elternfrage

  • bei "eltern fragen lehrer" kann ich keinen beitrag einstellen.
    dann tu ich das mal hier.
    ich leite nur die frage einer mutter weiter.

  • von lehrern kam keine meinung zu diesem brief einer mutter.
    ich hatte ihn auch ans zuständiger kultusministerium geschickt.
    diese antwort kam eben:

  • uhm..hat Herr Dormann zugestimmt, dass du den Brief samt Adresse veröffentlichst??????


    Und was sollen wir jetzt mit der Antwort machen?!?!


    LG
    Tina

  • ist seine adresse etwa geheim?
    hättest du eine andere antwort erwartet?
    ich hab wieder zurück geschrieben:
    Sehr geehrter Herr Dormann


    Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Antwortschreiben.


    Dem Schreiben der Mutter ist vor allem zu entnehmen, dass es ihrem kleinen Sohn in der Ersten Klasse richtig schlecht geht.


    Dazu darf ich anmerken, dass ich immer wieder Mitteilungen in dieser Art bekomme. Es ist kein Einzelfall, es ist noch nicht einmal selten, dass sich Kinder oder Jugendliche in der Schule äußerst unwohl fühlen und sich quälen.


    Viele bleiben dann der Schule fern oder sie werden richtig krank.


    Ich bin immer wieder Adressat solcher Klagen, weil ich in meiner Arbeit mit Kindern im Schulanfang Grundsätze der klassischen Schule aufgehoben hatte. Meinen vorgesetzten Schulbehörden musste ich jahrelang beweisen, dass die Kinder tatsächlich lernten und erfolgreich waren, obwohl ich nicht belehrte und erklärte, keine Aufträge und Anweisungen gab und Kinder sich im Schulzimmer immer frei bewegen konnten und immer miteinander reden konnten. Sie suchten sich aus, woran sie arbeiten wollten und mit wem.


    In klassischer Schule sollen Kinder gleichzeitig belehrt werden, sollen stillsitzen an zugewiesenen Plätzen und sollen Arbeiten mit denen sie beauftragt wurden, abliefern. Sie werden ständig kontrolliert und dürfen nicht „stören“.


    Dass ich die Frage und Klage dieser Mutter an das Kultusministerium in Mainz weitergeleitet hatte, soll keine „Anzeige“ von Fehlverhalten von Lehrkräften in einer bestimmten Schule sein, dem man nachgehen müsse um Schuldige zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen.


    Es ist vielmehr ein Hinweis darauf, dass es für unendlich viele Kinder quälend ist, gleichzeitig das Gleiche in kleinen Schrittchen der Reihe nach lernen zu sollen.


    Damit Kinder so verfahren, wird versucht sie zu manipulieren mit Freundlichkeit, Versprechungen oder Drohungen. Solche Schule wirkt auf mich gelegentlich wie Zirkus, Bühne, Andacht oder Strafvollzug.


    In einer Schule die Lern- und Lebensraum ist, in der Kinder sich frei bewegen dürfen, in der Erwachsene Lernbegleiter sind, in der Lerngelegenheiten zur Verfügung stehen und nicht „Lernstoff“ aufgedrängt wird, geht es keinem Kind schlecht.


    Wenn Kinder nicht gleichzeitig um die Wette Erfolge haben sollen, können alle Kinder erfolgreich sein.


    So eine Schule unterscheidet sich von klassischer Schule. Meine Arbeitsweise wurde misstrauisch kontrolliert, nicht die der Kolleginnen, die Kinder belehrten, bestraften, entmutigten, mit Belohnungen köderten.


    Lehrer werden für klassische Schule ausgebildet.


    Die Klage und Frage dieser Mutter verwende ich hier, um das Kultusministerium (ich hatte meine erste Mail ja an die Ministerin gerichtet) aufmerksam zu machen, dass durchaus üblicher Schulalltag für Kinder quälend und entmutigend sein kann.


    Ihre Antwort hab ich natürlich der Mutter weitergeleitet.


    Vielen Dank und herzliche Grüße


    Rolf Robischon


    (eigene Schulzeit in Prüm und Trier, 40 Jahre Lehrer)


    http://www.robischon.eu Lernen ist wie Netze spinnen

  • Hallo!


