Besteht mit dem Lehramt SEK II Berufskolleg auch die Möglichkeit an Weiterbildungskollegs zu unterrichten?

  • Guten Abend liebe lehrerforen-Mitglieder,


    dies ist mein erster Eintrag hier im Forum und ich lege direkt mit einer Frage los, unverschämt sowas und ich hoffe es wird mir verziehen. :whistling: :_o_D


    Und zwar habe ich letztes Jahr die allgemein Hochschulreife über den zweiten Bildungsweg nachgeholt und plane zum kommenden Wintersemester 14/15 in Dortmund ein Lehramtsstudium mit der beruflichen Fachrichtung Sozialpädagogik und Englisch als Zweitfach zu absolvieren. SozPäd mit Wirtschaft/Politik wäre für mich eigentlich das Optimum, bei jedoch nur fünf Standorten deutschlandweit für die berufliche Fachrichtung SozPäd muss man wohl Kompromisse schließen. Anyway, da sich in den letzten Jahren für mich sehr klar herauskristallisiert hat, dass ich hauptsächlich mit jungen Erwachsenen bis Erwachsenen mittleren Alters arbeiten möchte und für die fachwissenschaftliche Didaktik ein gutes Händchen habe, frage ich mich momentan vor der Immatrikulation, ob ich mit der Fakulta Sek II BK auch an Weiterbildungskollegs bei Belieben einsteigen könnte. Die Unterrichtsfächer wären (angelehnt an den Fächerkatalog von Weiterbildungskollegs) vermutlich Englisch und Pädagogik/Psychologie/Sozialwissenschaften. Dies ist einfach eine reine Interessensfrage die sich mir gerade stellt, da der Stellenmarkt ja erfahrungsgemäß dauernd im Wandel ist und man schlussendlich nie genau weiß, ob es jemanden plötzlich wegen eines guten Stellenangebotes oder einer Partnerin in ein anderes Bundesland ziehen sollte.
    Ich bin über eure Antworten dankbar und wünsche euch noch angenehme Restpfingsten :thumbup:

  • Was ist denn ein Weiterbildungskolleg?


    Weiterbildungskollegs sind staatliche Schulen der Erwachsenenbildung, in denen man die FHR und das Abitur nachholen kann. Der Einstieg in ein Weiterbildungskolleg (bzw. ein Abendgymnasium) sind drei Jahre Berufstätigkeit oder äquivalente Tätigkeiten und der mittlere Bildungsabschluss. Im Normalfall dauert der Bildungsgang drei Jahre und umfasst zwei Semester der Einführungsphase, sowie vier Semester in der Qualifikationsphase. Abendgymnasium und Weiterbildungskollegs sind einander ähnlich, der Unterricht an Weiterbildungskollegs ist aber ein Vollzeitunterricht, der tagsüber stattfindet. Der Besuch von Weiterbildungskollegs und Abendgymnasien ist kostenlos und kann mit BaföG-Leistungen gefördert werden.


    Nele

  • Sozpäd an nur 5 Standorten? Das halte ich für ein Gerücht. Überall, wo soziale Berufe ausgebildet werden wie Erzieher, Kinderpflegerin etc sind sozpäds eingesetzt. Eigentlich gilt es in NRW derzeit als Mangelfach.


    Welche Standorte meinst du? Normale BKs?

    • Offizieller Beitrag


    Weiterbildungskollegs sind staatliche Schulen der Erwachsenenbildung, in denen man die FHR und das Abitur nachholen kann. Der Einstieg in ein Weiterbildungskolleg (bzw. ein Abendgymnasium) sind drei Jahre Berufstätigkeit oder äquivalente Tätigkeiten und der mittlere Bildungsabschluss. Im Normalfall dauert der Bildungsgang drei Jahre und umfasst zwei Semester der Einführungsphase, sowie vier Semester in der Qualifikationsphase. Abendgymnasium und Weiterbildungskollegs sind einander ähnlich, der Unterricht an Weiterbildungskollegs ist aber ein Vollzeitunterricht, der tagsüber stattfindet. Der Besuch von Weiterbildungskollegs und Abendgymnasien ist kostenlos und kann mit BaföG-Leistungen gefördert werden.


