Beiträge von Maylin85

    Wir hatten im letzten Kindergartenjahr Vorschule. Ich erinnere mich, dass mit Arbeitsheften gearbeitet wurde und dass wir auch stillsitzen und leise sein mussten. Wer die Gruppe gestört hat, ist rausgeflogen und musste später alleine nacharbeiten, während der Rest der Gruppe wieder zurück in den Normalbetrieb gegangen ist und was Schönes machen durfte. Ich erinnere mich, dass ich mal nacharbeiten musste, während die anderen draußen im Garten waren und irgendwas gespielt wurde, wo ich sehr gerne dabei gewesen wäre. Aus sowas lernt man, sich beim nächsten Mal zusammenzureißen und halt nicht mehr in der Nacharbeit zu landen.

    Finde ich grundsätzlich schon sinnvoll, meine Freundin, die eine KiTa leitet, hält sowas heute aber für undenkbar.

    Weil derjenige auch niemals auf Leistungen aus diesem Sozialstaat angewiesen sein wird. Wir alle zahlen ein, damit wir im Notfall auch eine Mindestabsicherung haben, stützen uns also bestenfalls gegenseitig. Der Vermögende soll aber verpflichtet werden, immer größere Beträge abzuführen, obwohl er dieses Netz nicht benötigt und keinen Nutzen davon hat. Ich bin bei euch, dass es ihm objektiv ganz sicher weniger weh tun wird, als dem Durchschnittsbürger, aber ich empfinde das Prinzip, jemandem eine Beteiligung aufzuzwingen, der sie nicht will und nicht braucht, einfach als falsch.

    Wenn man an diese Bevölkerungsgruppe ran will, sollte man lieber überlegen, wie man die grundlegenden Weichen im System anders stellen könnte, um von vornherein weniger ausufernde Vermögensbildung und eine höhere Verteilungsgerechtigkeit zu erzielen. Verträgt sich natürlich alles nicht gut mit dem Prinzip des Kapitalismus, aber im Nachgang das erwirtschaftete Vermögen abgreifen zu wollen, geht irgendwie gegen meinen inneren Kompass.

    Es ist einfach unanständig, Individuen noch Geld mehr aus der Tasche zu ziehen und umzuverteilen. Es braucht Steuererhebungen für den Grundbetrieb eines Landes, darüber hinaus muss aber das Prinzip Eigenverantwortung gelten. Wir haben uns davon systemisch leider so weit entfernt, dass man aus überbordenden Sozialleistungen, Subventionen, Zuschüssen, Förderprogrammen usw. kaum wieder raus kommt.

    Ja, das sehe ich auch so. Nach zig Klassen und wechselndem Klientel kann ich das für die eine Klasse anders einordnen als für die andere. ABER: Das muss keine Gaußsche Kurve sein, es gibt auch ganz andere Verteilungen. UND noch wichtiger: Daran orientieren sich doch meine Noten nicht. Es besteht ein Standard, der erreicht werden soll, Kriterien, die man setzt und die SuS müssen sich daran mit ihren Leistungen messen. Das ist dann schade, dass es in bestimmten Klassen keine guten oder sehr guten Noten gibt, weil Grundlegendes nicht gut genug beherrscht und AFBIII nicht bearbeitet wird.

    So wünscht man sich das 👍

    Ich habe große Zweifel, dass es hier (!) tatsächlich so läuft. Über alle Schulformen hinweg.

    Noten sind nur leider niemals objektiv (das habe nicht ich entdeckt, danke, das haben andre festgestellt).

    Deswegen träume ich ja heimlich von landesweiten, zentral gestellten Leistungstests mit einheitlichen Korrekturvorgaben am Ende jeder Jahrgangsstufe. Oder vielleicht kann die Auswertung irgendwann ja auch unter Anlegung des exakt gleichen Standards eine KI übernehmen. Das wäre so viel sinnvoller, als lustiges individuelles Notenbasteln...

    Und wieviel zählt es? Nur wie eine Einzelstunde wie Chilipaprika schreibt?

    Ich antworte einfach mal: ja, das ist so.


    Am BK kommunizieren wir den Schülern auch strenge Attestregeln und später wird einfach nicht mehr angenommen. Auch wird bei Klausuren und Klassenarbeiten die 6 gesetzt, wenn morgens keine Krankmeldung erfolgt. Das klappt aber nur, weil diese Schülerklientel ihre Rechte nicht kennt und keine Lobby hat. Niemals würde man sich so etwas am Gymnasium trauen.

