"Schneckenschüler"

  • Hab in meiner 3. einen Schüler, der es NIE schafft die Arbeitsaufträge einer Stunde zu erledigen. Er trödelt auch nicht irgendwie rum, hat keine Probleme mit dem Stoff usw. die Aufträge werden immer in sehr schöner Schrift und übersichtlich abgeliefert, aber er ist halt einfach waaaaaaaaaaahnsinnig langsam......bis jetzt hab ich´s so gelöst, dass der Schüler die nicht erledigten Aufgaben am Ende des Schultages in der Schule fertig machen musste d.h. "Strafauftrag" für mich, da ich ja logischerweise dann auch noch in der Schule bleiben muss um auf ihn zu warten :( Manchmal darf er´s auch zu Hause fertig machen - aber er soll es doch in der Schule machen, und das in der vorgegebenen Zeit! Mir ist schon klar, dass es jetzt wahrscheinlich wieder heißt: Willst du die Aufgaben richtig und dafür langsam erledigt haben , oder falsch, langsam und dafür eben schnell....? Aber andere Schüler schaffens auch, die Aufgabenstellung richtig und schneller als er zu lösen. Wie kann ich ihn ein bisschen antreiben?? Nur nebenbei: zu Hause braucht er auch eeeeeeeeeeeewig.....


    mg shopgirl

  • so einen habe ich auch manchmal lasse ich ihn die Arbeiten zu Hause statt der Hausübung machen (wenn MIR wichtig ist, dass er genau DAS fertig hat, manchmal lasse ich ihn einfach unfertig abgeben, manchmal lasse ich ihn zu Hause zusätzlich zur Hausaufgabe fertig machen.
    Er ist ein äußerst gewissenhafter Schüler, der anscheinend zu Hause auch jeden Tag 'üben' muss, und ich habe nun mit seiner Mutter abgesprochen, dass die zusätzliche Übung dann halt der Schulstoff ist, der fertig zu machen ist. In der Schule lassen ginge bei uns gar nicht, weil er in der Nachmittagsbetreuung der Schule ist, und direkt nach dem Unterricht zum Essen gehen muss.
    Seine Leistungen sind gut bis sehr gut, ich denke, das muss einfach genügen so. Meine Vermutung ist ja, dass er ADS hat ohne Hyperaktivität (weil er auch z.B. den ganzen Tag irgendwelche Motorengeräusche von sich gibt *g*), aber so lange der Alltag für ihn und die anderen erträglich ist, kann ich damit leben.Bestrafen würde ich ihn (und mich) deshalb nicht mit Nachsitzen.


    Mein Schüler hat übrigens gerade gestern wieder 2! Zahlenreihen sortiert (jeweils 5 Zahlen waren in die richtige Reihenfolge zu bringen) in ca. einer Schulstunde, die restliche Seite vom Buch - die die anderen Schüler in kürzester Zeit abgeliefert hatten - macht er nun über's Wochenende. Während die anderen Kinder 'freiarbeiten', sitzt er halt und 'arbeitet' - das ist Strafe genug, denke ich.

  • Was ist schnell? Was ist langsam?


    Vielleicht: Jedem Menschen SEIN Tempo?


    Wenn in einer gehetzten und hektischen Zeit sich ein Kind traut, sein Tempo zu leben, das Tempo, mit dem er glücklich und im Einklang ist, dann sollte man es dabei belassen...


    Was ist daran so schrecklich? Die Nichtvergleichbarkeit der Leistung? Die "Ineffizienz"?


    Unser Tempo, dieses Tempo dieser modernen Zeit, schneller, weiter, besser... wer ist glücklich damit?


    Was machen wir Großen im Urlaub? Wir verreisen nach ... klassisch: Sonne, Strand, Meer... - Nehmen uns Bücher mit, lesen, nehmen uns Zeit...


    Dieses Kind tut das im Alltag. Es lebt SEIN Tempo in SEINEM Leben.


    LG Cecilia

  • Kann ja sein, mit dem individuellen Tempo. Doch habe ich als Lehrer auch die Pflicht die Kinder zu fordern und zu fördern, dabei aber nicht zu überfordern. Und ich denke genau in diese Richtung geht die Frage.
    flip

  • Wie kann ich ihn ein bißchen antreiben?


