3. Fach studieren?

  • Liebe Lehrerinnen und Lehrer,

    ich würde gerne eure Meinung zu meinem Fall hören.


    Ich studiere Französisch und Geschichte für Haupt- und Realschulen und habe bis zum 1. Staatsexamen noch ein gutes Jahr vor mir. In letzter Zeit beschäftige ich mich stark mit der Frage, ob ich ein 3. Fach studieren sollte, da ich kein Hauptfach habe und Französisch in dieser Schulform lediglich nur ein Wahlpflichtfach ist. Ich habe die Befürchtung, dass ich generell Probleme mit dieser Fächerkombination haben könnte. Zum einen, um eine Planstelle zu bekommen und zum anderen, um vernünftig in einer Klasse eingesetzt zu werden, um auch mal eine Klassenleitung zu übernehmen. In dem Bundesland, in dem ich wohne (RLP), ist Französisch ein gesuchtes Fach, zumindest laut den Prognosen.


    Könntet ihr mir sagen, welche ‚Probleme’ sich mir noch stellen könnten, würde ich es bei diesen Fächern belassen und ob ihr mir generell raten würdet, ein weiteres Fach zu studieren und wenn ja, welche. In Frage kämen Mathe oder Erdkunde. Erdkunde wäre mir lieber, da Mathe bei mir bereits sehr weit zurückliegt, wobei Erdkunde mir wahrscheinlich nicht viel bringen würde. Um ehrlich zu sein, habe ich auf ein weiteres Fach nicht wirklich Lust und möchte das Studium nur noch so schnell es geht zu Ende bringen, möchte aber später nichts bereuen.


    Ich bedanke mich im Voraus für eure Antworten.

  • Französisch ist ein gesuchtes Fach in der Sek.I in RLP bedeutet, bei ausreichender örtlicher Flexibilität und halbwegs vernünftigen Noten in Studium und vor allem Ref wirst du problemlos nach dem Ref eine Planstelle bekommen.

    Klassenlehrerin kannst du auch mit einem Wahlpflichtfach und einem Nebenfach werden, dafür gibt es keine speziellen Fächerkombinationen. Manche Schulen haben so viele Interessenten für Französisch, dass sie eigene Französischklassen bilden können, wo du tatsächlich die gesamte Klasse in zwei Fächern haben könntest. Nur ein Fach plus KL-Stunden in der Gesamtklasse ist zwar nicht optimal- muss aber manchmal auch reichen, um alle Klassen versorgen zu können. Viele Schulen arbeiten an der Stelle mit ergänzendem fachfremden Unterricht durch Klassenlehrkräfte, damit diese mehr/besonders viele Unterrichtsstunden in der eigenen Klasse haben. Im Ref hatte ich so eine Kollegin, die eine besonders schwierige Klasse in insgesamt 7 Fächern (4 fachfremd) unterrichtet hat, weil bei denen KL-Unterricht it möglichst wenig Lehrerwechseln unersetzbar war, um überhaupt inhaltlich vorankommen zu können.


    Was genau waren deine weiteren Gründe über ein 3.Fach nachzudenken? Interesse ja offenbar schonmal nicht, weshalb ich dir abraten würde jetzt noch etwas nachstudieren zu wollen, wofür du dich a) nicht wirklich interessierst und was du b) zumindest aus den von dir genannten Gründen gar nicht benötigen wirst.


    Ja, so ein weiteres Fach hat natürlich gewisse Vorteile- nicht zuletzt den, weniger fachfremd machen zu müssen später. Wenn Erdkunde also ein Fach ist, in das einzuarbeiten du dir sowieso vorstellen könntest, um das Fach bei Bedarf anbieten zu können dann hat es natürlich viel für sich, dieses direkt zu studieren. Ich habe neben Französisch zwei kleine Nebenfächer studiert und biete trotzdem noch ein viertes (Mangel-) Fach fachfremd an, um nicht nur viele Einzelstunden in vielen verschiedenen Klassen zu haben, die ich kaum kennenlerne das Schuljahr über, sondern mehrere 1-2stündige Fächer in einer Klasse jeweils zu unterrichten. Persönlich halte ich drei Fächer in der Sek.I insofern für die absolute Untergrenze und finde auch die aktuell in BW gültige 2-Fach-Studienordnung geht an den realen schulischen Erfordernissen vorbei.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Um ehrlich zu sein, habe ich auf ein weiteres Fach nicht wirklich Lust und möchte das Studium nur noch so schnell es geht zu Ende bringen, möchte aber später nichts bereuen.

    Im Grunde ist das doch die Antwort.


    Wenn du dich doch für ein drittes Fach einschreibst, würde ich persönlich das in deiner Situation nur ohne Druck tun. In einem Jahr wirst du Mathe sicher nicht als Drittfach zu Ende studieren können, vermutlich Erdkunde ebenso nicht. Es wäre dann also mehr ein Credit-Punkte-Sammeln falls du es später zu Ende machen willst.

  • Was genau waren deine weiteren Gründe über ein 3.Fach nachzudenken?