    Stößt meinem Gerechtigkeitsempfinden übrigens sehr auf, auch wenn es uns das Leben natürlich leichter macht.


    Palim
    Wenn du nicht so arbeitest und es bei euch korrekter abläuft, musst du dich nicht angesprochen fühlen und dir den Schuh nicht anziehen. Ich hatte genügend 5er, um beurteilen zu können, welche Herkunftsschulen in unserer Kommune aussagekräftige Noten vergeben und welche nicht. Und natürlich gibt es da Zusammenhänge mit dem Standort und Sozialindex.

    NRW ist sehr schülerfreundlich. Es gibt meine Wissens keine rechtlich bindenden Pflichten für das Einreichen von Attesten. Wir hatten mal den Fall, dass jemand unentschuldigt und ohne Bescheid zu geben nicht zum Abitur aufkreuzte, dann in der Folgewoche mit einem Attest um die Ecke kam und nachschreiben wollte. Eigentlich ist eindeutig geregelt, dass das NICHT geht. Die Schülerin wandte sich an die Bezirksregierung und es kam die Weisung "bitte Nachklausuren entwerfen" (Herbstabitur, gab keine zentral gestellten Nachschreibklausuren). Sehr ärgerlich, Arsch voll Arbeit, explizit nicht so vorgesehen, aber im Zweifel fallen die Entscheidungen hier halt für den Schüler.

    Ich nehme an, in Physik hat man auch weniger Diskussionen, als in den Gesellschaftswissenschaften. Leider haben die Schüler in der Sek I ja keine Bringschuld und irgendeinen halbgaren Stuss kriegen die meisten auf Aufforderung dann doch wieder zusammengestammelt. Das ist dann zumindet schonmal nicht nichts und muss irgendwie berücksichtigt werden.

    In der Oberstufe finde ich das alles unproblematischer, denn da muss man einfach einen gewissen Standard einfordern. Wer den nicht schafft, hat eben Pech. Unsere sehr weichen Bewertuntsraster sorgen ja sowieso dafür, dass es für die meisten noch irgendwie hinhaut.

    Die größeren Probleme sehe ich in der Sek I, wo man je nach Schülerzusammensetzung einfach nicht mehr auf angemessenem Niveau arbeiten kann und es keine Aussicht auf Lösungen dafür gibt.


    Kris24 Interessant, dass es bei euch zum Ausgleich eine 2 braucht. In NRW reicht die 3.

    Quittengelee

    Keine Ahnung, frag das doch nicht mich. Ich hab gescheite Noten gegeben, ein Dutzend Förderplangespräche geführt und am Ende kamen trotdzem genügend ausreichende Noten zusammen, dass die Schüler bleiben konnten.

    Chilli hat auch Recht - gibt man realische Noten, landet man als Lehrkraft selbst auch in einer blöden Situation. Wie kann es sein, dass bei Ihnen 50% im Defizit stehen? Da stimmt doch was nicht mit Ihrem Unterricht?! Holen Sie die Schüler bitte da ab, wo sie stehen... und bitte, dass dann das Unterrichtsniveau nicht mehr zu den offiziellen Zielvorgaben passt, wen interessiert das denn... 💁‍♀️

    Wenn man mit für die Schulform ungeeigneter Schülerklientel startet, lässt sich das kaum ausbügeln, sondern die Diskrepanz zwischen formalem Anspruch und Realität wird über die Jahre zu einem selbstverstärkenden Problem.

    ich weiß.
    und du weißt, dass ich es weiß, genauso umgekehrt.
    Trotzdem wird mir kein Lehrer erklären können, dass er nicht schon mal Widerstand erlebt hat (also Blicke und Kommentare von SuS, KuK, oder selbst von der SL), wenn es rein zu viele gute Noten gibt, oder keine einzige 3 oder so gibt.. Ich hatte schon (mehrmals!) beide Extreme. Anfängergruppe, nur eine 3 auf dem Zeugnis, alles sonst 1er oder 2er. Sie waren auch TATSÄCHLICH sehr gut (ging dann über die Jahre bergab.). Nach den damaligen Maßstäbe würde JEDE einzelne Klasse heute einen Schnitt (weit) unter 4 haben. Nach den heutigen Maßstäben habe ich vll eine 1 auf dem Zeugnis, eine Handvoll 2er und 3er, eine Handvoll 5er und der Rest im 4er Bereich. Aber die Arbeiten können auch nur das messen, was ich im Unterricht gemacht habe, und wenn ich ständig Basis mache, reicht es für eine 1 oder 2,auch wenn es keine 1 oder 2 woanders wäre.

