Aus der linguistischen Perspektive krankt die Sache schon daran, dass zwei Konzepte vermengt werden, die nicht vermengt werden können: Grapheme und Phoneme. Buchstaben repräsentieren nuneinmal im Regelfall keine Laute - das hat sprach- und schrifthistorische Gründe. Nur die phonetische Umschrift repräsentiert verlässlich die Lautung von Sprache.
Warum wird also zu Beginn des des Lernprozesses ein sachlich falsches Konzept gelehrt, der dann mit großer Mühe wieder behoben werden muss?
Ich weiß nicht, ob das nur mir so geht; ich habe schlicht und einfach ein prinzipielles Problem damit, wenn an der Schule sachlich falsche Dinge gelehrt werden, bloß weil sie so scheinbar einfacher und kindgerechter vermittelt werden können. Macht man das eigentlich im Sachunterricht auch so? Oder im Mathematikunterricht?
Wie habe ich Anfang der 70er Jahre Schreiben gelernt? Naja, eigentlich so wie man in der wirklichen Welt, d.h. außerhalb der Schule, immer noch Dinge lernt: vom Einfachen zum Schwierigen schreitend vormachen, nachmachen, üben, üben, üben, können. Ich denke, ich kann mitlerweile recht gut schreiben, so schlecht wird das Verfahren also wohl nicht gewesen sein.
Nele