Beiträge von kodi

    Ratlosigkeit in Hinblick auf die Folgen von digitaler Mediennutzung kann ich jetzt so nicht bestätigen. Die sehen meine Kollegen und ich jeden Tag.

    Was denkt ihr, wo muss man da ansetzen? Schule, Elternhaus?

    Das ist ja durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen relativ klar zugewiesen. Schule kann Aufklärung und Prävention betreiben und Sekundäreffekte, die sich auf die Schulgemeinschaft und die Leistungen auswirken bearbeiten und ggf. sanktionieren.

    Die Primärprobleme liegen in der Hand von Erziehungsberechtigten und Justiz, da rechtlich nur diese Zugriff auf die Geräte haben bzw. erlangen können.

    Es gibt keine Extrazeit um Dinge "nachzulernen". Du kannst vielleicht eine Fortbildung machen, und dafür ggf. mal ein paar Tage freigestellt werden. In ganz seltenen Fällen kannst du auch auf eine längerfristige Fortbildung zur Erreichen eines Zertifikats geschickt werden (z.B. MSCE), wenn das für die Schule aus irgendeinem Grund wichtig ist. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass es vielleicht sowas ähnliches im CNC-Bereich auch gibt. Da müßten die entsprechenden BK-Kollegen etwas zu sagen.

    In der Regel ist die Erwartung, dass du in deinem Fach alles unterrichten kannst und dich in deiner unterrichtsfreien Zeit selbst vorbereitest.

    Parallel mit den Schülern zu lernen funktioniert nicht. Dann kannst du die Stunden nicht adäquat vorbereiten und halten.

    Die 4-6 Jahre für die Promotion, die du veranschlagst, bedeuten 4-6 Jahre weniger Gehalt (da kaum 100% Promotionsstellen vorhanden und Bezahlung oft schlechter), 4-6 Jahre weniger Pensionsansprüche und 4-6 Jahre keinen Stufenanstieg erworben (= geringeres Lebenseinkommen). Das ist ein finanzielles Minusgeschäft, wenn du in den Schuldienst gehst.

    Väter dürfen übrigens auch TZ arbeiten....

    Das ist bei allen familienfreundlichen Regelungen im Schuldienst tatsächlich etwas, was mich wirklich nervt...

    Die Männer sind in ihren Firmenjobs immer unabkömmlich. Die Kolleginnen müssen gefühlt immer alles machen und benötigen maximale Flexibilität und maximales Entgegenkommen seitens der Schule. So gut ich die Regelungen zur Familienfreundlichkeit auch finde. Da ist etwas in Schieflage.

    Den Eindruck hab ich auch.

    Viele Kollegen haben nicht verstanden, dass eine Gewerkschaft ein Zusammenschluss ist, um sich selbst mit anderen zusammen zu engagieren.

    Stattdessen herrscht bei einigen eine Konsumhaltung vor. Besonders absurd wird das dann, wenn diese Leute dann Erwartungen an Gewerkschaft haben bei denen sie nicht einmal Mitglied sind.

    Für die GEW kann ich nur sagen, dass es meiner Erfahrung nach jede Menge Möglichkeiten gibt, sich dort einzubringen, die eigenen Vorstellungen zu propagieren und auf den Kurs der GEW Einfluss zu nehmen.

    Naja, wo soll die Vertretung herkommen?

    Die meisten Grundschullehrer haben doch kaum Springstunden aufgrund der anderen Unterrichtsverteilungsphilosopie (viel Klassenlehrerunterricht).

    Natürlich wäre es sinnvoll, wenn es dann zumindest Selbstlernmaterialien gibt...so weit das in der jeweiligen Klassenstufe möglich ist.

    Früher gab es in NRW für so Fälle mal Pool-Stellen, wo dann Vertretungslehrer vom Schulamt geschickt wurden. Die sind aber zumindest in meiner Stadt inzwischen fast alle fest an eine Schule gesetzt und die Anzahl massiv gekürzt worden. Entsprechend gibt es keine Springer mehr.

    Wir haben sogar schon mal unserer Nachbargrundschule Kollegen geliehen, als da die absolute Not ausbrach, obwohl wir eine Realschule sind...

    Das mag jetzt eine singuläre Beobachtung sein aber bei uns hättest du mit einem der folgenden Fächer in den letzten Jahren eine Einstellungsgarantie gehabt:

    • Physik
    • Chemie
    • Informatik
    • Technik
    • Hauswirtschaft
    • Musik
    • Kunst
    • Praktische Philosophie
    • Sport (mit Rettungsfähigkeit)
    • Sonderpädagogik

    Das Bewerberfeld war jetzt auch nicht so, dass ich den Eindruck hatte, dass sich der Mangel auf meine Schule beschränkt.

    Wir haben dann ganz viel umgeschichtet und für unsere "B-Wunschfächer" eingestellt. Nur irgendwann ist auch Schluss mit der Möglichkeit Unterricht im existierenden Kollegium umzuverteilen und man kann keine weiteren "Massenfächer" mehr schlucken.

    Bei den tausenden Stellen waren bestimmt die Vertretungsstellen mit dabei.

