Beiträge von Moebius

    Bei Bundesbeamten summieren sich die Abschlüsse auf ca. 12% im gehobenen Dienst und 10% im höheren, da wird es auf Landesebene sicher nicht zu 1,5% kommen, ich würde mit Abschlüssen knapp unter dieser Marke rechnen.

    Die Länder sind im übrigen auch nicht "klamm", die Steuereinnahmen der Länder sind auf einem Allzeithoch, was nicht zuletzt daran liegt, dass die durch die kalte Progression einen Großteil der Lohnerhöhungen abschöpfen. Eine Anpassung der Steuersätze wäre ebenfalls mehr als überfällig.

    Die Länder werden sich nicht vollständig vom Abschluss für Bund und Kommunen abkoppeln können, man kann gleiche Besoldungsgruppen bei unterschiedlichen Dienstherren nicht endlos weit auseinander laufen lassen. Aber die Tatsache, dass die Inflation doch deutlich zurück kommt, wird sicher nicht hilfreich im Bestreben sein, einen ähnlichen Abschluss für die Länder zu erzielen.

    Ich halte eine umfangreiche fachliche Ausbildung für sinnvoll und wichtig, aber letztlich kann man natürlich darüber diskutieren, welche Inhalte in welcher Tiefe im Studium gelehrt werden sollten. Mich stört an der Kritik am Studium viel mehr, bei der Kritik an Inhalten oft mitschwingt, das Studium sollte noch leichter sein, als es bereits ist. Und das sollte es definitiv nicht. Ich bleibe dabei, dass ein wesentliches Problem beim Berufseinstieg ist, dass viele Anfänger vorher nie gelernt haben, in einer Drucksituation - die der Beruf nun mal mit sich bringt - fokussiert zu arbeiten und sich und seine Aufgaben zu strukturieren.

    Man könnte von Studenten auch an zufällig ausgewählten Zeitpunkten im Studium verlangen innerhalb von drei Tagen eine 30seitige Ausarbeitung über französisches Gebäck zu schreiben und obwohl die thematischen Berührpunkte zum späteren Lehrerberuf überschaubar sind, hätte das Ergebnis unter Garantie eine Aussagekraft über die spätere Eignung für den Beruf. Diejenigen, die sich hin setzen, recherchieren und nach drei Tagen was brauchbares abliefern, werden vermutlich auch später in der Lage sein einen Stapel Abiturklausuren zu korrigieren, wären sie nebenbei noch ganz normal unterrichten. Und diejenigen, die keine brauchbare Ausarbeitung zu Stande bringen werden, sondern erst mal 2 der 3 Tage über die Ungerechtigkeit der Aufgabe jammern, weil sie sich eigentlich viel mehr für lateinamerikanische Nachtische als für französisches Gebäck interessieren, werden vermutlich diejenigen sein, die sich regelmäßig krank melden, wenn das Abitur ansteht.

    Der Praxisteil der Ausbildung an den Universitäten wird in vielen Fachbereichen auch so betreut, das die Bezeichnung "stiefmütterlich" noch geschmeichelt wäre (obwohl dort Personen Betreuungsstunden dafür enthalten, im Gegensatz zu den betreuenden Lehrern in der Schule).

    Mein letzter Praktikant war zumindest interessiert und zuverlässig, die vorletzte hat mich am Anfang des Praktikums gefragt, ob sie mich begleiten kann und nach der Zusage 4 Wochen kein einziges Wort mehr mit mir gewechselt. Sie stand mit den Schülern zum Stundenbeginn am Klassenraum, hat sich in die letzte Reihe gesetzt und ist mit dem Klingel als erste vor allen Schülern aus dem Raum. An der Uni hat das niemanden interessiert. Davor hatten wir ein Pärchen, bei denen wir mit juristischen Schritten drohen mussten, weil die geliehene Bücher für 200 € einfach behalten und nicht mehr auf Mails reagiert haben.

    Das Problem der meisten "Satire-Videos" ist kein juristisches, sondern dass sie niemand außer dem Ersteller lustig findet.

