BERUFSSCHULLEHRER - Ich brauche eure Erfahrung!!!!

  • Hallo an alle,


    ich suche Erfahrungen von Berufsschullehrern und vorallem von denjenigen die sich für den Quereinstieg entschieden haben. Was für Erfahrung habt ihr gemacht?? Und bereut ihr euren Schritt oder seit ihr glücklicher als in der freien Wirtschaft??


    Ich bin 26 Jahre alt und habe BWL an einer Fachhochschule studiert. Nach meinem Studium habe ich sofort eine Stelle in der freien Wirtschaft bekommen und verdiene als Einsteiger sehr gut (44tsd). Leider merke immer mehr wie unglücklich mich der Job macht und dass Zeit wichtiger als Geld ist. Zwar bin ich jetzt erst ein Jahr in der freien Wirtschaft tätig, aber ich denke dass ich hier nicht glücklich werde.


    Daher überlege ich ins Lehramt zu wechseln. Der gedanke kam mir schon während meines Studiums.Doch aufgrund der Aufstiegschancen und des guten Gehaltes entschied ich mich doch für die freie Wirtschaft.
    Derzeit stehe ich in einem Dilema und weiß nicht was ich tun soll. Ich habe Angst die falsche entscheidung zu treffen und brauch daher eure Erfahrun, Ratschläge etc um mir meine Entscheidung leichter zu machen.


    Was sind die Vor- und Nachteile einer BS im Gegensatz zur freien Wirtschaft??
    Ich finde die Meinungen im Internet gehen sehr auseinander. Die einen schreiben, dass das Gehalt nicht aussreicht und man sehr wenig Freizeit hat. Die andere schreiben, dass die Bezahlung super ist und man als Lehrer sehr viel Freizeit hat.


    Reicht der Lohn aus?? Ich könnte in meinem Job in 5-10Jahren meine 5000netto verdienen, was mehr als genug ist. Als Lehrer muss ich mein Lebenlang mit 3000-3700netto auskommen.


    Da ich eine bestimmte Vorstellung für meine Zukunft habe (Haus, 3Kinder und 1-2 Urlaub/pro Jahr) möchte ich auch später genug verdienen um diesen Lebensstandard zu gewähren. Ich denke wer so viel Zeit investiert hat mit Studium etc. möchte auch am Ende was raus haben.


    Reicht das Geld um mit einer Familie gut zu leben?? Reich werden will ich nicht, aber ich möchte meinen Kinder später was bieten und fördern können.
    Hat man echt so viel Freizeit als Lehrer?? (Im Gegensatz zu einem Job in der freien Wirtschaft)
    Ich könnte mir nix schöneres Vorstellen, als Nachmittags Zeit mit meiner Familie zu verbringen.


    Falls ich mich dafür entscheide, würde ich noch einem Masterstudiengang (M.of. Edu) absolvieren, mit dem Ziel Sport und Wirtschaftswissenscahften am Berufskolleg zu unterrichten.


    Was könnt ihr mir raten??? Bitte helft mir eine Entscheidung zu finden.

  • Leider merke immer mehr wie unglücklich mich der Job macht und dass Zeit wichtiger als Geld ist. Zwar bin ich jetzt erst ein Jahr in der freien Wirtschaft tätig, aber ich denke dass ich hier nicht glücklich werde.

    Zumindest am Gymnasium gilt: Mehr Zeit wirst Du auch nicht haben, dafür aber weniger Geld. Einzig und allein könnte sein, dass Dir die Tätigkeit mehr Spaß macht. Aber ob das überhaupt so ist, und ob
    es das wert ist dafür auf Geld zu verzichten, ist fraglich.
    Mehr Zeit wirst Du mit Sicherheit nicht haben. Leider.


    Ich denke Ähnliches gilt auch für das BK.

    Reicht der Lohn aus?? Ich könnte in meinem Job in 5-10Jahren meine 5000netto verdienen, was mehr als genug ist. Als Lehrer muss ich mein Lebenlang mit 3000-3700netto auskommen.

