Ich habe den Text lediglich überflogen - aber dennoch läuft gerade vor meinem inneren Auge "Herr der Fliegen" ab.
Grundsätzlich befürworte ich landwirtschaftliche, gartenbauliche, gemeinnützige, etc. Arbeit um die elementare Kompetenzen und das Bewusstsein für die Produktion dieser Konsumgüter und die Funktion unserer Gesellschaft Lernenden näher zu bringen. Ebenso das gemeinsame Lösen von Problemen.
Ich verstehe euren Ansatz, genauer eure Problemstellung (und frage mich, ob der Prof./Dozent mehr Zeit an der Schule verbracht hat, als das Referendariat). Sollt ihr tatsächlich etwas völlig ... ja was eigentlich? Unmögliches? Weltfremdes?... durchdenken? Geht es nicht um mögliche Kompetenzen für 2050? Darum welche eine gewisse Allgemeingültigkeit haben und wie ich diese, im System Schule, mit anderen Ansätzen fördern kann?
Die Formulierung "neues Konzept für Schule" umfasst nach meiner Vorstellung alle Schulen (so viele Inseln gibt es für neunte Klassen nicht). Grundsätzlich fällt mir auf, dass erstmal alle Begriffe genannt sind, mit denen man in bestimmten Kreisen Bullshit-Bingo spielen kann. Dann sucht ihr euch eine Gegend in der es immer hübsch warm ist, damit die angebauten Nahrungsmittel möglichst schnell wachsen (aber auch das wird Zeit kosten! Wohl mehr als ihr denkt). Dann sollen die Schüler ein wenig Raubbau an den heimischen Ressourcen treiben (wie kommen die an das dortige Fleisch? Jagen analog zum genannten Fischen? Das dürfte in den meisten Ländern der Welt illegal sein - und wie bereitet das auf das Leben 2050 vor?) bis die Agrarprodukte erntereif sind.
Ich verstehe nicht, warum ich eine Gruppe 9. Klässler auf eine Insel karren soll, die diese dann nach ihren Wünschen umbauen (gerade in den Tropen spitze: wenn man da etwas falsch macht dann hat man eine mittlere Katastrophe - gut, da lernen die Kids ja dann auch, dass sich ihr Verhalten für etwa 200 Jahre auswirken kann. Sehr schön finde ich die Idee mit dem Strandgut als Baumaterial (Müll, Holz, mehr Müll) zu bauen - das zumindest sieht man ja im Urlaub am Mittelmeer selten. Das erinnert mehr an ein Ferien- oder Erholungslager mit ein wenig Abenteuerspielplatz.
Ganz ehrlich: ich glaube ihr habt den Arbeitsauftrag falsch verstanden. Sprecht mit eurem Dozent oder einem WiMi und dann noch mal ans Reissbrett.
Insgesamt ist es spannend: die Schülerinnen und Schüler werden auf ein Leben in Polynesien vorbereitet - aber kennen anschliessend kaum unsere heimischen Pflanzen und Tiere. Warum? Womit ist das zu begründen? Oder wollt ihr, ergänzend zum Raubbau noch Neophyten und -zooen einbringen (ich weiß, dass es nur um ein Hirngespinst geht, aber die Idee soll ja auch umsetzbar sein, oder)? Das Ganze erinnert mich an ein Projekt aus der Zoopädagogik. Da hatten angehende Biolehrer ein Projekt für eine 9. zum Thema "Verhaltensbeobachtung" geplant. Vom Zoo aus wollten sie dann ein Expertengespräch vor der Durchführung haben. Als die ihre Idee (gruppenweise Beobachtung von Löwe, Tiger, Leopard und Gepard, ich meine 1/0 Sampling Verfahren im fünf Minutentakt über zwei Stunden) vorgestellt haben, fragte ich sie, ob sie ihre Schüler nicht leiden könnten. Auf die Frage "Warum?", antwortete ich nur, dass die meisten Großkatzen eine Gesamttagesaktivität von circa zwei bis vier Stunden haben. In der Zeit der Durchführung lag die Hauptaktivität bei "Schlafen".