Pflegerische Tätigkeiten erlernen (Föz gE)

  • Hallo zusammen,


    ich studiere Sonderschullehramt mit der Fachrichtung geistige Entwicklung. In diesem Bereich hat man natürlich regelmäßig mit pflegerischen Tätigkten zu tun, wie z.B. Begleitung auf die Toilette, Essen reichen, Windeln wechseln, Sondenernährung, aus dem Rolli heben, umlagern, beim Umziehen helfen...... Bisher habe ich diese Tätigkeiten in Praktika allerding nie richtig "gelernt" und so würde ich mir beispielsweise nicht zutrauen, einem Schüler/einer Schülerin einfach mal eben die Windel zu wechseln. Nicht, weil ich mich (blöd gesagt) davor ekeln würde, sondern weil mir in diesem Bereich einfach die Kenntnisse und vor allem die Übung fehlt. Das ist nur ein stellvertretendes Beispiel, mir fehlt halt generell die Kompetenz, eigenständig pflegerische Tätigkeiten zu übernehmen. Ich fühle mich in diesem Bereich sehr unsicher und habe keinerlei Rountine und folglich die Sorge, etwas falsch zu machen.


    Jetzt kann man natürlich sagen: Das ist später als Lehrkraft nicht meine Aufgabe, dafür gibt es Pflegepersonal in der Schule. Theoretisch stimmt das auch, aber ich habe bisher kein Praktikum erlebt, in dem nicht mal auch schnell die Lehrkraft eine Windel gewechselt hat oder ähnliches. Ich wurde auch schon darum gebeten, wollte es aber nur mit Hilfe machen, eben weil ich es mir nicht zugetraut habe.


    Ich WILL das aber können. ;) Gerade bei Kindern/Jugendlichen mit schwerster Behinderung sind ja die pflegerischen Tätigkeiten ein wichtiger Bestandteil der Bildung (wenn man den Bildungsbegriff so weit fassen möchte).


    Langer Text, kurze Frage: Was würdet ihr vorschlagen, um in diesem Bereich die Grundlagen zu erlernen?
    Vielleicht einfach mal ein Praktikum anfragen, das sich auf den pflegerischen Bereich konzentriert und nicht auf die Lehramtstätigkeit?
    Oder kann man als "Laie" spezielle Kurse besuchen - quasi wie ein erste Hilfe Kurs, nur halt im pflegerischen Bereich?


    Danke euch!

  • Eine 1-2jährige pflegerische Hilfsausbildung wäre dir wahrscheinlich zu lang, gehe ich mal von aus. Es gibt auch kürzere Kurse, die über einige Monate gehen. Hier habe ich was gegooglet:


    http://www.johanniter.de/index.php?id=137908


    Johaniter, Malteser oder DRK sind oft Anbieter solcher Kurse.


    Tätigkeiten wie Sondennahrung geben, solltest du aber nach dem Besuch eines solchen Kurses trotzdem nicht machen.

  • CKR, wollte ich auch gerade schreiben. Sondenernährung ist in jedem Fall was für die examinierte Fachkraft, meist ja eine Krankenschwester.
    (Ebenso alles andere aus diesem Bereich inklusive Medikamentenvergabe!)


    Ich kenn es auch aus dem Ref an einer KM Schule, dass man als Lehrperson dann schnell einspringt und ich fand das auch nicht schlimm, also die Sache mit den Windeln. Auch wenn immer gesagt wurde: als Lehrer musst du das nicht tun.


    Was uns nur geraten wurde: das Heben aus dem Rolli und wieder einsetzen sollte lieber ein Zivi/Praktikant mit Ahnung machen, einfach um den eigenen Rücken zu schonen. Ansonsten hab ich halt erst ein paarmal zugeschaut und nach und nach mehr mit geholfen, bis ich das irgendwann alleine konnte. Grad bei größeren Schülern die selbst nicht wirklich aktiv mit helfen können braucht es da ja doch routiniertere Griffe, damit man ihnen nicht weh tut.


    Will nur sagen, im Normalfalle macht es die Übung, ich denke nicht, dass man da einen speziellen Kurs braucht, zumal es ja nicht deine Hauptaufgabe dort sein wird. Es ist halt nur wichtig, dass man die ersten Male gut angeleitet wird. :)

  • Danke schon mal für eure Antworten.


    Ich glaube, ich schiebe im Moment auch etwas zu viel "Praxis-Panik" weil es mit großen Schritten aufs Referendariat zugeht und ich da mit dem Anspruch (an mich selbst) rangehe, möglichst auf alles vorbereitet zu sein. Das geht natürlich nicht und wird dann vermutlich auch nicht von mir erwartet. ;)


    Ich habe vor dem Studium sogar ein FSJ an einer GB-Schule gemacht, aber an dieser war es FSJlern vertraglich untersagt, pflegerische Tätigkeiten zu übernehmen und in meiner FSJ-Klasse waren zudem auch nur sehr selbstständige Schüler. Die meisten meiner Mitstudenten, die auch ein FSJ gemacht haben, waren in der Zeit explizit für pflegerische Tätigkeiten zuständig und sind daher ziemlich routiniert - war bei mir halt leider nicht der Fall.