    Man muss eigentlich aufhören, den Unterricht nach unten anzupassen. Dass das allerdings hochtheoretisch ist, dämmert mir in meinen derzeitigen Bildungsgängen langsam auch, dann arbeite ich nämlich mit 2 Leuten und der Rest sitzt überfordert daneben. Ich schreibe allerdings trotzdem keine vereinfachten Klausuren, um keine Notenverzerrung zu betreiben. Was in der Klausur abgefragt wird, wird im Unterricht angeboten; wer das nicht schafft, bekommt nach unten differenziertes Material und die Ansage, dass der Klausurstandard aber eben die andere Version ist und er sich das erarbeiten muss. Mehr kann ich da leider auch nicht tun.

    Welchen Wert haben Noten, wenn nicht die objektive Spiegelung von Kompetenzen? Man sollte sich darauf verlassen können, dass eine 1 oder 2 eine kriteriale Norm erfüllt, nicht eine Stellung im Leistungsgefüge einer willkürlichen Gruppe. Das ist meines Erachtens eines der Kernprobleme im Schulbetrieb.

    Spätestens bei der Bewerbung um NC-belegte Studienplätze ist es auch einfach unfair.

    Bei uns ging der Wechsel auch nur nach 6, für spätere Wechselambitionen gab es schlicht keine Schulplätze. Und auch die Abschulung nach 6 war schwieriger, als sie es sein sollte. Ca. im Februar kamen Ansagen, wie viele Schüler umverteilt werden könnten (wir waren sechszügig mit einem sehr hohen Anteil an Schülern ohne Gymnasialempfehlung und haben immer Zahlen um die 6-8 genannt bekommen), und es gab die klar kommunizierte Erwartungshaltung, ungefähr diese Größenordnung auch tatsächlich einzuhalten. Darauf hat die Schulleitung auch aktiv hingearbeitet und entsprechenden Druck aufgebaut.

    In der Mittelstufe gibts dann nur zwei Möglichkeiten, durchschieben oder nach 2 Wiederholungen Abgang aufs Berufskolleg. Letzteres hielten viele Kollegen für unverhältnismäßige Härte und man könne doch wenigstens den mittleren Schulabschluss ermöglichen, um den Bildungsweg nicht kaputt zu machen, blabla. An der Stelle muss man sich an den Schulen sicher an die eigene Nase fassen. Zur Wahrheit gehört auch, dass die Schüler am Ende eh überwiegend durchrutschen, weil irgendwie immer zu viele Kollegen sich die Arbeit für Förderpläne und Nachprüfungen usw. sparen wollen und/oder sich nicht trauen, die elendige SoMi-Note konsequent ins Defizit zu setzen (weil das bei Widersprüchen nunmal auch schwierig rechtfest begründbar ist). Und so wird halt alles mitgezogen und wir haben die Kompetenzinflation, die wir haben.

    Meines Erachtens kann man nur gegensteuern, indem über alle Schulformen hinweg strikter selektiert wird und die Kriterien dafür objektiviert werden, sprich standardisierte und zentral ausgewertete Tests die Grundlage bilden. Chilli hat ja Recht, dass jede Grundschule ihre gauß'sche Verteilung hat und auch entsprechend Empfehlungen ausspricht. Es gibt aber Grundschulen, von denen strenggenommen niemand am Gymnasium landen dürfte, weil niemand die nötigen Kompetenzen erreicht. Anderswo könnten ganze Klassenverbände geschickt werden. Es passiert aber nicht, sondern die Empfehlungen orientieren sich an der sozialen Norm der jeweiligen Gruppe. Das kann logischerweise nicht richtig sein und gut gehen.


    Vielleicht kann man hier im Forum zur Kenntnis nehmen, dass die Verhältnisse in den Bundesländern und Regionen sehr unterschiedlich sind. Was Kris aus BW berichtet, ist für mich wahrscheinlich genauso unvorstellbar, wie umgekehrt. Diese Handhabung findet man hier lediglich noch an Privatschulen.

