Referendarsbetreuung - Freud oder Leid?

  • Hallo Finchen, also erst einmal danke, dass du zu meiner Frage, wie die Mentorentätigkeit empfunden wird, die Sichtweise eines Referendars zur Seite stellst. Darf man ja nicht vergessen, dass da immer mind. 2 dazugehören!


    Wie schon erwähnt, ich war ja noch nie Mentorin, wollte also deshalb mal Erkundigungen bei erfahrenen Mentoren einholen. Deshalb der Thread "Freud oder Leid?" Wenn ich mir die Postings so durchlese, bekomme ich den Eindruck, dass viele - trotz der Highlights und vermehrten Reflexionsmöglichkeiten, die die Arbeit mit Referendaren bescheren kann - die Erfahrung gemacht haben, dass schnell der Rahmen des "normalen" Betreuungsverhältnisses gesprengt werden kann, wenn es einem Ref noch an Selbstständigkeit fehlt bzw. er/sie einen psychotherapeutischen Bedarf hat.


    Dies waren meine ersten Eindrücke.


    Viele Grüße

  • ich würde es nicht so negativ sehen. unbestritten ist es viel arbeit (referendare üebrnehmen übrigens nicht meinen unterricht, sondern ich muss extra zu ihren stunden in die schule kommen -> ganz schön zeitaufwändig am anfang, wenn's halbwegs läuft komm ich aber nach und nach nur noch sporadisch). für mich gibt es mehrere gründe, es doch imemr wieder zu tun: a) ich arbeite egrne auch mal richtig mit ejmandem zusammen, b) bleibe ich auch fachlich am ball, c) ich komme gar nicht in die versuchung nur noch larifari unterricht zu machen, wenn regelmäßig jemand dabeisitzt und d) ich möchte den referendaren das bittstellertum auch ersparen, das kann so frustrierend und niederschemtternd sein. als ganz kleinen punkt am ende: es wird bei beförderungen ja auch berücksichtigt.

  • ich nehme gerne Referendare. Die Aufgabe ist noch mal was anderes als die anderen Dinge, die zum Lehrerjob gehören.
    Aufgrund der Unterschiedlichkeit ist man vor viele verschiedene Aufgaben gestellt: loben, trösten, ermutigen, Hoffnungen rauben, rauswerfen (im schlimmsten Fall).
    Läuft es gut, kann ein Referendar eine echte Entlastung sein und Anregungen für den eigenen unterricht bieten oder sogar Material "liefern".
    Läuft es nicht gut, ist das ähnlich wie bei einem schlechten Schüler, er das Abi nicht schaffen wird, es aber auf jeden fall versuchen will und von sich selbst überzeugt ist. Nur, dass ein erwachsener mensch mit einem Studium ein bisschen was anders ist als ein Schüler ... da musste ich mich auch erst mal dran gewöhnen.
    Vor einer Reihe gibt es eine kurze Besprechung, ich will dann einen Überblick über die Stunden und ja nach klasse veränder ich auch schon mal was (12er oder 13er)
    Ich schreibe immer viel mit in einer Stunde und danach mache ich eine Besprechung, die zwischen 2 und 10 Minuten lang ist, je nach nachfolgendem Unterricht (Pause dazwischen oder nicht). bei einem "Problemfall" kann die besprechung nach der 6. oder 7. stattfinden und auch schon mal etwas länger dauern. Das ist aber die Ausnahme. Den zettel dürfen die refs dann behalten.
    Irgendwann schreibe ich dann das Gutachten und lasse es zuerst die Refs lesen, das ist bei uns usus. dann gibt es einen Nachmittags-termin bei Frau Direx, die mit den Lehrern und den AKOS (Ausbildungskoordinatoren - kümmern sich um Organisation des Refs) die Note für ihr Gutachten festlegt und sich dafür auch unserer Gutachten bedient. Sie hat seeeeehr wenig zeit für Refs und oft nur 2 Lehrproben von ihnen gesehen.....
    Entlastung gibt es keine ... nur die AKOS bekommen 0,5 oder 1 Entlastungsstunde, ich weiß nicht genau. Da sind auch sehr unterschiedliche personen dabei - teilweise machen sie sich sehr wenig Arbeit.


    ich mache das aber trotzdem gerne - ich habe im Ref einen guten Ausbildungslehrer gehabt, der mir nach anfänglichen Schwierigkeiten an einer verkorksten Schule mit verkorkstem Kollegium und Direx sehr geholfen hat. Vielleicht will ich das zurückgeben. ich kann mittlerweile aber auch grenzen setzen - meine letzte Ref war der Horror und dementsprechend war auch das Gutachten und die gespräche.

