Schulwechsel

  • Hallo, bin ziemlich verzweifelt und brauche dringend Rat!
    Für meine Tochter 4 Schuljahr steht der Schulwechsel an. Laut Lehrerin hat Sie ein hohes Potenzal, das heißt in der Klassengemeinschaft oberes Drittel. Ihre Leistungen waren schon im 3 Schuljahr alle 2. Ihre Arbeiten dagegen immerschon Konzentrationsabhängig (2-3). In den Mathearbeiten hatte sie alle Textaufgaben und Knobbelaufgaben richtig, machte aber bei + und - Aufgaben Fehler. Auch die Diktate waren schon mal daneben wegen Flüchtigkeitsfehler und nicht wegen Rechtschreibefehler. Auserdem arbeitet sie noch dem mininal Prinzip, das heißt nur das nötigste wird getan.
    So welche Schule sollen wir wählen? Ich hoffe Lehrer von den unterschiedlichsten Schule können mir ihre Erfahrungswerte schildern!

  • Hallo Lilli,


    warum so verzweifelt? Ferndiagnose bringt glaub ich sehr wenig, aber ein paar Fragen lohnen sich, die nur du beantworten kannst:
    - am wichtigsten: Welche Schulform wird von der Grundschule empfohlen? Das sind die Experten, die dein Kind am längsten kennen, hier lohnt es sich nachzufragen.
    - welche Schulen gibt es bei euch in der Umgebung/ welchen Ruf haben sie? Wirf mal einen Blick ins Schulprogramm (Homepage der Schule im Internet); bist du mit dieser Art von Erziehung einverstanden?
    - Zeigt deine Tochter bestimmte Präferenzen - liest sie viel oder knobelt sie gern, kann sie gut erzählen und zeigt viel Phantasie? Kann sie gut stillsitzen und sich lange mit einem Buch beschäftigen, interessiert sie sich auch für abstraktere Dinge? Dann vielleicht eher Richtung Gymnasium. Macht sie lieber konkrete, handfeste Dinge? Dann vielleicht eher Realschule, aber das sind nur ganz vage Richtungen.
    Die Entscheidung, die du jetzt triffst, ist nicht endgültig, in den nächsten Jahren kann noch sehr viel passieren - Schulwechsel sind möglich, genauso wie der "lange Weg" von Hauptschule bis zum Abitur. Den besten Tipp können dir vermutlich wirklich die Grundschullehrer deiner Tochter geben.


    Viel Erfolg,
    w.

    Frölich zärtlich lieplich und klärlich lustlich stille leysejn senffter süsser keuscher sainer weysewach du minnikliches schönes weib

  • Hallo Lilli,


    da du nicht schreibst, was eure Klassenlehrerin konkret empfiehlt, nehme ich an, dass die Beratungsgespräche bez. der weiterführenden Schulen noch nicht stattgefunden haben. Eure Lehrerin kennt das Sozial- und Arbeitsverhalten deiner Tochter am besten, in der Regel kannst du auf ihr Urteil vertrauen.
    So wie du deine Tochter beschreibst, tendiere ich als Außenstehende in Richtung Gesamtschule. Ich nehme an, dass ihr (wie ich auch) in einem Bundesland wohnt, welches 4 Grundschuljahre vorsieht, was meiner Meinung nach viel zu wenig ist, da sich die Kinder gerade in diesem Alter in einer wichtigen Entwicklungsphase befinden. Oft ist es schlecht vorauszusagen, in welche Richtung sich ihr Arbeitsverhalten in den nächsten beiden Jahren (Erprobungsstufe) entwickeln wird; wird sie mit den hohen Anforderungen des Gymnasiums überfordert/auf der Realschule unterfordert sein?


    Die Gesamtschule bietet den Kindern mehr Spielraum, ihre individuellen Stärken/Schwächen herauszubilden; sie bietet den Kindern entsprechende Grund- und Erweiterungskurse an. Jeder Schulabschluss ist möglich, ohne die Schule wechseln zu müssen.
    Nachteilig wirkt sich teilweise die beträchtliche Größe einer Gesamtschule aus.


