wann auf die Toilette?

  • alias:
    In dieser Diskussion geht es nicht darum, jemandem "einen erforderlichen Toilettenbesuch" zu verbieten - es geht lediglich um die Frage, ab welchem Alter Kinder in der Lage sein sollten, ihre Blase 45 Minuten im Voraus zu kontrollieren (oder sich noch z.B. 5 Minuten - bis zu nächsten Pause) zu beherrschen.


    Sagt mir ein Schüler, dass er dringend das WC aufsuchen muss, geht er natürlich (ganz ohne Diskussion). Passiert dies häufiger, so ist der Hinweis an die Eltern mehr als angebracht, schließlich ist eine verschleppte Blaseninfektion nicht zum Lachen. Verbreitet sich so etwas als "Epidemie" in der Klasse, sollte man wohl ebenfalls ärztlichen Rat hinzuziehen - und bei entsprechenden Befunden auch das Gesundheitsamt.


    Merkwürdigerweise sind aber diese ach so dringenden Fälle - nachdem man mit dem Schüler (ob nun vor der ganzen Klasse oder privat im Stillen) ein "medizinisches" Gespräch geführt hat - längst nicht mehr so dringend.


    Am Rande noch eine Anekdote von der Klassenfahrt (Fahrt im Bus):
    An der Raststätte wird eine Schülerin auf den Toilettengang hingewiesen (sie ist bekannt dafür, regelmäßig (angeblich?) zu müssen). Sie will aber nicht. Keine 30 Minuten später fragt sie, ob der Bus mal halten könne (sie muss ganz, ganz, dringend). Wir stehen im Stau auf der Bundesstraße, keine Chance auf eine Raststätte (und außerdem können wir doch nicht im 20-Minuten-Takt halten...). Sie drängelt und drängelt. Der Busfahrer erlaubt ihr, ausnahmsweise die "Bordtoilette" zu verwenden. Das will sie aber nicht. Sie drängelt weiter. Und weiter. Und weiter. Nach weiteren 60 Minuten (immer noch im Stau) sucht sie dann doch die Bustoilette auf. So dringend kann es wohl doch nicht nicht gewesen sein, sonst hätte sie die Stunde nicht durchgehalten...
    Kaum war sie auf der Bustoilette, findet sich ein Dutzend weiterer Schüler, die nacheinander allesamt ebenfalls ganz dringend müssen.
    (Im zweiten Bus, der mit uns unterwegs ist, befindet sich keine Toilette - dort kommt man ganz prima ohne aus...)
    Meine Erfahrung / Wahrnehmung: In einem bestimmten Alter ist das "Müssen" (bzw. der Gedanke daran) ansteckend.

  • Zitat


    DAs beweist nur wieder, dass die, die die Gesetze verfassen nichts mit dem Alltag zu tun haben.


    Würde jemand drauf bestehen, dann würde ich ihn sicher nicht an der Ausübung seines Rechts hindern.
    Andere haben dennoch auch ihr gutes Recht auf störungsfreien Unterricht (Gibts hierfür eigentlich kein Gesetz? Das wär nämlich sinnvoll!).
    Manchmal muss man sich einfach zum "Allgemeinwohl" auf eine Lösung festlegen.


    Mit dem Gesetz zu argumentieren... naja. Aber das kennt man ja auch aus dem Alltag! Da hat jeder immer Rechte! Pflichten werden da schnell vergessen.
    Unsere Schüler bekommen Zucker in den Hintern geblasen und wenn keine Krankheit vorliegt, dann bitte ich um den Respekt dem Lehrer und den Mitschülern gegenüber, dass sie tatsächlich ihre Blase erst in der Pause entleeren!
    Gesetz hin - Gesetz her!

  • Bei uns (2. Klasse) ist das ganz unaufgeregt - die Kinder dürfen immer wenn sie wollen und gehen *vielleicht deshalb* nur sehr selten.


    Was mich anfangs im ersten Schuljahr immer genervt hat, war die Fragerei "darf ich mal - ich muss mal"... Dann gab´s ne Kloampel die umgedreht werden muss. Der Klobesuch stieg zu Anfang an und pendelte sich inzwischen auf ein normales Niveau ein...


    nms

  • Das Kinder aufgrund des Risikos von Außentoiletten zu zweit gehen sollen ist auf der einen Seite verständlich. Da ich "nur" im Pott wohne und nicht in einer Stadt wie Berlin war mir diese Problematik nicht klar.


