an NRW´ler: Förderpläne

  • Ab dem nächsten Schuljahr sind doch bei uns Förderpläne verbindlich zu führen. Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr euch für eine Form schon entschieden???


    Ich sehe ein Problem - oder vielleicht ist es auch keins?
    Wenn ich einen Förderplan schreiben muss, gehe ich doch von einem Wissenserwerb aus, der stufig angelegt ist .


    Z.B. in Mathe befürchte (?) ich, dass es dazu führt, dass nach dem Prinzip der kleinen und kleinsten Schritte verfahren werden wird - denn wenn ich den Lernstoff nicht in Stufen unterteile, wie soll ich dann den nächsten Förderbedarf beschreiben???


    Folge sind ja jetzt schon zahlreiche Testbögen, die im Endeffekt nicht viel mehr sind, als die Mathetests, die bisher geschrieben wurden. Ist Förderplan nicht mehr????


    Bei uns in der Schule führt es wohl dazu (wir müssen uns ja auf einen einigen), dass mit einem Lehrwerk gearbeitet werden muss, für das so ein Förderplan vorhanden ist (z.B. Welt der Zahl). Auch die Entscheidung für eine Fibel wird von dem Vorhandensein eines solchen Planes abhängig gemacht. Schrecklich, da werde ich dann mein freies ARbeiten, das wirklich nach den Richtlinien verläuft (Phonetisches Bewusstseins chulen, Anlauttabelle, dann Buchstabenwochen , erst später Lesen, sehr indidivuell, an Schülerinteressen orientiert und aktuell auf das Tagesgeschehen, nicht mehr durchführen können, weil ich so einen blöden Plan ausfüllen muss. Die Notwendigkeit lässt die Kollegen sehr stark werden, die traditionell weiterarbeiten wollen, weil da die Förderplanschreiberei leichter zu strukturieren ist (und entsprechende Verlage schneller).


    flip.

  • Hallo!


    Laut neuem Schulgesetz gilt folgendes:


    (3) Schülerinnen und Schüler der Grundschule und
    der Sekundarstufe I, deren Versetzung gefährdet ist, erhalten
    zum Ende des Schulhalbjahres eine individuelle
    Lern- und Förderempfehlung.


    Eine Bestimmung bezüglich eines Förderplans finde ich nicht in dem neuen Schulgesetz. Worauf beziehst du dich? Habe ich was überlesen?


    Auf das oben zitierte beziehend, gehe ich jedoch davon aus, dass dies nicht im Zusammenhang mit einem Lehrgang steht, sondern stärker individuell zu sehen ist. Und "die einzig wahre" Individualisierung meiner Meinung nach nur in offenen Unterrichtsformen möglich.


    Dass die Verläge hier mal wieder ein Geschäft wittern ist doch klar.
    Wie sieht denn so ein vorgefertigter Förderplan aus? Kannst du das mal kurz beschreiben?
    Hört sich sehr obskur an:
    Einen Lehrgang für eine relativ seltene Gruppe von Standardkindern zu konzipieren ist schon schwierig. Aber einen Förderplan, der per se ja schon individuell sein muss, im vorhinein zu schreiben ist ja fast nur mit einem dritten Auge machbar. Hut ab, Welt der Zahl!


    Die bisherigen Förderpläne, die ich geschrieben habe, waren dreispaltige Tabellen. Defizite - Maßnahmen - Ziel. Diese konnten nach einer intensiven und indivuellen Arbeit mit dem Kind ausgefüllt werden.
    Und nach einem gewissen Förderzeitraum überarbeitet werden.

    VG

  • Liebe Sally, dort habe ich auch schon gewühlt. Ich finde es nur so schrecklich, dass die Verpflichtung, mehr Papierkram zu leisten nun auch noch zur Folge hat, dass ich einen ziemlichen Rückschritt machen muss, nämlich hin zu einer "Schein-differenzierung", die durch ein Buch legitimiert wird.
    flip

  • Hallo Flip!
    Arbeitet ihr nicht jahrgangsübergreifend nach den Ferien und habt ihr ein Alternativkonzept mit Förderplänen? Verstehe immer noch nicht genau, was deine Schulleiterin möchte!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Flip!