    Die großen Einstellungstermine sind 01.02. und 01.08.

    Entsprechend werden die meisten Stellen im November bzw. im Mai/Juni ausgeschrieben.

    Wenn du einen Seiteneinstieg machen willst, wende dich aktiv an interessante Schulen. Sie können dir zwar nicht direkt eine Stelle anbieten aber ggf. eine Stelle, die sie ausschreiben dürfen, für den Seiteneinstieg öffnen. Das ist nämlich nicht der Standard.

    - Haupt-/Realschulen gelten weitestgehend als Resterampe, für die Schüler, die es eben nicht aufs Gymnasium schaffen. Darunter sind leider viele Migranten und Kinder, aus bildungsfernen Haushalten

    Das wird zwar häufig so geäußert, zeugt aber von einem katastrophalen Menschenbild und einem mangelhaften Berufsethos.

    Die Klientel an Haupt- und Realschulen ist eine andere als an vielen Gymnasien. Das ist aber kein Nachteil... erst Recht nicht, was das Thema Migration angeht.

    Meine Frage ist nun dabei: wieso hat der Typ das so gesagt?

    Gym-Fachleiter, der seine eigenen Vorurteile tradiert und keine Ahnung außerhalb seines Bereichs hat.

    Er hat insofern recht, dass es Fächerkombinationen gibt, mit denen es schwer wird eine Wunschstelle zu finden.

    Er hat in dem Punkt keine Ahnung, dass es so einfach wäre eine Stelle an Real- und Hauptschule zu bekommen. Da bist du nämlich als Gym-Lehrer (zumal mit schlechten Noten) so ziemlich die letzte Wahl im Feld der zugelassenen Bewerber.

    Grundsätzlich sind die Rahmenbedingungen an Real- und Hauptschulen schlechter was Bezahlung, Etat und Deputat angeht.

    Bist du jetzt so ein "Ausweichkandidat", den eigentlich niemand haben will, bleiben dir vor allem die unbeliebten Stellen, wo aus diversen Gründen an der Schule die Hütte brennt oder die Region völlig unattraktiv ist. Insofern ist der Weg an eine fremde Schulform in der Regel eine Notlösung mit Nachteilen.

    Bei mir dürfen sie keine Kappen und Mützen tragen.

    Das hat teilweise etwas mit Sicherheit in meinen Fächern zu tun, aber vor allem auch immer mit dem Erziehungsauftrag.

    Ein Teil meiner Schüler bewirbt sich im Anschluss an den Besuch meiner Schule. Das klappt nicht, wenn man wie der letzte Schlupp rumläuft und den Unterschied zwischen Verhalten und Kleidung in Arbeitssituationen und Verhalten und Kleidung in der Freizeit nicht gelernt hat.

    Gibt's nicht irgendwo ein Schullandheim weit abseits von Großstädten mit erlebnispädagogischer Betreuung und gleichzeitiger Motivation für eine IT Ausbildung?

    Motivation für IT weiß ich nicht, aber ansonsten für sportförderbedürftige Schüler:

    Jugendherberge Mittenwald.... 3km bergab bis in den Ort bzw. bergauf zurück.

    Ich erinnere mich gern daran zurück.... zu meiner Kindheit durften wir als 11 jähriger solche Strecken sogar noch alleine gehen. Handys gab's auch noch nicht... Unvorstellbar heute...

    Um mal auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen:

    Ja, das ist grundsätzlich eine gute Kombination. Sie hat allerdings auch ein paar Nachteile:

    1. Du hast zwei Experimentalfächer, dh. du bist viel mit Sammlungsorganisation und Versuchsvorbereitungen in der Schule beschäftigt.
    2. Du hast sehr viele unterschiedliche Lerngruppen, da beide Fächer 1-stündig bzw. maximal 2-stündig sind.
    3. Du bekommst ggf. eine Co-Klassenleitung in Klassen, wo du sehr wenig unterrichtest.
    4. Die Überschneidung im Studium ist jetzt nicht so groß. In der Hinsicht sind Mathe/Physik, Mathe/Informatik, Physik/Informatik besser.... Allerdings sollte dich das nicht abhalten. Die Fachdidaktik/methodik hingegen überschneidet sich stark.
    5. Durch den Mangel an Physik/Chemie-Lehrern droht mittelfristig immer die Zusammenlegung zu Nawi.

    Klar, könnte man die Klassenfahrten je nach Bundesland sicher besser regeln.

    Ich frag mich aber gerade, wenn man beispielsweise die Klassenfahrt als (negativen?) Aspekt aus den Dienstpflichten heraus nimmt, welchen Vorteil unseres Berufes sollte man dann eurer Meinung nach im Gegenzug streichen? Verbeamtung/Kündigungsschutz? Familienbonus bei der Einsatzplanung? Teilzeitregelungen? aufgehobene Präsenzpflicht für den nichtunterrichtlichen Teil der Arbeitszeit?

    Irgendwie muss man das Thema auch mal im großen Zusammenhang sehen. Da mag die Klassenfahrt eine Belastung sein und nicht gut geregelt, dem stehen aber viele andere Vorteile unseres Jobs (und Status) gegenüber.