    Ja so sieht es aus. Und das beinhaltet als Lehrer, dass Du trotzdem an Wochenenden arbeiten musst und so weiter. Von den Arbeitsstunden gibt sich das nicht viel, nur das Gehalt ist unterschiedlich (und eben die Art der Tätigkeit).


    Da ich eine bestimmte Vorstellung für meine Zukunft habe (Haus, 3Kinder und 1-2 Urlaub/pro Jahr) möchte ich auch später genug verdienen um diesen Lebensstandard zu gewähren. Ich denke wer so viel Zeit investiert hat mit Studium etc. möchte auch am Ende was raus haben.

    Als Lehrer wirst Du mit Sicherheit Abstriche machen müssen. Da fällt das Haus natürlich kleiner aus, liegt in schlechterer Lage oder der Urlaub ist nicht so kostspielig.


    Reicht das Geld um mit einer Familie gut zu leben?? Reich werden will ich nicht, aber ich möchte meinen Kinder später was bieten und fördern können.

    Leben kann man davon, aber sicher bei deutlich niedrigerem Lebensstandard gegenüber dem Weg, auf dem Du im Moment warst.


    Hat man echt so viel Freizeit als Lehrer?? (Im Gegensatz zu einem Job in der freien Wirtschaft)

    Leider nicht. 50h Arbeit die Woche sind durchaus drin (und das bei dem Gehalt). Das einzige, was wirklich als Vorteil zu sehen ist an dem Beruf, sind die langen Sommerferien. Aber Freizeit hat ein Lehrer relativ wenig ausserhalb von Ferien. Viele hier im Forum sind super stolz, wenn sie es schaffen zumindest einen Tag in der Woche (meist den Samstag) frei zu haben.

  • Danke erstmals für die Antwort!!!


    Mhhh... das hört sich ja nicht so verlockend an.


    Ich kann mir gut vorstellen, dass ich in den ersten Jahren viel Zeit in Unterrichtsvorbereitung investieren muss etc. Aber ist dies auch noch so nach 6Jahren?? Hat man da nicht schon eine Routine?? Gerade im Fach Sport hat man ja nicht sehr viel zu tun.


    Ist echt eine schwierige Entscheidung... Eigentlich ist es der Lohn der mir Angst macht. Obwohl ein Bereufsschullehrer ja am besten verdient :/


    Was sagen die anderen Lehrer?? Ich würde mich über Erfahrungen von Berufsschullehrern sehr freuen!!

  • Hallo,


    Berufschullehrer bzw Lehrer and berufsbildenden Schulen verdienen A 13, wie Gymnasiallehrer also. JA, auch wenn viele sich das nicht vorstellen können: als Lehrer muss man arbeiten, auch nachmittags und auch an Wochenenden. Wenn du also mit deiner Familie nachmittags etwas unternehmen möchtest, musst du dann eben abends arbeiten, die Freiheit hat man. Allerdings hängt auch viel davon ab, wie und wo du unterrichtest. An berufsbildenden Schulen geht der Unterricht eben auch oft bis um 4, es gibt Teamsitzungen am Nachmittag, TAge der offenen Tür, etc. Probleme die ich sehe: der demographische wandel schlägt so langsam auch an den berufsbildenden Schulen voll zu, die Frage ist also: werden in Zukunft so viele Lehrer gebraucht werden, und insbesondere: braucht man Lehrer mit Wirtschaft und Sport? Wie alt bist du nach dem Studium und Referendariat? Wirst du ggf. nicht verbeamtet (=Netto weniger Geld). Zum Thema Routine: wenn du immer in den gleichen Klassen und Schulformen unterrichtest, mag das mit dem Vorbnereitungsaufwand so sein, wenn du aber andauernd (aufgrund der personellen Situation) wechselst und mal hier mal da unterrichtest, wirst du auch nach 6 Jahren noch Unterricht vobereiten, sicher: wie in jedem anderen Beruf schleifen sich Routinen ein, Ansprüche werden überdacht, etc..


    Soweit erstmal.


    Gruß

  • Reicht der Lohn aus?? Ich könnte in meinem Job in 5-10Jahren meine 5000netto verdienen, was mehr als genug ist. Als Lehrer muss ich mein Lebenlang mit 3000-3700netto auskommen.

