Fortbildung am Samstag wegen Wochenend-Citytrip absagen?

  • Hallo Ihr Lieben,


    ich habe ein kleines Problem: Heute habe ich runden Geburtstag (nein, das ist noch nicht das Problem :tongue:) und von meinem Freund eine Wochenendreise mit Musicalbesuch nach Berlin geschenkt bekommen. Meine Freude war natürlich groß!


    Allerdings war der Blick auf das Datum nicht ganz so erfreulich, denn ausgerechnet an diesem Samstag (02.06.), an dem morgens schon ganz früh der ICE nach Berlin fährt, habe ich den letzten Tag einer dreitätigen Fortbildungsveranstaltung (Lion`s Quest).


    Ich möchte meiner Schulleitung die Situation jetzt schildern und sie fragen, ob es möglich ist, dass ich das Seminar, das noch zweimal in diesem Jahr angeboten wird, im Augst machen kann. Ich würde evtl. Stornokosten für das Seminar natürlich auch tragen.


    Habt Ihr diesbezüglich Erfahrungswerte bzw. würdet Ihr Euch in meinem Fall auch so verhalten? Lehnt meine Schulleitung meinen Vorschlag ab, würde ich am Samstag selbstverständlich zur Fortbildung gehen und im Anschluss an die Veranstaltung (ab 14:30) zusehen, dass ich nach Berlin nachkomme. Aber das wäre natürlich schon blöd.... dann wäre der ganze Tag kaputt, plus die Kosten der nicht genutzten Zugfahrt.... ;(

  • An Fortbildungen, die samstags stattfinden, nehme ich aus Prinzip nicht mehr teil. Es gibt unselige Versuche und auch dienstliche Anweisungen von höheren Chargen, dass Fortbildungen in Zukunft vermehrt an Wochenenden oder in Ferienabschnitten stattzufinden haben. Diesen Bestrebungen kann man nur dadurch entgegenwirken, dass die Anmeldungszahl und Teilnahmefrequenz für derartige Veranstaltungen so gering ausfällt, dass diese abgesagt werden müssen.


    Jeder Industriebetrieb, der etwas auf sich hält, bietet seinen Arbeitnehmern die Fortbildungen als bezahlte Arbeitszeit oder nach Abschluss einer Fort- und Weiterbildung mehr Gehalt.


    Uns Lehrern wurden in den letzten 15 Jahren massiv die Gehälter gekürzt: Wegfall/Kürzung von Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Streichung der Anerkennung des Arbeitszimmers und der Fahrtkosten, Nichterstattung von Reisekosten bei Schullandheimfahrten uswusf. .. "Lohnerhöhungen" unterhalb der Inflationsrate ...


    Gleichzeitig steigt die Arbeitsbelastung während der Woche durch Elterngespräche, Zusatzkonferenzen und Besprechungen, die neben dem normalen "Tagesgeschäft" zu erledigen sind. Zudem wird alle paar Monate wieder eine neue "pädagogische Sau durch's Dorf getrieben" - sprich: Prüfungsordnungen, Lehrpläne, Diagnosearbeiten etcpp werden ständig revidiert und zum x-ten Mal vom "Kopf auf die Füße gestellt" - man bekommt schon den Drehwurm. Und alles muss in unzähligen Konferenzen durchgekaut und besprochen, bzw. "multiplikatorisiert" werden.


    In unserem Kollegium wächst der Unmut. Vor allem bei den Kollegen, die mit vollem Deputat unterrichten macht sich immer mehr die Haltung breit, dass Leistungen, die man als Lehrer früher freiwillig zusätzlich erbracht hat, nun aus purem Selbstschutz entfallen MÜSSEN. Man arbeitet mit vollem Deputat bereits an der Belastungsgrenze. Es geht nicht, nun auch noch das Wochenende in irgendwelchen Veranstaltungen zu verbringen, statt sich zu erholen oder (wie üblich) den Unterricht für die folgende Woche vorzubereiten.


    Ich treffe immer mehr Kollegen mit einem sooo dicken Hals!


    [Blockierte Grafik: http://www.fes.de/archiv/_projekte/dgbgross/6619.jpg]

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

    3 Mal editiert, zuletzt von alias ()

  • Ich kann Alias nur zustimmen, ich nehme auch an Fortbildungen am Samstag nicht teil. Den größten Affront fand ich, dass wir nur eine Kollegiumsintere Fortbildung genehmigt bekommen hätten, wenn der zweite Teil direkt am Folgetag, der aber schulfrei hätte sein müssen (Feiertag, Samstag) gelegen hätte.


    Also habe kein schlechtes Gewissen....
    flip

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