    Das war die Frage, ja....


    Meine eigene Erfahrung mit solchen "Schnecken" ... je mehr man treibt, umso konfuser werden sie...
    Wenn ein Kind nicht absichtlich trödelt, ist das sein "ihm eigenes" und daher perfektes Tempo, es wird irritiert, wenn man es aus dieser Selbstorganisation herausbringt.


    Ich mag` s auch nicht, angetrieben zu werden, wenn eben dies mein Tempo ist - von Situation zu Situation übrigens unterschiedlich.


    Wäre es mein Schüler, würde ich ihm von der Menge hier weniger zu tun geben, wenn mir wichtig wäre, dass er in der Schule alles schaffen soll. Vom Verständnis her ist` s ja offenbar nicht das Problem.


    LG cecilia

  • Du kannst das Kind doch nicht dafür bestrafen, dass es langsam ist. Es gibt doch Gründe, dass es nicht schneller sein kann oder glaubst du, dass es dem Kind Spaß macht, länger in der Schule zu bleiben oder alles zu Hause nachzuholen?


    Mit diesen "Strafen" wird doch jedes Kind demotiviert und hat ganz schnell genug von der Schule. Jedes Kind will von Natur aus lernen. Wenn es dabei Probleme hat, dann gibt es Gründe. Kein Kind ist von Natur aus faul, frech oder schlampig.


    Mein Sohn gehörte auch zu den Langsamen, Unkonzentrierten und "Du kannst ja, wenn du willst"-Schülern.


    Da die Lehrer ihn nicht verstanden haben, wurde er schnell zum "Kind mit schlechtem Sozialverhalten" abgestempelt.


    Ich habe dafür gesorgt, dass er die Schule gewechselt hat und eine INPP-Therapie (s. [URL=http://www.inpp.de,]http://www.inpp.de,[/URL] http://ankewz.bei.t-online.de und http://www.legasthenie.at/aln22/page12.html) macht. Jetzt ist er nicht mehr langsam, konzentrierter und von schlechtem Sozialverhalten ist nicht mehr die Rede.


    Das Buch "Flügel und Wurzeln" von Dorothea Beigel möchte ich allen Lehrern ans Herz legen.


    Schöne Grüße
    Erika

    "Die Lehrer bezeichnen Lesen, Schreiben und Rechnen als Grundlagenfächer. In Wirklichkeit handelt es sich aber bei diesen Lehrstoffen bereits um sehr komplexe Prozesse, die sich nur bei einer einwandfreien geistigen Verarbeitung der durch die Sinnesorgane aufgenommenen Wahrnehmung erlernen lassen." A. Jean Ayres

  • P.S.: mit "Selbstorganisation" meine ich: einen "Linkshänder" würde heute auch niemand mehr zwingen, die rechte Hand zu benutzen, oder?
    Langsamkeit, die kein Trödeln ist, kann tatsächlich hirnorganisch bedingt sein.


    Mir fiel da gerade ein Kind ein, mit meinem Großen in der 5., mot. verlangsamt aber normal intelligent. Es konnte gar nichts dafür und drängeln hätte gar nichts gebracht.


    LG cecilia

  • Danke Cecilia, genau das ist meine Meinung.


    Die armen Kinder tun mir wirklich leid, sie können einiges nicht beeinflussen, weil hier Entwicklungsstörungen vorliegen. Diese Störungen werden leider jedoch von den Lehrern nicht erkannt (weil sie nicht die entsprechende Aus- bzw. Fortbildung erhalten) und ganz schnell werden aus den Kindern dann die "Monster" gemacht, die ein schlechtes Verhalten an den Tag legen und manchmal sogar gewalttätig werden.


    Gruß Erika

    "Die Lehrer bezeichnen Lesen, Schreiben und Rechnen als Grundlagenfächer. In Wirklichkeit handelt es sich aber bei diesen Lehrstoffen bereits um sehr komplexe Prozesse, die sich nur bei einer einwandfreien geistigen Verarbeitung der durch die Sinnesorgane aufgenommenen Wahrnehmung erlernen lassen." A. Jean Ayres

  • Na ja, Erika, ich bin keine Lehrerin oder vielmehr: Ich árbeite nicht in einer staatlichen Schule ;-)) - hab` also vermutlich einen ganz anderen Blick darauf...


