Frage an AZ-Tracker: Was pflegt ihr bei Klassenfahrten ein?

  • Am Ende ist das alles nicht gut, aber die Schulen laufen trotzdem.

    An den Berufskollegs in NRW läuft es ähnlich. Wir haben offiziell eine Vorsorgung von 102%, kommen aber trotzdem vorne und hinten nicht mit dem Personal aus. Unser Problem sind die Bezirks- und Landesfachklassen im Berufsschulbereich. Bei diesen Klassen in der Dualen Ausbildung handelt es sich um Azubis in sehr seltenen Lehrberufen. Um die Schulwege noch irgendwie handhabbar zu gestalten, wird dann von der Bezirksregierung oder vom Land angeordnet, dass wir entsprechende Klassen einrichten müssen, weil es ansonsten im Regierungsbezirk oder gar im Bundesland keine zweite Berufsschule gibt, auf die die Azubis gehen können. Das Problem dabei: Die Ausbildungen sind wie gesagt sehr selten. Entsprechend werden dann durchaus auch Klassen mit 3 Azubis eröffnet, weil wir sie eröffnen müssen. Diese sehr kleinen Klassen werden uns aber voll auf unsere Lehrerstellen angerechnet. Wir müssen also an wirklich allen anderen Stellen Klassen mit >30 Schülern bilden, um auch nur in die Nähe des geforderten Durchschnitts von 19,5 Schülern pro Lehrer zu kommen und erreichen diese Zahl trotzdem nicht. Die Bezirksregierung rechnet uns aber diese Mini-Klassen auch nicht mit fiktiven 19,5 Schülern an, so dass diese sich nicht auf den übrigen Schulbetrieb auswirken.

    Neben den Bezirks- und Landesfachklassen gibt es auch noch Bundesfachklassen. Es gibt also auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nur eine Berufsschule, auf die die Azubis gehen können. So müssen z.B. alle Hörgeräteakustiker nach Flensburg und alle Steinmetze nach Mainz. Dort findet dann aber Internatsbetrieb in 6-Wochen Blöcken statt.

  • An einer Schule mit Lehrkräftemangel sieht das anders aus.

    Ein GE-Kind hat z.B. ein Anspruch auf 5 Stunden Förderschullehrkraft. Die kommen dann aber nur 3 oder 4 Stunden. Oder eine nimmt für ein paar Stunden 2 Kinder zusammen.

    Oder man kommt ganz ohne FöS-Lehrkräfte aus, weil es keine Stunden gibt oder die FöS-Lehrkräfte selbst erkranken und nicht ersetzt werden oder die bisherige Abordnung nicht erneut möglich ist, weil die FöS-Lehrkraft an ihrer Stammschule benötigt wird - um die fehlende Lehrkraft zu ersetzen und dort den regulären Unterricht zu übernehmen. Inklusion heißt Differenzierung.

    Dann gibt es noch ganz viele Zusatzbedarfe. Einmal für Schulen, die besonders belastet sind. Bei fehlen ES-Kindern oder vielen Kindern aus sozialschwachen Familien oder bei Migrationshintergründen.

    Die Schule bleibt also besonders belastet, alle haben viele Kinder mit zusätzlichen Bedarfen in den Klassen, schwierige Kommuniktion mit den Eltern, viel Differenzierung. Aber die entlastenden Stunden fallen weg, sie werden ersatzlos gestrichen. Und erst danach wird ermittelt, ob die Schule weiteren Bedarf hat - also für die Pflichtstundentafel - und ob eine Abordnung oder eine Stellenausschreibung oder die Bewilligung einer Vertretungsstelle (für Studierende) erfolgt.

    Es gibt Stunden für Plattdeutsch, für bestimmte Musikprojekte, Sportförderunterricht, Begabungsförderung.

    Diese Stunden gibt es nicht pauschal für alle Schulen, sondern immer für bestimmte Schulen aus einem Topf, der ausreichen muss - ansonsten gibt es weniger oder keine Stunden. Die Aufgaben bleiben aber zumeist, weil man ja in dem "Programm" steckt und die Sachen nicht einfach wegfallen und man die Kinder dennoch fördern muss oder möchte. Die entlastenden Stunden fallen also weg, man regelt es über: Differenzierung.

    Dann kommt noch der normale DaZ-Unterricht. Da kann man auch statt 20 Stunden dann nur 15 machen.

    Oder weit weniger, weil kaum etwas genehmigt wurde und diese Stunden dann eben ersatzlos gestrichen werden. Sie werden nicht durch eine ausgeschriebene Lehrerstelle ersetzt. Manchmal kann man irgendwann jemand anderen dafür einsetzen. Aber die Stunden sind weg. Man regelt es über: Differenzierung im Unterricht.

    Nein, sie können nur nicht alles anbieten.

    Stimmt. Keine Förderung durch Förderschullehrkräfte, keine DaZ-Förderstunden, keine Sport-Förderstunden, keine Begabtenförderung durch Förderstunden und eine ausgedünnte Stundentafel, da die Lücken in der Pflichtstundentafel durch Betreuung per Pädagogische Mitarbeiterin aufgefüllt werden, bis eine weitere Lösung gefunden werden kann - WENN sie gefunden werden kann. Und solange die PM im regulären Stundenplan steckt, fehlt sie für ad-hoc-Vertretungen, das fängt man dann eben miteinander auf (Klasse aufteilen oder ...)

    Dafür bieten diese Schulen eine doppelte Klassenführung, eine weitere Fachkonferenz für Berufene und eine kleine Sammlung an zusätzlichen Aufgaben für jede in einem ausgesprochen guten Team, da man sich hinsichtlich aller Probleme untereinander hilft und sämtliche Expertisen selbst besetzt.

    Am Ende ist das alles nicht gut, aber die Schulen laufen trotzdem.

    Ja, so kann man das natürlich auch umschreiben.

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