Prüfungsmitschriften Kommunikationsprüfungen an Schüler geben?

  • Hallo,


    es geht um Kommunikationsprüfungen in der Oberstufe.
    Situation: 2 KuK lauschen den SuS, wie sie ein Bild/Werbung/Karikatur beschreiben und später diskutieren.
    Dazu werden Notizen angefertigt zu Äußerungen der SuS und in einem Bewertungsbogen Kreuze gemacht. Später überlegt man gemeinsam, auf welche Punkte man sich einigt.

    Frage: seht ihr ein Problem darin, die beiden Originalbögen an die SuS herauszugeben?

    Hier wurde das im Sinne der Transparenz gemacht, allerdings war die andere prüfende Person unzufrieden, weil sie nicht wollte, dass ihre persönlichen Notizen an die SuS gehen, ggf sogar in sozialen Medien eingestellt etc.

    Der anderen prüfenden Person war das nicht bewusst und dachte: ja gut, sollen die SuS doch sehen, was geschrieben wurde und wie die Note zustande kommt.
    Natürlich kamen dann Nachfragen/Beschwerden wie: „Wieso habe ich bei dem einen Lehrer 2 Punkte in der Kategorie bekommen, bei dem anderen 5 Punkte und insgesamt nur 3 Punkte?“


    Ergebnis: ein Kollege unzufrieden über die Herausgabe seiner Mitschrift, die SuS versuchen zu diskutieren.

    Wie handhabt ihr das? Einen ins reine geschriebenen Bogen mit Note und Unterschrift rausgeben?

  • Wie handhabt ihr das? Einen ins reine geschriebenen Bogen mit Note und Unterschrift rausgeben?

    Ja, so mache ich das. Da steht auch nichts drauf, da sind nur die Punkte angekreuzt und alle Prüfer:innen haben unterschrieben. Die Originale behalte ich, um auf Rückfragen antworten zu können.

    There are only 10 sorts of people - Those who know binaries and those who don't.

  • Notizen, die ohne dass klar war, dass es sich um ein bewertungsrelevantes Protokoll gehandelt hat, nebenbei angefertigt wurden, gehören für mich nicht in die Hand eines Schülers. Sie sind aber so auch keine Bewertungsgrundlage, sondern nur eine Gedächtnisstütze für die anschließende Besprechung.

    Bei jeder mündlichen Prüfung ist ein Protokoll anzufertigen, aus dem sich anschließend die Note ergibt und bei dem auch dem Protokollanten vorher klar ist, dass dies Protokoll auch eingesehen werden kann. Mit der entsprechenden Sorgfalt hat er das Protokoll zu führen.

  • Ich würde an der Stelle nicht die Originalbögen herausgeben, sondern die Version nach Abgleich zwischen den beiden Kollegen (m/w/d). Bedeutet: Wenn Kollege A 4 Teilpunkte gibt, Kollegin B 2 Teilpunkte, ihr euch in der Mitte bei 3 Teilpunkten trefft, sollten diese 3 Teilpunkte auf der Version stehen, die dem Schüler (m/w/d) nach Bedarf ausgehändigt wird.

  • Wir geben auch nur einen gemeinsamen Bogen ab (zusammengefügt, zum Teil ohne die Mitschrift, nur die Kreuze / Punkte.) Und FALLS es Nachfragen gibt, kann man dann in seine Notizen gucken, OB es weitere Begründungen zu dem jeweiligen Item gibt.

  • Bei jeder mündlichen Prüfung ist ein Protokoll anzufertigen, aus dem sich anschließend die Note ergibt und bei dem auch dem Protokollanten vorher klar ist, dass dies Protokoll auch eingesehen werden kann. Mit der entsprechenden Sorgfalt hat er das Protokoll zu führen.

    Ich entnehme deinem Profil, dass du keine Sprache unterrichtest. Ich bin "eigentlich" bei dir, aber das lässt sich in der Realität nicht mit diesen ohnehin ressourcenintensiven (Personal) Kommunikationsprüfungen vereinbaren, die mittlerweile in mehreren Jahrgängen stattfinden. Ein Protokoll, das auch nur annähernd an Abiturstandards herankommt, gibt es da bei uns de facto nicht. Wie sieht das bei anderen aus?

    There are only 10 sorts of people - Those who know binaries and those who don't.

  • In der Sek I führen wir ein knappes "Protokoll", also dieses Formular vom Ministerium. Die Schüler erhalten ein bereinigtes Formular, in dem nur Punkte angekreuzt und die Note eingetragen sind.

