Kind mit Down-Syndrom im Regelschulbetrieb - Bitte um Erfahrungen

  • Eltern behinderter Kinder lernen im Laufe der Zeit, dass sie für alles kämpfen müssen und dass sie von Ämtern, Behörden und Kliniken wie Bittsteller behandelt werden. Zudem werden sie in der Öffentlichkeit mit ihrem Kind angestarrt, bekommen blöde Kommentare zu hören und übergriffige Fragen gestellt und Vorwürfe zu hören. Die genannten Situationen treten, je nach dem, um welche Behinderung es sich handelt, in unterschiedlicher Häufigkeit auf, aber bei niemandem nicht. So haben diese Eltern zunehmend das Gefühl, es nicht mit Mitmenschen, sondern mit Gegnern zu tun zu haben. Und wenn man das Gefühl hat, so oder so nicht akzeptiert zu werden, dann kann man auch gleich darauf verzichten, freundlich zu bitten, wenn man weiß, dass man so in der Regel ohnehin nicht ans Ziel gelangt.

    Das prägt und deformiert das Verhalten der Betroffenen nachhaltig und führt bei einigen dazu, dass sie übers Ziel hinausschießen. Sie können aber nichts dafür, und wir sollten es nicht persönlich nehmen.

  • ... Sie können aber nichts dafür,

    Sehe ich anders. Bei allem Wissen, Rücksicht und Verständnis, wir sind alle Menschen mit Bedürfnissen und Gefühlen. Und jeder ist für sein Verhalten verantwortlich, unabhängig davon, was er erlebt hat. Die zuständige Lehrerin macht einen Job und ist nicht "die Gesellschaft". Sie bereitet sich vor, investiert Zeit, Energie und Liebe in dieses Kind wie in alle anderen, letztlich mehr davon, als allen anderen zuteil wird. Wieso sollte eine Mutter das Recht haben, dieser Lehrerin respektlos und anmaßend zu begegnen? Oder schärfer: darf ich andere schlagen, weil ich selbst geschlagen wurde als Kind? Muss ich mich von jemandem schlagen lassen, weil geschlagen wurde?

  • Von welchem Fall sprichst Du? Ich finde im Thread keinen Bezug.

    Nein, natürlich kann man solchen Eltern auch freundlich sagen, wenn sie sich im Ton vergreifen. Wieviel Energie und Herzblut in die Arbeit mit ihrem Kind fließt, können sie aber nicht ermessen. Sie haben wenig Einblick in unnser System, rechnen aber immer mit dem Schlimmsten ...

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Dass das ärgerlich ist - keine Frage! Aber ich dachte, dass man es besser aushalten kann, wenn man weiß, dass es nicht persönlich gemeint ist.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Hallo,

    Ich bin Grundschullehrerin und habe eine Tochter mit Down Syndrom.

    Zuerst einmal ist es so, dass alle Menschen unterschiedlich sind, auch die mit DS.

    Lern das Kind erst einmal kennen. (Außerdem ist es an meiner Schule so, dass die Förderschullehrerinnen die Kenntnis über das geeignete Material haben.)

    Dennoch gibt es einige Besonderheiten beim Lernen zu beachten, dir u.a. mit einem anderen Stoffwechsel zu tun haben.

    Sehr empfehlenswert ist das Down Syndrom Info Center. Dort gibt es viele Materialien und Bücher, DVD s zum Thema. Auch Fortbildungen für Lehrerinnen werden dort angeboten.

    Ein Buch kann ich empfehlen: Kinder mit Down-Syndrom lernen lesen: Ein Praxisbuch für Eltern und Lehrer (Edition 21)

    Es ist zwar sehr amerikanisch, aber die Frau, die es geschrieben hat, hat sehr viel Erfahrung mit dem Lesen lehren bei Kindern mit DS. Insbesondere die Tipps für die Lesespiele sind sehr gut. Sie beginnt mit Sichtwörtern und führt dann die Buchstaben ein.

    Meine Tochter hat sich selbst mit der Conni- App alle Buchstaben/Laute beigebracht.

    Jetzt übe ich mit ihr zu Hause mit Sichtwörtern. Sie kann schon einige lesen. Sie spricht kaum, versteht aber alles.

    Sprachlosigkeit ist kein Zeichen von mangelnder Intelligenz. Das Lesen lernen kann das Sprechen lernen unterstützen. Das geschrieben Wort kann immer wieder angeschaut werden, das gesprochene ist „schnell weg“.

    Sei nachsichtig und freundlich zu den Eltern. Betone immer, dass sie die Experten für ihr Kind sind und das du gern mit ihnen zusammenarbeiten willst.

    Beschreibe ihnen aber auch, wie der Alltag im Regelschulbetrieb aussieht.