    Ich finde diese Art der Schule und des "unterrichtens" sehr interessant. Jedoch stelle ich es mir sehr schwierig vor es zu verwirklichen. In der Tat wird im Studium immer davon gesprochen, wie schlecht z.B. Frontalunterricht ist und dass Unterricht freier gestaltet werden sollte, allerdings mangelt es an der Umsetzung.
    Auch in der Nachhilfe (4.Klasse Deutsch) merke ich, dass ich durch durchsprechen - üben - wiederholen nicht sehr viel weiter komme, aber ich finde einfach keine Lösungen.
    Da wird man im Studium auch echt alleine gelassen!
    Gehört jetzt vll nicht mehr ganz zum Thema, aber hat jemand einen Tipp dazu? Wenn ich mal was spielerisch mache, habe ich immer das Gefühl keine Ziele zu erreichen und habe Angst mich vor den Eltern rechtfertigen zu müssen...


    Ronja

  • hallo ronja
    passt genau zum thema

    Zitat

    In der Tat wird im Studium immer davon gesprochen, wie schlecht z.B. Frontalunterricht ist und dass Unterricht freier gestaltet werden sollte, allerdings mangelt es an der Umsetzung.
    Auch in der Nachhilfe (4.Klasse Deutsch) merke ich, dass ich durch durchsprechen - üben - wiederholen nicht sehr viel weiter komme,


    mein tipp zu deiner anfrage: wenn das kind zu dem lernbereich etwas wirklich wissen und können will, dann genügt es, die zusammenhänge so deutlich (durchsichtig sag ich dazu) wie möglich zu zeigen (aufschreiben, malen).


    wenn das kind fragt "was muss ich machen?" will es gar nichts dazu wissen, sondern nur dieses thema hinter sich bringen.
    wer so fragt ist schon "beeinträchtigt" durch klassisches schulverfahren.
    wenn das kind mehr wissen will und etwas wirklich können will, fragt es anders.

  • Das ist der springende Punk! Er will gar nichts davon wissen, weil ihn Deutsch schlichtweg nicht interessiert. Vor kurzem hatte ich mit ihm das Thema Fabeln. Das fand er richtig gut und plötzlich konnte er sich auch Dinge merken. Da hat er dann auch endlich mal ne gute Note (3) geschrieben, doch auch das war kein Ansporn für ihn um weiter zu machen. Ist dann bei ihm schon alles verloren?
    Ich denke eigentlich, dass es trotzdem in meiner Hand stehen müsste, ihn zu motivieren. Ich finde es einfach Schade, dass er sich selbst Steine in den Weg legt und noch dazu seine Zukunft verbaut.
    Ronja

  • Das ist der springende Punk! Er will gar nichts davon wissen, weil ihn Deutsch schlichtweg nicht interessiert


    es ist nicht "deutsch" das ihn nicht interessiert.
    es ist das schulfach, das kontrollinstrument, die schulstunde in der er über sich erfährt er können nichts oder jedenfalls zu wenig.
    in deutsch gibt es fehler die gezählt werden um schülker bewerten zu können.
    wie weicht man fehlern am besten aus?
    man verfährt wie bei der heißen herdplatte.


    wenn es um interessante informationen geht und um kommunikation, dann ist geschriebene und gesprochene sprache ganz sicher wichtig und interessant für ihn.
    welche informationen interessieren ihn?
    mit wem würde er schriftliche mitteilungen austauschen?


    wenn er einfach den plan erfüllen soll, dann muss man ihn zwingen, ermuntern, quälen, ihm drohen.
    ich bin sicher, das liegt dir nicht so sehr.

  • Nein, das liegt mir wirklich nicht besonders. Aber im Moment läuft echt alles nur auf der Schiene: Du kannst das, streng dich an...
    Außerdem hat er eh einen riesigen Druck, weil es nur mit Mühe und langer Zeit des Ungewissens geklappt hat ihn auf einer Regionalschule anzumelden. Sonst wäre nur die Hauptschule geblieben und da geht´s bei uns in der Region echt nicht rosig zu. Hinzu kommt, dass in der Familie ständig darüber gesprochen wird, wie schlecht die Chancen sind, wenn man nicht einmal einen Realschulabschluss hat. Natürlich bemühen sich die Eltern um ihn und machen ihm keine Vorwürfe, aber er spürt den Druck trotzdem ganz deutlich. X(
    Zum Thema Lernen gibt´s in der Familie auch nur negative Verknüpfungen. "Das musst du dir heute noch durchlesen, nachher musst du schon wieder lernen..."
    Ich weiß einfach nicht, ob die eine Stunde die Woche Einfluss auf seine Lernmotivation nehmen kann.
    Aber auch so, ich weiß nicht, ob und wie man Grammatik so richtig interessant gestalten kann.
    Auf die herkömmliche Art lernt er zwar schon, aber es geht sehr schleppend voran und viele Dinge vergisst er wieder. Bin ich eigentlich die einzige, die dieses Problem hat?
    Hab beschlossen die Grammatik erst mal ruhen zu lassen und mit ihm das Buch "Berts intime Katastrophen" zu lesen. Vielleicht schaff ich es, ihn wenigstens mal zum Lesen zu animieren. Wie ich die Nachhilfe in Bezug zu diesem Thema sonst noch so gestalte und welche Möglichkeiten es gibt, um Interessantes, Lehrreiches mit dem Buch zu verknüpfen, weiß ich noch nicht. Vielleicht hat ja jemand ein paar Anregungen.
    Manchmal glaub ich, ich mach mir einfach zu viele Gedanken um alles! :)
    Es gibt bestimmt tausende, die ihre Nachhilfestunde mal ratz fatz vorbereitet haben, und ich denk ständig darüber nach...
    ?(