    Ganz generell empfehle ich Eltern jedoch stets, im Zweifelsfall die jeweils "untere" Schulform zu wählen, denn es ist für das Kind immer leichter (in jeder Hinsicht!), den "Schritt nach oben" zu machen, als umgekehrt. In eurem Fall also: Wenn deine Tochter nach der Erprobungsstufe von der Realschule auf das Gymnasium wechseln kann, bedeutet das einen großen Erfolg in jeder Hinsicht, wenn sie umgekehrt vom Gym. "runter" auf die Realschule wechseln muss, hat sie schon jede Menge Misserfolgserlebnisse hinter sich und hat es denkbar schwerer, sich neu zu motivieren, sich in der neuen Gemeinschaft einzuleben etc.


    Ich finde es toll, dass du die "beste Schule" für dein Kind suchst, denn die Schule, in der dein Kind gut aufgehoben ist, ist die "beste Schule"! Leider suchen viel zu viele Eltern die "beste Schule für sich selbst" und setzen damit das Wohl ihrer Kinder nicht selten leichtfertig aufs Spiel...


    Ich wünsche euch die richtige Entscheidung! :)


    LG Lea

  • Zitat

    Ganz generell empfehle ich Eltern jedoch stets, im Zweifelsfall die jeweils "untere" Schulform zu wählen, denn es ist für das Kind immer leichter (in jeder Hinsicht!), den "Schritt nach oben" zu machen, als umgekehrt.


    Für das Selbstwertgefühl des Kindes mag das zutreffen, aber systemisch betrachtet leider nicht. Wenn man sich diverse Statistiken mal anschaut, muss man leider feststellen, dass eine Durchlässigkeit nach oben kaum stattfindet. Wenn ein Kind erst einmal auf der Realschule oder Hauptschule ist, bleibt es in der Regel dort bis es seinen Abschluss hat, selbst wenn es gute bis sehr gute Leistungen bringt.
    Das muss man bei der Wahl der Schulform durchaus bedenken.


    Allerdings würde ich grundsätzlich auch eher empfehlen, die in Frage kommenden Schulen einmal anzugucken und zu schauen, welche pädagogischen Konzepte sie haben. Mir persönlich wäre es wichtiger, mein Kind geht auf eine Realschule, in welcher es sich entfalten und lernen kann als auf Gymnasium, wo es mit Stoff zugetrichtert wird. Langfristig gesehen hat es von Ersterem mehr.


    Gruß,
    Mia

    Man soll denken lehren, nicht Gedachtes.
    (Cornelius Gustav Gurlitt)

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  • Zitat


    wie wäre es mit der Waldorffschule, oder einer anderen privaten Schule?


    Als ehemalige Waldorfschülerin möchte zu dieser (und zu ähnlichen Anmerkungen in diesem Unterforum) kurz etwas anmerken. Die Waldorfschule ist kein Rückzugsgebiet für alle, die sich aus verschiedensten Gründen gegen das öffentliche Schulwesen entschieden haben. Ein commitment im Sinne des Schulkonzepts und der Anforderungen an das Elternhaus zur Zusammenarbeit mit der Schule wird eruiert und eingefordert.


    Grüße
    Maria Leticia

    Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr. Marie Curie

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  • Hallo Maria,


    ich habe mich schon sehr intensiv mit den reformpädagogischen Ideen und Komzepten auseinandergesetzt. Für manche Schüler ist ein Schulsystem, indem nicht selektiert wird, man nicht sitzenbleiben kann und in dem es nicht nur um Leistung geht, von Vorteil. In diesem Zusammenhang habe ich deshalb diese Empfehlung ausgesprochen.


    LG Anja.

  • Hi Anja,


    mein Beitrag war nicht böse gemeint und natürlich hast du Recht, was deine Beschreibung des Schulsystems angeht. Aber: Waldorfschule ist eben mehr als ein Schulsystem, in dem nicht selektiert wird, die Leistung nicht im Vordergrund steht und eine Menge handwerkliche Fächer angeboten werden. Dahinter steht eine Philosophie und ein Menschenbild(die im Unterricht meiner Meinung nach nicht bewußt präsent sind). Mit dieser Philosophie und ihren Implikationen und Anforderungen mußt du als Eltern können (und das kann nicht jeder!), sonst hat auch das oben beschriebene Schulsystem mit all seinen Vorteilen keinen Sinn. Und bei den Aufnahmegesprächen achten die Schulen sehr wohl darauf, dass die Eltern mit dieser Philosophie etwas anfangen können, schon im eigenen Interesse.