    Meine Tochter hat übrigens bis 15 Uhr Schule und schläft dort nicht. Die anderen Kinder schlafen auch nicht dort. Ich denke, dass ist eher eine Ausnahme. Du musst die Eltern sowieso befragen, was Ernährung, Toilettengang und andere Besonderheiten betrifft. Frag sie, ob das Kind Ruhezeiten benötigt.

    Kinder mit DS sind genau wie andere Kinder nicht alle niedlich, drollig, Sonnenscheinkinder und immer gut drauf. Oder für eine Theater-AG geeignet.

    Meine Tochter läuft am liebsten weg und kommt nie wieder und viele andere interessante Sachen. Stell dich gut mit der Schulbegleitung, du wirst sie brauchen. Und natürlich wird sie einen großen Teil der Arbeit mit dem Kind übernehmen. Außer du hast eine Klasse mit 10 hervorragend erzogenen Kindern, die alles allein machen.

    Geh die Sache optimistisch an. Viel Erfolg!

    🍀

  • Vielen Dank, Lehrerin007. Deine Tipps als betroffene Mutter finde ich sehr wertvoll, auch deswegen, weil du beide Seiten kennst.

    Was mich interessieren würde, wie alt dein Kind ist und welche Schule es besucht, sofern du es hier schreiben möchtest.

    Die Infocenteradresse kenne ich inzwischen (siehe S. 2 des Forums) und habe von dort auch schon verschiedenes Material. Sehr interessant ist für mich das Buch von Etta Wilken: Kinder und Jugendliche mit Down-Syndrom. Das gibt in meinen Augen einen guten Überlick über Trisomie 21, vor allem, wenn man damit noch nie näher konfrontiert war.

    Die Webseite des Infocenters hat übrigens ein Sicherheitsproblem. Bei Firefox ging sie noch nie, jetzt verweigert auch Chrome seinen Dienst.

  • Caro07: ist das Thema noch immer für dich aktuell? Ist immerhin schon Januar und das Kind ist in deiner Klasse angekommen. Ich bin selbst Lehrerin und zur Zeit Schulbegleitung bei einem Downkind. Gerne gebe ich meine 5jährige Erfahrung damit (1. - jetzt 5. Klasse) an dich weiter, wenn du noch entsprechende Informationen und Sichtweisen wünschst.


    Ich bin eigentlich Fachlehrerin, habe also eine pädagogische Ausbildung. Warum ich als Schulbegleitung arbeite, die ja gottenhaft schlecht bezahlt wird, im Vergleich zu meinen Lehrerstunden, hängt damit zusammen, dass es nicht genügend Fachstunden für mich an meiner Schule gibt. Ich wollte meine Schule aber nicht verlassen und ließ mich so auf die Übernahme einer Schulbegleitung für ein Downkind ein. Ich arbeite an einer privaten, staatlich anderkannten Schule und bin auch direkt bei der Schule angestellt und nicht über einen Träger, wie Maltheser, Regens Wagner oder ähnlichen Einrichtungen. Das hat durchaus Vorteile, auch im Miteinander unter den Kollegen.


    An unserer Schule hatten wir schon mehrere Kinder mit Downsyndrom, aber auch mit anderen Einschränkungen und was mir mit meinem Schulbegleitungskind viel geholfen hat, waren Gespräche. Gespräche mit den anderen Schulbegleitern, Gespräche mit den Kollegen, Gespräche mit betroffenen Eltern außerhalb unserer Schule (also nicht nur die Sichtweisen der Eltern von dem von dir betreuten Kind, was ja selbstverständlich auch immer wieder stattfinden soll und muss)


    Im aktuellen Lockdown habe ich versucht für mich fortbildungstechnischen Austausch zu suchen und bin nach Stunden der Suche hier in diesem Forum gelandet und fand hier ganz, ganz tollen Austausch. Ich finde es mega wichtig, so wie du, Caro07, dass du dich da so intensiv damit auseinander setzt, denn das ist gerade für diese Kiner und auch deren Eltern unglaublich wertvoll.


    Ich bin jetzt das 5. Jahr bei diesem Downkind als Schulbegleitung dabei und habe hier sehr viele Erfahrungen auf allen Ebenen sammeln können. Mit Eltern, Kollegen, MSD, Therapeuten, ... Wenn du also willst und noch Anregungen brauchst, bin ich gerne bereit, meine Erfahrungen hier einzubringen.

  • Hallo Runi,

    ich stehe an einer ganz anderen Stelle als noch im August. Es hat klappt alles ganz gut - viel besser als erwartet, die Zusammenarbeit passt.


    Ich habe dir zusätzlich eine Nachricht geschrieben. Schaue dazu oben in den Konversationen (Sprechblasen), da müsstest du sie entdecken.

    LG: Caro

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