    Und das liegt meistens daran, dass die eigentliche Intention nicht darin besteht, Menschen zu unterhalten, sondern irgendwelche persönlichen Dinge auf zu arbeiten und mit irgendwelchen Personen oder Dingen ab zu rechnen. Den Pfad scheinst du mir auch eingeschlagen zu haben.

    PS: Wäre vielleicht auch etwas für unseren Neuzugang mit dem komischen Namen, der scheint mir da auch Bedarf zu haben.

    Die 10% sind Menschen, die teilweise 5 Jahre oder länger studiert haben, aber noch einmal komplett neu mit etwas anfangen müssen, weil die beruflichen Chancen alleine mit einem Lehramtsmaster und/oder einem 1. Staatsexamen begrenzt sind. So ein Zusammenhang ist mir in dem Ausmaß bei keinem anderen Beruf bekannt.

    In der verlinkten Studie geht es bei der genannten Zahl um Abbrüche im Bachelor. Es wäre auch erläuterungsbedürftig, wie diese Zahl methodisch ermittelt worden ist (wen es interessiert: https://www.dzhw.eu/pdf/pub_brief/dzhw_brief_05_2022.pdf). Aber mir ging es letztlich nur um die grundsätzliche Aussage, dass das Lehramtsstudium in vergleich zum jeweiligen Fachstudium - natürlich - einfacher ist, dass dieses in einigen Universitäten / Fachbereichen aber zum Teil so weit geht, dass Leute einfach durchgewinkt werden. Und dann sitzen ungeeignete Kandidaten im Seminar für die das auch völlig unverständlich ist, dass das Leben nicht so weiter geht.

    Ok, und bevor du dich darüber auch noch aufregst: mir ist auch bewusst, dass man keine Lehre als Baumschubser machen oder Pokemon studieren kann (obwohl das immer noch nützlicher wäre als Gender Studys oder Religion).

    Ich versuchte lediglich mit sprachlichen Mitteln ein Bild zu malen, aber du bist wohl farbenblind für Metaphern.

    Welche von diesen Lehramtsstudienabschlüssen soll man denn hinterhergeschmissen bekommen?

    Ich bin grundsätzlich höflich und respektvoll, darum antworte ich darauf nicht. Ich will niemandes Gefühle verletzen.

    *hust* *germanistik* *hust*

    Alle "Lehramtsstudiengänge" in einen Topf zu packen. ist schon sehr undifferenziert.

    Und wenn man bei einer undifferenzierten Betrachtung über alle Fächer eine Abbrecherquote von 10% raus kommt, ist klar, dass auf jedes Fach, bei dem diese höher ist, ein anderes kommen muss, bei dem sie noch niedriger ist. Genau das war meine Aussage.

    Natürlich sind nicht alle Lehrämter unqualifiziert, ich selbst bin ja das beste Beispiel für das absolute Gegenteil, einzelne andere in diesem Forum auch.

    Aber wir erleben doch oft genug hier auch Kandidaten, die in ihrem ersten Beitrag auflaufen mit "Hallo, ich bin in meiner Baumschubser-Lehre leidere durchgefallen, hab aber 3 Semester Pokemon studiert und habe mir überlegt jetzt Lehrer zu werden, wo kriege ich denn das höchste Gehalt?" und seien wir mal ehrlich - von denen landen einige anschließen tatsächlich in irgendeinem Studienseminar.

    Steile These. Dafür gibt es aber viele Studienabbrecher:innen.

    Sie ist wesentlich weniger steil, wenn man sich anschaut, wo die Quote der Studienabbrecher am höchsten ist (Spoiler: Mathematik mit +50%) und wo am niedrigsten (Lehramt, 10%, besonders bemerkenswert, weil dort viele landen, nachdem sie ein Fachstudium abgebrochen haben).

    https://www.spiegel.de/panorama/bildu…3b-47a175ed697c

    (Je nach Quelle findet man auch unterschiedliche Zahlen, die Tendenz ist aber überall die gleiche.)

    Spruch zum Sontag:

    Man kann auch mal überlegen, ob der "psychische Druck" im Referendariat nicht einfach in vielen Fällen der bis dahin völlig unbekannte Druck ist, eine gewisse Leistung zu erbringen.