    Einmal editiert, zuletzt von Micky ()

    • Offizieller Beitrag

    Ich mache auch gerne Ref-Betreuung- allerdings ist das bei uns ja nach Fächern aufgeteilt, dh. jeder Ref hat zwei Betreuungslehrer, was ich auch sehr sinnvoll finde. Außerdem hilft das Kollegium sehr zusammen, dh. wenn ein Betreuungslehrer mal nicht da ist, kann sich der Ref jederzeit auch an die anderen Kollegen wenden.
    Meine Ref hat mich am Anfang in den Wahnsinn getrieben, sie hat immer alle möglichen Leute um ihre Meinung gebeten, um es dann doch wieder ganz anders zu machen oder meinte, meine Anweisungen (sie hatte in einer Klausur einen viel zu leichten Fehlerschritt angesetzt) ständig mit "Ja, aber..." in Zweifel ziehen zu müssen. Nachdem die Ref keine Stunden in meinen Klassen unternimmt, sondern eigenständig Klassen unterrichtet und ich am Anfang wirklich jede Klausur und jeden Test nachschauen musste, war das schon viel Arbeit.
    Aber inzwischen sind die Probleme aus dem Weg geräumt und es läuft bis auf ein paar Kleinigkeiten sehr gut.
    Ich mache die Betreuung auch wirklcih gerne, weil ich da auch immer wieder an neues "Input" komme.
    Liebe Grüße
    Hermine

  • Mich würde interessieren, wie selbstständig ihr einen Referendar eine Unterrichtsreihe vorbereiten lasst. Einerseits möchte ich dem Referendar (ich meine immer natürlich auch: der Referendarin) viel Freiheit lassen, sich auszuprobieren, und ihm die Möglichkeit geben, aus Fehlern zu lernen. Andererseits habe ich immer ein wenig schlechtes Gewissen, wenn ich ihm nicht etwas Futter aus meinem reichen Erfahrungsschatz und Methodenrepertoire anbiete mit der Folge, dass der Referendar dann nur das macht, was ich ihm vorschlage, weil er sich - mit Blick auf das Gutachten - auf der sicheren Seite sieht.

    • Offizieller Beitrag

    Ich lasse die Refin ihre Unterrichtsreihen ganz selbständig vorbereiten. Ab und zu biete ich ihr mal ein Arbeitsblatt zu dem Thema oder Teile einer Stunde an.
    Vielleicht bin ich da auch etwas egoistisch, aber mir hat damals auch keiner geholfen.
    Liebe Grüße
    Hermine

  • Zitat

    Original von Hermine
    Ich lasse die Refin ihre Unterrichtsreihen ganz selbständig vorbereiten. Ab und zu biete ich ihr mal ein Arbeitsblatt zu dem Thema oder Teile einer Stunde an.
    Vielleicht bin ich da auch etwas egoistisch, aber mir hat damals auch keiner geholfen.


    Mit so einer Einstellung hab ich ehrlich gesagt immer so meine Schwierigkeiten. Gerade wenn man so etwas selbst erlebt hat, dann find ich so eine Einstellung doch etwas merkwürdig. Und warum die Referendare das Rad neu erfinden lassen? Ich find, man kann von ihnen immer sehr viel mitnehmen und sie werden sich mit Sicherheit auch dafür revanchieren.