  • hallo ronja

    Zitat

    Auf die herkömmliche Art lernt er zwar schon, aber es geht sehr schleppend voran und viele Dinge vergisst er wieder. Bin ich eigentlich die einzige, die dieses Problem hat?


    ich bin doch gespannt, ob es auch von anderen so eine beobachtung zur "herkömmlichen art" gibt.


    du bist sicher nicht die einzige.

  • im studium lernt man eine utopie von schule.


    im referendariat muss man dann zeigen, dass man genug tricks auf lager hat, um den unseeligen schulbetrieb so zu verkleiden, dass er letztlich wenigstens ein wenig glanz gewinnt ... das nennt sich dann wochenpläne, motivierende problemstellungen, projekte, konzentrationsspiele, gute lehrerpersönlichkeit, blümchenstempel, leseecke, computer ag, binnendifferenzierung, etc.


    nach dem referendariat setzt man dann obiges mehr oder weniger gut fort. hinzu kommt dann noch die erwartungshaltung mancher eltern ("die parallelklasse ist aber schon auf seite 35" ...) sowie diverse gleichschaltungsmaßnahmen der landesregierung (vergleichsarbeiten).


    nächstes jahr beginne ich meine erste 1.klasse. ich sitze zwischen allen stühlen. ich erlebe kolleginnen, die mit knallhartem unterricht große (vermeintliche ?!?) erfolge erzielen, kenne mißglückte öffnungsversuche und suche doch nach einer möglichkeit, schule anders zu machen ... z.z. leider noch auf der suche.


    schlauby, der z.z wie seine schüler vor lauter hitze nicht mehr arbeiten kann und will.

    • Offizieller Beitrag

    Schlauby, ich steh vor dem gleichen Dilemma! Vielleicht können wir uns mal darüber austauschen.



    Die Realität in der Schule ist eben nicht so, dass ich so mir nichts dir nichts das Idealkonzept des freien Lernens umsetzen kann.
    Es gibt dabei nicht nur die schwarze Pädagogik auf der einen und freies Lernen auf der anderen Seite. Tausende von Lehrerinnen und Lehrern bemühen sich um ein möglichst erfolgreiches, selbstbestimmtes, motivierendes, freudvolles Lernen ihrer Klasse!


    Es stinkt mir, dass es hier mal wieder so dargestellt wird, als wären alle Lehrerinnen, die nicht nach einem bestimmten freien Unterrichtskonzept unterrichten, fiese Kinderunterdrücker!


    Wir haben einfach auch eine riesige Verantwortung. Ich habe nicht nur die Lehrberechtigung, sondern auch einen Lehrauftrag!


    Freiheit geht mir persönlich über alles. Doch Freiheit ist auch, wenn ich Selbstständigkeit erlange, weil ich z.B. Lesen kann! Bildung trägt zur Freiheit bei. Und um etwas zu lernen, muss man sich manchmal anstrengen!


    Und vielleicht braucht man an bestimmten Stellen sogar Erwachsene, die einem sagen, was man Lernen könnte/ sollte, was wichtig ist.


    Ich habe es erlebt, dass Kinder an einer freien Schule eben andere Prioritäten gesetzt haben und nicht richtig lesen und schreiben gelernt haben! Das macht mich auch sauer, weil man den Kindern mit dem ganzen Gerede von Freiheit Zukunftschancen versaut, die sie noch gar nicht überblicken können!


    Freiheit ist auch, eine qualifizierte Schulbildung genießen zu können.