    Kommt drauf an. Wenn du als Lehrer in Ostfriesland oder im Sauerland landest, wird dir das Gehalt fürstlich vorkommen. In den typischen Ballungsräumen, insbesondere dort, wo die Exportindustrie ist, bist du mit dem Lehrergehalt ein kleiner Schlucker.


    Da ich eine bestimmte Vorstellung für meine Zukunft habe (Haus, 3Kinder und 1-2 Urlaub/pro Jahr) möchte ich auch später genug verdienen um diesen Lebensstandard zu gewähren. Ich denke wer so viel Zeit investiert hat mit Studium etc. möchte auch am Ende was raus haben.

    In einem Ballungsraum wird deine Frau KRÄFTIG mitverdienen müssen, um dir das zu leisten. Wird wohl schwierig bei 3 Kindern...


    Hat man echt so viel Freizeit als Lehrer?? (Im Gegensatz zu einem Job in der freien Wirtschaft)
    Ich könnte mir nix schöneres Vorstellen, als Nachmittags Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

    Wenn deine Schule zufälligerweise keine Ganztagesschule sein sollte, kannst du dir den einen oder anderen freien Nachmittag gönnen. Aber keine Angst, der Lehrerjob holt sich deine selbstgewählte Freizeit gnadenlos am Abend oder am Wochenende wieder zurück. Wenn du gerade Abiturkorrekturen hast oder an einer Ganztagesschule bist, dann fallen als "Bonus" die freien Nachmittage auch noch weg.


    Was könnt ihr mir raten??? Bitte helft mir eine Entscheidung zu finden.

    Noch zwei Dinge:


    Wenn du bereit bist, überdurchschnittlich viel zu leisten, wird dich der Lehrerberuf karriere- und finanztechnisch wohl eher frusten. Es sei denn "leuchtende Kinderaugen" sind für dich Belohnung genug.


    Und die Besoldungsentwicklung im Bereich der verbeamteten Lehrkräfte wird zukünftig äußerst mau aussehen: Die "Schuldenbremse" wird in den Ländern in den nächsten Jahren gnadenlos zuschlagen. Was ist der größte Kostenblock in den Landeshaushalten? Personalkosten. Und wer verursacht die höchsten Personalkosten noch vor den anderen großen Kostenblöcken wie Polizei, Hochschulen, Finanzverwaltung? Genau. Solltest du als Lehrer Angestellter werden, verdienst du von Beginn an weniger, hast aber wohl noch die Chance auf Gehaltserhöhungen, die zumindest die Inflation ausgleichen (im Gegensatz zu den verbeamteten Lehrkräften).


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Also ich würde ich dieses Jahr meine entscheidung treffen, dann würde ich nach dem Ref. 32 Jahre sein. Wunscharbeitsort wäre dann NRW (Umgebung Köln).


    Wie es aussieht raten mir alle davon ab und der Lehrberuf ist doch nicht so toll wie ich dachte :(


    Und warum werden keine Sport/Wirtschaftslehrer gebraucht?? Sport wird doch an jedem Berufkolleg unterrichtet und dazu noch ein bis zwei Wirtschaftsfächer....


    Ojjeee Ojjjee was soll ich nur tun. Das mit der Bezahlung könnte in Zukunft echt mies ausgehen.

  • Aber zu Not könnte ich ja nach meinem Ref doch wieder zurück in die freie Wirtschaft, falls ich merke es war die falsche Entscheidung.

  • Berufschullehrer bzw Lehrer and berufsbildenden Schulen verdienen A 13

    Nunja, sie bekommen es. Ob sie es verdienen, ist eine andere Sache. Aber nur die Beamten. Die Angestellten bekommen nur TV-L 13, oder das, was der Arbeitgeber ihnen freiwillig bietet. Wie bereits im Tarifabschlussthread erwähnt gibt es noch keine Entgeltordnung für Lehrer, d.h. die Eingruppierung ist nicht verbindlich geregelt.