    Lieben Gruß und schönen Sonntag,
    Effi

    • Offizieller Beitrag

    Bei mir war die Ref-Betreuung so: Wir haben sehr viel zusammengearbeitet, mit der einen Ref habe ich außerdem fast täglich telefoniert und wir haben die Stunden zusammen geplant. Das sah so aus, dass wir beide Material gesammelt haben, die Ref eine Stunden- oder Reihenplanung gemacht hat, die wir dann gemeinsam besprochen und gegebenenfalls geändert haben. Im Laufe der Zeit hat sie natürlich immer selbständiger geplant, aber grundsätzlich haben wir die Reihen und meist auch die Einzelstunden vorher besprochen. Das war zwar teilweise recht zeitaufwändig, aber 1. hätte ich diese Reihen ja eh planen müssen und 2. ist es schön, weitere methodische Ideen einbeziehen zu können, als die, die man selbst spontan hat.
    Ich fand diese Arbeit auch in mehrfacher Hinsicht als Bereicherung: Es war mal was ganz anderes, als immer "nur" zu unterrichten und korrigieren. Es war sehr praktisch, zu zweit in der Klasse zu sein, so dass es auch mal möglich war, dass einer von uns bei irgendwelchen Vorfällen in der Klasse auch mal kurz mit einzelnen Schülern vor der Tür sprechen konnte oder Eltern anrufen konnte, wenn etwas vorgefallen war. Oder man konnte zwischendurch auch mal zum Kopierer, da ja jemand die Klasse beaufsichtigte. All das waren ja auch Arbeitserleichterungen. Mir war es wichtig, die Ref gegen Ende des Referendariats in die Aufgaben der Klassenleitung einzuführen - da man mit Hauptfächern in der SekI ja mit ziemlicher Sicherheit nach dem Ref direkt eine Klassenleitung bekommt - , so dass sie auch dort mal Aufgaben übernahm. Sie engagierte sich in der Klasse, plante auch mal Ausflüge etc. und auch das war sehr schön und ein Stück weit entlastend. Für sie wiederum war das auch sehr gut, überall Hilfestellung bekommen zu können.

    Und auch die Korrekturen teilten wir uns gegen Ende des Refs, wobei wir natürlich die Zweifelsfälle besprachen und ausführlich überlegten, was wir wie bewerten.
    Alles in allem war das ein sehr schönes Arbeiten und insgesamt eigentlich war die "Mehrarbeit" wirklich nicht so extrem.


    Ich denke, wenn man Referendare hat, mit denen man überhaupt nicht klarkommt, ist es ja immer noch möglich, diese nach einiger Zeit wieder "abzugeben".


    Ist es übrigens nicht so, dass wir sogar verpflichtet sind, Refs auszubilden?

  • Also, ich finde die Einstellung von Hermine gut, denn Referendare lernen am besten, wenn sie selbstständig handeln. Meine Mentorin ließ mich auch alles allein machen, zumal sie zum Teil andere Fächer als ich hatte. Dafür gab es dann intensive Stundenbesprechungen, wenn ich ihr einen UB-Entwurf vorgelegt habe.

    • Offizieller Beitrag

    ja, wir sind dazu verpflichtet, Referendare zu betreuen, aber wir hier können die Referendarin eben nicht wiederabgeben oder wegschicken.


    Zu meinen vorherigen Beitrag: Ist es denn besser, wenn ich in den Unterrichtsbesuchen dann mein eigenes Zeug wiedergekaut bewerten muss?
    Abgesehen davon soll in Bayern der Ref in seinem Bdu möglichst selbstständig unterrichten!
    Klar gebe ich ihr Tipps und eben auch Materialien- aber sie lernt nunmal am meisten, wenn sie selbst ausprobiert!
    Und gemeinsames Planen ist hier im Bdu (manchmal leider ;-)) überhaupt nicht erwünscht!
    Übrigens hat mir die Selbstständigkeit auch überhaupt nicht geschadet.
    Der einzige Unterschied zwischen mir damals und meiner Refin heute ist:
    Mir hat keiner geholfen, selbst, wenn ich darum gebeten habe.
    Ihr helfe ich schon, wenn sie darum bittet und gar nicht weiterkommt.
    Liebe Grüße
    Hermine

  • @Liebe Hermine

    Zitat

    Vielleicht bin ich da auch etwas egoistisch, aber mir hat damals auch keiner geholfen.


