Kappen oder Mützen im Unterricht

  • Ich beziehe mich auf Strukturen, die jemand braucht, um in der Berufswelt Fuß fassen zu können (Kleidung, Pünktlichkeit,... ).


    Ob die Welt schlechter wird? 🤔 Wir haben schon sehr lange Frieden in Europa, der Anteil an Idioten ist unverändert,... Also für mich eher nicht. In meinem Schulbezirk haben sich zumindest die Perspektiven für viele verändert. Sie werden evtl. die Frage anders beantworten.

  • Moin, also meine Schüler:innen dürfen natürlich ihre Kleidung selbst wählen, ja dazu gehören bei manchen auch Kopfdeckungen.

    Ich sehe wenig Sinn darin, dass ich als Lehrerin bestimme was sie tragen dürfen. Ich spreche höchstens mal jemand an, wenn

    ich ihm/ihr nicht in die Augen schauen kann, weil sich derjenige sich hinter einer Kapuze versteckt. Das kommt ehrlich gesagt selten vor,

    dass das nötig ist und hat dann meistens andere Gründe als das bloße tragen einer Kapuze.

    Ich verstehe auch nicht, warum ich das verbieten sollte, in meinen Augen zeigt man den Schüler:innen damit, dass man sie nicht akzeptiert

    wie sie sind und das ist bestimmt nicht mein Ziel.

    Zu den hier auch erwähnten Jogginghosen: ja richtig, in meiner Klasse Jg 4-6, gibt es viele Jungs, die im Grunde keine Jeans o.ä. mehr tragen,

    sondern nur Jogginghosen/Fußballtrainingshosen. Und jetzt? Warum sollte ich mich darüber aufregen? Viele Mädchen tragen auch nur Leggings, ist im

    Prinzip das gleiche, ursprünglich eine Sportkleidung.

    In Bezug auf Kleidungsstil habe ich erst einmal ein Mädchen angesprochen: die war 13 und hatte auf einmal regelmäßig Kleidung an, bei der man ihre

    Unterwäsche sah. Da ist es mir schon wichtig das als Frau mal anzusprechen. Raus kam das es ihr gar nicht so bewusst war und wir haben ausgemacht, dass sie mehr darauf achten wird und ich sie auch ansprechen darf, wenn es wieder mal "drüber" ist. Ein "ich will mich schön anziehen und ein bisschen auffallen" müssen junge Schüler:innen halt erstmal ein bisschen austesten.

  • Vorweg: Wer eine Kopfbedeckung in meinem Unterricht tragen will, darf das.


    Wir sind im 21. Jahrhundert und wollen SuS dazu bringen, dass sie ihre Mitmenschen nicht in ein vorgefertigtes Bild pressen. Was man an Bekleidung trägt, das hat man sich ja bewusst ausgewählt. Zumindest ist das mein Ansatz. Als Lehrer müsste mich doch viel mehr interessieren, warum eine/r Kopfbedeckung trägt und nicht ob.

    Mir ist alles fremd, was mich an militärisches Gehorsam erinnert. Disziplin entsteht nicht auf, sondern in den Köpfen.

  • Amen.

    Jetzt bist du mir zuvorgekommen; ich wollte gerade "Aha." schreiben 8).


    Interessanter Einstieg ins Forum übrigens. Tach auch philosophus :wink_1:! Gab's hier nicht vor Urzeiten schon mal eine/n User*in des selben Namens? Ich meine, dass ich den mal gelesen habe, als ich in alten Beiträgen stöberte.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Solange es keinen Feueralarm gibt und die (nicht vorhandene) Sprenkleranlage loslegt, regnet es in unserem Klassenzimmer nicht. Deshalb benötigt man weder Mützen, Kappen oder Helme.
    Regeln sind eine zentrale Vorbereitung auf das Berufsleben. Man hält sich an die festgelegten Regeln (Punkt)

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

  • Joah. Aber man kann Regeln schon auch mal hinterfragen - das gilt sowohl für Schüler*innen, als auch für Lehrkräfte. Regeln, die erklärt werden können und sinnvoll sind, werden verständlicherweise auch leichter eingesehen als willkürlich erscheinende. Das macht es dann für alle Beteiligten einfacher.

  • Solange es keinen Feueralarm gibt und die (nicht vorhandene) Sprenkleranlage loslegt, regnet es in unserem Klassenzimmer nicht. Deshalb benötigt man weder Mützen, Kappen oder Helme.
    Regeln sind eine zentrale Vorbereitung auf das Berufsleben. Man hält sich an die festgelegten Regeln (Punkt)

    Kannst du ja so machen. Damit lernt man aber gar nichts. Dir ist schon klar dass das ein sehr sehr dünnes Argument ist?


    Sicher sind Regeln wichtig, wenn sie an der Stelle Sinn machen und auch entsprechend erklärt werden können.

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein

  • Mit dem Argument kannst du auch verlangen, dass die jungen Menschen während des Unterrichts keine Hosen tragen.