    Es ist eventuell ein Vorteil, dass man vorher weiß, was man bekommt und auch in Zukunft bekommen wird. Dafür gibt es auch keinen Verhandlungsspielraum. Insofern kann man einfach in den Tabellen nachsehen. Und, oh wunder, man verdient sogar über dem Exitenzminimum. Insofern hat man genug. Es ollen sogar Lehrer gesichtet worden sein, die ihre Kinder ohne "Tafel" ernähren und diesen ein Bett in einem befestigten Gebäude anbieten können. Ich kenne Kollegen, die ihre gesamten 12 Wochen Ferien mindestens außerhalb Deutschlands oder lieber außerhalb Europas verbringen. Das scheint auch zu gehen.


    Den Rest muss wohl jeder für sich entscheiden, weil man nichts davon hat, dass es den anderen "langt".


    Pausi

    Einmal editiert, zuletzt von Pausenclown ()

  • Hat man echt so viel Freizeit als Lehrer??

    Die Frage werden dir nur die beantworten können, die das Wort "Freizeit" im Fremdwörterbuch nachschlagen. Ansonsten gilt, dass es nur zwei Arten von Jobs gibt -- langweilige und stressige. Da du gut verdienen willst, wirst du wohl immer bei stressig landen.


    Prost!


    Pausi

  • Weise Worte Pausi ;)


    Ich denke mal das Arbeit nie Spaß macht und immer mit Stress oder langeweille verbunden ist.


    Ich selber kann von mir sagen, dass ich nicht Karierregeil bin wie andere meiner Kollegen. Die brauchen auch den Druck und wollen gerne nach Leistung bezahlt werden. Ich bin da eher gelassen und mir ist Zeit wichtiger als Geld.


    Als Lehrer ist man auf eine Gewisse Art und Weise selbsständig und kann sich die Arbeitszeit selbst einteilen (außer Unterrichtszeiten). Das ist für mich, denke ich mal, ein Vorteil. Auch der Druck von oben und die Konkurenz mit anderen Kollegen ist dort nicht so wie in der Wirtschaft. Aber ich kann mir nicht vorstellen ob das mit dem Geld reicht.
    Wenn ich mir mal die Mietpreise angucke (s.h. Köln), da frage ich mich echt wieviel man später verdienen muss.


    Naja... wie dem auch sei... eigentlich wollte ich nur eure selbst gesammelte Erfahrung hören um mir ein besseres Bild zu machen.

  • Musst du halt wissen was für die in Frage kommt- Zeit, Geld, Art der Arbeit. Ob der Lehrerberuf toll ist oder nicht könnteste ja mal für dich durch ein Praktikum antesten- warste schonmal in der Berufsschule und hast dir das angeguckt?


    Ansonsten- Gehalt hängt von der Region ab- klar- in manchen Regionen lebste wie Gott in Frankreich in anderen nicht. Je nachdem wo deine Schule ist und wo du dein HAus kaufen möchtest. Wenn du Lehrer währest würdeste nicht schlecht verdienen - weniger als das wo du mit 5k hinkommen koenntest. Was ist das fuer ne Branche wenn ich fragen darf- 5k Netto klingt gut? Wenn du allerdings Lehrer waerest koenntesete aber auch sicher sein, dass du dein Haus abbezalen kannst- und nicht mit 40 wieder wegen Arbeitslosigkeit verscherbeln müsstest.


    Mit 32 waerst du nicht zu alt und koenntest verbeamtet werden. Wie hoch der Lehrerbedarf dann ist wenn du fertig bist kann dir keineer sagen. Ist die Frage wieviele das studieren- ob das auch so überlaufen ist wie z.B. Deutsch (was ich nicht glaube- da berfliches Fach). Für NRW ist die Einschätzung (wieviel auch immer die Wert sein mag solide).


    Eine Sache noch: Du sagst du koenntest zurück in die freie Wirtschaft- ich waere mir da an deiner Stelle nicht so sicher- bedenke: Du hast erst wirtschaftsnah studiert, um dann die Wirtschaft für das Gegenteil davon zu verlassen und bist dann wenn du jetzt 26 und dann 32 sein solltest - 6 JAhre lang raus- dein Chancen gehen auf jeden Fall nach unten!

