Beiträge von Sommertraum

    Hm, ob ein Zusammenhang existiert zwischen dem Umstand, dass Bayern und Sachsen immer Bildungssieger sind und die Kinder dort jeweils noch etwas mehr tun müssen als Arbeitshefte auszufüllen? :flieh:

    Ich bin tatsächlich regelmäßig irritiert, wenn ich hier im Forum von dem (für mich) exzessiven Arbeiten in Arbeitsheften lese. Das kenne ich weder aus meinem Unterrichtsalltag, noch von Kollegen oder meinen Kindern. Ursache dafür kann jedoch auch sein, dass mir die AHs für meine Schulart in der Regel wenig zusagen.

    Mathe/ Deutsch ohne Arbeitsheft? Im ersten Schuljahr wohl eher nicht denkbar, da ist ja sogar das Mathebuch Verbrauchsmaterial.

    Ich kenne es hier aus Bayern nur so, dass Eltern alle Arbeitshefte selbst bezahlen müssen und entsprechend nur sehr wenige angeschafft werden. Deutsch und Mathe ohne Arbeitsheft ist hier durchaus üblich, auch in Klasse 1. Für das Mathebuch wurde bei meinen Kindern z. B. Folien angeschafft, die auf die Buchseite gelegt und beschrieben wurden (und daheim wieder gereinigt).

    Ich muss jetzt auch mal, mir steht's bis zum Hals. Ich hab zwei 6. Klassen in Geschichte und wer freiwillig ein Referat halten will, kann das tun (über die Olympischen Spiele, über die griechischen Götter usw.). Aber so übel hab ich das noch nicht erlebt. Da wird ohne Punkt und Komma einfach vorgelesen, über schwierige Wörter stolpert man, was sie bedeuten weiß man/frau nicht. Die Power Point Präsentation hat eine andere Reihenfolge als das, was vorgetragen wird. Und was mich richtig fassungslos macht:

    - letzte Woche wäre am Mittwoch Termin gewesen, durch die Warnung bzgl. Glatteis war dann Distanzunterricht und die Referate schoben sich auf die nächste Stunde ... heute. Heute steht ein Schüler vor mir "Ich bin nicht fertig geworden, wir haben heute ja auch noch Schulaufgabe" (seit vor den Weihnachtsferien sind das Thema, seit gleich nach den Weihnachtsferien der Termin klar - der wäre eben letzte Woche gewesen).

    - anderer Schüler, der heute hätte halten sollen (eigentlich auch schon letzte Woche), schickt mir gestern um 20.08 eine Nachricht über unser Schulportal, er bräuchte meine email-Adresse, damit er mir die Präsentation schicken kann, weil er selbst keinen USB-Stick findet (die Logik geht über ein paar Ecken ... aber nochmal: eigentlicher Termin war letzte Woche).

    Zum ersten Mal in meiner Laufbahn stehe ich kurz davor im ersten Jahr Geschichtsunterricht (6. Klasse) bei Referaten "ungenügend" zu vergeben. Ich werd zu alt für diese SchülerInnen, mein Verständnis ist aufgebraucht.

    Der andere wurde letzte Woche mal ausgefragt und hat eine Note bekommen, die nicht seinen Vorstellungen entsprach. Völlig entrüstet: "Ich hab doch nix Falsches gesagt." Stimmt ... aber auch bei weitem nicht alles, was richtig gewesen wäre ...

    Man könnte meinen, du beschreibst unsere Mittelschul-Referate bzw. das typische Verhalten vieler unserer Schüler!

    Wenn ich um 9:00 Uhr mit Migräne, die mich am Arbeiten hindert, aufwache, dann rufe ich um 9:05 Uhr an.

    Ein Traum, wenn man mit Migräne so lange schlafen kann. Bei mir ist da schon immer die Nacht die Hölle!

    Abgesehen davon hat an meiner Schulart der für den Vertretungsplan zuständige Konrektor 24 Stunden Unterrichtsverpflichtung und ist entsprechend den größten Teil des Vormittags im Unterricht. Für mich ist es selbstverständlich, dass er gerne bis 7 Uhr die Krankmeldungen hat um seinen Plan zu erstellen!

    ? Auf dem Papier oder generell? Ich habe bisher immer Klassenleitungen gehabt, in der Regel immer vier Jahre, dann gab es sofort eine neue erste Klasse. An meinen Schulen gab es keine Abordnungen von Vollzeit-Klassenlehrern.

    Nach deinem Zitat hätte ich in Bayern - sagen wir mal innerhalb der letzten 3 Jahrzehnte - auf jeden Fall mindestens zwei Jahre an einer anderen Schule eine Vertretungsstelle ausfüllen müssen? Wie wird so etwas denn organisiert?

    Du bist in dieser Zeit nicht fest an einer anderen Schule, sondern wirst vom Schulamt hingeschickt, wo in deinem Landkreis gerade jemand gebraucht wird. Das kann für 1 oder 2 Tage, mehrere Wochen oder auch länger sein. Auf deine Ausbildung wird wenig Rücksicht genommen, sodass du als GS-Lehrer auch in einer 9. oder 10. Klasse vertreten musst bzw. als MS-Lehrer in einer 1. oder 2. Klasse.

    Solltest du keinen Einsatz haben, hilfst du an deiner Stammschule aus.

    Blöde Frage, aber müsst ihr das machen?

