte meines Lebens

    Mit heißen Worten mir ins Herz geglüht.

    Verzeih, wenn ich das Alte nicht bereue.

    Ich will mich heut wie einst vor dir nicht bücken.

    Doch möcht ich dir für deine Lehrertreue

    nur einmal dankbar, stumm die Hände drücken.


    Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

    Ich frage mich immer, wie lange wir Lehrer eigentlich noch "nur" reagieren und irgendwie lenken müssen?


    Ich denke, wir haben erhebliche Probleme in der Gesellschaft, insbesondere in unserem Schulsystem, die sich (auch) derart auswirken. Wann wird endlich mal öffentlich und nachhaltig Tacheles geredet? Ganz vieles hängt an der Erziehung durch die ELTERN. Wann dürfen z.B. wir Lehrer endlich einmal offen sagen, dass in diesem und jenem Fall dieses oder jenes schlichtweg nicht in Ordnung ist, dass die Zustände in vielen Schulen (insbes. in den sog. Sek-I-Schulen) schülerseitig katastrophal sind und die Eltern verdammt noch mal ihre Pflicht tun sollen, als allererstes in der Erziehung ihrer Kinder... ?!!

    Nun - vermutlich auch noch die nächsten 3000 Jahre. Auch Sokrates hatte sich bereits über "die Schüler von heute" beschwert.
    Die Schüler*innen der Klassen 7 und 8 waten im Hormonsumpf.

    Wichtigste Selbsterkenntnis für dich:
    DU bist nicht schuld.

    Auf Schwäbisch:
    "Des g'hört so."

    Nimm es sportlich - und mit Gelassenheit und Humor. Es ist schwer. Manchmal muss man auch deutlich zeigen, wer der Leitwolf im Rudel ist. Und konsequent bissig reagieren, wenn andere Schüler durch das Verhalten Einzelner im Lernfortschritt behindert - oder sogar gemobbt werden.

    Auch wichtig:
    Trage keine Rangkämpfe vor der Klasse aus. Du verlierst. Opfere ruhig einige Minuten der Unterrichtszeit für ein Gespräch auf dem Flur oder in der Pause. Scheu' dich nicht, Unterstützung von der Schulleitung einzufordern und störendes Schülerverhalten zu notieren. Mit Datum, Ort und Uhrzeit.
    Ich hatte mir dazu eine Kladde zugelegt. Es muss nicht alles inflationär im Klassenbuch erscheinen.
    Aber wenn es zum "Showdown" mit Eltern und Schulleitung kommt, ist es vorteilhaft, eine Dokumentation des Fehlverhaltens zur Hand zu haben.

    Es ist immer wieder erstaunlich, dass KuK den Arbeitgebern die Arbeit abnehmen und ihre Interessenvertretung nach Strich und Faden schlechtreden.
    Selbst schuld. Ohne Rückendeckung der Beschäftigten kann keine Gewerkschaft etwas durchsetzen.
    Die Eisenbahner haben das kapiert. Die Lehrer (noch) nicht.

    Nebenbei: Wer hier die höchsten Forderungen an die Gewerkschaft stellt, hat eine gute Möglichkeit, diese Forderungen durchzusetzen.
    Eintreten. Sich selbst in Funktionsämter bewerben. Machen.

    Und nicht mäkeln und lamentieren. Das ist billig. Und dumm.

    Willkommen in der Schulwirklichkeit.
    Nimm's nicht persönlich. Du bist - wenn ich das richtig verstehe - nun im eigenverantwortlichen Unterricht. Die Kids sind Corona-geschädigt und müssen sich erst wieder an normale Strukturen gewöhnen. In manchen Klassenstufen kannst du ein Methodenfeuerwerk abbrennen und die Kids plappern trotzdem munter drauflos. Die haben auch eine feine Antenne für deine Unsicherheit (die Reffi-eigen ist)
    Um welche Klassenstufe handelt es sich? In 6-9 tanzen die Hormone Samba.

    Ich bin raus. Nachdem nun alle möglichen Nachkommastellen-Verfechter meine Schüler besser kennen als ich und ich für den "menschlichen Blick" und den pädagogischen Spielraum bei der Notengebung nun angegangen werde, verabschiede ich mich wieder.

    Gehabt euch wohl.

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