    Wenn man also auch den anderen thread anschaut (Deutsch 2.Klasse -> Rechtschreibung), dann bleicbt für mich unterm Strich: Wir brauchen in den Schulen einen grundsätzlich anderen Umgang mit den Schülern und dem Vorgangs des Lernens - nicht alle zur selben Zeit dasselbe, sondern für jeden einzelnen die erreichbaren Lernziele festlegen und Individualisierung des Lernprozesses, so wie ich es erst heute wieder in der Zeitung las (Prof. Hüther, Göttingen, Hirnforscher).


    Wir können nicht ständig Äpfel mit Birnen vergleichen, jeder Mensch ist einzigartig... mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Und es ist nicht fair, diejenigen, die u.U. gar nichts dafür können, auch noch mit schlechten Noten in ihrem Selbstwertgefühl zu demütigen.
    [Blockierte Grafik: http://www.arcor.de/palb/alben/56/776456/800_3738363537343339.jpg]


    Es gibt irgendwo im Netz ein Bild, welches verschiedene Tiere zeigt und einen Lehrer davor, der auf einen Baum zeigt: Und nun klettert ihr alle auf diesen Baum!


    Verschiedene Tiere...also ein Affe, eine Schlange, ein Elefant usw. Wer würde wohl den Kletterwettbewerb gewinnen?


    LG cecilia

  • Die oberen Listenplätze der Pisastudie haben diesen Artikel offenbar verpasst...



    Fällt dir übrigens auf, dass du einen Wettbewerb in das Bild hineininterpretierst, der in der Aufgabenstellung gar nicht vorgegeben ist?

    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen - HEnRy vAn dyKe

    Einmal editiert, zuletzt von Remus Lupin ()

  • Hallo Cecilia.


    wenn du keine Lehrerin bist, was ist dein Interesse an diesem Forum?


    Prof. Hüther hat Recht. In die Richtung geht auch das sehr bekannte Buch "Lernen" von Manfred Spitzer.


    Trotzdem gibt es zusätzlich Lern- und Verhaltensstörungen, die u.a. ein Zeichen unserer schnelllebigen, technisierten und bewegungsarmen Zeit sind.


    So ein Beispiel wie deines mit den Tieren, die auf einen Baum klettern sollen, habe ich auch: "Das Konzept individueller Unterschiede" (s. http://www.legasthenie.at/aln22/page15.html)


    Schöne Grüße
    Erika

    "Die Lehrer bezeichnen Lesen, Schreiben und Rechnen als Grundlagenfächer. In Wirklichkeit handelt es sich aber bei diesen Lehrstoffen bereits um sehr komplexe Prozesse, die sich nur bei einer einwandfreien geistigen Verarbeitung der durch die Sinnesorgane aufgenommenen Wahrnehmung erlernen lassen." A. Jean Ayres

  • Zitat

    Du kannst das Kind doch nicht dafür bestrafen, dass es langsam ist. Es gibt doch Gründe, dass es nicht schneller sein kann oder glaubst du, dass es dem Kind Spaß macht, länger in der Schule zu bleiben oder alles zu Hause nachzuholen?


    Es geht hier nicht darum, ein Kind zu bestrafen, das mal vorweg.....nur leider ist es eben so, dass dieser Schüler nur ein Drittel der Aufgaben erledigt.....und wahrscheinlich werden sich dann bald die restlichen Schüler fragen: Warum muss der nicht das selbe an Aufgaben machen wie ich???
    Klar, jeder Schüler ist anders, Individualität bla, bla, bla....nur leider geht es eben nicht immer so individuell wie wir (oder manche Eltern) es eben gern hätten...in einer Klasse mit 28 Schülern kann ich leider nicht jedem "seine ganz spezielle Zeit lassen", sonst braucht wirkllich bald jeder seinen ganz persönlichen Privatlehrer. Schüler müssen auch lernen sich anzupassen....leider muss es heute eben "schnell" gehen und das nicht nur in der Schule sondern eben auch im späteren Berufsleben. Kann man es sich heute wirklich leisten individuell zu sein??