    Wie du bereits erwähnt hast, werde ich bei meiner Fächerkombi wohl viel fachfremd unterrichten müssen, wovor ich mich etwas fürchte. Ich würde ungern etwas unterrichten wollen, von dem ich wenig Ahnung habe bzw. bei dem mein Wissen sich lediglich auf dem Inhalt des Lehrbuches beruht. Im Berufsalltag wird man sicherlich nicht viel Zeit haben, sich da großartig in die Themen einzuarbeiten.


    Als ich diese Kombination gewählt habe, war mir auch nicht bewusst, dass ich wahrscheinlich nur 1-2 Stunden in den einzelnen Klasse hätte, wodurch ich kaum die Chance bekäme, eine Beziehung zu den Schülern aufzubauen, was ich sehr schade fände. Ich würde wahrscheinlich auch sehr viele Klassen haben, da ich maximal 2-3 Französisch-Klassen bekäme bekäme und die anderen Stunden mit meinem Nebenfach vollkriegen müsste, was organisatorisch nicht so gut sein soll.


    Sind meine Sorgen unbegründet? Eigentlich will ich gar nicht ein weiteres Fach studieren.. nicht weil ich mich nicht dafür interessiere, sondern eher weil das Studium sich bei mir bereits so in die Länge gezogen hat.

  • Wieviele Französischklassen du mal erhalten wirst kann dir niemand prognostizieren, die Glaskugel dafür gibt es nicht, um Schülerwahlverhalten auf Jahrzehnte im Voraus zu bestimmen oder dir vorherzusagen, wo du einmal landen wirst. An meiner Ref-Schule hatte ich das gesamte Ref über exakt eine Klasse in Franz, weil es dort kaum Bedarf bei vielen Lehrkräften gab. Nach dem Ref hatte ich die Qual der Stellenwahl, weil auch in BW Franz Mangelfach ist und ich viele Schulen hatte, die mich mit Kusshand genommen hätten. An meiner neuen Schule macht Französisch jetzt 40% meiner Deputatsstunden aus, ich weiß von Kolleginnen, die an ihren Schulen maximal noch eine Kollegin in der Fachschaft haben und fast ausschließlich Französisch unterrichten. Insofern gibt es auf diese Frage keine allgemeingültige, zuverlässige Antwort. Du wirst sehe, wohin es dich verschlägt und wie sich dort die Anmeldezahlen für Französisch (nicht zuletzt auch dank deiner Arbeit) entwickeln werden.


    Fachfremden Unterricht kann man zumindest in BW in der Sek.I nicht vollständig ausschließen (auch wenn einen niemand dazu verpflichten kann). Solltest du dich auf Stellen bewerben, in denen von einem "Klassenlehrerkonzept" geschrieben wird mit dem man arbeite, dann solltest du dich darauf einstellen Fächer (Plural!!!) fachfremd unterrichten zu müssen, weil das eben Teil dieses Konzepts ist. Auch das lässt sich aber nur teilweise durch kluge Bewerbungsverfahren ausschließen, denn wenn an deiner Schule die Hütte brennt in Erdkunde, weil drei Kolleginnen schwanger sind mit Geo, ein Kollege in Elternzeit ist, einer sich das Bein gebrochen hat, während Kollegin 6 und 7 sagen wir zur Promotion an die Hochschule abgestellt sind oder die einzigen sind mit Chemie/Physik, so dass auf deren Schultern der gesamte Unterricht in Chemie und Physik ruht, dann wirst du unter Umständen eben in den sauren Apfel beißen und dich in Geo (oder Ethik oder GK oder Wirtschaft oder Musik ...) einarbeiten müssen, wenn das der einzige Weg wäre, damit du am Ende auch noch auf deine Deputatsstunden ohne Teilabordnung kommen kannst. Zumindest in BW könnte man dich nicht zwingen fachfremd zu unterrichten, die Teilabordnung muss man dann aber ggf. bereit sein in Kauf zu nehmen (mit Fahrtzeiten, Konferenzpflichten, noch mehr Klassen, ...), wenn es wie geschrieben anders nicht möglich sein sollte die Deputatsstunden zu füllen. Ich weiß nicht, wie das in RLP genau geregelt ist (das kann dir aber deine Gewerkschaft sagen), weiß aber, dass es weise ist, sich bei "kleinen Nebenfächern" frühzeitig zu überlegen, was man fachfremd anbieten könnte, um eben proaktiv die Fächer einzugrenzen und sich zielgerichtet einarbeiten zu können. Ich biete ein Mangelfach fachfremd an, in dem ich allerdings einen Großteil der Studieninhalte, wie auch der Fachdidaktik durch andere Fächer abdecken kann. Ein anderes Mangelfach habe ich abgelehnt anzubieten, weil ich das nicht in entsprechender fachlicher Qualität gewährleisten könnte.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Vielen Dank für deine Erfahrungen. Ich belasse es erstmal bei diesen Fächern und lass es auf mich zukommen. Ich denke, dass ich mich später sicherlich immer noch für bestimmte Fächer weiterbilden lassen könnte, falls es nötig sein sollte.

    Lg

  • Vielen Dank für deine Erfahrungen. Ich belasse es erstmal bei diesen Fächern und lass es auf mich zukommen. Ich denke, dass ich mich später sicherlich immer noch für bestimmte Fächer weiterbilden lassen könnte, falls es nötig sein sollte.

    Lg

    Ja, das geht über die Nachqualifizierung nach dem 2. Staatsexamen (in RLP).

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