    Nele


    Ach so, also analog mit den Schulen für Erwachsene in Hessen. Da hätte man mit der Fächerkombi aber wohl keine Chancen.

  • Sozpäd an nur 5 Standorten? Das halte ich für ein Gerücht. Überall, wo soziale Berufe ausgebildet werden wie Erzieher, Kinderpflegerin etc sind sozpäds eingesetzt. Eigentlich gilt es in NRW derzeit als Mangelfach.


    Welche Standorte meinst du? Normale BKs?

    -->

    Zitat

    Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass längst nicht alle Bundesländer Lehrende der beruflichen Fachrichtung Sozialpädagogik ausbilden. Studiengänge des LABS existieren lediglich an den fünf Universitäten: Bamberg (Bayern), Bremen, Lüneburg (Niedersachsen), Dortmund (Nordrhein-Westfalen) und seit kurzem an der Technischen Universität Dresden (Sachsen). Zusätzlich bietet die Universität Tübingen (Baden-Württemberg) die Möglichkeit, über den Diplomstudiengang Erziehungswissenschaft unter bestimmten Bedingungen eine vergleichbare Qualifikation zu erwerben. Alle anderen Bundesländer bilden keinen entsprechenden Nachwuchs aus. Problematisch daran ist, dass die Anzahl an Absolventen des Ersten und Zweiten Staatsexamens der beruflichen Fachrichtung Sozialpädagogik bei weitem nicht ausreicht, um den bundesweiten Bedarf abzudecken.
    [ http://www.uni-bamberg.de/file…m/Schmidt/Text_in_BBS.pdf ]

    Ein erst kürzlich stattgefundenes Telefonat mit dem Abteilungsleiter der SozPäd eines großen Berufskollegs untermauert den oben geschilderten Sachverhalt.
    Es ist richtig, dass SozPäd ein Mangelfach ist (und das nicht nur in NRW). Dass man jedoch mit GyGe-Pädagogik einfach so quer einsteigen kann oder dass es ähnlich viele Universitäten wie für bspw.
    Wirtschafts- oder Ingenieurpädagogik in der Republik gibt ist schlichtweg falsch. Dafür ist die berufliche Fachrichtung (wie ja auch jede andere Fachrichtung am BK) aus zu vielen kleinen Fächern zusammengesetzt.
    Der Zweck heiligt jedoch die Mittel, was momentan wie in vielen anderen Bereichen des BKs dazu führt, dass viele Externe, hier in diesem Fall FH-Sozialarbeiter oder GyGe-Lehrer, in der SozPäd eingesetzt werden müssen.




    Es scheint laut neleabels und Trantors Posts jedoch so zu sein, dass an Weiterbildungskollegs und Abendschulen hauptsächlich GyGe-Lehrer eingesetzt werden.
    Bleibt im Extremfall also nur die direkte Anfrage an eine Schulleitung. Aber wie gesagt, ich möchte sowieso ans BK und es war mehr eine Interessenssache.
    Danke für die Antworten und noch eine angenehme Restwoche 8_o_)

  • Es scheint laut neleabels und Trantors Posts jedoch so zu sein, dass an Weiterbildungskollegs und Abendschulen hauptsächlich GyGe-Lehrer eingesetzt werden.


    Es werden bei uns hauptsächlich WBK- und Abendgymnasiallehrer eingesetzt, darauf möchte ich schon bestehen! :) Aber was zutrifft, ist, dass man ohne Sek II-Lehrbefähigung nahezu keine Einstellungschance hat.


    Nele

    • Offizieller Beitrag

    Es werden bei uns hauptsächlich WBK- und Abendgymnasiallehrer eingesetzt, darauf möchte ich schon bestehen! :) Aber was zutrifft, ist, dass man ohne Sek II-Lehrbefähigung nahezu keine Einstellungschance hat.


