Unsere Sonderpädagogen teilen sich selbst ein. Sie können am besten beurteilen, wo und wann ihr Einsatz am sinnvollsten ist. Es gibt lediglich eine Zeitvorgabe für das Gesamtteam.
Das wünschen wir uns tatsächlich auch, zumindest für einen Teil unserer Stunden. Dass man 7 Lehrkräften nicht den gesamten Stundenplan freistellen kann, ist uns auch klar. Aber wir sehen doch gemeinsam im Team, ob z.B. die LE Kinder gerade mehr Unterstützung in Mathe brauchen, oder die ES Kinder zwar mit der Religion-Kollegin, dafür aber überhaupt nicht mit dem Kollegen in Bio zurecht kommen. Ich fände es auch grandios, wenn ich anfragende Kolleg*innen spontaner unterstützen könnte. Aber so, wie es aktuell geregelt ist, kann ich nur gut zureden, statt für zwei oder drei Wochen den Fachunterricht zu begleiten und ggf. Einzelheiten gemeinsam anzupassen.
Wir haben sehr viel Doppelbesetzung, die im Grunde durch uns Sonderpädagog*innen ermöglicht wird. Das läuft bei uns sehr gut.
Ist das in NRW so vorgesehen/ gedacht oder ist die Schule so extrem schlecht versorgt?
Bei uns kommt das nur im Notfall vor, wenn die üblichen Vertretungsregelungen nicht mehr greifen.
Unsere Besetzung auf dem Papier ist super! Ehrlicherweise haben wir aber sehr viele Quereinsteiger*innen, die nicht weiter qualifiziert werden und Studierende, die bei uns teils wie vollwertige Kräfte eingesetzt werden. Wir Sonderpädagog*innen sind allesamt fest an unserer Schule und nicht abgeordnet. Da wir regulär zum Stammteam der Schule gehören, kann SL uns wohl einsetzen, wie sie es für richtig hält. Das ist im Grunde ja auch richtig und gut so. Wir sehen aber in Teilen andere Bedarfe bei den SuS, wo SL (zumindest gefühlt) mehr die Gesamtdisziplin im Blick hat.
Da stellt sich die Frage, wer wie auf welche Schüler:innen guckt. Die Blickrichtung der Lehrkräfte aus dem Regelunterricht ist eine andere.
Warum müssen Lehrkräfte im Regelunterricht das irgendwie schaffen mit vielen verschieden Kindern in der Klasse, bei FöS-Kolleginnen zählt dann das einzelne Kind?
Ich glaube, dass die Blickrichtung im Grunde dieselbe ist. Wir haben alle alle Schüler*innen im Blick. Haben sie aber sonderpädagogischen Förderbedarf, dann haben sie ein Recht auf zusätzliche Förderung. Wie diese dann optimal laufen kann, ist unsere Profession. Ich (und ich nehme das bei vielen sonderpädagogischen Kolleg*innen genauso wahr) verstehe mich im aktuellen System teilweise auch als "Anwältin" für meine Förderkinder. Das beinhaltet auch, ihnen dieses Zusätzliche ggf. zu ermöglichen. In allen AOSF-Gesprächen wird immer betont, dass wir mit dem Status die Möglichkeit haben , noch intensiver und individueller zu fördern, als das ohne Förderbedarf (rechtlich) möglich wäre. In der Realität sitzen dann häufig Förderkinder einfach mit drin, wenn sie ruhig genug sind. Oder sie sitzen eben dauernd vor der Tür, wenn sie zu sehr nerven.
Wir sind da mit unserer Doppelbesetzung sehr gut dabei, nur geht das aus unserer Sicht an vielen Stellen zu Lasten der sonderpädagogischen Förderung. Aber mir ist bewusst, dass es an vielen, wenn nicht den meisten anderen Schulen, noch schwieriger ist, als bei uns.