    Ein Einsehen der Lehrernotizen unter Aufsicht(!) ist auch nochmal ein anderes Paar Schuhe als Kopien der Protokolle rausgeben. Da sind die Diskussionen vorprogrammiert, von daher kann ich den Kollegen verstehen.

  • Ein Protokoll ist keine Mitschrift, grundsätzlich genügen zur Dokumentation mündlicher Prüfungen Ergebnisprotokolle und das kann auch das Ausfüllen eines vorbereiteten Bewertungsbogens sein.

  • Ja, so mache ich das. Da steht auch nichts drauf, da sind nur die Punkte angekreuzt und alle Prüfer:innen haben unterschrieben. Die Originale behalte ich, um auf Rückfragen antworten zu können.

    So machen wir es auch

  • Notizen, die ohne dass klar war, dass es sich um ein bewertungsrelevantes Protokoll gehandelt hat, nebenbei angefertigt wurden, gehören für mich nicht in die Hand eines Schülers. Sie sind aber so auch keine Bewertungsgrundlage, sondern nur eine Gedächtnisstütze für die anschließende Besprechung.

    Bei jeder mündlichen Prüfung ist ein Protokoll anzufertigen, aus dem sich anschließend die Note ergibt und bei dem auch dem Protokollanten vorher klar ist, dass dies Protokoll auch eingesehen werden kann. Mit der entsprechenden Sorgfalt hat er das Protokoll zu führen.

    Einsehen ist aber nicht gleich Herausgeben. Ich hätte kein Problem damit, mein Gekritzel zu zeigen, um nachvollziehbar zu machen, wieso es in einer Kategorie soundsoviel Punkte gab, aber ich möchte es nicht herausgeben.

    Im Abitur erhält man das Protokoll ja auch nicht, darf es aber einsehen.

  • Also wieder ein Beispiel im Sinne von:

    Gut gemeint (= Transparenz herstellen), geht aber nach hinten los (SuS meckern warum Noten von einem K abgewertet, anderer K unzufrieden dass seine persönlichen Notizen rausgegeben werden).

    Tja… habt ihr das denn auf der Fachkonferenz besprochen? Es scheint hier doch ein Problem von mangelnder Absprachr zu sein. Kollege 1 macht es so wie er meint, Kollege 2 hat eine ganz andere Vorstellung und fühlt sich persönlich düpiert.

  • Ich würde an der Stelle nicht die Originalbögen herausgeben, sondern die Version nach Abgleich zwischen den beiden Kollegen (m/w/d). Bedeutet: Wenn Kollege A 4 Teilpunkte gibt, Kollegin B 2 Teilpunkte, ihr euch in der Mitte bei 3 Teilpunkten trefft, sollten diese 3 Teilpunkte auf der Version stehen, die dem Schüler (m/w/d) nach Bedarf ausgehändigt wird.

    Hier wurden beide Bögen ausgegeben mit dem Ziel, dem Schüler transparent zu zeigen, dass man seine Leistungen diskutiert hat und sich geeinigt hat.

    Allerdings wurde dies von einigen S nicht honoriert, im Gegenteil wurde gemeckert: „Ja, auf dem einen Bogen stehen schon 4 Punkte und dann ist das wieder abgewertet worden. Sie sind doch mein Lehrer, warum haben Sie sich nicht für mich eingesetzt..?“

    Schon irre, da will man Transparenz zeigen und dann gibts von allen Seiten wieder was zu meckern.

  • Also wieder ein Beispiel im Sinne von:

    Gut gemeint (= Transparenz herstellen), geht aber nach hinten los (SuS meckern warum Noten von einem K abgewertet, anderer K unzufrieden dass seine persönlichen Notizen rausgegeben werden).

    Tja… habt ihr das denn auf der Fachkonferenz besprochen? Es scheint hier doch ein Problem von mangelnder Absprachr zu sein. Kollege 1 macht es so wie er meint, Kollege 2 hat eine ganz andere Vorstellung und fühlt sich persönlich düpiert.

    Ich bin mir gerade unsicher bzgl. deines Bundeslandes. Ich kenne es aber so, dass bei mündlichen Prüfungen gleich welcher Art diese zwar dokumentiert werden (->Prüfungsprotokoll), diese Dokumentation aber bei den Akten des Prüflings verbleiben und bestenfalls auf Antrag eingesehen werden können. Eine Ausgabe erfolgt definitiv nicht.

  • Die Beiträge verweisen auf NRW, das Bewertungsraster des Landes ist soooo peinlich, dass es mir schon peinlich ist, die bereinigte Fassung auszugeben.