    Nele


    In Hessen sind es Sek-II-Lehrer, spezielle Abendgymnasiallehrer gibt es hier meines Wissens nicht. Oft sind die Lehrkräfte auch nur stundenweise aus den Tagesschulen abgeordnet.

  • Das war ein dummer Witz, mit dem ich ausdrücken wollte, dass ich kein Gymnasiallehrer bin. :) In WBKs hast du normale Lehrer mit Sek I/II-Ausbildung, bzw. Seiteneinsteiger.


    Nele

    • Offizieller Beitrag

    Das war ein dummer Witz, mit dem ich ausdrücken wollte, dass ich kein Gymnasiallehrer bin. :) In WBKs hast du normale Lehrer mit Sek I/II-Ausbildung, bzw. Seiteneinsteiger.


    Nele


    Ach so ;) Naja, in NRW habt Ihr ja immer so merkwürdige Sachen, da hätte es mich nicht gewundert ...

  • Mit Standorten meinst du Uni-Standorte. Ach so. Falsch verstanden.
    Davon kommt keiner für dich in Frage? Ist ja nur eine begrenzte zeit.

  • Doch doch, ich schreibe mich für die berufliche Fachrichtung Sozialpädagogik ein :_o_)
    Geht ja jetzt erst einmal darum überhaupt in den Verein aufgenommen zu werden mit einer attraktiven Fächerkombi,
    Gesellschaftslehre/Politik soll öfter mal fachfremd von Kollegen unterrichtet werden (habe ich munkeln hören), eventuell ergibt sich dann ja eine Niesche.
    Ich danke jedenfalls für die netten Einträge!

  • Ein kleiner Nachtrag: Ich habe über die Studienberatung der TU Dortmund noch in Erfahrung bringen können, dass zwar Wirtschaft/Politik dort so nicht als Unterrichtsfach für Berufskollegs angeboten wird, jedoch dank meiner Ausbildung die Möglichkeit bestehen würde die zwei beruflichen Fachrichtungen Sozialpädagogik und Wirtschaftswissenschaften zu studieren ohne später noch zusätzliche fachpraktische Nachweise einreichen zu müssen. Frage insbesondere an Trantor, neleabels und Sissymaus, da ihr an Kollegs beschäftigt seid und ich für sowas nicht gleich wieder einen neuen Thread starten möchte: Könnt ihr aus eurer Praxis und Erfahrung berichten, ob das überhaupt eine gute Idee wäre gleich zwei volle Berufsfachrichtungen zu studieren? Ich bin wie gesagt von Hause aus Erzieher und neben meiner Pädagogik- und Psychologieschiene auch sehr am Finanz- und Wirtschaftsgeschehen, an Ökonomik und (Wirtschafts-) Politik interessiert. Sozialpädagogik mit Englisch ist nach dem aktuellen Prognoseheftchen eine doppelte Mangelfachkombo, Wirtschaft und Verwaltung eingeschränkt zu empfehlen. Wie würde es sich mit dem Korrekturaufwand verhalten? Mir haben grundsätzlich ehemalige Lehrer davon abgeraten Dinge wie Englisch und Deutsch miteinander zu kombinieren, da der Korrekturaufwand tödlich sei, bei beruflichen Fachrichtung aus mehreren kleinen Fächern kann ich das momentan schwer einschätzen (wobei ja SozPäd mit Englisch bei Zeiten bestimmt auch nicht ohne ist). Es würde ferner die Berufspraxis aus dem Alltag fehlen um den wirtschatlichen Stoff realistisch zu verkaufen, andererseits überwiegt das Interesse. Hmm, Hmm, Hmm, a tough decision indeed.

  • Englisch und Deutsch zusammen ist ein wahnsinniger Korrekturaufwand. Ich habe Wirtschaft mit Englisch kombiniert und stelle über Jahre fest, dass Englisch definitiv den größeren Korrekturaufwand hast.