    Wir haben uns auch noch nicht auf einen einheitlichen Förderplan geeinigt. Im jetztigen ersten Schuljahr sind die Kollegen von den Bögen zur Bausteine Fibel begeistert. In Mathe haben wir kleine Lernzielkontrollen und am Anfang die Diagnoseblöckchen zu 'Welt der Zahl' gemacht. Wir warten auf das Erscheinen der Mathe-Box von Schroedel, weil die für Deutsch wohl recht gut ist.


    Ich habe es aber auch eher so verstanden, dass die Notizen, die ich bisher geführt habe völlig ausreichen, wenn sie u.a. die von dir erwähnten Bereiche abdecken. Dass diese Notizen in ein Raster müssen, sehe ich nicht so. Es vereinfacht natürlich die Arbeit und Verständigung unter den Kollegen der Flex-Klassen. Für die Förderempfehlung als Zeugnisanhang bzw. als Grundlage für Gespräche und Maßnahmen ist es dann ebenfalls besser, gesammelte Notizen zu haben.
    Wir haben nach unseren Fortbildungen zur Förderdiagnose festgestellt, dass wir im Prinzip schon so arbeiten wie gefordert wird - nur jeder hat sein eigenes Schema/Raster etc. und viele Stichpunkte bekommen plötzlich einen Oberbegriff aus der Sonderpädagogik, den wir noch nicht oder anders benannt kannten!


    LG Talida

  • Hallo !
    Stehe bei dem Thema immer noch auf dem Schlauch.
    ?(


    Zitat

    Talida schrieb am 24.04.2005 11:54:



    Wir haben uns auch noch nicht auf einen einheitlichen Förderplan geeinigt.


    Wie kann so ein einheitlicher Förderplan aussehen? Was ist damit gemeint.


    Ich verstehe dies immer noch individuell. Wie kann ein Förderplan ann einheitlich sein.


    Beispiel:


    Kind A aus dem dritten Schuljahr hat Defizite im Lesen. Stolperwörtertest Prozentrang 10%. Individuelle Arbeit mit dem Kind zeigt: zu geringe Lesegeschwindigkeit.
    Schule schreibt Förderempfehlungen und Förderplan:


    Förderempfehlung: Geht an die Eltern mit den Zeugnissen raus. Beispielsweise Kind A soll mehr (leise) lesen und Eltern sollen mit ihm darüber reden und Fragen zum Inhalt stellen usw. Eintritt in die Stadtbücherei und regelmäßiges Vorlesen.


    Förderplan:
    Kind A wird im gemeinsam Unterricht gefördert indem es mit folgenden Materialien arbeitet (Lesspurhefte, LeseMalBücher usw.). Zudem nimmt das Kind zusätzlich an einer Lesefördergruppe teil.


    Ein einheitlicher Förderplan könnte nur grob formuliert werden:
    Wenn Kinder zu langsam lesen, dann ...
    Wenn Kinder am Ende des zweiten Schuljahres noch viele falsche Phonem-Graphem Zuordnungen verschriftlichen, dann ...


    Ist das gemeint?


    VG

  • So wie Talida es schreibt, wollen es meine Kollegen auch machen. Im Grunde geht es auch fast nicht anders, oder, wenn man sich auf ein schuleinheitliches Förderkonzept festlegen soll, müssen alle Kollegen fast gleich arbeiten?


    Wir arbeiten nicht nach der Flex, aber meine Rektorin meint, dass das Festschreiben von Förderplänen unbedingt wichtig und vorgeschrieben sei, egal wie man jahrgangsstufenmäßig arbeitet.
    niklas:
    Ich sehe das gleiche Problem wie du (wenn es dazu führt, dass sich ein Kollegium auf standardisierte Beobachtungsbögen einigt): Wenn ich den Lernstoff häppchenweise aufdröseln muss, (z.B. erst wenn Schritt 2 geschafft ist, folgt Schritt 3. Schritt 2 kann ich durch folgende Maßnahmen schaffen)...., ist dann noch genug Raum für individuelles Beobachten/Arbeiten in der Schule?