    Da musste ich eben sehr schmunzeln, denn du sprichst mir aus dem Herzen!


    @ Liebe effiebriest

    Zitat

    Mit so einer Einstellung hab ich ehrlich gesagt immer so meine Schwierigkeiten. Gerade wenn man so etwas selbst erlebt hat, dann find ich so eine Einstellung doch etwas merkwürdig.


    Zitat

    wir sind dazu verpflichtet!


    Ich kann deine Schwierigkeiten nachvollziehen, denn ich befinde mich wie vermutlich viele unter uns in der schwierigen Lage, mein Pflichtbewusstsein als Beamtin des deutschen Staates und meine persönlichen Bedürfnisse als Mensch zu vereinbaren.


    Ich muss zugeben, dass mir meine Pflichten leichter von der Hand gehen, wenn meine menschlichen Bedürfnisse nach guter Zusammenarbeit, Anerkennung, gegenseitigem Respekt und Hilfe, erfüllt werden. Sehe ich meine Bedürfnisse in dieser Hinsicht nicht erfüllt, dann - so habe ich es an mir beobachtet - reduziere ich unbewusst mein Engagement aufs Notwendigste.


    Dass Refis einem viel zurückgeben können, habe ich hier ja jetzt auch lesen können.

  • Interessante Diskussion, auch aus Sicht von Referendaren ;).


    Wobei ich, Klöni, Dein Problem nicht völlig nachvollziehen kann.


    Zitat

    Die Faktorisierung ist auch ein Witz - also mal ehrlich und ganz egoistisch formuliert - warum sollte ich es tun?


    Wenn Du so skeptisch bist, wäre es sicher das einfachste, wenn Du die Sache bleiben lässt. Wobei ich davon ausgehe, dass Deine Schulleitung Dich zur Betreuung nicht zwingen wird.


    Aber mal aus Referendarssicht:


    Bei mir ist es so, dass ich auch zwei Mentoren habe, einen pro Fach. Einer von beiden nimmt sich wahnsinnig viel Zeit, was mich sehr freut, aber wirklich ein Angebot von ihm ist. Der andere hat kaum Zeit, was gerade in den ersten Wochen des Refs ein Problem für mich war, was ich dann aber sehr schnell akzeptieren konnte. In beiden Fällen ist es für mich so, dass ich mich weitgehend nach den Möglichkeiten richte, die die beiden zur Verfügung stellen. Ich laufe also dem "gestressteren" der beiden nicht nach und beschränke mich hier auf das nötigste.


    Überhaupt waren aus meiner Sicht die beiden Mentoren vor allem im ersten halben Jahr - als ich begleiteten Unterricht gemacht habe - nur ein Teil der Geschichte. Mindestens genauso wichtig waren die Fachlehrerer, bei denen ich unterrichten durfte. Die haben sich ebenfalls unterschiedlich viel Zeit genommen, von sehr intensiven Gesprächen bis zum faktischen 0-Feedback - und auch das war für mich immer okay, wobei ich natürlich bei den Leuten, die sich mehr Zeit genommen haben, auch lieber etwas gemacht habe.


    Insgesamt kann ich aber sagen, dass ich über das Kollegium "meiner" Schule total glücklich und sehr dankbar bin, weil ich hier extrem viele Leute getroffen habe, die sich sehr viel Mühe gegeben haben. Die Lasten haben sich dabei, glaube ich, auch etwas verteilt, da faktisch eben sehr viele an der Ausbildung beteiligt sind, nicht nur die Mentoren.


    Jetzt bin ich im zweiten Jahr und unterrichte überwiegend selbstständig. D. h. auch, dass meine Beratung durch andere sich stark reduziert hat. Ich plane den Unterricht selbst und mache auch mein eigenes Material, das ich gerne auch weitergebe, wenn gewünscht.


    In der Oberstufe habe ich eine Klasse parallel zu einer Kollegin, die mir im ersten Halbjahr sehr geholfen hat. Dafür kriegt sie jetzt alles an Material, was ich einsetze, und da ich nach Stundenplan immer eine halbe Woche voraus bin, kann sie damit auch ihre Stunden machen (wir hangeln uns an denselben Themen lang...)