    mg shopgirl

  • Vielleicht sollte man das die Schweden oder die Finnen fragen? Ob es möglich ist, individuell zu lernen?


    http://www.geo.de/GEO/kultur_g…D=69948700000021101633143


    Ob sich die restlichen wirklich fragen, warum muss der weniger machen?
    Auch das eine Frage des Umgangs miteinander... - schließlich klappt das in I-Klassen mit G-, K-, L-Kindern (und diff. Lernangeboten) auch.


    Kann man es sich heute wirklich leisten individuell zu sein??


    Ja, ich denke, wir müssen es uns wieder leisten! Wir brauchen einen anderen Umgang miteinander - von klein auf... Erlernen von Eigenverantwortung im jeweils möglichen Rahmen, Übernehmen von Mitverantwortung für den Nächsten, ethisches und moralisches Handeln...
    Und die, die Verantwortung tragen, müssen es vorleben...


    Ich vermisse in den Schulen, die ich erlebe, einen menschlichen Umgang miteinander... - immer nur geht es darum, den anderen auszustechen, um Konkurrenz, um Druck, um Schnelligkeit, um Leistungsabprüfung, um Vergleichbarkeit.


    Nicht nur die Kinder werden dabei krank, auch deren Lehrer.


    Die KL meines Kindes hat keine Zeit für ein Gespräch, weil sie "an der Grenze ihrer Kapazität arbeitet" (glaube ich ihr).
    Die Kinder werden unter Druck gesetzt, spätestens ab der 3.Klasse...
    Und wer nicht standhält... (die Wartezeiten in den kinderpsych. Praxen betragen bei uns 3-5 Monate).


    Was wollen wir? Dass Kinder mit Spaß und vor allem Erfolg lernen... - das geht nur ohne Druck. Druck= Stress=Angst...


    Erika: Interesse an diesem Forum - die Kinder in 1.Linie... ich unterrichte sie, wenn sie "ganz weit unten" bei mir ankommen... seelisch am Ende und von ihrer "Dummheit" überzeugt... - "lehrerforen" - wer schreibt hier? Leute, die lehren oder lernen zu lehren, auch Eltern... - zu beiden Gruppen gehöre ich wohl irgendwie dazu.
    Jedenfalls habe ich gute Lehrer, nämlich meine Schüler.


    LG Cecilia

    • Offizieller Beitrag

    das vielbeschriebene problem heißt eben "rahmenlehrplan". in einer meiner ausbildungsklassen saß ein kind, das in der 2. klasse den stoff der 1. klasse nochmal gebraucht hätte. die eltern stimmten keinem förderausschuss zu. das dilemma ist: wenn du dem kind den stoff 1. klasse gibst, dann können die eltern kommen und sich beschweren, weil du dem kind nicht die möglichkeit gibst, die bildungsstandards zu erreichen und die inhalte seiner klassenstufe zu bearbeiten (und das ist im rahmenlehrplan relativ genau vorgeschrieben, nämlich z.b. zahlenraum bis 100) und du darfst davon grundsätzlich (z.b. "nur zahlenraum bis 20") nur abweichen, wenn das kind eine lern- oder geistige behinderung hat. wenn du aber dem kind den stoff 2. klasse gibst, tust du ihm auch keinen gefallen.


    conni

    SCHOKOEIS!


    Ich lese und schreibe nach dem Paretoprinzip.