    In diesem Sinne zermartere ich mir mit schlauby und vielen anderen seit Wochen das Hirn über das bestmögliche Lernen, die besten Materialien, Bücher, Methode für meine neue Kombiklasse 1/2. Und dabei versuche ich möglichst differenziert vorzugehen, um allen gerecht zu werden.


    Ich denke schon, dass man Schule verändern kann, aber eben verantwortungsvoll und nach und nach. Seit deiner Schulzeit, Rolf, hat sich m.E. schon viel an den Schulen getan. Viele Kollegen arbeiten mit offenen Unterrichsformen, etc. Der Wandel ist in meinen Augen in vollem Gange. M.E. liegt das Optimum aber irgendwo in der Mitte zwischen angeleitetem und völlig freiem Unterricht.


    Gruß,
    Melosine

    • Offizieller Beitrag

    Ein schöner Beitrag, Melo, und ich empfinde ebenso wie du.
    *ironie on* Aber da meine Schüler ja unter meiner Aufsicht und der des Kultusministeriums stehen, sind sie ja nur "Insassen" - und lernen nur was, wenn sie nicht meiner "Dressur" oder "Inszenierung" beiwohnen.
    Die Welt ist nämlich schwarz und weiß... *ironieoff*
    Ich kenne Kinder, die nach einer sogenannten freien Schule mühsam mit Nachhilfeunterricht den Stoff nachholen mussten, damit sie überhaupt einen Abschluss bekommen haben- und komisch, da hatten sie dann leider keine Freiheit mehr.
    Mein Ziel ist es, eine angenehme Lernatmosphäre zu schaffen, aber die Kinder auch an der Hand zu nehmen und ihnen ein Stück weit den Weg zu zeigen. Und ich denke inzwischen, die meisten jüngeren Lehrer merken ganz genau, wann ein Kind selbständig arbeiten kann und wann es noch Anleitung braucht. Und ganz komisch, wenn meine Elfer nach einer langen Periode Freiarbeit auf einmal sagen: "Frau X, könnten wir nicht mal wieder "klassischen" Unterricht machen?"


    Lg
    Hermine

  • Das Zauberwort heißt Evaluation (robischon bevorzugt selektierte Einzelfälle, entweder als Erzählung oder in Briefform). Hier das aktuelle Beispiel aus "meinem" Berufskolleg:


    [Blockierte Grafik: http://www.gemeinschaftskun.de/frage1.bmp]


    [Blockierte Grafik: http://www.gemeinschaftskun.de/frage2.bmp]


    [Blockierte Grafik: http://www.gemeinschaftskun.de/frage3.bmp]


    Ich arbeite etwa 1/3 der Zeit projektorientiert oder in längeren Gruppenarbeitsphasen, etwa ein weiteres Drittel als Unterricht mit GA und Präsentation und ein letztes Drittel im klassischen Frontalunterricht mit PA- und Einzelarbeitsphasen.


    Wie man sieht, will die Mehrheit der Schüler nicht mehr Projektorientierung, weniger GA und viele mehr klassischen Unterricht.


    Robischons Argument vorweggenommen: Die sind schon zu stark auf das etablierte System fixiert. Gähn. Frage mich, wie er dann zu seinen Unterrichtsmethoden gefunden hat ;)

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

    Einmal editiert, zuletzt von Timm ()

  • lieber timm
    fühl dich doch nicht immer von mir angegriffen.

    Zitat

    Wie man sieht, will die Mehrheit der Schüler nicht mehr Projektorientierung, weniger GA und viele mehr klassischen Unterricht.


    die mehrheit der schüler?
    ob das wirklich repräsentativ ist?
    kennen die was anderes?


    zur zeit gründet sich ein verein "lernen ohne angst".
    wie kommen die darauf?



    null


  • Bitte Statistiken lesen: Die Befragung steht für meine Berufskollegklasse. Die Stichprobengröße ist n=22 und für diese sind die Aussagen voll repräsentativ. Ich führe in jeder Klasse, in der ich einen größeren Lehrauftrag habe, eine Befragung durch und ziehe Konsequenzen für das nächste Jahr.

    Zitat


    kennen die was anderes?


    Was sollen sie anderes kennen?

    Zitat


    zur zeit gründet sich ein verein "lernen ohne angst".
    wie kommen die darauf?
    null


    Weil Schüler vor Lehrern Angst haben und nicht nur vor der Art und Weise, wie sie ihren Unterricht vermitteln....