    Grüße
    Maria Leticia

    Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr. Marie Curie

  • Hallo und Dank an alle die hier geantwortet haben!
    Die Klassenleherin sagt meine Tochter gehört zu den Kindern die eigentlich noch ein Jahr mehr bräuchten um sich festzulegen wie es weitergeht. Ihr möchte ich ein großes Lob aussprechen, sie ist immer bemüht das beste aus allem zu machen. Ihr Leistungsnivau ist hoch, es herschen strenge Regeln. Vielleicht auch ein Kriterium für die Wahl der weiterführenden Schule!?
    Die Gesamtschule finden wir auch die Lehrerin gut. Problem zu weit weg und andere Mitschüler wählen lieber Real oder Gymnasium die näher sind. Sie würde allein jeden morgen mit dem Bus fahren! Auf die Frage welche Schule sie möchte, kann ich nur sagen Gymnasium weil ihre beste Freundin dorthingeht und nicht weil sie die Schule interessiert. Und nun?

  • also ich kann dir ja nur aus der sicht einer (ex)schülerin antworten aber die beschreibung deiner tochter erinnert mich sehr an mich (knobelaufgaben in mathe richtig dafür lauter leichtsinnsfehler vor allem + und -). ich bin aufs fymi und damit recht gut gefahren ich hätte mich wohl au auf der real wohl gefühlt aber dort nur das geleistet was dort von mir erwartet wird also wohl weniger. die durchlässigkeit nach oben ist meiner meinung nach eh net sehr hoch (es haben bei uns glaub ich insgesamt 2 leute von real auf gymi gewechselt).
    wie weit wäre denn die busfahrt zur gesamtschule?

  • Sie sollte sich nicht daran orientieren, wohin ihre Freundin geht.
    Würde sie zur Gesamtschule gehen, wäre sie die ersten Tage alleine, aber dann würde sie dort neue Kinder kennenlernen. Es fahren doch sicherlich auch noch andere Kinder aus eurem Ort zur Gesamtschule. Die würde sie auch schnell kenen.


    Wichtig ist, da es die richtige Schule für Eure Tochter ist. Da ist die Freundin nicht entscheidend.

  • Genau dises Befürchtung haben wir auch, sie macht nur das was verlangt wird, den Ergeiz von der Realschule auf´s Gym zu wechseln wird sie nicht entwickeln. Die Gesamtschule ist ca. 20 km entfernt. Es fährt kein Schulbus sie müßte umsteigen. Die Schule nach der Freundin auszusuchen wird von uns natürlich nicht unterstützt, macht aber Ihre Einstellung zur Schule deutlich! Welches Kriterium ist denn wichtiger um auf´s Gym zu gehen? Einstellung zur Schule oder Potenzial?

  • So wie du das berichtest machen deiner Tochter gerade die schwereren Sachen Spaß und bei allem anderen ist sie nachlässig. Das passt auch gut dazu, dass sie immer nur das nötigste tut. Ich glaube man tut so einem Kind den größeren Gefallen, wenn man es in die "schwierigere" Schulform "steckt". Denn auch lernen will gelernt sein und das tut man nur wenn man gefordert wird - Warum mehr tun als unbedint nötig, wenn man doch so viele schöne andere Dinge tun kann ;) . Wenn es wirklich eher Nachlässigkeit und Faulheit ist (um es mal hart auszudrücken) ist es, denke ich wirklich wichtig, ihr zu zeigen, dass man den guten Durchschnitt so nicht immer erreichen kann.
    Ob sie aber wirklich die Vorraussetzungen hat, kann ich natürlich nicht beurteilen. Und ich habe größtes Mitleid mit Kindern die aus falschem Ehrgeiz der Eltern mit Nachhilfelehrern ab Klasse 5 durchs Gymnasium geschleppt werden. Da sollte man dann ganz schnell die Notbremse ziehen - sobald die Noten schlechter werden oder man merkt, dass das Kind mehr als normal in den ersten Wochen in einer neuen Schule zu kämpfen hat. Ich glaube, dass wenn man rechtzeitig reagiert das Misserfolgserlebnis durch Schulwechsel nicht allzu schlimm und prägend ist - habe ich so bei meinem Bruder mitbekommen.
    Viele Grüße Delphine