    Bisher habe ich ein Randlehrerdasein geführt, kritisch beäugt, oft ins Visier genommen, aber ich konnte mit Eigenfibel, Anlauttabelle und einem sonstigen Methodenmischmasch meine SchülerInnen an die Schrift heranführen. Mittlerweile bin ich fachlich ziemlich auf dem Damm, so dass fachliche Diskussionen nicht mehr so mit mir geführt werden..... . Nun fürchte ich aber, dass diese Förderpläne, die ja eigentlich individualisierendes Arbeiten zum Ziel haben, gerade das Gegenteil bewirken...und ich mir eine neue Schule suchen muss, die so arbeitet wie ich.
    flip

    • Offizieller Beitrag

    Mit 'einheitlichem Förderplan' meine ich, dass man sich innerhalb der großen Förderbereiche (die ich aus der Sonderpädagogik/dem GU kenne) Kernpunkte sucht und eine Liste/ein Formular entwirft, dass sich möglichst praktikabel ausfüllen lässt. Das funktioniert bei der HSP gut und lässt sich doch auf andere Bereiche übertragen.
    So werden wir z.B. - mit Unterstützung unserer Sonderschullehrerin - Stichpunkte zur Motorik heraussuchen, die uns bisher bei vielen Kindern aufgefallen sind. Größtenteils können wir alle die 'Problemchen' beschreiben, kennen aber das fachwissenschaftliche Wort dafür nicht!


    Viel schwieriger finde ich die Entwicklung entsprechenden Materials, dass auf meine Förderempfehlung hin zum Einsatz kommen soll. Auf einer Fortbildung haben wir den Vorschlag gehört, sich zwei Ordner mit Fördermaterial anzulegen: einen für die Kinder, die zusätzliche Übungen benötigen und einen für Kinder, die weitergreifende Übungen machen könnten. Innerhalb dieser Ordner muss es natürlich die gleiche Strukturierung wie auf den Förderplänen geben.


    Ich finde z.B. diese Beobachtungsbögen sehr gut, bin aber erschlagen von der Masse. Also würde ich gerne eine Kurzfassung entwerfen, die die wichtigsten Bereiche enthält. In einer Tabelle könnte man dann alle paar Wochen oder bei Auffälligkeiten kurze Eintragungen machen.


    http://www.xyz.at/xyz/gratis/pdf.php


    Talida

    • Offizieller Beitrag

    im Moment: gemeinsame Verwirrung :D


    Es ist wirklich ein bisschen viel z.Zt. Wir hatten diverse Kollegiumsfortbildungen, ich alleine dann noch zwei weitere. Das Material haben wir zusammen geschmissen und wissen nun nicht richtig, womit wir anfangen sollen. Da uns VERA, die neuen Lehrpläne und der alltägliche Wahnsinn sehr beschäftigen, kommen wir wohl erst in den Sommerferien dazu, uns in Ruhe für ein Konzept zu entscheiden. Wir lesen halt alle ein bisschen nebenbei, erproben Material, hospitieren in Schulen, die schon jahrgangsübergreifend arbeiten. Unsere künftigen Zweitklässler in der Flex werden fit gemacht für die Wochenplanarbeit etc., dadurch versprechen wir uns eine Basis.
    Die Erstklasslehrer sitzen einmal pro Woche nach dem Unterricht zusammen, ebenso die Fachlehrer (die nächstes Sj mit in die Flex gehen, im Moment aber Viertklässler zu bändigen haben). Mehr können wir noch nicht tun, das übersteigt unsere Kräfte. Zum Glück sieht die Schulrätin das auch so!


    Bin aber gespannt, was sich ab August an Diskussionen und Hilfen hier im Forum ergibt. Hoffe natürlich auf regen Austausch.


    T.

  • Alter Thread und neue Fragen :)


    Die Verlage überschalgen sich ja momentan mit Förderplänen/Förderbüchern usw.
    War kurz davor eins aus dem Mildenberger Verlag zu bestellen. (Lernen erleichtern). Wollte dann doch erst einmal vergleichen.


    Kennt jemand dieses Buch? Gibt es andere empfehlenswerte Dinge?


    VG

  • Ja! Hast wohl recht.


    Habe die Androhung einer "Kippung" gerade im radio gehört.
    Ergebnisse der Koalitionsverhandlung.
    Noten ab der 2.
    Und Kopfnoten.


    Ob die ganz alleine auf diese tollen Ideen kommen? Pädagogische Gründe gibt´s wohl wenig.


    Frustrierte Grüße!

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