    Natürlich profitiere ich auch weiter gerne vom Material von anderen, aber es muss nicht sein. Wobei ich meine - Ref hin oder her - dass ALLE von einem offenen Materialaustausch am meisten haben.


    Last but not least: Mir ist schon klar, dass ich von den Kollegen viel mehr bekomme, als ich zurückgeben kann. Das liegt sicher in der Natur der Sache, aber ich bin trotzdem sehr dankbar dafür.


    Andererseits kam bei mir auch recht schnell der Punkt, wo ich froh war, nicht mehr sooo viel Beratung zu bekommen. Fehler mach ich eigentlich jede Stunde, aber ich brauche nicht immer jemanden, der sie mir noch mal unter die Nase reibt. Schließlich sitzen da 20 bis 30 Schüler, die sich schon melden, wenn ihnen etwas nicht passt - und die ich auch evaluationsmäßig befrage. Wenn ich aber Probleme sehe, wo ich wirklich nicht weiter weiß, frage ich. Und zwar nicht immer meine Mentoren, sondern einfach die Kollegen.


    Trotzdem ist es natürlich schon so, dass man von Mentoren, die ggf. Zeit haben, sicher am meisten profitiert. Ich vermute mal, man kann als Lehrer nur selbst entscheiden, ob man sich darauf einlassen will (und ob man die Zeit hat). Jedenfalls ist es natürlich klar, dass die Bedürfnisse als Referendar und als Mentor/Lehrer nicht völlig gleich sind. Die Arbeitsbelastung eines Volldeputats kann man eben als Ref nicht wirklich abschätzen, und manchmal entstehen dadurch sicher falsche Vorstellungen und Ansprüche.


    Das ist sicher ein Risiko, auf das man sich einlassen muss, wenn man Mentor wird 8).

  • Vielen Dank erst einmal an alle, die
    meine Ausgangsfrage,
    wie die Mentorentätigkeit aussieht und wie sie,
    aus Mentorensicht
    empfunden wird, so ausführlich geantwortet haben.


    Zitat


    Wobei ich, Klöni, Dein Problem nicht völlig nachvollziehen kann.


    unter uns: ich verweise noch einmal auf meine Ausgangsfrage, die kein Problem darstellt sondern eine "echte Bitte" um Erfahrungsberichte. Trotzdem freue ich mich natürlich, auch aus aktueller Referendarssicht über das Ausbildungsverhältnis informiert zu werden. Bei mir liegt es ja auch noch nicht all zu lang zurück.


    Zitat

    Wenn Du so skeptisch bist, wäre es sicher das einfachste, wenn Du die Sache bleiben lässt. Wobei ich davon ausgehe, dass Deine Schulleitung Dich zur Betreuung nicht zwingen wird.


    Sie wird mich nicht zwingen...und der einfachste Weg ist m.E. nicht immer der konstruktivste oder beste von allen möglichen Wegen. Das weiß meine SL auch.

  • So, seit heute bin ich stolze Betreuerin einer Refin. :)
    Mein erster, kurzer Eindruck war sehr positiv.
    Ich habe mir vorgenommen, nicht zu betüddeln, sondern die Refin einfordern zu lassen, wenn sie was braucht.
    Bin schon gespannt, wie sich das alles so weiterentwickelt...


    Viele Grüße, klöni

  • Hallo zusammen,


    ich schiebe diesen alten Beitrag hoch, weil ich ein Problem habe. Zum ersten mal betreuue ich eine Referendarin und ich empfinde es als recht problematisch. Ich bin mir nicht sicher, ob es daran liegt, weil sie ganz anders ist als ich im Referendariat (ich war relativ selbstständig, habe eigene Fehler im Unterricht oft erkannt und versucht, es beim nächsten Mal besser zu machen, war strukturiert und organisiert, habe Entwürfe nach Möglichkeit immer zeitig fertig gehabt etc.). Bei ihr ist das alles nicht der Fall. Sie hat große Probleme im Umgang mit den Schülern, der "Draht zueinander" fehlt irgendwie. Ich habe außerdem das Gefühl, als hätte ich den Großteil ihrer bisherigen Entwürfe geschrieben, weil es immer tausende Dinge zu verbessern gab und meine Vorschläge immer gern angenommen und eins zu eins übernommen wurden.


