Beratung weiterführende Schulen

  • Hallo zusammen,


    da ich ein 4. Sj. habe, stehen demnächst bei mir die Beratungsgespräche für die weiterführenden Schulen an. Da ich das erst 1x gemacht habe, was allerdings schon zig Jahre her ist, würde ich gerne auf eure hoffentlich zahlreichen Erfahrungen zurückgreifen. Erstmal würde mich interessieren, ob ihr irgendwelche Tipps habt, wie ich mich am besten auf diese Beratungsgespräche vorbereiten kann. Gibt es da was bestimmtes zu? Ist es bei euch an den Schulen festgelegt (also Notendurchschnitt oder sowas), ab wann man eine Gymnasialempfehlung, eine eingeschränkte oder eine Realschulempfehlung gibt? Oder macht das jeder nach eigenem Ermessen? Ich fände halt so ein paar Anhaltspunkte sehr, sehr hilfreich. Und wie lange muss man pro Beratungsgespräch einplanen? Ich hoffe, ihr könnt mir ein bissl helfen.


    LG und schon mal vielen Dank,


    PAJ! :)

  • Hallo,
    an unserer Schule gibt es keinen Notendurchschnitt, den man für die Empfehlungen heranziehen könnte. Davon hab ich auch von anderen Schulen noch nichts gehört. Schließlich hängt die Empfehlung ja nicht nur vom Notendurchschnitt, sondern auch vom Arbeits- und Sozialverhalten ab. Für mich habe ich die Faustregel: 1er und 2er Zeugnis: Gymnasium; 3er Zeugnis: Realschule; 4er Zeugnis und schlechter: Hauptschule. Alles was so dazwischenliegt, wären dann die eingeschränkten Empfehlungen.
    Für die Gespräche würde ich 20min. einplanen, bei schwierigen Fällen 30min. Ich hatte noch eine Übersicht über die weiterführenden Schulen in Wohnortnähe. Das Datum für die Anmeldungen müsste schon feststehen, das könntest du an die Eltern weitergeben.

    • Offizieller Beitrag

    Eine kleine Anmerkung aus Sicht einer Realschullehrerin (bezogen auf meine Fächer):


    Deutsch: Daran scheitern bei uns die wenigsten Kinder. Selbst Leute mit schlechter Rechtschreibung schaffen die Realschule in der Regel.
    Schwieriger wird es, wenn Schüler schlecht sinnentnehmend lesen können, da sich das auf alle Fächer auswirkt.


    Englisch: Englisch ist bei uns ein Hauptfach und die Schüler, die "sitzen bleiben" oder auf eine Hauptschule wechseln müssen, haben in der Regel Probleme mit Englisch (und / oder Mathe). Das Hauptproblem ist hier, dass Englisch an der weiterführenden Schule völlig anders ist als an der Grundschule (dass das so ist und dass der Übergang deshalb nicht wirklich gut geregelt ist, wäre ein anderes Thema wert - bei uns muss in dem Fach leider richtig Druck gemacht werden) und hier ein Lernfach ist, in dem schon ab dem Beginn der 5. Klasse extrem viel zu Hause gelernt und wiederholt werden muss. Das ist den meisten Eltern und Schüler überhaupt nicht bewusst. Alleine in der ersten Unit der Fünferbücher für die Realschule (für die laut Verlag 4-6 Wochen vorgesehen sind), müssen die Schüler 9 Buchseiten mit Vokabeln mit bis zu 40 Vokabeln pro Seite (!) schreiben und aussprechen können. In der ersten Unit kommen alleine 11 Grammatikthemen vor (z.B. die Formen von "to be", die Verneinung aller Formen von "to be", a/an, regelmäßiger und unregelmäßiger Plural, Fragen, Fragewörter...), die die Kinder für die Arbeit alle abrufbereit gelernt haben müssen.
    Und wer in Englisch den Anschluss verliert, was leider sehr schnell geht, wird in diesem Fach spätestens nach 1-2 Jahren kein Bein mehr auf den Boden bekommen.
    Wie gesagt, ich spreche vom Englischunterricht an den Realschulen, an den Gymnasien geht man in der Regel noch schneller vor. Wir versuchen, die Bücher z.T. erst im nächsten Schuljahr zu beenden und alles ein bisschen zu entzerren, aber die Schüler, die nicht zu Hause selbständig größere Mengen Vokabeln lernen und Grammatik wiederholen können, werden an der Realschule Probleme bekommen.
    Deshalb finde ich es für die Auswahl der weiterführenden Schule ein wichtiges Kriterium, ob ein Schüler zu Hause vernünftig Hausaufgaben macht und auch größere Mengen lernen kann.



    Mathe: Das ist zwar nicht mein Fach, aber in der Regel ist es das Fach, in dem es - neben Englisch - am ehesten Probleme gibt.

