Da ich mit einigen meiner Klassen sowieso thematisch ganz nah dran war, habe ich in den vergangenen Tagen das Thema Übergriffe in Köln zur Diskussion gestellt - mal das Thema Rollen, mal das Thema Asyl und Migration.
Ich habe mich darauf eingestellt, auch einiges aus rechter Ecke zu hören, und fühlte mich gewappnet.
Feststellen konnte ich:
- Die Jugendlichen haben Angst, die Mädchen mehr als die Jungs. Das diffuse (Täter können nicht festgesetzt werden, Tat kaum nachweisbar, Polizei hilflos) trägt nicht dazu bei, die Angst zu zerstreuen.
- Die Mädchen haben aber auch schon vorher Ansgt gehabt - sexuelle Gewalt ist bei uns an der Tagesordnung, Frauen im fortgeschrittenen Alter merken das nur nicht mehr.
- Viele haben sich durchaus kundig gemacht und haben versucht, sich politisch korrekt zu äußern, um nicht in die rechte Ecke gestellt zu werden. Diese Abwehrmechanismen habe ich auch hier in der Diskussion wahrgenommen und auch an mir selbst. Eigentlich finde ich es furchtbar, dass wir das tun meinen zu müssen.
- Ich bin mittlerweile überzeugt davon, dass rechtsstehende Parteien bei den nächsten Wahlen massiven Zulauf verzeichnen werden. Das Vertrauen in den "Starken" Staat ist im Moment angeknackst, wenn weitere Hiobsbotschaften dazukommen (Istanbul gestern, Morgen wird es xy sein), dann werden diese Dinge nicht so leicht vergessen. Steter Tropfen usw.
- Viele Schüler mit Migrationshintergrund wünschen sich einen starken Staat, wie sie das ausdrücken. Alle haben die Vorfälle verurteilt, viele meinten, wenn die Polizei nicht helfen könne, dann habe der Bürger das Recht auf Widerstand.Dazu tragen auch Bericht bei, dass z.B. eine Gruppe Zuhälter aus Hamburg einen Schlägertrupp gegen Kleinkriminelle Taschendiebe ausgeschickt hat, die ständig die prostituierten bestohlen haben sollen. nach der schlägeraktion soll angeblich Ruhe geherrscht haben. Ich habe dann versucht, den Unterschied zwischen Widerstand und Selbstjustiz zu erklären, habe nur Schulterzucken geerntet.
Für mich folgt daraus, dass es jetzt dringend notwendig ist, etwas zu tun, um
- den Respekt vor der Polizei wieder herzustellen. Für die Schüler ist es nicht begreiflich, warum in den Statuten steht, dass ein Polizist sich anspucken lassen muss und nicht reagieren darf. Sie wünschen sich keine Deeskalation und Gewaltfreiheit bis zum Letzten, sondern eine Exekutive, die sich wehren kann.
- zu verhindern, dass wir einen Rechtsruck erleben, wie schon viele europäische Nachbarn. Dazu scheint geboten, klar zwischen integrationswilligen Flüchtlingen und (klein)Kriminellen zu unterscheiden - für die Bürger sichtbar.
Liebe Meike, du meintest, viele Dinge hörten sich nur gut an, seien aber nicht machbar und es würde Zeit brauchen, um die dicken Bretter zu bohren. Und damit magst du recht haben.
Ich glaube aber nicht, dass wir viel Zeit haben.
ich glaube, dass Otto Normalbürger jetzt Änderungen sehen will. Und Änderungen gehen, das sieht man ja ganz deutlich an unseren Nachbarländern. Dass diese meist im Rahmen eines Rechtsrucks erfolgt sind, interessiert vielleicht dich und mich und noch ein paar andere, aber nicht allzu viele.
Ich bin gespannt auf die politischen Konzepte aus der Mitte und hoffe, sie kommen schnell und werden als wirksam wahrgenommen.
LG
Stille Mitleserin