  • das was conni hier beschreibt, ist ein problem, dem jetzt in der flex "geholfen" werden kann. denn dort haben wir die möglichkeit die kinder nach ihrem können und tempo zu fordern. kein problem einen zweitklässler den mathestoff der ersten nachholen zu lassen.


    was mir zu shopgirls fragestellung einfällt ist die individuelle förderung, bzw individuelle differenzierung.
    du schreibst der schüler ist gut (1er/2er-kandidat), nur langsam. überlege dir doch einfach bei jedem stoff, welche übungen, aufgaben er wirklich machen muss um alles zu verstehen.
    evtl braucht er die dritte übungsaufgabe nicht mehr, weil er es nach der zweiten "kapiert" hat? so kannst du ihm zeit einsparen!


    sicherlich viel arbeit wenn man das bei allen schülern machen muss - aber bei einem leistbar!


    grüße, sabi :)

  • Hallo,


    ich glaube auch, dass der Erfolg der Finnen daran liegt, dass sie ein anderes Verständnis für die Individualität der Schüler haben. Dazu gehört insbesondere ein fundiertes Wissen über die neurophysiologische Entwicklung der Kinder. Dadurch sind sie in der Lage zu verstehen, warum einzelne Kinder z.B. langsamer und unaufmerksamer sind, Probleme beim Abschreiben und mit der Rechtschreibung haben, den Stift ungeschickt halten, eine schlechte Schrift haben oder nicht rechnen können. In Finnland gibt es Speziallehrer, die für die entsprechende neurophysiologische Förderung verantwortlich sind. Fast jedes Kind kommt im Laufe seiner Schulzeit für kürzere oder längere Zeit in den Genuss einer derartigen Förderung.


    Ist doch klar , dass Finnland PISA-Spitzenreiter geworden ist.

    Die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems würde doch bei uns überhaupt nichts bringen. Der Schlag kann sogar nach hinten losgehen, wenn die Kinder jahrelang ohne Förderung durchgeschleppt werden. Auch ohne Zensuren merken sie doch, dass sie nicht der Norm entsprechen.


    Cecilia, ich bin neugierig. Machst du so etwas wie Lerntherapie, Legasthenietraining, Nachhilfe, Aufmerksamkeitstraining, Verhaltenstherapie?


    Schöne Grüße
    Erika

    "Die Lehrer bezeichnen Lesen, Schreiben und Rechnen als Grundlagenfächer. In Wirklichkeit handelt es sich aber bei diesen Lehrstoffen bereits um sehr komplexe Prozesse, die sich nur bei einer einwandfreien geistigen Verarbeitung der durch die Sinnesorgane aufgenommenen Wahrnehmung erlernen lassen." A. Jean Ayres

  • Erika: Ja, ein bisschen von allem. Aber rein privat, da ich in 1.Linie Mutter bin, d.h. am Nachmittag eigentlich für meine Kinder da. Die derzeit 8 privaten Kinder, die ich begleite, sprengen schon ziemlich meinen Zeitrahmen... - wenn ich das wollte, könnte ich locker 20 K. helfen.
    Aber das ist nicht zu machen, solange meine beiden mich auch noch brauchen.
    In die Schule darf ich nicht (mehr) - auch nicht kostenlos und ehrenamtlich.
    Weil ich "Unterricht" mache,... weil auch" Förderunterricht" Aufgabe der Lehrer sei - so die Def. der Schulbehörde.
    Ob dieser "Förderunterricht" nach Stundenzuweisung tatsächlich angeboten werden kann, ist eine ganz andere Sache...
    ----------------------------------------------------------
    Nach Finnland hat übrigens Korea einen Spitzenplatz belegt...- warum?
    Extremer Druck und Paukerei. Nur ein Spitzenabschluss garantiert einen der wenigen Studienplätze an den drei als sehr gut angesehenen Hochschulen des Landes, nur bei Abschluss dort eine Karierre- und Aufstiegschance...
    Wer den Schulabschluss nicht schafft, besucht ein Jahr zur Vorb. der Wdh-Prfg. eine private Paukschule, teuer, Verschuldung für die Familie über Jahre.
    Korea und Japan haben die höchste Suizidrate bei ganz jungen Menschen weltweit.
    Was wird "unser Weg" sein? Ich möchte keine koreanischen Verhältnisse. Das ist kein Leben.