    Aber abseits davon ist mir schleierhaft, wie man als Lehrkraft auf die Idee geben kann, ZWEI Bögen mit unterschiedlichen Bewertungen abzugeben. Das hat nichts mit Transparenz zu tun, sondern Ärger vorprogrammiert. Das sind ja Schüler*innen und keine Abiturient*innen, die Einsicht in ihre Prüfungen nehmen würden.

  • Kreidemeister : Transparenz in der Bewertung finde ich grundsätzlich schon wichtig. Nur wenn die Schüler (m/w/d) wissen, an welchen Stellen es Abzüge gab, können sie an ihren fachlichen Schwachstellen bis zur nächsten Prüfung arbeiten. Bei Prüfungen, die von mehreren Kollegen (m/w/d) durchgeführt bzw. bewertet werden, würde ich nur eine Bewertung herausgeben, da, wie der aktuelle Anlass zeigt, Diskussionen ausgelöst werden, die nicht mehr im Fachlichen verwurzelt sind. Ist nicht schlimm, die Erfahrung muss man machen und bei der nächsten Kommunikationsprüfung wisst ihr Bescheid.

  • Keine Prüfungsmitschriften rausgeben und die Schüler bekommen nur einen Bewertungsbogen mit dem Ergebnis, auf das man sich geeinigt hat. Alles andere führt verständlicherweise zu Unmut und Diskussionen.

    Ich hab das mit verschiedenen Kollegen in verschiedenen Varianten durchgespielt und für mich funktioniert am besten: beide haben die Bögen, beide kreuzen, hinterher kurzer Abgleich und ggf. auf dem Bogen, der rausgegeben wird, nochmal "umkreuzen", daher mit radierbarem Stift schreiben. Prallel protokollieren beide auf Schmierzetteln und ich als Fachlehrer picke mir in der Nachbereitung ggf. aus beiden Schmierzetteln prägnante Punkte raus, die ich zur Nachvollziehbarkeit des Zustandekommens der Note auf den Schülerbogen übertrage. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Beim Inhalt hilft es, zumindest in Teil A die antizipierten Antworten bereits auf den Bogen zu drucken und überwiegend nur abzuhaken.


    Wenn jemand mein Geschmiere rausgibt, wäre ich übrigens auch angepisst. Mir würde auch nicht einfallen, dass jemand auf solche Ideen kommt, von daher hätte ich dazu im Vorfeld auch nichts angesprochen. Macht man aber einfach nicht, das ist ein wirklich blöder Faupax.

  • (…) hinterher kurzer Abgleich und ggf. auf dem Bogen, der rausgegeben wird, nochmal "umkreuzen", daher mit radierbarem Stift schreiben. Prallel protokollieren beide auf Schmierzetteln und ich als Fachlehrer picke mir in der Nachbereitung ggf. aus beiden Schmierzetteln prägnante Punkte raus, die ich zur Nachvollziehbarkeit des Zustandekommens der Note auf den Schülerbogen übertrage. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Beim Inhalt hilft es, zumindest in Teil A die antizipierten Antworten bereits auf den Bogen zu drucken und überwiegend nur abzuhaken.

    Das macht aber Arbeit. Die Ausgabe der bereits fertig angekreuzten Bögen spart die Arbeit.
    Das Hauptproblem ist hier eben auch, dass der Kollege unzufrieden ist, weil seine als intern gedachten Notizen an die SuS gehen, ggf auch mit internen Kommentaren wie „oberflächliches Gerede“ oder dgl oder Rechtschreibfehlern, die in der Eile entstanden.

    Na ja, dann wohl besser abhaken und beim nächsten Mal so machen, wie von ihm und der Mehrheit hier empfohlen wird. Evtl könnte man auch versuchen, die Bögen wieder zu bekommen unter dem Vorwand, sie archivieren zu müssen. Aber wie es so ist: dann gibt es 3/4 der Bögen zurück, und bei 1/4 sind sie verschwunden, dauerhaft vergessen etc. :/

  • ggf auch mit internen Kommentaren wie „oberflächliches Gerede“ oder dgl oder Rechtschreibfehlern, die in der Eile entstanden.

    Ganz ernsthaft, dass sowas nicht zum Herausgeben gedacht ist, muss dir aber doch auch auffallen 😬

    Wenn dir das Übertragen zu viel Arbeit ist, gib die Bögen halt nur gekreuzt raus und begründe nur mündlich auf Nachfrage anhand der Notizen. Ich mach das, weil dafür einfach ein riesenfettes, leeres Feld in voller Seitenbreite auf dem Bogen ist und es mich stört, das leer zu lassen. Besser wäre, das Feld würde nicht existieren^^

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