Schülerin hält fragwürdige Rede bei Abschlussfeier

  • Selbstverständlich gibt es Umstände, bei denen gerade schwache Schüler keine gute Vorbereitung mitnehmen, zum Beispiel durch Stundenausfälle oder bei mehrfachem Lehrerwechsel. Das hätte man früher thematisieren können.

    Offenbar waren die Vornoten in Ordnung, sonst wären ja nicht so viele SuS zum Abitur zugelassen worden. Da stellt sich die Frage, wie das sein kann. Zu leichte Klausuren, zu sanfte Benotung? Wenig erfahrene Kollegen, keine Tests auf Abitur - Niveau? Das wird an der Schule sicherlich geklärt werden.

    Es ist klug, vorher schon genau hinzuschauen und es ist unfair, die SuS in Sicherheit zu wiegen, wenn die Leistungen sichtbar nicht ausreichen.

    In der Praxis sieht es so aus, dass die selbst gestellten Klausuren natürlich darauf ausgerichtet sind, was vorher im Unterricht lief. Eigene fachliche oder fachdidaktische Schwächen kann man als Lehrkraft so wunderbar verbergen. Die SoMi-Noten unterliegen ebenfalls keiner weiteren Überprüfung. Und wer dann noch konfliktscheu oder harmoniebedürftig ist, gibt keine Noten im Defizitbereich. Das Ganze geht dann bis zur so genannten "Vorabiturklausur" inklusive.

    Dann kommt das Zentralabitur, die Zweit- (oder gar Dritt-)korrektur. Dann kommt das böse Erwachen. Dann ist es jedoch zu spät. Für alle. Wer unter 80 Punkten in Block II erzielt hat, der/die hat im Grunde nur theoretische Chancen, die Abiturprüfung noch zu bestehen.

    Was kann man dagegen tun?

    Ehrlich sein. Zu sich und zu den SchülerInnen. Saubere Arbeit abliefern. Für die SchülerInnen und mittelbar dann auch für sich selbst.

    Mein fachlicher Anspruch in der Oberstufe geht über das, was im Zentralabitur verlangt wird, spürbar hinaus. Nur so schaffe ich es, dass auch die schwachen SchülerInnen eine realistische Chance haben, die Klausuren wenigstens im nicht-defizitären Bereich zu schreiben. Das führt im Vorfeld zu defizitären Noten und mitunter auch zu Frustrationserlebnissen bei den SchülerInnen - aber nur so bewahrt man sie vor unrealistischen Selbsteinschätzungen.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Ist aber von vielen gar nicht gewollt, viele Lehrkräfte sind dankbar, wenn man sich das Leben leicht machen und irgendeinem imaginären Druck nachgeben kann. Ich hab es an anderer Stelle schon mal geschrieben: bezahlt werden wollen, wie eine Führungskraft, Verantwortung tragen wollen, wie der Hausmeister.

    Ich habe Deinen letzten Satz einmal konkret gefasst, wie ich es auch im Schulalltag seit über 20 Jahren erlebt (aber nicht selbst praktiziert) habe:
    Wenn ich mir das Leben leicht machen möchte, keinen Stress haben möchte und keine zusätzliche Arbeit, dann gebe ich Noten im Bereich 1 bis 4 (oder 15 bis 5 Punkte). Damit trage ich in der Regel dann keine Mitverantwortung bei Nicht-Versetzungen, ich muss keine schwierigen Elterngespräche führen, keine Nachprüfungen in der letzten Ferienwoche durchführen und habe natürlich auch nur ganz selten Stress mit den SchülerInnen.
    Das ist meiner Wahrnehmung nach in den meisten Fällen gar nicht einmal böse Absicht oder "aggressive Faulheit" sondern eine klassische Vermeidungsstrategie im Rahmen einer entweder konfliktscheuen Persönlichkeit oder aber - vermutlich viel häufiger - im Rahmen des Selbstschutzes angesichts der Gesamtbelastung, der wir als Lehrkräfte ausgesetzt sind.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

Werbung