    Nun frage ich mich aber so langsam, ob das alles so sinnvoll ist. Was ist eigentlich meine Aufgabe als Mentorin? Bisher dachte ich, dass ich "meine" Referendarin auf jeden Fall und unter allen Umständen gut durch die Prüfung bringen will. Aber mittlerweile bin ich mir da nicht mehr sicher. Will ich das wirklich? Es würde bedeuten, dass ich ihr im Grunde ihren Prüfungsentwurf schreiben muss und mit ihr jede Phase, jeden Impuls einzeln durchgehen muss, weil sie das alleine nicht schafft. Ich bin mir inzwischen nicht mehr so sicher, ob sie eine gute Lehrerin wird, wenn man ihr nach der Prüfung nicht mehr ständig auf die Finger sieht und ihr zu jeder Stunde Tipps gibt (und zwar nicht für kleine Problemchen, sondern für echte, große Probleme). Im Grunde habe ich mich gefragt: würde ich sie gerne als (Klassen-)Lehrerin für meine Kinder haben? Die Antwort tendiert eher zu einem Nein.


    Andererseits will ich mich auch nicht als Zerstörer ihrer Karriere aufspielen. Wer weiß, was es bedeuten würde, wenn sie nach so vielen Jahren Ausbildung plötzlich vor dem Nichts steht. Und vielleicht entwickeln sich manche Fähigkeiten ja noch in ein paar Jahren?


    Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Wie seht ihr das denn? Freue mich auf Meinungen.

  • Hallo nani,


    ich lese in deinem Beitrag zweierlei: Einerseits willst du eine "gute", also hilfreiche, unterstützende Mentorin sein, die ihren Beitrag zu einem guten Ergebnis leistet.
    Andererseits kannst du mit der Art und Weise deines "Schützlings" wenig anfangen, vieles, siehst du sogar sehr kritisch (Arbeitshaltung, Selbstreflexion).


    Und daraus ergibt sich ein Zielkonflikt: Dein Beitrag zum Gelingen, denn du aufgrund deines Rollenverständnisses leisten willst, auf der einen Seite und auf der anderen Seite, deine Zweifel, ob die Schule wirklich der geeignete Ort für die Refin ist.


    Letzteres kann aber nur die Referendarin selbst entscheiden. Das liegt gar nicht in deiner Macht. In deiner Macht (und Verantwortung) liegt aus meiner Sicht nur eine professionelle Begleitung, die nach dem, was du schilderst, im Augenblick vor allem eines erfordert: eine offene Rückmeldung über das, was du beobachtest. Was sie dann damit macht, ist ihre Entscheidung.
    Und auch das kann ja sein: dass sie ihren Stil bisher noch gar nicht wirklich finden kann, weil du für sie reflektierst und planst - was für sie natürlich praktisch (wohl auch entlastend) ist, aber letztlich kann dabei nur eine schlechte Kopie herauskommen.


    Die Frage ist für mich also eher, wie kannst du sie unterstützen, ihren eigenen Stil zu finden, den sie dann im Ergebnis auch selbst zu verantworten hat.


    Viele Grüße
    Grisuline

  • hallo,


    hast du mit ihr mal über deinen eindruck gesprochen? du musst das gespräch ja nicht mit "ich finde, du bist nicht geeignet für diesen beruf sein" beginnen, aber ich zumindest wäre froh, wenn man mir so etwas mitteilt und ich irgendwie darauf reagieren kann. wenn sie nicht ganz blöd ist, wird sie schon registriert haben, dass du die meiste arbeit machst.
    (by the way, ist das so, dass ein guter entwurf alles "retten" kann in einem unterrichtsbesuch, ansonsten müsste sie doch auch schon rückmeldung von den seminarleitern haben, oder?)


    vielleicht ist sie auch einfach ziemlich unsicher und traut sich nicht ihr eigens ding einmal durchzuziehen... who knows?

