Traumjob oder einsamer Kampf?

  • Weil' nicht für jeden Lehrerlesetipp einen neuen Thread braucht, hänge ich mich hier ran:


    Unter diesem Link http://www.zeit.de/2005/16/forum_lehrer findet ihr die ungefähre Transkription des Zeitforums "Neue Lehrer braucht das Land", das am 8. April 2005 stattfand. Diskussions- und Gesprächspartner waren Reiner Lehberger, Prof für Schulpäd in HH, Manfred Prenzel vom IPN Kiel, Enja Riegel von der HeleneLangeSchule Wiesbaden, Andreas Schleicher von der OECD und Jürgen Zöllner, Minister in Rheinland-Pfalz.


    Viel Spaß beim Lesen!
    LG, das_kaddl.

  • Santiaguino


    Hallo, hab vielleicht einen Tipp für dich:
    Ich wurde letztes Jahr mit dem Ref fertig (Gym, Bay), hab mich dann an einer Fach-Berufsoberschule beworben und eine Planstelle bekommen.


    Zwei Gründe waren ausschlaggebend:
    - zum einen eine geringere Arbeitsbelastung (da es im Grunde nur 3 Klassenstufen gibt, was erhebliche Synergieeffekte für die häusliche Vorbereitung bedeutet)
    - zum anderen, und das könnte vor allem für dich interessant sein, hat man es mit Schülern zu tun, die zwischen ca. 17 und 29 Jahren alt sind; der "pädagogische Streß" fehlt völlig, es gibt in den Klassen im Grunde keinerlei Disziplinschwierigkeiten, Ärger mit Eltern etc.


    ich habe das erste Jahr bald rum und würde es jederzeit wieder machen; selbstverständlich hat man zu Stoßzeiten extrem viel zu tun (Abitur!), aber übers Jahr gesehen hält es sich wirklich im Rahmen. Ich glaube, an der FOS/BOS kann man durchaus alt werden!


    Wünsch dir noch ein gutes Händchen be ider Zukunftsgestaltung!

  • Wer hat den Film "Treibhäuser Zukunft" gesehen? Dort geht es um radikale Umstrukturierungen in Richtung Ganztagsschule und offener Unterricht und es wird von Grundschulen und Gymnasien berichtet, unter anderem von der Bodenseeschule und der Jenaer Projektschule, in denen das Lernen offensichtlich klappt - ohne ausgebrannte Lehrer und ohne unzufriedene Schüler. Alle haben bei Pisa und Lerndstandserhebungen überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Ich wünschte mir, man hätte in Deutschland mehr Mut, um radikal neue Wege zu gehen - Kleckerreformen greifen nicht und legen nur neue Steine in den Weg. Als ich den Film gesehen habe, hatte ich gerade die 40. Klassenarbeit korrigiert und mich zuvor im Schreibwarenladen mit neuen Rotstiften und Tippex eingedeckt. Mit meinen Fächern fühle ich mich wie eine absurde Korrekturmaschine und beim Film-Schauen stiegen mir ehrlich gesagt die Tränen in die Augen... Was hat ein 7. Klässler davon, dreimal im Halbjahr gesagt zu bekommen, dass sein FQ jegliche Grenzen nach unten sprengt??? Ich liebe es, zu unterrichten, aber gerade davon fühl ich mich abgehalten... Ein Lehrer aus meiner Ausbildungsschule brachte ein Poster vom Amerika-Ausstausch mit:
    "Let teachers teach" prankt seitdem im Lehrerzimmer.
    Der Film macht Mut und Laune, ganz neue Wege zu gehen. Ich hoffe weiterhin auf Veränderungen, ansonsten wander ich aus;)
    Liebe Grüße,
    Amy

  • Zitat

    Heike schrieb am 12.05.2005 18:48:
    Ich habe mir letztens überlegt, ob ich mir einen nachfüllbaren Rotstift operativ in die rechte Hand einsetzen lassen soll.


    Belasst es nicht beim Jammern. Erkundigt euch, welche Regelungen es in eurem Bundesland gibt und legt sich ggf. weit aus. In B-W können nach der Notenverordnung Klassenarbeiten als Leistungsnachweis durch Benotung von Projekten, Präsentationen, praktischen Leistungen... ersetzt werden.


    In meiner Berufskollegklasse habe ich in Gkde z.B. nur noch eine Arbeit schreiben lassen. Gleichwertig zählen Projektnote mit Handout und Präsentation sowie ein Referat.


    Wartet nicht, bis die Reformen von oben eingeführt werden, sondern füllt eure Freiräume.

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

    • Offizieller Beitrag

    Ich hab den Film "Treibhäuser der Zukunft" gesehen und mir kocht dabei aus einem anderen Grund die Galle über: seit Jahren gibt es diese Schulen, aber sie werden nicht flächendeckend eingerichtet.


    Hab grad in einem anderen Thread kurz von der Schule erzählt, die mein Sohn besucht. Diese Reformschule läuft seit 1986 (!) als "Versuchsschule des Landes Hessen" - So langsam sollte man bei dem Versuch doch bemerkt haben, dass es gut funktioniert!


    Dazu kommt, dass wir in Uni und Studienseminar diese Unterrichtsformen/ -methoden als optimal und wahnsinnig innovativ (kennen-) lernen.


    Jedesmal, wenn ich einen solchen Artikel lesen oder eben solche Filme sehe, denke ich: Hallo? Das gibt es, alle sind damit zufrieden, alle finden, es ist der optimale Unterricht - Warum ändert sich nichts??
    Ist das die preußische Tradition im Schulwesen, oder was?


    LG, Melosine


    P.S.: Wart mit der OP noch ein bisschen - vielleicht ändert sich ja doch mal etwas in den Köpfen. Ich hab die Hoffnung noch nicht aufgegeben, bin aber auch noch frisch dabei ;)

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