Beiträge von Moebius

    Auch wenn ich mit meinem Auto - aus Versehen - jemanden überfahre, der dann tot ist, bin ich natürlich schuldig, ganz klar.

    Die betroffenen Kolleginnen haben hier aber nicht einfach "nur" aus versehen (eher: schuldlos) jemanden überfahren, sondern waren betrunken, zu schnell oder irgendwie anders fahrlässig unterwegs, um in dem Bild zu bleiben, sonst wäre es kein schuldhaftes Versäumnis gewesen für das die beiden verurteilt worden sind.

    Hast du das gleiche Mitgefühl auch mit einem alkoholisierten Autofahrer, der bei einem Unfall den Tod eines Kindes verschuldet?

    Unabhängig von der Schuldfrage und der juristischen Beurteilung: Was ich mich frage, ist, wie es den beiden Lehrerinnen jetzt geht? Kommen sie mit dem Erlebten klar? Geben sie sich vielleicht moralisch doch die Schuld? Sind sie arbeitsfähig?

    Mal abgesehen davon, dass das alles oben schon beantwortet wird, ist das wieder mal so ein Punkt, bei dem ich es sehr schwierig finde, wenn in einem öffentlichen Forum das Mitgefühl primär für die Täter ausgedrückt wird und nicht für das tote Kind und seine Eltern.

    Auch das nicht zum ersten Mal: jeder der hier schreibt, sollte sich bewusst machen, dass wir hier nicht unter befreundeten KuK in einem Lehrerzimmer sitzen sondern im öffentlichen Raum in einem Thread, der neben der den angemeldeten Usern auch von tauenden Gästen gelesen wird, von denen die meisten Eltern sein dürften, die bei der Suche nach irgendwelchen Schulthemen hier zufällig gelandet sind.

    Man stelle mal vor, eine Lehrkraft wird auf einem Elternabend auf den Vorfall angesprochen und antwortet den 30 anwesenden Eltern mit "Ja, davon habe ich gehört, muss wirklich schrecklich für die beiden Kolleginnen sein." Die Reaktion der Eltern dürfte wohl irgendwo zwischen entsetzen Schweigen und dem in Frage stellen der beruflichen Eignung der Lehrkraft liegen. Genau diese Reaktion provozieren solche Beiträge bei 1000 stillen Mitlesern und da niemand von denen den Schreiber in Persona vor sich hat, schadet so etwas letztlich dem gesamten Ansehen unseres Berufsstandes.

    Anwälte nehmen alles an, was zugunsten ihrer Mandanten ist, so lange nicht das Gegenteil erwiesen ist. So arbeiten Anwälte (und das meine ich nicht negativ, es ist deren Job die Interessen ihrer Mandanten zu vertreten).

    Ich persönlich komme für mich zu dem Ergebnis, dass die Fakten, die bekannt sind, mir genügen um zu dem Ergebnis zu kommen, dass die beiden Kolleginnen sich falsch verhalten haben und zurecht verurteilt worden sind. Ich will nicht ausschließen, dass sich diese Einschätzung noch mal ändern kann, wir sind noch nicht so weit wie in dem Fall der in England verstorbenen Schülern. Ich habe auch kein Problem damit, dass sich jemand noch kein Urteil erlauben möchte. Ich habe aber ein Problem damit, wenn sich einzelne bereits direkt am Anfang und ganz ohne jede Information reflexartig hinter die Angeklagten stellen, und daraus eine "wir Lehrerkräfte gegen den Rest der Welt"-Nummer machen.

    (Auch im Falle der in England verstorbenen Schülern glänzen diejenigen, die sich sofort hinter die beiden gestellt haben, jetzt mit dem Ignorieren des Themas.)

    Das Thema ist bereits durch.

    Die Rückruf startete am 11. März.

    An insgesamt 460 (- nicht 151, wie oben von mir irrtümlich behauptet) der 46000 Fahrzeuge mussen Verbesserungen vorgenommen werden.

    Vorab hatten sich insgesamt 151 Kunden mit dem Problem gemeldet, was der Anlass für den Rückruf war.

    In der Berichterstattung ist immer noch von 46 000 die Rede und der Rückruf ist meines Wissens noch gar nicht gestartet, er wurde erst (am 19.3., glaube ich) angeordnet. Wie Tesla das Problem lösen will, ist noch gar nicht bekannt, und das wird auch nicht so einfach, weil man nicht einfach neuen Kleber auf die alten Teile machen kann ohne sie vorher zu säubern.

    Der aktuelle Rückruf betrifft eine beeindruckende Anzahl von 46.096 Cybertrucks der Modelljahre 2024 und 2025, die zwischen November 2023 und Februar 2025 produziert wurden. Dies umfasst praktisch alle Cybertrucks, die bisher auf amerikanischen Straßen unterwegs sind, und unterstreicht die Schwere des Problems.

    Falls sich daran aktuell etwas geändert hat, wäre eine Quelle interessant.

    Sonst gehe ich davon aus, dass du dich auf einen älteren Vorgang beziehst, das ist nämlich bereits der 8. Rückruf der Cybertrucks in gut 2 Jahren.

    (In 2024 war Tesla für 21% der Rückrufe in de USA verantwortlich, bei einem Marktanteil im mittleren einstelligen Bereich.)

    Fake-Narrative vielleicht besser denen Rechtsaußen überlassen.