    Dass die Sondennahrung nur von einer ausgebildeten Fachkraft gegeben wird, habe ich in meinen Praktika auch immer so erlebt. Nur in einem Fall hat es ein BFDler gemacht, aber die Schule war allgemein eh etwas merkwürdig.

  • Diese Anflüge von Panik vor dem Ref sind glaube ich normal. ;)


    Von der Einstellung her scheinst du absolut offen und lernbereit, bringst Vorerfahrung mit......das ist schonmal ne super Basis. :)
    So ist nicht alles neu und du kannst schon an vorhandene Sachen anknüpfen....ich glaub das machts ein bißchen leichter. So kannst du dich mehr auf den eigentlichen Schwerpunkt, nämlich den Unterricht, konzentrieren. ;)

  • Alles kann man eh nicht vorher können. Jede Windel wird anders gewechselt, weil der eine Schüler dabei steht, der andere muss liegen, der dritte ist noch so leicht, dass man ihn heben kann, der nächste viel zu schwer etc. Meist wird man von den Pflegekräften dort oder anderen Kollegen angelernt, sie zeigen einem dann, wie es am besten geht. Oder die Kinder selber kommunizieren mit einem.
    Bei uns im Rahmen des Studiums wurden auch Seminare zur Rückenschulung etc. angeboten.

  • Mach Dir keine Sorgen, das lernst Du alles durchs praktische Tun. Oder Du fragst jemanden, ob er Dir anfangs helfen kann.
    Ich bin nach dem GB Studium an eine KB Schule gekommen und war dort dann mit allerlei neuen Hilfsmitteln konfrontiert: Stehständer, Rollator, Keile, Therapiestühle, Toilettensitze...
    Inzwischen hab ich Routine damit und kenn mich auch aus, was die Hilfsmittelversorgung und -beantragung angeht.
    Ich kann auch sondieren, nicht an allen Schulen macht das eine Krankenschwester.
    Keine Sorge, das kommt schon.


  • Ich kann auch sondieren, nicht an allen Schulen macht das eine Krankenschwester.


    Letzlich ist das Geben von Sondenkost nicht schwer und schnell zu erlernen. Wie übrigens viele andere sogenannte behandlungspflegerische Maßnahmen auch: Subkutan-Injektionen, Verbände von z.B. PEG-Sonden, Blut abnehmen, Infusionen anhängen, etc., etc. Rechtlich ist die Situation so, dass das eigentlich ärtzliche Aufgaben sind, die an eine geeignete Fachkraft delegiert werden. Diese Fachkraft, bzw. die Person, die nun diese delegierbare Tätigkeit durchführt hat in Bezug auf die Durchfühung die sogenannte 'Durchführungsverantwortung' und ist verpflichtet, die Durchführung von Tätigkeiten, die sie nicht vollständig erlernt hat, abzulehnen. Bei der Gabe von Sondenkost per PEG kann - wenn der Betroffene gut darauf eingestellt ist - zugegebenermaßen nicht allzu viel schief gehen. Aber was wenn doch? Was, wenn der Betroffene aspiriert? Wärst du in der LAge, das zu erkennen? Wärst du dann auch in der Lage den Mageninhalt abzusaugen? Wäre das nötige Equipment da? Wie ist die rechtliche Situation? Das sollte, denke ich, vorher geklärt sein. Nochmal: in den allermeisten Fällen passiert das nicht und deshalb sieht das immer auch alles sehr einfach aus und sicher ist es oft auch schneller selbst erledigt. Aber Rechtssicherheit halte ich auch für einen wichtigen Aspekt.


    Gruß

  • In meinen Augen fällt sondieren etc. NICHT in das Arbeitsfeld des Lehrers. denn auch an der GB Schule ist man Lehrer.


    Anders ist es in meinen Augen bei pflegerischen Maßnahmen wie Windel wechseln oder nach dem Toilettengang abwischen oder auch das Wechseln der Position. ABER in der Regel gibt es dafür Personal (I-Helfer, Pflege, FSJler etc.) Dennoch schadet es nicht es zu können.

  • Das rechtliche Problem mit der Verabreichung von Sondennahrung ist mir inzwischen durchaus bewusst.
    Als ich allerdings im Ref war, hatten wir ein Kind mit PEG in der Klasse, an der Schule jedoch keine Krankenschwester und das Kind auch keinen Pflegedienst o.ä. Ich wurde eingewiesen in die Handhabung und hab es dann auch übernommen. Über die rechtliche Situation hab ich mir zum damaligen Zeitpunkt ehrlich gesagt keine Gedanken gemacht, an der Schule war das einfach so üblich.
    Inzwischen bin ich an einer Schule mit Krankenstation, da kommt das Thema nicht mehr auf. Behandlungspflege übernehmen dort examinierte Kräfte. Gleiches gilt für die Medikamentengabe. Darüber bin ich sehr froh. Einzelne Kinder haben auch einen sehr hohen Pflegeaufwand (Beatmung etc.), da ist dann dauernd ein Pflegedienst dabei.
    Wickeln, Lagern, Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme usw. übernehmen alle Helfer in der Klasse, auch die Lehrkräfte. Ich persönlich finde es gut, dass auch Lehrer da mithelfen, denn es gehört nunmal zum Alltag.

Werbung