    Wir drehen uns im Kreis, es könnte auch ein Indikator dafür sein, dass Schulen nicht konsequent genug die Leistungsbewertung ausreizen. Weil hier auch immer wieder zu lesen ist, dass die Grundschulen Schuld sind an irgendwas hnd dass die Kollegen Schuld sind, die immer gerade noch eine vier geben und man deswegen selbst keine 5 geben könnte, weil man dann der einzige Böse sei oder Nachprüfungen, Förderpläne etc.pp. kurz: Zusatzarbeit habe.

    Und zum Wahrhaben wollen: das Problem ist hier auch die anekdotische Evidenz. Immer hat jemand irgendwas von irgendwem gehört und sich irgendwie geärgert und weiß das halt. Bringt doch mal ein paar Vergleichszahlen, wenn echtes Interesse an Ursachen für Probleme besteht.

    Aber vielleicht ist das im Meckerforum auch nicht notwendig 😊

    Was für Zahlen stellst du dir da vor? Und nein, ich lese hier nirgends pauschale Kritik an Grundschulkollegen, sondern die hängen halt auch in den Zwängen eines dysfunktionalen Systems fest.

    Dass man sich unter den Voraussetzungen fehlender Arbeitszeiterfassung und Mehrarbeitskompensation nicht endlos viel Mehrarbeit und Konflikte aufhalst, kann man auch keinem vorwerfen. Der Grundschulkollege, der 2/3 seiner Klasse wiederholen lässt, steht vermutlich von allen Seiten unter Beschuss und findet keine ruhige Minute mehr, insofern kann ich das pragmatische Durchschieben ja durchaus nachvollziehen. Ist ja systemisch auch gewollt, solange man in der Politik lieber auf Abschlussquoten als auf tatsächliche Kompetenzstände schaut.

    Die da wären? Dümmer als anderswo werden die Kinder nicht sein.

    Vermutlich sind sie das auch nicht. Gerade deswegen könnte man evtl. überlegen, sich einfach mal evtl. darauf einzulassen, dass das traditionell schlechte Abschneiden bei übrigens konstant gestiegener Abiturquote und immer besseren Notenschnitten ein Indikator sein könnte, dass Leute dir hier keinen Quatsch erzählen und über alle Schulformen hinweg zu viele Kinder unterhalb des eigentlich vorgesehenen Leistungsstandes durchgeschoben werden 😊

    Ich wundere mich übrigens auch ein wenig, wie sehr du dich gegen diesen Gedanken wehrst. Vom Negieren unschöner Tatsachen wird halt auch nix besser.

    In ganz NRW werden alle Kinder versetzt, erhalten alle Noten im Spektrum 1-4, niemand erhält Förderbedarf bescheinigt und all das weißt du, weil jemand im Forum schreibt, er habe von Kollegen gehört, dass an Grundschulen, in die sie abgeordnet waren Kinder nicht sitzen blieben, um Klassen nicht so voll zu machen. Klingt plausibel, stichhaltig, überzeugend.

    Vielleicht überzeugen ja die NRW Ergebnisse so ziemlich sämtlicher Leistungserhebungen. Die haben nämlich Ursachen 😉

    Wir hatten am Gymnasium ja mehrere teilabgeordnete Kollegen an die GS und das hat ein wenig Licht ins Dunkel gebracht. An manchen Ruhrgebietsgrundschulen dürfte man eigentlich große Teile der Jahrgänge nicht versetzen, das aber "geht nicht", weil die Klassen eh schon voll sind, Lehrkräfte fehlen, neue Schüler nachrücken... die laufen also größtenteils durch und gehen dann halt auf die weiterführenden Schulen, die die Eltern für richtig halten. Und dann hat man eben die Zustände, die man hat. Das System krankt auf allen Ebenen.

    oder nun die volle Anrechnung der Einkünfte des Kindes auf das Gehalt der Beamteneltern, wenn es seine erste Ausbildung oder ein duales Studium macht. Hauptsache, du bekommst erstmal weniger!!

    Auch das ist doch völlig richtig. Kinderzuschläge sind eine Alimentation des Unterhalts. Sobald das Kind über Einkommen verfügt und diesen selbst bestreiten kann, entfällt halt die Legitimationsgrundlage.

    Vielleicht sollte man sich hin und wieder mal vergegenwärtigen, dass diese ganzen Zuwendungen "da draußen" erwirtschaftet werden müssen. Das gebietet auch einen einigermaßen verantwortungsvollen Umgang damit.

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