  • Hallo nani,


    Zitat

    und ich empfinde es als recht problematisch.


    Deine Darstellung beschreibt das Problem sehr gut. Deine Refin scheint wichtige Grundvoraussetzungen des Berufs nicht mitzubringen, wie Selbstständigkeit, Reflexionsvermögen, strukturiertes und organisiertes Arbeiten. Ich meine, das sind Fertigkeiten, die man sich spätestens im Studium angeeignet haben sollte, wenn man es nicht von den Eltern oder während der Schulzeit mitbekommen hat, aus welchen Gründen auch immer.


    Auf der anderen Seite finde ich es nicht schlimm, wenn sie deine Vorschläge in ihre Entwürfe einbringt. Das zeugt m.E. von einem großen Vertrauen in deine Fähigkeiten und ihrem Willen zur Veränderung. Wie lange ist sie denn schon Referendarin? Ich bin der Meinung (und da wird mir vermutlich widersprochen werden ;) ), dass es kein "großes Problem" darstellt, wenn sie (noch?) keinen Draht zu den Schülern aufgebaut hat. Das kann unterschiedliche (verzeihliche) Ursachen haben, wie z.B. die gegenwärtige Suche nach einer passenden "Lehrerrolle" (wie von Grisuline ja schon beschrieben) oder ein Hang zum Überperfektionismus, soll heißen: der Blick ruht während der Stunde auf dem Konzept nicht auf den Schülern.


    Sehr interessant finde ich deine Frage:

    Zitat

    Was ist eigentlich meine Aufgabe als Mentorin?


    Diese Frage stelle ich mir z.Z. auch ständig, obwohl ich mit meiner Refin sehr gerne und produktiv zusammenarbeite und wir auch menschlich sehr gut miteinander können. Hier ist das Problem, dass sie kaum Input von ihren Fach- oder Seminarleitern erhält, z.B. darüber, wie ein Stundenentwurf auszusehen hat. Also habe ich ihr ein paar meiner alten in die Hand gedrückt. Sonst hätte es ihr niemand erzählt. Ich weiß allerdings bis heute nicht, ob es meine Aufgabe ist, ihr beizubringen, wie man einen solchen schreibt... Aber sie hat ein Recht darauf, dass es ihr während ihrer Ausbildung beigebracht wird. Aber habe ich nicht auch das Recht, dass die Fachleiter ihre Arbeit machen?


    Weiterhin weiß ich z.B. auch nicht, ob es meine Aufgabe wäre, über das mögliche "Ende einer Lehrerkarriere" zu entscheiden und wie sollte das dann konkret aussehen? Ich schreibe zwar später einen Bericht, aber habe ich damit soviel Macht in den Händen? Liegt das nicht im Zuständigkeitsbereich des Seminarleiters?


    Wie Grisuline sehe ich, dass es da zwischen euch eine Art Nähe-Distanz-Problem gibt. Diese Abhängigkeit und blinde Identifikation mit deinem Stil und deinen Ideen würde mich auch verrückt machen. Thema: mangelnde Selbstständigkeit. Definiere doch noch einmal für dich neu, ob du sie "durch die Prüfung bringen" musst, oder nicht doch sie sich selbst. Ich sehe mich eher als Begleiterin, die auf Nachfrage gerne Tipps und Hilfen gibt, aber nicht als Verantwortliche für den Ausbildungserfolg meiner Referendarin.


    Viele Grüße
    klöni

  • Danke erstmal für Eure Antworten! Da ist viel für mich zum Drübernachdenken dabei.


    Zitat

    Original von klöni
    [B]Wie lange ist sie denn schon Referendarin?


    Seit einem dreiviertel Jahr. Sie hat also die Hälfte der Zeit bereits hinter sich.


    Zitat

    Ich sehe mich eher als Begleiterin, die auf Nachfrage gerne Tipps und Hilfen gibt, aber nicht als Verantwortliche für den Ausbildungserfolg meiner Referendarin.


    Vermutlich muss man das so sehen. Finde ich ne gute Einstellung.


    Danke
    Weitere Meinungen sind willkommen.

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