    Ihr profitiert an BK und Beruflicher Schule von den Regeln, die wir in der Haupt- und Werkrealschule einführen. Auch davon, dass wir bestimmte Dinge und Anstandsregeln nicht lang und breit diskutieren, sondern uns auf die fachlichen Themen konzentrieren, auf denen ihr aufbauen könnt.
    BTW: Dein "Argument" solltest du schon überdenken... obwohl ich auch schon Schülerinnen mit zu kurzen Hotpants zum Kleiderwechsel Nachhause geschickt habe (in Absprache und Konsens mit der Schulleitung)

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  • Ihr profitiert an BK und Beruflicher Schule von den Regeln, die wir in der Haupt- und Werkrealschule einführen.

    Dann könnte ich sagen, davon sehe ich nicht viel, also gibt es bei euch keine Regeln?


    Kippeln (bzw. es nicht tun), ist eine Regel, die ich aus Unfallschutzgründen durchsetze. Kappen und Mützen sind mir relativ schnuppe, solange ich noch das Gesicht / die Augen sehen kann.

  • Dann könnte ich sagen, davon sehe ich nicht viel, also gibt es bei euch keine Regeln?


    Kippeln (bzw. es nicht tun), ist eine Regel, die ich aus Unfallschutzgründen durchsetze. Kappen und Mützen sind mir relativ schnuppe, solange ich noch das Gesicht / die Augen sehen kann.

    Vielleicht kommen deine "Klienten" aus Schulen, in denen solche "kleinen" Regeln als unwichtig empfunden werden.
    Wenn man bei "unverfänglichen" Themen wie einem Mützenverbot konsequent die Einhaltung von Regeln einfordert, haben die Schüler eine "billige" Möglichkeit, auszutesten, wie der Lehrer bei Regelverstoß reagiert - zumal man als Lehrer hier mit einem launigen Spruch schnell intervenieren kann - ohne die große Keule benutzen zu müssen.

    Damit müssen die Schüler keine schwerwiegenderen Regelverstöße austesten. Ein Mützenverbot dient damit zur Deeskalation.
    Kannst du gerne auch in Fachliteratur zur Schulpsychologie nachlesen.

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  • Ihr profitiert an BK und Beruflicher Schule von den Regeln, die wir in der Haupt- und Werkrealschule einführen.

    Ich wäre schon zufrieden, wenn die jungen Menschen, die zu uns kommen, die Grundrechenarten beherrschten.


    Regeln der Form „Du machst das, weil ich es sage.“ bleut ihr ihnen besser nicht ein. Das ist ein großes Hindernis, wenn wir bei der Einführung von Regeln auf Einsicht setzen.


    Danke.

    „Kinderlähmung ist grausam, Schluckimpfung ist süß.“

  • Ihr profitiert an BK und Beruflicher Schule von den Regeln, die wir in der Haupt- und Werkrealschule einführen.

    Tja, nun... Eine solche Regel - also dass im Unterricht grundsätzlich keine Caps u. ä. getragen werden dürfen- gibt es aber an meiner Schule gar nicht (hatte ich vor längerer Zeit schon erläutert). Und das ist auch gut so. Wir haben sogar einige Lehrkräfte, die ab und zu Caps oder dünne Mützen tragen.8)

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Mein Ziel sind eigentlich kritische, mündige Menschen. Menschen mit Rückgrat. Keine Duckmäuser. Menschen, die nicht einfach etwas machen, nur weil man sagt "Mach", sondern auch den Sinn, den Hintergrund der Anweisung kennen wollen und die Anweisung ggf. in Frage stellen. Oder aufgrund der Hintergründe Einsicht zeigen.

    Ein weiser Mann (oder eine weise Frau) hat mal gesagt: "Wenn die Situation sich zuspitzt und man die Sicherheit nicht mehr gewährleisten kann, ist es vielleicht an der Zeit, die Priorität vom Präsenzunterricht auf die Kinder zu schieben."

  • Ich wäre schon zufrieden, wenn die jungen Menschen, die zu uns kommen, die Grundrechenarten beherrschten.

    Tja, und wenn man in schwierigen Klassen überhaupt dazu kommen möchte, Grundrechenarten zu erklären und zu üben, muss die Meute erst mal auf ihrem Platz hocken und mitmachen. Dass dabei theoretisch ein Basecap auf dem Schädel sitzen könnte, ist sicher richtig. Wenn aber Leute ihre Mützen ins Gesicht ziehen, um sich vor der Beteiligung im Unterricht zu drücken, dann ist das Problem auf einer Ebene angesiedelt, die nicht mehr vieler Erklärungen bedürfen, außer vielleicht "ich möchte dein Gesicht erkennen können". Wahlweise mache ich einmal vor, wie das wirkt, wenn man sich mit Jacke und Mütze in die Ecke kauert und was das durchaus auf meinen Job und die Mitschüler*innen für eine Beeinträchtigung bedeutet. Macht man aber sicher nur einmal zu Jahresbeginn, die Diskussion spart man sich aber bis zur Erreichung des Förderschulabschlusses.


    Vielleicht können wir uns angewöhnen, anzuerkennen, dass verschiedene Schularten, verschiedene Altersstufen und verschiedene Einzugsgebiete verschiedener Methoden bedürfen? Logisch, dass man mit 25-Jährigen Elektrikern anders spricht als mit 14-Jährigen, die Hakenkreuze auf Tische malen. Bei letzteren ist die Kappenfrage eine Grundsatzfrage der menschlichen Interaktion.

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