    Ich meine nicht das mit der Mobilen Reserve, man wird ja wissen, ob man das machen möchte oder nicht, und wenn das jemand möchte, ist das auch völlig ok, ich stelle mir das auch noch spannend vor. Aber Klassenleitung übernehmen, wenn man nur so wenig Stunden hat und Material liefern für Quereinsteigende und Studenten?

    Ja. Auch Mobile Reserve macht man nicht freiwillig, die muss jeder im Laufe seiner Dienstzeit minimum 2 Jahre machen, wenn es dumm läuft auch länger. Gilt jedoch nur für GS- und MS-Lehrer

    Wie so oft ist dieser Faden mal wieder ein Beispiel dafür, wie sehr die Belastungen der Lehrkräfte von den SL abhängen. Ich werde nie verstehen, warum SL nicht als Ziel haben, ihren Lehrkräften gute Arbeitsbedingungen zu ermöglichen, damit diese ihr Hauptgeschäft - das Unterrichten - möglichst gut meistern können. Das dadurch entstehende gute Arbeitsklima würde sich positiv auf das ganze Schulleben auswirken. Wozu ständig unnötige und überflüssig Zeit fressende Konferenzen, DBs, Fortbildungen, Druck, kein Entgegenkommen bei berechtigten Anfragen, ...

    Eine Möglichkeit wäre, dass du zu diesem Semester gleich ein 2. nicht vertieftes Fach zu studieren beginnst, dann würdest du weniger Zeit verlieren, falls du doch zu RS wechseln willst. Parallel versuchst, ein Praktikum an der RS zu machen.

    Beispiel bei mir, der Schulleitung ist bewusst, dass ich sobald sie meine Stunden auf mehr als 3 Tage verteilt weg bin, das geht verbeamtet nicht mehr so einfach und da kann es mir dann passieren, dass sie die auf vier Tage ververteilt.

    Ich würde mir wünschen, dass sich Schulleitungen nicht von einzelnen Kollegen erpressen lassen würden! Die Folgen müssen nämlich immer diejenigen ausbaden, die weniger aggressiv auftreten!

    Sehe ich nicht so. Ein deutlich artikuliertes "Nein" kann vielen der von dir beschriebenen Aufgaben ganz schnell ein Ende setzen.

    Solange die SL immer einen "Dummen" findet, der es doch macht, wird halt immer wieder etwas oben drauf gepackt.

    Ich bin lange genug im Dienst, sodass ich das "Nein-Sagen" tatsächlich schon gut gelernt habe. Meine Erfahrung sagt aber leider auch, dass die SL INMER einen Dummen findet. Viele Aufgaben kann ich also ablehnen, die Folgen der 1463 Ideen und Projekte muss ich trotzdem ausbaden, treffen sie doch häufig die komplette Schulfamilie.

    Das Hauptproblem liegt aber auch an der hohen Aufgabendichte meiner Schulart generell (v.a. für Klassleiter) als auch an dem extremen Lehrermangel. Nur noch mit externen Kräften mit zum Teil zweifelhafter Qualifikation kann überhaupt unser Unterricht mehr schlecht als recht aufrecht erhalten werden und immer weniger grundständig ausgebildete Lehrkräfte müssen immer mehr an Aufgaben bewältigen. Statt dass dem Schulamt rückgemeldet wird, dass nichts mehr geht, nimmt die SL auch den nächsten überflüssigen Auftrag an und delegiert ihn weiter.

    Was spricht dagegen, dass Leute in Beförderungspositionen ihre Aufgaben, die sie selbst nicht mehr schaffen, canceln statt weiterreichen? Inzwischen gibt es so viele Aufgaben, Aktionen und Projekte, dass nicht nur unser Kerngeschäft - Unterricht und Bildung - darunter leidet, sondern auch viele Lehrer schön langsam am Ende ihrer Belastbarkeit angekommen sind. Eine Reduktion der Aufgabenflut wäre dringend erforderlich und kann nur von Führungskräften umgesetzt werden!

    Angesichts der Tatsache, dass man in Bayern 2,5 Unterrichtsstunden pro Woche am Gymnasium weniger arbeiten muss als in NRW bei sog. "wissenschaftlichen Fächern", hätte die Kultusbürokratie von mir in den letzten Jahren einiges an Stoffverteilungsplänen etc. verlangen können. Das wäre für meine Work-Life-Balance ein Gewinn gewesen.

    Am Gy mussten diese Unterlagen nicht angefertigt werden, nur an GS und MS bei 4 Stunden (MS) bzw. 5 Stunden (GS) höherem Deputat als Gy.

    Am wichtigsten finde ich, dass man gelassen an den Job rangeht. Als MR ist man der Retter in der Not und nicht der, der den Unterricht voranbringen muss. Anruf um 7.45, dass man möglichst schnell an der 40km entfernten Schule sein soll? Mach dich in Ruhe auf den Weg, vor der 1. Pause wirst du sowieso nicht mehr vertreten. Vielleicht hast du aber auch Glück und dein Schulamt plant so vorausschauend wie bei Zauberwald . Mein Schulamt bringt das leider nicht auf die Reihe und so hatte ich zahlreiche spontane Einsätze, länger als 1x3 Wochen war ich nie in einer Klasse.

    Vergiss außerdem nicht, dass du nicht nur in der GS, sondern auch der MS eingesetzt werden kannst. Von Klasse 1-10 ist alles möglich, egal was das Schulamt vorher verspricht.

    Ach ja - Google Maps o.ä. sind in der mobilen Zeit Gold wert!

Werbung