    Ich würde dir empfehlen, nicht zwei berufliche Fachrichtungen zu studieren. Da bin ich mir sicher, dass der Aufwand riesig wird. Ausserdem könntest du dann im späteren Berufsleben auch alles machen: nämlich alle Fächer und Ausbildungsberufe im Berufsfeld Wirtschaft und Sozialpädagogik in allen Berufsformen und Jahrgängen. An deiner Stelle würde ich Sozialpädagogik studieren und das mit Englisch kombinieren.


    Wie du im Anschluss nach mehreren Berufsjahren eingesetzt wird, dass dann dir heute sowieso keiner genau sagen und ich wette, dass du 10 Jahre nach dem Referendariat sowieso etwas anderes machst, als du am Anfang deiner beruflichen Karriere in der Schule gedacht hast.

  • Warum willst Du keine 2 beruflichen Richtungen studieren? Was glaubst Du, ist dann zuviel? Das Studium?


    Ich habe auch 2 berufliche Richtungen, wenn auch eine sogenannte große und eine kleine. Diese sind ziemlich affin.
    Wenn Du Sorge vor der beruflichen Richtung und der fehlenden Praxis hast, dann kann ich Dir diese Möglichkeit schildern:
    Du landest später nicht an einem Wirtschaftskolleg sondern an einer Bündelschule oder an einem BK die im sozialen Bereich ausbilden. Das ist relativ wahrscheinlich, da Du mit dem Hauptfach EW oftmals bei Erziehern oder Sozialhelfern etc unterrichten kannst.
    Dann wird Wirtschaft eher eine untergeordneter Rolle oder eher eine fachlich nicht sehr tiefe Rolle spielen, da Du evtl im dualen System das Fach Wirtschafts- und Betriebslehre unterrichtest. Das machen bei uns viele fachfremd, weil es hauptsächlich darum geht, seinen gesunden Menschenverstand einzusetzen. Ist also nicht besonders schwer, daher machbar.


    Korrekturaufwand: Ich habe 2 technische Richtungen und darum bin ich sehr dankbar. Ich schaffe eine Klassenarbeit in1-2 Stunden, je nach Niveau. Das reicht mir auch, denn das ist das, was mir am Lehrerjob keinen Spass macht. Also: wenn Du es vermeiden kannst, vermeide es ;)

  • Könnt ihr aus eurer Praxis und Erfahrung berichten, ob das überhaupt eine gute Idee wäre gleich zwei volle Berufsfachrichtungen zu studieren?


    Ein WBK ist prinzipiell eine ganz normale staatliche Schule, d.h. die Lehrer dort haben im Normalfall zwei SCHULfächer studiert. Ein Berufsfach, dass per Seiteneinstieg auf ein Schulfach umgebogen wird, ist ohnehin ein Provisorium. Ich verstehe nicht genau, was du mit "Berufsfachrichtung" meinst.


    Nele

  • Zitat

    in Berufsfach, dass per Seiteneinstieg auf ein Schulfach umgebogen wird, ist ohnehin ein Provisorium.


    Berufskollegs in NRW haben beruflice Richtungen wie Bautechnik, Elektrotechnik, Holztechnik, Maschinentechnik....
    Diese kann man auf ganz normal Lehramt studieren. Ist also nicht zwingend ein Seiteneinsteiger.



    Zitat:
    (2) Als berufliche Fachrichtung nach Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 sind zugelassen: Agrarwissenschaft, Bautechnik, Biotechnik, Chemietechnik, Druck- und Medientechnik, Elektrotechnik, Ernährungs- und Hauswirtschaftswissenschaft, Fahrzeugtechnik, Farbtechnik/Raumgestaltung/Ober­flächentechnik, Mediendesign und Designtechnik, Gesundheitswissenschaft/Pflege, Lebensmitteltechnik, Maschinenbautechnik, Sozialpädagogik, Informationstechnik, Textiltechnik, Wirtschaftswissenschaft.


    kopiert von:
    http://www.verwaltung.uni-wuppertal.de/law/LZV_2009.htm

Werbung