    In der Schule ist Leistungsdruck weitgehend negativ besetzt, im Studium kann man sich in vielen Fachrichtungen selbst mit Vorsatz praktisch nicht so dumm anstellen, dass man nicht erfolgreich abschließt. Die Alternative zur Schlagzeile "Psychischer Druck im Referendariat" wären möglicherweise die Schlagzeile "Schüler leiden unter immer mehr ungeeigneten Lehrern".

    Gering qualifiziert ist eine Frage der Betrachtungsweise. Mit einer deutschen Ausbildung in vielen Handwerksbereichen (Installateur, Elektro, Fliesenleger) hat man in den USA sehr gute Karten. Allerdings braucht man ein Investorenvisum und muss dort eine Firma gründen.

    Nur um das klar zu stellen:

    Ich fühle mich nicht ausgebeutet, den Sozialstaat halte ich für richtig und die Steuerlast insgesamt ist für mich auch erträglich, auch wenn ich nicht alles gut finde. Ich bin mir aber bewusst, dass sie hoch ist und dass man verantwortungsvoll und selbstkritisch damit umgehen soll, wenn man fordert noch mehr Geld auszugeben und bestimmte Leute noch höher zu besteuern.

    Das "dann erhöhen wir halt Erbschafts- und Vermögenssteuer und besteuern die Reichen", das hier bei einigen durchscheint, ist mir schlicht zu platt und für mich die links-progressive Variante einer Stammtischparole.

    Die Hotelkette wird als ein Haus betrachtet (hängt ja zusammen) und ich bin sicher, wir finden eine Regelung, dass Besitz im Ausland nicht berücksichtigt wird.
    Yacht ist ein Gegenstand, kein Problem.
    Gestüt auch nicht: dient der Landwirtschaft. Oder dem Leistungssport. Oder der Freizeit. Oder der tiergestützten Therapiearbeit. Such was aus, wir kriegen es schon hin, dass du keine Steuer bezahlst ;)

    Diese Klientel hat bereits jetzt reichlich Möglichkeiten Steuern zu sparen.

    Das Problem (und die Wurzel des Unmuts vieler) liegt darin, dass wir immer wieder Diskussionen unter "Reiche sollten mehr Steuern zahlen" führen an deren Ende dann Menschen belastet werden, die sich selber (auch objektiv nachvollziehbar) absolut nicht als reich empfinden. Zur Erinnerung: der Spitzensteuersatz wird aktuell ab 62 000 € fällig, das ist bei mir der Fall (und bei den vielen anderen nicht verheirateten hier auch) und mein Auto ist 10 Jahre alt und ich wohne auf 80 qm und in keiner Villa.

    Irgendwann glauben es die Betroffenen halt nicht mehr, wenn man zum x-ten mal anfängt mit "Dieses mal aber wirklich nur die Reichen...".

    Kaum jemand erbt 500 000 €, die meisten Erben eine Immobilie, die der Familie schon ewig gehört und die auf dem Papier jetzt auf einmal 500k wert ist, weil die Preise für Immobilien in den letzten Jahren so gestiegen sind.

    Im übrigen finde ich es auch nicht unproblematisch, mit welcher Selbstverständlichkeit in der Diskussion manchmal so getan wird, vererbtes Geld sei eigentlich Allgemeingut. Vererbtes Vermögen gehört zunächst mal dem Erblasser, der hat dafür in der Regel gearbeitet und das bereits in Deutschland hoch versteuert. Was er dann mit seinem Erbe machen möchte ist zunächst mal seine Sache, der Staat hat keinen moralischen Anspruch darauf.

    Die USA sind immer ein paar Jahre weiter als wir.

    Der politische Populismus, der dort noch weiter verbreitet ist, als bei uns, hat seine Wurzeln auch in der Ausdünnung der gesellschaftlichen Mittelschicht. Es ist ein Problem, wenn es für normal arbeitende Menschen nicht nur nicht möglich ist, eine Immobilie zu erwerben, sondern nicht mal möglich ist, ein Immobilie, die bereits im Familienbesitz ist, zu halten.

    (In den USA ist dabei weniger die Erbschaftssteuer das Problem sondern eher die Grundsteuer.)

    Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer in den Raum werfen um Finanzprobleme des Staates zu lösen ist in bestimmten Kreisen eine beliebte Lösung. Dass es in der Praxis nicht so einfach ist, hat die Vergangenheit aber auch schon gezeigt, der letzte Versuch einer Vermögensteuer ist vorm Verfassungsgericht gescheitert, andere Lösungen wurden damals verworfen, weil verfassungskonforme Lösungen kaum einen Ertrag liefern würden, der den Aufwand decken würde. (Genauer gesagt existiert die Vermögenssteuer sogar noch, die Ergebung ist nur ausgesetzt.)

    Mir persönlich würde eine Gleichbehandlung aller Einkommensformen immer noch sinniger erscheinen.

    Aber: Grundsätzlich ist die Steuerlast in Deutschland sehr hoch, auch und besonders für Gutverdiener. Und Deutschland hat bereits den teuersten Sozialstaat der Welt und vieles von dem, was in den letzten Jahrzehnten verteilt worden ist, war Klientelpolitik und nicht objektiven Notwendigkeiten geschuldet (siehe diverse neue Renten der letzten Bundesregierung, die mit dem Kampf gegen Altersarmut begründet wurden, faktisch aber überwiegend bereits gut situierten Rentner zu gute kommen).

    Ich persönlich bin nicht völlig unzufrieden mit der aktuellen Regierung. Im Ukraine-Krieg halte ich den Kurs für im wesentlichen richtig, beim "Heizungsgesetz" lag der Fehler nicht im inhaltlichen, sondern darin, dass eine zu frühe Version eines sehr schwierigen Gesetzes schon in die Öffentlichkeit gelangt ist.

    Für jeden, der sich auf der einen Seite beschwert, die FDP würde den Klimaschutz ausbremsen, steht auf der anderen Seite jemand, der sich beschwert, die Grünen würden die Wirtschaft ruinieren. In den Kreisen hier (überdurchschnittliches Bildungsniveau, gutes Einkommen durch eine Beschäftigung beim Staat) sind die Vertreter der ersten Variante (also eher grün-affin) relativ breit vertreten, die schimpfen dann gerne auf die FDP. Das verstellt aber schnell den Blick darauf, dass einige Dinge aktuell einfach wirklich schwer zu lösen sind. Das Heizungsgesetz sorgt nicht für Diskussionen, weil der Klimaschutz nicht entschieden genug angegangen wird, sondern weil es sehr weitreichende und teure - aber gleichzeitig notwendige - Eingriffe vorsieht. Ein noch entschiedenerer Klimaschutz wird auf noch mehr Widerstand treffen, egal wie man es kommuniziert.

    Auch bei anderen Themen, wie dem 49€-Ticket, wurde lange von außen über jede Position geschimpft aber das Ergebnis ist eigentlich ein realistischer Kompromiss zwischen Machbarkeit und Finanzierbarkeit.

    Leider ist das Fazit daraus trotzdem nicht erfreulich: es wird auch weiter in den kommenden Jahren wenig Geschenke zu verteilen geben, stattdessen leider eher Zumutungen. Wer auch immer Reagiert, wird dafür Prügel einstecken und es bleibt leider eine gute Ausgangslage für blaue Schreihälse, die überhaupt keine Probleme lösen.

    Das übliche stille-Post spiel. Irgendjemand schreibt davon, er habe etwas gelesen, wo davon berichtet wird, was anonyme Quellen angeblich gehört haben und schon wird wieder darüber diskutiert, als wäre es gesicherte Realität.

    Auch in meiner Ausbildung gab es einzelne kritikwürdige Personen und Punkte, aber an der waren auch 10-20 Personen beteiligt, statistisch ist das zu erwarten.

    Wenn allerdings jemand davon berichtet, dass all diese 10-20 Personen eine Katastrophe bis zur Überschreitung der Grenze zu strafbaren Handlungen waren (sind aber natürlich alle immer damit durch gekommen...) dann ist mathematisch gesehen die Wahrscheinlichkeit sehr viel größer, dass nicht alle anderen sondern er selber das Problem ist.

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