  • Ich denke mal das Arbeit nie Spaß

    Wenn das deine Haltung ist, dann mache bitte einen großen Bogen um meine Schule. Wir sind hier mehrheitlich der Ansicht, dass Spaß und Stress sich nicht gegenseitig ausschließen. Im Gegenteil: Der Spaß am Job hält uns oft über Wasser, wenn es Mal wieder alles zu viel wird. Wir würzen mit ein Bisschen Galgenhumor und Sarkasmus, und die Rolle rollt. Wenn man das nicht kann, kann man als Lehrer ganz schön kaputt gehen. Ich habe Kollegen gesehen, die trotz Spaß am Job vollständig ausgebrannt waren. Ich möchte nicht wissen, was mit Leuten passiert, die so einen Job nur des Geldes wegen machen. Vielleicht muss sind die aber auch abgew****t genug, um das alles nicht an sich 'ran zu lassen?


    Ich kann mir übrigens auch nicht vorstellen, dass diese Haltung die richtige Überlebensstrategie für deinen jetzigen Job ist. Ohne Spaß macht's doch keinen Spaß.


    Pausi.


  • Was sind die Vor- und Nachteile einer BS im Gegensatz zur freien Wirtschaft??
    Ich finde die Meinungen im Internet gehen sehr auseinander. Die einen schreiben, dass das Gehalt nicht aussreicht und man sehr wenig Freizeit hat. Die andere schreiben, dass die Bezahlung super ist und man als Lehrer sehr viel Freizeit hat.


    Naja, stimmt ja auch. Es gibt Unterschiede, wo du unterrichtest. Und was. Und wie. Am Berufskolleg unterrichtest du nicht nur in der Berufsschule, sondern womöglich auch in anderen Bereichen, z. B. in der gymnasialen Oberstufe oder in Vollzeitklassen, die eine Fachhochschulreife und eine Ausbildung erwerben. Oder in der Fachschule (=Weiterbildung).


    Mit A13 oder auch TVL 13 ist man nicht an der Armutsgrenze. Du kannst dich am BK auch noch befördern lassen. Aber wenn du natürlich ein Managergehalt anstrebst, dann bleibe besser, wo du bist, und streng dich an.


    Du willst Erfahrungen hören. Also, ich habe genug Freizeit. Es gibt Phasen, da ist es stressig (Zeugnisse, Prüfungen etc.), aber dann kommen auch wieder ruhige Phasen und Ferien. Aber das empfinden andere anders, viele klagen über eine hohe Belastung.


    Trotzdem, das sind keine wirklichen Entscheidungshilfen. Einen Job macht man gut, gern und effizient, wenn es der richtige ist. Wenn du dich mit dem Unterrichten schwer tust, keine schnellen Entscheidungen treffen kannst, mit jungen Menschen nicht klarkommst und am liebsten in einem ruhigen Büro mit Teppichboden arbeitest, dann ist der Lehrerberuf nichts für dich.


    Du fühlst dich im Moment nicht glücklich, also überlegst du zu wechseln. Niemand kann dir jetzt sagen, ob das ein richtiger Schritt ist. Du investierst ja auch erst mal wieder in Ausbildung und kannst dann nicht sicher sein, ob du eine Stelle findest. Schwierig.Ich finde, das solltest du nur machen, wenn du wirklich überzeugt bist, dass dir das nachher *Spaß* macht.


    Für mich ist der Job zwar keine ständige Vergnügungsveranstaltung, aber ich fahre gutgelaunt hin und komme gutgelaunt zurück. Meistens. Und was will man mehr?

  • Ich formuliere mal kurz und knapp: Es ist vermutlich nicht richtig, wenn du Lehrer nur wegen der Freizeit und der wenigen Arbeit wirst.


    Zumal ich die 5000€ netto auch mal anzweifeln möchte. Das wären bei 13 Gehältern im Jahr 100000€ - da bist du schon weit über normaler Tätigkeit hinaus, vermute ich - eher so mittlere Führungsebene. Und da hast du sicherlich nicht weniger Stunden als ein Lehrer pro Woche :). Allerdings natürlich mehr Geld.