    Die Liste ist lang, deshalb greife ich nur einen Punkt heraus: Fukushima. Und es ist alles OT

    1. Der Tsunami hat viele Menschenopfer gefordert und war extrem schlimm. Durch das Reaktorunglück ist kein einziger Mensch gestorben. Wer das Gegenteil behauptet, lügt !

    Hochrechnung Krebstote

    Erster zugegebener direkter Krebstote

    Lügen ist ein steiler Vorwurf. Da sollte man sich sehr sicher sein....

    3. Die Mehrzahl der Medien und einige Parteien redeten und reden noch immer von einer Nuklearkatastrophe, die uns alle bedroht. Kernkraftwerke werden zum Sinnbild der radioaktiven Verstrahlung der Menschen und die Bevölkerung glaubt es.

    Schau mal auf eine Deutschlandkarte und zieh einen Westwind-Kegel um die aktuellen und ehemaligen Kernkaftwerke in und um Deutschland. Dann siehst du dass nach so einem Unfall Game-Over für die Bewohnbarkeit unserer größten Bevölkerungs- und Wirtschaftszentren wäre. Das ist eine Frage der Kosten-Nutzen-Risiko-Abwägung.

    5. Die deutschen Kernkraftwerke gehören zu den sichersten der Welt und sichern die Grundversorgung mit Strom.

    Das haben die Japaner auch gesagt.

    Unsere Kernkraftwerke waren inzwischen allesamt veraltete Modelle mit Technik aus den 70er-Jahren. (10 Jahre Planungs- und Bauvorlauf und so...)

    7. Der Rückbau der Kraftwerke wird mit Milliarden € durch die Bürger bezahlt, gleichzeitig steigen die Energiepreise. Deutschland hat nun die höchsten Strompreise der Welt. (evtl. sind sie auf den Bahamas oder Barbados noch höher)

    Das ist ein Strohmann-Argument. Diese Kosten wären sowieso angefallen.

    8. Weltweit wurden neue Generationen von Kernkraftwerken entwickelt. Einige verbrennen radioaktiven Abfall weiter, andere haben eine noch viele höhere Sicherheit. Der Dual-Fluid-Reaktor wurde in Deutschland entwickelt und wird hier nicht gefördert.

    Das Nutzen von radioaktivem Abfall ist zwar charmant, aber das Konzept der Schnellen Brüter und seine Abwandlungen sind ein sicherheitstechnischer Albtraum wegen des positiven Reaktionsverhalten und des kleinen Abstands zwischen Normalbetrieb und Kritikalität. Darüber hinaus sind sämtliche Systeme mit Kühlung durch flüssiges Natrium auch chemisch ein Sicherheitsalbtraum, da das Zeug bei den Temperaturen hoch korrosiv ist und bei Leckagen für üble und schwer löschbare Metallbrände sorgt.

    10. Mindestens 50 neue Kernkraftwerke werden in der Welt im Moment gebaut. Polen hat die ersten in der Planung und hofft, dass sie sich rentieren werden, wenn Deutschland fleißig Strom kauft.

    11. In nahezu allen Industrieländern wird auf Kernkraft gesetzt, da nur mit ihr genügend Energie klimagünstig erzeugt werden kann.

    Wo ist hier das Argument? Andere bauen scheiße, also ich auch?

    Der Punkt der Alternativlosigkeit hinsichtlich des Klimaschutzes ist auch falsch.

    12. In Frankreich wird sogar das erste Kernfusionskraftwerk gebaut.

    Völlig andere Nummer. Anderes Funktionsprinzip, anderes Risikoprofil. Ehrlich gesagt sehr beschämend Fusions- und Fissionskraftwerke in so einer Argumentation zusammen zu würfeln, wenn man sich auch nur ansatzweise mit Physik auskennt.

    Fun Fact nebenbei: Deutschland ist einer der Hauptvertragspartner, was die Forschung für den Iter und dessen Bau betrifft. ;)

    Der heute zu lagernde radioaktive Müll (der weniger sein könnte, siehe 8.) muss sicher gelagert werden. Das ist korrekt. Es reichen aber 1000 Jahre, vielleicht sogar 500, 200 oder 100.

    Ja, unter einer speziellen Bedingung, nämlich wenn man die Aktinidenabtrennung durchführt. Nur haben wir keine dazu nötige Wiederaufbereitungsanlage. Alle bestehenden Wiederaufbereitungsanlagen sind geplagt von Störfällen mit Radioaktivitätsfreisetzungen und daher politisch hoch umstritten.

    In 100 Jahren wird die Technik soweit sein, diesen Müll zu entsorgen. Man vergleiche nur einmal das Wissen und die Technologie der Menschheit von 1921 mit 2021. Oder anders gesagt: Nur weiterentwickelte Technologien werden die Energieversorgung sichern und gleichzeitig die Umwelt weniger belasten.

    Erstmal reine Spekulation. Auf so etwas kann man keine seriöse Planung aufbauen. Letztlich schiebst du das Problem mit dieser Haltung einfach auf die nächste Generation.... genauso wie die vorherigen uns so die Endlagerungs-Probleme 'vermacht' haben.

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