Zweifel, Ängste und Druck

  • Hallo Zusammen,


    ich habe mich entschieden mal anonym einen Beitrag zu verfassen, da ich leider nicht mehr weiter weiß und ich auch nicht wirklich mit den Leuten in meinem Umfeld sprechen kann. Ich bin nun seit Januar im Ref und seit Anfang Februar an der Schule. Am Anfang habe ich mich noch total gefreut und die ersten Stunden, die ich geplant und gehalten habe, haben mir auch Spaß gemacht. Seit zwei Wochen bin ich jedoch nun sehr stark am zweifeln, habe ständig Angst und verspüre einen enormen Druck, so dass ich teilweise nachts nicht schlafen/ durchschlafen kann und mit Übelkeit und Herzrasen morgens aufwache. Das ganze hat damit angefangen, dass eine meiner Mentorinnen mich aufgrund meiner Unterrichtsplanung etwas dumm angemacht hat in Bezug auf den fachlichen Aspekt. Das wäre an sich kein Problem, wenn der Umgangston ein anderer gewesen wäre. Zudem habe ich bei der besagten Mentorin eine Stunde in der 6. Klasse gehalten, die total in die Hose ging. Nach dieser Stunde habe ich sogar bei der Nachbesprechung weinen müssen und sie hatte mich da eigentlich auch gut wieder aufgebaut und mir gut zugeredet. Jedoch habe ich seit dem das Gefühl, dass ich es nicht packe und dass alles was ich mache falsch ist, bereits von der Planung an bis zum Auswahl des Materials. Die Stunden muss ich auch ständig mit ihr vorbesprechen (und dementsprechend teilweise auch fast immer komplett neu planen). Zudem wird mir gesagt, dass ich noch mehr Zeit in die Planung stecken soll (ich sitze teilweise an einer Doppelstunde schon einen ganzen Tag, manchmal auch 1,5) und trotzdem bekomm ich teilweise bis kein gutes Feedback. Mir ist bewusst, dass ich dazu lerne und ich nicht alles auf Anhieb perfekt machen kann, das sagt sie mir auch. Aber auf der anderen Seite bekomme ich das Gefühl, dass bereits sehr viel vorausgesetzt wird. Ich fühle mich ständig gestresst, komme nach der Schule nachhause und muss erst mal weinen. Zudem kommt, dass ich aufgrund der gesamten Situation kaum Appetit habe, nur noch am Laptop sitze und vorbereite. Einen freien Abend hatte ich lange nicht mehr. Viele sagen mir, dass es besser wird, wenn man eigene Klassen bekommt (da man nicht ständig unter Beobachtung steht) und der Stress sich nur anders verlagert. Ich bin aber mittlerweile an einem Punkt angekommen, dass ich nicht weiß, was ich machen soll. Ich fühle mich überfordert und sehr hilflos. Mein Wunsch Lehrerin zu werden war bis zu Beginn des Refs sehr hoch und im Praxissemester hatte ich enormen Spaß am unterrichten. Mittlerweile gehe ich mit Bauchschmerzen in die Schule und muss mich fast jedes mal übergeben, wenn ich daran denke, dass ich unterrichten muss. Dementsprechend sind in mir Zweifel gekommen, ob das der richtige Weg für mich ist (oder ob ich einfach maßlos übertreibe). Ich persönlich wollte den ganzen "Horrorstorys" aus dem Ref nicht glauben, aber mittlerweile kann ich einfach nicht mehr.

    Hat jemand eine ähnliche Erfahrung gemacht oder hat einen Rat für mich?


    Liebe Grüße

  • Du hast gerade erst angefangen, da müssen die Stunden noch nicht klappen und du hast noch Zeit zu lernen und dich zu verbessern.

    Damit wir einschätzen können, wie der zeitliche Ablauf des Referendariats ist, wäre es gut, wenn du dein Bundesland nennst.

    Grundsätzlich scheint dein Verhältnis zur Mentorin ja nicht zerrüttet. Kannst du deine Wünsche vielleicht direkt äußern? Brauchst du eher Hilfe ein Thema sinnvoll in Stunden aufzuteilen und einen stimmigen Stoffverteilungsplan zu aufzustellen? Oder bei der formulierung der Stundenziele? Oder dabei effizient eine einzelne Doppelstunde mit bekannten Zielen zu planen?

    Letzteres kann man auch in kleinen Schritten üben, in dem man in Hospitationsstunden, in denen du bei deiner Mentorin hospitierst, nur einen kleinen Teil einer Unterrichtsstunde übernimmst.

    Wenn du dich in allen Bereichen schwer tust, dann konzentriere dich in Absprache mit der Mentorin trotzdem zunächst auf eine Sache, damit du auch Erfolge hast.

  • In BW stehst du ja wirklich noch am Anfang. Du darfst noch viele Fehler machen.

    Bei einer Nachbesprechung deines Unterrichts meint es deine Mentorin vielleicht gut, wenn sie dir alle deine Fehler aufzählen. Frag am Ende ganz konkret nach, ob es einen grundsätzlichen Fehler gab und was du tun kannst, um den in zukünftigen Stunden zu vermeiden. Bitte um konkrete Tipps.

    Sind es fachliche Fehler, musst du dich selbst inhaltlich tiefer einlesen. Hast du Probleme im entwickelnden Unterrichtsgespräch, dann notiere dir vorher mögliche Fragen und Antworten auf Karteikarten.

    Sprecht ihr in der Nachbereitung auch darüber, was vielleicht schon gut läuft? Gibst du dir konkrete Beobachtungsaufgaben, wenn du bei Kollegen hospitierst? Hospitierst du auch bei anderen Kollegen? Vielleicht liegt dir der Unterrichtsstil eines anderen Kollegen besser.

    Wie sieht es in deinem zweiten Fach aus? Läuft es da besser?

  • Das was schon gut läuft wird immer in einem oder in zwei Sätzen abgearbeitet, die Konzentration liegt eher auf dem, was nicht so gut läuft (was auch verständlich ist, ich soll ja dazu lernen). Beim Hospitieren versuche ich immer konkret auf einzelne Aspekte zu achten, wie bspw. Gesprächsführung, Fragetechnik etc, zudem hospitiere ich auch bei anderen Kollegen, unterrichte jedoch momentan nur bei meinen Mentorinnen.

    In meinem zweiten Fach läuft es eigentlich besser und da fühle ich mich auch fachlich einfach sicherer (auch in Bezug auf die Planung und Struktur des Unterrichts). Leider wirkt sich meine allgemeine Stimmung auch auf das andere Fach hinsichtlich der Angst und dem Druck aus. Ich habe jetzt am Dienstag meinen ersten Unterrichtsbesuch und schaue dann, was für eine Rückmeldung ich von der Fachleitung erhalte.

    LG

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