    "Unfähigkeit ist kein Dienstvergehen und kann nicht geahndet werden."

  • Ich tippe ja auf Unternehmensberatung :wink_1:
    Da koennen solche Gehälter möglich sein- sonst frage ichh micht auch wo man nach 5 Jahren 5k Netto haben kann. Das ist schon doll! Aber unter einer 70 Stunden Woche kannste da doch gar nicht bei wegkommen.

  • Ich habe keine Erfahrung mit Berufskolleg/-schule und schon gar nicht mit deinen Fächern.
    Wie stressig der Beruf ist hängt, wie schon gesagt wurde, von Fächerkombination, Schulform und dann auch der konkreten Schule ab.
    Viel Freizeit habe ich nicht bzw. eigentlich nur zwischen den Korrekturphasen. Da stehen dann aber auch Konferenzen, Arbeit in Arbeitsgruppen, Elterngespräche (fallen am Berufskolleg wohl eher weg (?), dafür gibt es aber evtl mehr Kooperation mit Betrieben etc?) an. Und das ist nur ein kleiner Teil der Zusatzaufgaben.


    Aber wenn man den Beruf nicht gerne macht, dann wird das extrem belastend sein. (Ist es so mitunter auch.)
    Dann wird auch das Unterrichten, dass nicht alle Schüler immer das machen, was man von ihnen möchte, denen dein Fach vielleicht zum Hals raushängt, die schlampige Hausaufgaben abgeben etc pp seeehr anstrengend.
    Ich bin kein Verfechter von Lehrer muss Berufung sein, aber man sollte Spaß am Vermitteln und am Umgang mit Kindern und Jugendlichen haben, ein Interesse daran, sie auf ihrem Weg zu sich selber und ins sogenannte richtige Leben zu begleiten und einzelnen hoffentlich auch ein klein wenig zu helfen, Interesse daran, sich selber und seine Arbeitsweise immer wieder zu hinterfragen.


    Den Job, bei dem man mit viel Freizeit trotzdem viel Geld verdient... der muss wohl noch gebacken werden...
    (wobei die Definition von viel oder meinethalben genug Geld ja nun mal auch auseinander geht).


    Meine Eltern waren beide Hauptschullehrer, also nichts mit A13, haben trotzdem ein Haus gebaut (klar, das hat jetzt keine 300qm - wozu auch, den Großteil ihres Lebens haben/werden sie da eh zu zweit drin wohnen, da wir Kinder schon lange ausgezogen sind), das inzwischen seit mehreren Jahren abbezahlt ist, der USA Urlaub (im Campingwagen) mit Familie war auch mal drin, Skifahren jedes Jahr (wobei wir im Sommer immer in der Ferienwohnung der Großeltern an der Ostsee waren - ob jedes Jahr zwei aufwendige Fernreisen drin gewesen wären, wage ich zu bezweifeln, aber auf den Pfennig achten mussten sie bestimmt nicht).
    Solltest du tatsächlich noch verbeamtet werden, ist natürlich die Jobsicherheit nicht zu verachten - gerade für die Kreditaufnahme bei Banken.



    Warum willst du denn Lehrer werden?
    Was, glaubst du, wird daran mehr Spaß machen als der jetzige Job?


    (Denn wenn es wirklich nur der Zeit- und Geldfaktor ist, lass es, da können einen Sozialberufe nur unglücklich machen, da leidet man selber und auch die Schüler und das ganze Kollegium drunter - so Fälle habe ich erlebt).

    "Et steht übrijens alles im Buch, wat ich saje. ... Nur nit so schön." - Feuerzangenbowle

  • Aber wenn der Threadstarter regulär studiert, benötigt er doch keinen Quereinstieg, oder wie sieht das aus?

    Mit einen "echten" ersten Staatsexamen kann man ein echtes Referendariat machen. Soweit richtig. Aber anschließend eine freie Stelle braucht er schon. Und die hängt -- das wissen wir -- eben auch von den Fächern ab.