    Ich halte es allerdings für schwierig, die Kinder konzentriert zu halten, wenn immer wieder eine Diskussion ausbricht, dass Anna ganz schnell auf die Toilette muss und ihre beste Freundin Lisa dann auf die Idee kommt, sie könne doch jetzt auch mal wieder, wo sie grad so nett dran erinnert wird... wird klar was ich meine? Da wird dann länger darüber nachgedacht, mit wem man diese Stunde auf Toilette gehen könnte, als am Unterricht teilzunehmen und wie schnell sich Kinder ablenken lassen ist ja nicht neu.


    Kinder in die Hose machen zu lassen lehne ich absolut ab und ich wäre fuchsteufelswild, wenn das mit meinem Kind gemacht worden wäre, Schulleitermeinung hin oder her und ich wäre ebenso eine der Eltern gewesen, die mit dem Gesetzbuch gewunken hätten.


    Für ein so junges Kind kann es ein verdammt schweres Trauma sein, vor der Klasse gezwungen zu werden, in die Hose zu machen und Kinder haben es auch so schon schwer genug. Und ganz provokativ: Wenn ich ein vor die Klasse stelle und es heulen lasse und noch mit dem Finger drauf zeige, dann wird das Kind in Zukunft garantiert auch nicht mehr zu weinen wagen, aber das ist keine erzieherische Maßnahme, sondern überflüssige Gewalt. So einfach ist das.

  • Zitat

    Original von indidi


    Was würde der sagen?
    Das ein normal entwickeltes Kind in der 1. oder 2. Klasse alle halbe Stunde aufs Klo muss?


    um einen halbstundenrythmus geht es doch hier gar nicht.
    es ist doch absolut widersinnig - einerseits ist es unumstritten, dass kinder trinken müssen (und ja, das dürfen sie bei mir im unterricht wie in der pause und das chaos hält sch trotzdem in grenzen), ansererseits dürfen sie dann nicht auf die toilette.
    aus medizinischer sicht ist völlig klar, dass ein kind dann auf die toilette gehen soll, wenn es muss. dass es passieren kann, dass bei kindern etwas daneben geht, ist das eine. schlimm genug für das kind. das andere ist das problem, dass die blase zum überlaufen gebracht werden kann und der urin zurück in den harnleiter läuft. gar nicht gut, weil sich der harnleiter erweitert, wenn das häufiger vorkommt, und es so leichter zu harnwegs-/ nierenbeckenentzündungen kommen kann. und das ist wirklich sehr sehr unschön und gefährlich. und nein, das sind keine einzelfälle - diese problematik häuft sich in den ersten schuljahren.

    • Offizieller Beitrag

    ich mache es (3. Klasse) so, wie viele andere hier.
    Die ersten und letzten 10 MInuten sind tabu. Ansonsten gilt:
    wer aufs Klo muss, versichert sich, dass gerade kein anderer auf dem Klo ist.
    Dann steht er leise auf.
    Ich nicke ihm kurz zu.
    Er geht leise raus.
    Kommt leise wieder.
    Setzt sich leise wieder auf den Platz.


    Und gut ist es.


    kl. gr. Frosch


    P.S.: ich sehe das Problem immer darin, zu sagen "Geh nur, wenn es dringend ist!". Woher will ich als Lehrer sehen, dass es wirklich dringend ist und dem Kind in 2 Minuten die Blase platzt. oder dass er noch Zeit bis zur Pause hat. Hellsehen gehört leider nicht zu meinen Kernkompetenzen. ;)

  • Zitat

    Original von Prusselise
    ....
    Mit dem Gesetz zu argumentieren... naja. Aber das kennt man ja auch aus dem Alltag! Da hat jeder immer Rechte! Pflichten werden da schnell vergessen.
    Unsere Schüler bekommen Zucker in den Hintern geblasen und wenn keine Krankheit vorliegt, dann bitte ich um den Respekt dem Lehrer und den Mitschülern gegenüber, dass sie tatsächlich ihre Blase erst in der Pause entleeren!
    Gesetz hin - Gesetz her!


    Als Beamte dürfen wir NUR mit dem gesunden Empfinden argumentieren und Verhalten einfordern, wenn dies der Gesetzeslage entspricht. Sonst kann es passieren, dass uns das Gesetzbuch um die Ohren gehauen wird. Und das schmerzt.


