"Stille Schüler" - Wie verfahrt ihr mit diesem Problem?

  • Ich denke, jeder kennt das Problem - in der mündlichen Mitarbeit gibt es große Unterschiede. Der eine redet viel und was er sagt, hat wenig Inhalt. Dann gibt es qualitativ hochwertige Wortbeiträge. Klassen sind sehr generell unterschiedlich in ihrer Kommunikation. Da spielt auch sicher das Klima eine große Rolle.
    Mich interessiert, was ihr mit den sog. "Stillen" macht. Da gibt es sicherlich auch Untergruppen - der Extremfall wäre jemand, der nie von sich aus aufzeigt und bei Präsentationen oder wenn er drangenommen wird, nen roten Kopf bekommt und stottert. Wenn diese Schüler dann auch noch schriftlich schlecht sind ... (ich erlebe es allerdings oft so, dass gerade diese Schüler schriftlich stärker sind als der Durchschnitt und sich ihre Noten einfach nur "versauen", vor allem in der Oberstufe, wenn die 50/50-Regelung gilt).


    Wie geht ihr mit den "Stillen" um? Nehmt ihr sie dran, auch wenn sie nicht aufzeigen? Habt ihr schon Einzelgespräche geführt und eine Strategie empfohlen? Lasst ihr sie Hausaufgaben vorlesen oder sammelt ihr Hausaufgaben ein?


    Wie sind eure Erfahrungen mit "stillen Schülern"?

    2 Mal editiert, zuletzt von Micky ()

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Micky,
    hier meldet sich so eine "Stille". Ich habe früher nichts gesagt, nicht aufgezeigt, die Lehrer "totgeschwiegen". Nur zögernd bei meinen Lieblingslehrern aufgezeigt, wenn ich ganz, ganz, ganz genau wusste, dass das, was ich sage, auch richtig ist. Ich war sehr, sehr schüchtern. Aber ich war schriftlich richtig stark. Mein Abischnitt ist mittelprächtig bis gut, weil ich das Colloquium "versaut" habe- man musste mir alles, aber auch wirklich alles aus der Nase ziehen. Meine mündlichen Noten müssen katastrophal gewesen sein- und meine Lehrer hatten bis auf wenige Ausnahmen gar keine Geduld mit mir. Da fielen solche Sätze wie "du kannst ja nach der Schule ins Schweigekloster gehen."
    Deshalb kann ich mich in solche Schüler recht gut einfühlen. Erstmal gibt es ein freundliches Einzelgespräch, dann nehme ich diese Schüler bei Sachen dran, in denen sie sicher sind, z.B. Hausaufgaben vorlesen oder einfache Fragen beantworten und lobe sie dann. Unterstufenschüler auch mal über den grünen Klee, bei Oberstufenschülern eher vorsichtig, damit es nicht unglaubwürdig wirkt. Ich rufe sie auch auf, wenn sie sich nicht melden, ich mir aber denken kann, dass sie es wissen. Ist es falsch, macht es ja auch nichts- das sage ich dann auch. Und so ganz allmählich steigere ich das Level- bis die freiwilligen Meldungen von selbst immer mehr werden und die Schüler richtig gute Ideen haben und sich auch trauen, die zu sagen.
    Liebe Grüße
    Hermine

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Ich rufe sie auch auf, wenn sie sich nicht melden, ich mir aber denken kann, dass sie es wissen. Ist es falsch, macht es ja auch nichts- das sage ich dann auch.


    Ich war auch immer einer der ganz stillen Schüler. Meine Lehrer wussten das und haben sich gefreut, wenn ich mich mal gemeldet habe.
    Sie haben meine mündliche Leistung jedoch immer ... rücksichtsvoll bewertet, quasi im Rahmen ihrer pädagogischen Freiheit. So kam ich immer (trotz minimaler Beteiligung) auf durchschnittliche bis manchmal relativ gute Noten.


    Hätte mich ein Lehrer "einfach drangenommen, obwohl ich nicht aufgezeigt hätte", hätte ich mich in dem Fach wahrscheinlich total verschlossen.
    In Englisch durfte ich auch mal Strichlisten zur Leistungssteigerung machen (pro Meldung ein Strich).


    Und ich handhabe es heute ähnlich. Innerhalb meiner pädagogischen Freiheit dehe ich die Notenvergabe bis zum Zerreißen, wenn es ersichtlich ist, dass die Zurückhaltung in der Schüchternheit der Schüler liegt. Ich muss halt durch andere Art und Weise von der Leistung der Schüler überzeugt sein. (Gruppenarbeitsergebnisse, Hausaufgaben, ...)


    Auch wenn diese Methode möglicherweise nicht immer fair ist, schulde ich dieses Vorgehen meinen ehemaligen Lehrern. ;)


    kl. gr. Frosch

    • Offizieller Beitrag

    Mein Unterricht ist so aufgebaut, dass auch die Stillen sprechen können. Mindestens 40 % sind Gruppen- und Partnerarbeit (Prinzip: think in pairs - share your knowledge). Da eine Fremdsprache logischerweise auch gesprochen werden muss und ein-Satz-Antworten im Plenum ja nicht ernsthaft unter Sprechtraining fallen können, plane ich grundsätzlich so, dass der Sprechanteil der Schüler in der Doppelstunde mindestens 60% ist (~40 % PA/GA, ~20% Diskussion im Plenum) , und der Rest ist Lesen / Schreiben / Nachdenken. Mein Sprechanteil ist möglichst gering und nur moderierend / korrigierend.


    Folglich können die Stillen jede Stunde mit Partner oder Gruppe sprechen und das tun auch 98% . SELBSTVERSTÄNDLICH wird die Arbeit in der Gruppe und in der PA mitbewertet, in dem Anteil, in dem sie auch vorkommt. Da muss man als Lehrer allerdings intensiv dabei sein, immer rumgehen, zuhören, ein bisschen anregen, nachfragen etc... Dann bekommt man schon ein zuverlässiges Bild.


    Da die Stillen die Fragen / Impulse / ... scghon mit mindestes einem Partner durchdacht und vorformuliert haben, haben sie dann auch meist weniger Hemmungen, die Ergebnisse vorzutragen als wenn man ad hoc fragen würde.

    WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
    World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
    yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.

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