    Pausi

  • Die anderen haben ja schon fast alles Wesentliche geschrieben: Man kann mit einem Lehrergehalt plus z.B. Teilzeitgehalt des Ehepartners gut leben, wenn man nicht zu hohe Ansprüche hat. Wenn es nicht gerade ein Ballungszentrum ist, kann man ein mittelmäßiges Haus bauen und hat genug Geld zum Leben.


    Der Job ist sehr stressig und zeitintensiv, bei uns wird oft am Wochenende korrigiert. Bei uns ist aber eine Sache im Positiven anders als bei den anderen Eltern in unserem privaten Umfeld, die in der freien Wirtschaft arbeiten: Mein Mann (auch Lehrer) sieht seine Kinder deutlich öfter als die Väter, die hier in der freien Wirtschaft arbeiten. Auch wenn wir abends und am Wochenende viel am Schreibtisch sitzen müssen, so gibt es doch öfter Tage, an denen auch mein Mann mit einer vollen Lehrerstelle um 14 Uhr oder notfalls um 17 Uhr zu Hause ist. Das ist bei den wenigsten anderen Vätern hier der Fall. Auch in den Ferien sitzen wir zwar viel am Schreibtisch, aber haben auch noch Zeit für unsere Kinder. Die Väter in unserem Umfeld, die in der freien Wirtschaft richtig Karriere machen, sind sehr oft auf Dienstreisen, viele kommen abends nicht vor 19 Uhr oder noch später nach Hause.


    Ein Nachteil unseres Berufs in der "Familienphase" des Lebens ist aber: Lehrer sind zeitlich nicht so flexibel. Während die anderen Väter oft die Kinder in die Kita bringen können oder teilweise bei kranken Kindern mal flexibel von zu Hause aus arbeiten können, geht das bei Lehrern leider nicht.


    Ein weiterer Nachteil: Man hat in unserem Job sehr viel Input und extrem viel mit Menschen zu tun. Das ist manchmal extrem anstrengend. Außerdem kann man im Regelfall nicht mal in der Arbeitszeit Mails checken oder einen Kaffee trinken gehen, sondern in der Zeit, die man in der Schule ist, ist man meist im Dauereinsatz. Der Arbeitsplatz besteht meist aus einem Minitisch im Lehrerzimmer und man hat oft keine wirklichen Pausen.


    Vieles ist phasenabhängig: Es gibt ruhigere Phasen (bei uns nach den Sommerferien und zum Halbjahreswechsel, wenn keine Korrekturen anfallen) und Arbeitsspitzen (bei den Gymnasiallehrern z.B. im Abi, bei uns z.B. auch im November/Dezember, wenn wir ständige Zusatzveranstaltungen plus Korrekturen haben) und die Arbeitsbelastung ist je nach Phase sehr unterschiedlich, das kann von sehr kurzen Tagen bis hin zu durchgearbeiteten Abenden plus Wochenenden in Spitzenzeiten gehen.

  • Ich denke mal das Arbeit nie Spaß macht und immer mit Stress oder langeweille verbunden ist.


    Sehe ich anders. Ich habe Spaß an meiner Arbeit und finde sie ganz bestimmt nicht langweilig - das liegt nicht zuletzt auch an einem selber, ob man sich dafür entscheidet, scheinbar Eintöniges aufzubrechen und fantasievoll neu anzugehen oder nicht. Stress ist nicht gleich Stress - unter dem Stress, den mir eng gesetzte Korrekturtermine verschaffen, leide ich sehr; anspruchsvolle pädagogischer Arbeit mit einer trubeligen Lerngruppe voller interessanter Persönlichkeiten ist dagegen für mich positiver Stress. Ersteres macht keinen Spaß, letzteres sehr.


    Zitat

    Ich selber kann von mir sagen, dass ich nicht Karierregeil bin wie andere meiner Kollegen.


    Was ich noch nie so richtig verstanden habe, ist, was eigentlich so falsch daran ist, wenn jemand in seinem Beruf Karriere machen will, Verantwortung übernehmen, Strukturen gestalten. Der Vorwurf "karrieregeil" bei Lehrern erinnert mich immer an den Vorwurf "Streber" bei Schülern.


    Nele

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