    Mein Hinweis darf insofern als Beitrag zur Schmerzvermeidung (bei Schülern, Eltern und Lehrern) betrachtet werden... :D

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

    2 Mal editiert, zuletzt von alias ()

  • Ich führe normalerweise auch in der ersten Klasse recht schnell die Kloampel ein - das Kind das geht, dreht sie auf rot, dann sehen die anderen, dass schon jemand weg ist. Wenn es wieder kommt, dreht es die Ampel auf grün, dann kann jemand anders gehen. Dazu lernen die Kinder dann gleich, wie vom Frosch beschrieben, dass man leise geht und kommt um niemanden zu stören. Wenn ich das von vornherein so eingeführt hab, gab es bisher damit auch keine Probleme. In meinen Fachklassen ist es teilweise schwieriger, da muss ich mich natürlich mit den Regelungen arrangieren, die da getroffen sind. Auch hier darf aber jedes Kind gehen, nur die ersten 15 Minuten der Stunde sind tabu. Kurz vor Stundenschluss frage ich dann auch meist, ob es nicht noch die 5 Minuten warten kann. Wenn das Kind dann meint, es müsse sofort, darf es gehen.
    Ich bin ganz Frau Bountys Meinung: Wer muss, muss auch gehen dürfen. Toilettengänge im Unterricht zu verbieten, geht für mich gar nicht. Völlig daneben finde ich übrigens die Argumentation, aus Respekt den anderen gegenüber den Gang in die Pause zu verschieben. Was ist mit dem Respekt den (kindlichen bzw. menschlichen) Bedürfnissen gegenüber?


    Kopfschüttelnd,
    Britta

  • Hattest du schon mal das Vergnügen, Kinder während dieses Kloganges zu beobachten? Da denkst du, du bist im Park. Da werden Zeichnungen studiert, an Türe gelauscht oder einfach am WC eine Runde Türknallen gespielt - was tut man nicht alles, damit man sich von div. Arbeiten drücken kann.


    Ebenso kopfschüttelnd, koritsi.

  • Natürlich gibt es diese Kinder. Aber deshalb allen den Toilettengang verbieten? Nein, ich find immer noch, das geht gar nicht.

  • Ich finde es ebenfalls unglaublich, wenn Lehrer (oder Schulleiter!!) Kinder in die Hose machen lassen! Wahnsinn, da würde ich auf die Barrikaden gehen!


    Alias´Post fand ich super.




    Ich glaube, ihr müsst in dieser Diskussion unterscheiden zwischen "normalem" Klo-geh-Verhalten und sich-Auszeiten-nehmen. Ich würde nämlich mit dem einen anders umgehen als mit dem anderen.


    LG,
    lordhelmchen

    Viele Grüße,
    Lordhelmchen





    Be a hero, be a teacher!

  • Huhu,


    stimmt...


    wie gesagt, mein *Klogehvordemschreibenschüler* dem habe ich es dann auch verboten, nun geht er nurmehr, wenn er muss ;)


    LG MM

  • Ich bin an der weiterführenden Schule, aber ich schreibe trotzdem etwas dazu. Ich gehe einfach davon aus, dass ein Schüler, wenn ich ihn frage, ob es wirklich dringend ist und ob er nicht mehr bis zur Pause warten kann, mir auch die Wahrheit sagt. Manchmal sagen sie nämlich auch, dass sie warten können. Aber ich finde es unangenehm und mir nicht zustehend, ihnen den Toilettengang zu untersagen. Es geht mich nichts an, warum jemand so oft auf Toilette muss; ich möchte auch nicht jedem ggf. erklären müssen, warum ich gehe.

  • Zitat

    Es geht mich nichts an


    ... solange tatsächlich jemand auf Toilette muss.
    Aber es kommt ja auch vor, dass jemand mit einem hinter dem Rücken verborgenen Gegenstand auf Toilette geht - kaum ist dieser jemand wieder in der Tür, meldet sich der nächste und muss ebenfalls auf die Toilette...
    (Für blöd verkaufen kann ich mich alleine, dazu brauche ich keine Schüler.)


    Ganz klar: Wer muss, geht, aber nicht alles ist ein "dringendes Geschäft".


    (Und wenn eine Schülerin direkt nach dem Pausenklingeln in den ersten zwei Minuten fragt, ob sie gehen darf - und als Begründung angibt, dass sie in der Pause lieber spielt, dann muss sie sich eine Bemerkung gefallen lassen.)

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