    LG cecilia

  • Hallo,
    diesen Tread habe ich mir als Mutter mit Interesse durchgelesen, da ich selbst auch so ein Schneckenkind habe.
    Das Kind muß lernen, sich zumindest etwas an einen Zeitrahmen zu halten, es können nicht immer alle Kinder auf es warten. Dem Kind sein Tempo zu lassen, kann man zu Hause. Da darf es so schnell oder langsam bauen, spielen, basteln wie es will.
    Wenn ein Kind gelernt hat, daß es nicht alle Zeit der Welt hat, dann ist das Leben auch für es leichter. Nacharbeiten, alles zu Hause fertig machen, daß macht ihm auch keinen Spaß.
    Meine Theorie ist, daß den Kindern eine innere Uhr fehlt.
    Also muß man ihnen von außen eine vorgeben.
    Das klappt recht gut mit einer digitalen Küchenuhr (so eine, an der man z. B. 50 Min. einstellt, weil dann der Kuchen aus dem Ofen muß und sie dann klingelt) Digital deshalb, weil das Ticken zumindest meinen Sohn ganz nervös macht.
    Dann wird abgesprochen, wie lange brauchst du? Am Anfang kommen da irre Angaben, wie 2 Minuten oder 200 Minuten. Ich stelle dann die Uhr auf eine vernünftige Zeit, ohne daß er sich übermäßig beeilen muß. Als Beispiel 20 Minuten. Dann wird abgeklärt: Wenn die Uhr 5 Min. zeigt, sollstest du auf dem Blatt hier sein, bei 10 Minuten da, usw.
    Wenn die Zeit nicht reicht, bekommt er beim nächsten mal mehr Zeit. Es geht nicht darum, zuerst mal der schnellste zu werden, sondern daß sie einen Takt vorgegeben bekommen, ein Gefühl für Zeit entwickeln. An der Uhr sieht man, wie die Zeit voranschreitet. In seiner Welt hat das Kind kein Zeitgefühl, oder alle Zeit der Welt.
    Wir haben das zu Hause bei den Aufgaben so gemacht. Ohne schimpfen, keine Strafe, wenn er zu langsam ist, auch nicht die Hausaufgaben abgebrochen.
    Mit der Zeit wurde er schneller. Er freute sich, wenn er es geschafft hat. Auch seine eigenen Angaben, wie lange er braucht wurden genauer. Und er wurde in der Schule schneller. Auch ohne dort eine Uhr zu haben. Er hat ganz einfach Zeitgefühl entwickelt.
    Und er freut sich, wenn er in der Schule eine Aufgabe fertig gemacht hat, er freut sich, wenn er zu Hause diese Aufgabe nicht mehr machen muß, weil er es schon in der Schule gemacht hat. Das ist für ihn Belohnung und Anreiz genug.

  • Hallo Starmi,


    es gibt viele Kinder (davon 80 % Jungen), mehr als Ihr denkt, die auffällig sind: Sie haben Probleme mit der Konzentration und Aufmerksamkeit, sind langsam, haben eine schlechte Handschrift, Abschreib- und Rechtschreibprobleme, halten den Stift unüblich und/oder mit starkem Stiftdruck, haben motorische Defizite, zeigen motorische Unruhe, sind impulsiv, ängstlich oder aggressiv, reden ständig dazwischen usw...


    Die Lehrer können es sicher bestätigen, dass es in jeder Klasse mehrere Kinder gibt, alle sind individuell verschieden.


    Ich glaube nicht, dass das Antrainieren eines Zeitgefühls, wenn es auch ansatzweise manchmal hilft (habe ich auch schon versucht, und manchmal klappt es auch, oft aber auch nicht) die Lösung für die Probleme der Kinder ist. Sie stecken noch in frühkindlichen Reflexen, die ihr Denken und Handeln enorm stören. (nochmals s. www. inpp.de).


    Es lohnt sich bestimmt, sich die Zeit zu nehmen und dort einmal hereinzuschauen.


    Warum übergeht Ihr hier meinen Hinweis auf INPP? Auch kritischen Bemerkungen gegenüber bin ich offen.


    Einen schönen Abend noch!
    Erika

    "Die Lehrer bezeichnen Lesen, Schreiben und Rechnen als Grundlagenfächer. In Wirklichkeit handelt es sich aber bei diesen Lehrstoffen bereits um sehr komplexe Prozesse, die sich nur bei einer einwandfreien geistigen Verarbeitung der durch die Sinnesorgane aufgenommenen Wahrnehmung erlernen lassen." A. Jean Ayres

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