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

    • Offizieller Beitrag

    Den letzten Satz von Timm kann ich voll unterschreiben- die Schüler haben nicht vor dem klassischen Lernen Angst, sondern vor den Lehrern. Gerade in meiner Schule prallen hier zwei Welten aufeinander. Zum einen die jungen Lehrer, die sich inzwischen bei jedem Wort überlegen, ob das nun motivierend ist oder die Schüler bedrängt, während die Älteren auch schon mal einen deftigen Spruch loslassen, der von den Schülern aber als absolut beleidigend empfunden werden. Und auch die Ergebnisse von Timms Evalutation würden meine Schüler sofort unterschreiben:
    Freiarbeit, Gruppenarbeit u.ä. sind mal ganz schön, auf Dauer wollen die Schüler die freien Unterrichtsformen aber gar nicht.
    In meiner Elf habe ich gerade einen Feldversuch gewagt: Die Schüler bekamen ein Thema (aus der behandelten Lektüre), das sie bearbeiten sollten- und dann habe ich mich zurückgezogen. Ergebnis: Erstmal große Unsicherheit- obwohl meine Schüler wirklich durch das ganze Jahr hindurch immer wieder Erfahrung mit offenen Unterrichtsformen sammeln konnten. Inzwischen arbeiten sie munter drauflos- aber erst, nachdem sie sich von mir Anregungen erbeten hatten.
    Ehrlich gesagt sehe ich den Sinn dieser hundertzwanzigsten Diskussion aber nicht mehr so ganz ein. Ich werde auch nach dem dritten oder fünften Elternbrief und nach einem weiteren Beitrag von dir, Robischon, den vollkommen freien Unterricht sehr kritisch sehen und du wirst von deiner Ansicht auch nicht abweichen.
    Was soll also die ständige Aufwärmerei?
    Liebe Grüße
    Hermine

  • aufwärmerei
    feldversuch "gewagt"


    liebe hermine
    wenn dir das hier zum hals raushängt, warum bleibst du doch dran?
    es geht einerseits darum wie lehrer mit lernenden umgehen.
    timm geht ohne zweifel bestens mit denen um für die er zuständig ist. du sicher auch.
    also sind sie einverstanden mit dem was er /was du willst.
    wenn timm die statistik gerne anders hätte, sie würden sich darauf einlassen.


    mir geht es immer darum (und das hört nicht auf) wie lernen tatsächlich stattfindet.
    das lässt sich leicht nachlesen bei hirnforschern oder auch schon in dem uralten buch von frederic vester "denken, lernen, vergessen".
    lehrer wollen, dass kinder und jugendliche so lernen wie sie, die lehrer, es vorgeben und veranlassen.
    das kann gelingen oder misslingen. vor dem misslingen haben lernende angst. lehrer teilen ihnen sowas offensichtlich ständig direkt oder indirekt mit.
    wenn kinder selbstständig lernen dürfen und experimentieren mit ihrem wissen und ihren erkenntnissen, dann kommt soetwas nicht vor (dass ein anderer mitteilt, es sei falsch, es habe nicht geklappt, die aufgabe sei nicht erfüllt, das ziel sei nicht erreicht).

  • Schön wäre es schon, wenn die Schüler nicht ständig gesagt bekämen, was sie nicht können. Aber so ist es glaube ich kaum realisierbar. Denn spätestens auf einer weiterführenden Schule werden alle Kinder auch nach Leistungen bewertet. Ich weiß wirklich nicht, ob sich da der freie Unterricht in der Grundschule nicht negativ auswirkt.


    Ich finde übrigens nicht, das es eine unnötige Diskussion ist, denn eigentlich geht es doch nicht darum, anderen eine Meinung aufzudrängen, sondern Möglichkeiten aufzuzeigen und Erfahrungen auszutauschen, oder???

  • ich bin deiner meinung, ronja.
    so ein austausch ist nicht unnötig.
    zu deinen bedenken

    Zitat

    Ich weiß wirklich nicht, ob sich da der freie Unterricht in der Grundschule nicht negativ auswirkt.


    kinder die erlebt haben dass sie selbstständig und miteinander lernen können, hören nicht mehr auf zu lernen und selbstständig zu sein.
    kinder die sich so erleben durften, haben keine probleme in den weiterführenden schulen. sie müssen nicht "motiviert" werden.
    sie können höchstens verärgert sein über seltsamen umgang von lehrkräften mit ihnen und über abfällige äußerungen.
    wenn in weiterführenden schulen grundsätzlich "leistungen" von lernenden registiert würden und nicht nur reproduktionen, dann würden sich lernende nicht unwohl und unsicher fühlen.
    unsicher heißt hier: was will er wohl wissen von mir? was wird erwartet von mir damit ich die erforderlichen punkte erreiche?

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