Und für den Fall, dass du in Brandenburg/Berlin unterrichtest:
Die Kinder werden älter und je mehr Zeit vergeht, desto mehr lösen sie sich von der ehemaligen Klassenleiterin. Das kann durchaus ein Schuljahr dauern. Bei Erwachsenen setzt die Psychologie auch ein Jahr zur Gewöhnung an die neue Situation an nach einer gravierenden Änderung (Arbeitsplatzwechsel, Trennung etc.).
Es wirkt auf mich manchmal etwas sektenmäßig. Zwei Drittel der Klasse kreischt "Frau X!" Sie fällt ihnen in die Arme, großes Gruppenkuscheln. Das klingt jetzt etwas zynisch, aber ich finde es schon sehr unprofessionell und mir gegenüber unsolidarisch. Ich hänge mich wirklich rein, mein Unterricht kommt bei den Kindern gut an und ich frage mich manchmal etwas wehleidig, ob sie nicht merken, was sie an mir haben.
Ich finde deine Ansprüche an die Kinder hier unrealistisch. Das Verhalten der Kinder empfinde ich als relativ normal - 3 Jahre sind eine lange Zeit und es war (vermutlich) ihre erste Lehrerin, die bleibt für immer etwas Besonderes und legt die Erwartungen der Kinder an die nächste Lehrerin fest. Da kannst du nur schief in die Fußstapfen treten.
Zu deiner Frage: Nein, sie merken nicht, was sie an dir haben. Die Kinder sind nicht deine Vorgesetzten, die nach Kriterien eine dienstliche Beurteilung verfassen - es sind Kinder und sie können die Qualität deiner Arbeit und das Engagement, das dahinter steht, noch nicht überblicken. Sie lösen sich emotional von ihrer bisherigen Lehrerin, gewöhnen sich an dich und kommen gleichzeitig in die Vorpubertät. Damit haben sie genug zu tun. Falls du übrigens in Berlin und nicht an einer Gemeinschaftsschule bist, wird sich das Klassengefüge im neuen Jahr noch mal ändern, wenn Kinder aufs grundständige Gymnasium gehen und ggf. neue dazukommen.
ZitatZum Beispiel im Klassenrat, wo ich nach zwei furchtbaren Tribunalen darauf bestanden habe, erstmal die Kommunikation zu klären, also gfK. Viel Widerstand, bei Frau X haben wir das nicht gemacht, es liegt nur an Ihnen, dass wir uns so streiten...
Hier würde ich Grenzen setzen. Wenn Kinder von mir erwarten, dass ich ihr Verhalten verantworte und kontrolliere, weise ich das zurück und sage ihnen, dass sie es selbst ändern können und selbst dafür verantwortlich sind. Es dauert, bis das ankommt und bei manchen kommt es nie an, bis man sie abgibt. Das ist ein Teil unserer Arbeit.
Hinzu kommt, dass die Kinder, wenn sie jünger sind, eher "kuscheliger" sind und eher körperliche Nähe suchen. Bitte erwarte das nicht von ihnen. So werden sie dich vermutlich nicht umarmen, egal wie gut du mit ihnen umgehst - sie kommen in eine Lebensphase, in der sie sich von Erwachsenen ab- und der Peergroup zuwenden.
Tribunale würde ich abbrechen. So lasse ich mit mir nicht umgehen.
Ein Tipp noch: Wenn die Beschwerde kommt, dass es bei Frau X ganz anders war, könntest du in geeigneten Situationen (gfK wäre eine) nicht sagen: "Ich will es anders." sondern: "Ihr seid jetzt 'die Großen' und deshalb dürft ihr etwas Neues lernen. / etwas lernen, das für Kinder in der 3. Klasse noch zu schwierig ist." Trage das überzeugend vor, auch wenn du dabei schwindelst.