  • Ich bin zwar "nur" Referendarin, aber bei uns stehen auch gerade Übergangsgespräche an. Wir haben diese Woche schon einen Fragebogen an die Eltern ausgegeben, bei dem Dinge abgefragt wurden wie Arbeitsverhalten, Motivation, Hausaufgaben, Lernfreude etc. Am Ende sollten sie Eltern auch ankreuzen, auf welcher SChule sie ihr Kind im nächsten Jahr sehen. Einen ähnlichen Bogen füllt auch die KL aus, so dass man auf dem Elterngespräch zur Beratung schon eine Grundlage hat, an der man ansetzen kann. Außerdem sieht man so, wo die Vorstellungen und/oder Beobachtungen stark voneinander abweichen und kann an diesen Stellen nochmal nachhaken.

  • Seid ihr einzügig? Unabhängig von allen Tipps hier im Forum solltest du dich am besten mit deinen Parallel-Kolleginnen (bzw. den Kolleginnen, die schon mehrmals ein 4. Schuljahr hatten) austauschen.


    kl. gr. frosch


    Seid ihr einzügig? Unabhängig von allen Tipps hier im Forum solltest du dich am besten mit deinen Parallel-Kolleginnen (bzw. den Kolleginnen, die schon mehrmals ein 4. Schuljahr hatten) austauschen.


    kl. gr. frosch


    Nee, wir sind zweizügig. Meine Parallel-Kollegin hatte allerdings auch erst 1x ein 4. Schuljahr und hat die Beratungsgespräche gemacht. Ist also auch nicht so sicher in all den Dingen. Allerdings werde ich natürlich noch unsere Kollegen fragen, die letztes Jahr ein 4. hatten.

  • Ich bin zwar "nur" Referendarin, aber bei uns stehen auch gerade Übergangsgespräche an. Wir haben diese Woche schon einen Fragebogen an die Eltern ausgegeben, bei dem Dinge abgefragt wurden wie Arbeitsverhalten, Motivation, Hausaufgaben, Lernfreude etc. Am Ende sollten sie Eltern auch ankreuzen, auf welcher SChule sie ihr Kind im nächsten Jahr sehen. Einen ähnlichen Bogen füllt auch die KL aus, so dass man auf dem Elterngespräch zur Beratung schon eine Grundlage hat, an der man ansetzen kann. Außerdem sieht man so, wo die Vorstellungen und/oder Beobachtungen stark voneinander abweichen und kann an diesen Stellen nochmal nachhaken.


    Von diesen Fragebögen hab ich schon öfters gehört. Könntest du mir so einen vielleicht per Mail schicken? Das wäre super!

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Allerdings werde ich natürlich noch unsere Kollegen fragen, die letztes Jahr ein 4. hatten.


    Das halte ich für sinnvoller / notwendiger, als irgendwen zu fragen.
    Sicherlich ist es schön, wenn man mit anderen lehrern in NRW übereinstimmt. Aber wichtiger ist es, unabhängig von dem, was Lehrer anderer Schulen sagen, dass man mit den Vorjahreslehrern der eigenen Schule übereinstimmt und die Kinder nciht unterschiedlich empfohlen werden.


    kl. gr. frosch

  • an unserer Schule gibt es keinen Notendurchschnitt, den man für die Empfehlungen heranziehen könnte. Davon hab ich auch von anderen Schulen noch nichts gehört.

    Also in BW war es bis vor einem Jahr generell so, dass (nur!) der Deutsch- und Mathedurchschnitt als Maßstab herangezogen wurde, natürlich immer unter Berücksichtigung von Arbeitsverhalten, Konzentrationsfähigkeit, Motivation, Auffassungsgabe, Fleiß, Selbstständigkeit, Schnelligkeit, Kooperationsfähigkeit, Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit etc. Die GS-Empfehlung war verpflichtend, d.h. die Grundschule "bestimmte" aufgrund des Schnittes die weiterführende Schule. (Eltern konnten jedoch, wenn sie mit der Empfehlung nicht einverstanden waren ins Beratungsverfahren und/oder ihr Kind zur Aufnahmeprüfung schicken). Erst seit einem Schuljahr entscheiden die Eltern nun eigenverantwortlich und die Beratung hat eher Empfehlungscharakter. Für mich zählt bei der Beratung aber nachwievor der Notendurchschnitt: bis 2,5 (D+M) -> GY, bis 3,0 -> RS, ab 3,1 -> HS/WRS als wichtiges Kriterium, neben den oben erwähnten Eigenschaften.
    Ich empfehle, die Kinder detailliert zu den oben genannten Punkten zu beobachten, wenn bei euch keine Notendurchschnitte gelten.


    Zählen in den anderen Bundesländer denn die Noten gar nicht???? Entscheidet der Lehrer das einfach so ohne Notengrundlage???
    Würde mich echt mal interessieren!


    LG fraumitklasse

  • Ich bin in diesem Jahr betroffene Mutter. Also meinem Sohn steht gerade der Übergang an. Mir wäre wichtig von der LEhrerin zu hören, WARUM sie zu der Schulform tendiert und welche Stärken und Schwächen mein Sohn zeigt. Die Noten meines Sohnes Kindes kenne ich, die müssen wir nicht durchkauen. Mein Sohn wird wahrscheinlich eine Gymansialempfehlung kriegen. Mich interesiert, ob sie ihn als "Lerntyp" auch dort sieht oder nur auf Grund der Noten.
    Mein Sohn musste den Fragenbogen übrigens auch selbst beantworten. Also hier gibt es ihn dreimal und das fand ich ziemlich gut.

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