  • Hallo an alle!
    hatte Elternsprechtag und die Lehrerin sagt wörtlich: Inteligenz ganz klar Gymnasium, Arbeitsverhalten ganz klar Realschule! Die Lehrerin sagt meine Tochter arbeitet zu flüchtig, gibt Arbeiten zufrüh ab ohne nochmals zu kontrollieren. Setzt sich für Themen ein die sie interessieren, bei anderen arbeitet Sie oberflächlich. Meine Tochter bräuchte eigentlich noch 1 Jahr in der Grundschule um mehr Reife zu entwickeln, das wir leider nicht mehr haben. Die Lehrerin macht es sich nicht einfach und sie sagt es schwer vorrauszusagen wie sich Ihre "Reife" in den nächsten Jahren entwickelt. Habt Ihr Erfahrungen mit sollen Kindern in den Orientierungsstufen?

  • Zitat

    [...] die Lehrerin sagt wörtlich: Inteligenz ganz klar Gymnasium, Arbeitsverhalten ganz klar Realschule! Die Lehrerin sagt meine Tochter arbeitet zu flüchtig, gibt Arbeiten zufrüh ab ohne nochmals zu kontrollieren. Setzt sich für Themen ein die sie interessieren, bei anderen arbeitet Sie oberflächlich.
    Meine Tochter bräuchte eigentlich noch 1 Jahr in der Grundschule um mehr Reife zu entwickeln, das wir leider nicht mehr haben. Die Lehrerin macht es sich nicht einfach und sie sagt es schwer vorrauszusagen wie sich Ihre "Reife" in den nächsten Jahren entwickelt.


    Genau das ist so oft das Problem; 4 Jahre Grundschule sind einfach zu wenig (siehe mein Posting oben)!
    Ja, sie bräuchte noch ein Jahr, und ja, das ist leider nicht möglich. Gemessen am aktuellen Stand der Dinge wäre die Gesamtschule wohl wirklich die beste Alternative für deine Tochter. Hier hat sie mehr Spielraum, sich zu entwickeln, das Abitur kann sie auf jeden Fall machen.
    Hier würden mich auch die Erfahrungen der Sek I/II-Kollegen brennend interessieren, obwohl man da für das einzelne Kind konkret wohl auch wenig ableiten kann...


    Alles Gute, Lea

  • Hallo an alle
    hatte Tag der offenen Tür an den weiterführenden Schulen mit Gelegenheit zu Gesprächen!! Das stattische Gymnasium sagt: Ohne Lernwille kein Erfolg auf Abschluß, eher abratent. Das kath. und eindeutig schwieriger Gymnasium da 3 Fremdsprachen pflicht sagt: Kein Problem Intelligenz hat vorrang und solche Schüler würden die besten Oberstufen Schüler! Grundschullehrerin überlässt uns die Entscheidung! Hatt den niemand Erfahrung mit solchen Dingen! Ich bitte dringend um Rat, die Zeit drängt!

  • Hallo Lilli,


    die Entscheidung musst du nun letztlich selbst treffen. Ich denke, du hast oben schon einige Meinungen zu hören bekommen und nun eben auch bereits die Einstellung der beiden in Frage kommenden Schulen. Niemand kennt dein Kind und daher kann niemand eine Entscheidung für dich treffen.


    Aber wie auch immer ihr beide euch entscheidet, es sollte deutlich geworden sein, dass keiner der beiden möglichen Wege eine Sackgasse ist.
    Bespreche die beiden Möglichkeiten mit deinem Kind und entscheidet euch für den Weg, bei dem ihr einfach das bessere Gefühl habt. ;)
    Und wenn deine Tochter nur auf's Gymnasium will, weil ihre beste Freundin dorthin geht, ist das doch auch in Ordnung. Bei mir war damals der gleiche Grund ausschlaggebend. :D


    LG,
    Mia

    Man soll denken lehren, nicht Gedachtes.
    (Cornelius Gustav Gurlitt)

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