    Es handelt sich um ein sehr selten auftretendes Problem (151 von 45000 Auslieferungen, die untersucht wurden), das ursächlich auf eine kurze Produktionsphase begrenzt war, und auch nichts mit Regen als Auslöser zu tun hatte.

    Tesla hat gerade die Anordnung für einen Rückruf 46 000 Cybertrucks bekommen, also fast die gesamte Produktion, weil bei einem Seitenteil ein falscher Klebstoff verwendet wurde, der durch Umwelteinflüsse porös werden kann, wodurch sich das Teil löst. Das ist jetzt keine Kleinigkeit.

    Der mögliche Totalschaden bei sehr starken Regen hat damit tatsächlich nichts zu tun, das war ein älteres Problem bei einem anderen Modell. Aber man bedient jetzt sicher kein Fake-Narrativ, wenn man darauf hinweist, dass Tesla wiederholt Qualitätsprobleme in der Produktion hat. Das hatten andere Hersteller in der Vergangenheit auch schon, bei Tesla scheint mir das aber systembedingt, da die ganze Personalpolitik in der Produktion so angelegt ist, dass es zu wesentlich mehr Fluktuation und Wechsel als bei anderen Herstellern kommt.

    Es liest sich furchtbar. Wieso ist den ganzen Freitag keine Lehrerin im Zimmer gewesen, um nach dem Kind zu gucken?

    Edit: an die Lehrkräfte der Sekundarstufe: würdet ihr nicht in jedem Falle jeden SuS jeden Tag sehen? Selbst gesunden Jugendlichen sagt man doch zumindest gute Nacht und schaut, ob Alkohol konsumiert wird usw., oder?

    Ich habe es in dem anderen Thread schon mal geschrieben:

    Meiner Meinung nach haben die beiden Kolleginnen die viel schwerwiegenderen Fehler vor Ort gemacht (der Sachverhalt ist wirklich ausführlich beschrieben und das Verhalten der beiden Lehrkräfte ist für mich wirklich jenseits von allem, was ich auch nur im Ansatz nachvollziehen kann).

    Das Gericht hat die Angeklagten in meinen Augen nur deshalb mit Begründung durch das fehlende Formular verteilt, weil man damit einen scheinbar objektiven Grund hatte, dass Thema schnell mit einem nicht all zu schwerwiegenden Strafmaß vom Tisch zu kriegen, so dass man sich eine langwierigere Auseinandersetzung mit den Geschehnissen vor Ort sparen konnte. Das ist in meinen Augen ein Fehler, hier hätte man sich die Mühe machen müssen diese Dinge juristisch aufzuarbeiten, eben weil der Fall so eine Grundsatzbedeutung hat. Das hätte für die beiden betroffenen möglicherweise ein höheres Strafmaß bedeutet, hätte aber verhindert, dass bei tausenden anderen Lehrkräften der Eindruck entsteht "Ich übersehe ein einziges Formular bei einer Schülerin und stehe sofort mit einem Bein im Gefängnis".

    Die verschiedenen Bundesländer haben die "Information der Eltern bei volljährigen SuS"-Paragraphen nach dem tödlichen Amoklauf eines seit kurzem volljährigen Schülers nach einem Scheitern des schulischen Werdegangs mit einer Waffe des Vaters eingeführt. Diese Vorgänge haben schon ihre Berechtigung, nicht umsonst nimmt man bei 18-21 in den meisten Fällen auch Jugendstrafrecht an, wenn Straftaten begangen werden. Man ist nicht bis 18 ein unmündiges Kind um dann an seinem Geburtstag schlagartig verantwortungsbewusst und selbständig zu werden, gerade die problematischen Fälle sind von der nötigen Reife oft noch ein Stück entfernt.

    Nur sollte der Gedanke bei der Einbeziehung des Elternhauses immer sein, dass dies beim Lösen von Problemen helfen sollte, die Probleme sollten sich dadurch nicht verschlimmern.

    Unabhängig von solchen Fällen ist die Überlegung "Ich werde doch sowieso belogen" keine Rechtfertigung dafür, seine Arbeit weniger sorgfältig zu machen, im Gegenteil, vor Gericht wird man in so einem Fall belegen müssen, dass man besonders sorgfältig gearbeitet hat, weil einem die Gefahr ja bekannt war.

    Jeder kann mal einen kurzen Moment geistiger Umnachtung haben, der zu einem Beurteilungsfehler führt. Bis hierhin ist noch kein größerer Schaden eingetreten. Ein dauerhafter Schaden entsteht, wenn man eine Fehleinschätzung nicht einsieht oder meint man müsse das jetzt mit aller Gewalt durchdrücken um "das Gesicht nicht zu verlieren", das wäre für mich dann ein klares Zeichen für die fehlende Eignung des Kandidaten.

    Niemand kann ernsthaft erwarten, dass KuK, die im gerechtfertigten Vertrauen auf eine bisher gültige Regelung Urlaub gebucht haben, den jetzt einfach sausen lassen oder Kosten im vierstelligen Bereich selber tragen. Das Ergebnis auf "Augen zu und durch" wird sein dass sich ein Drittel der KuK krank melden und der Rest an dem Tag dort mit dem offenen Messer in der Tasche die Zeit absitzt und das Ziel der zu erarbeitenden Dinge schlimmstenfalls aktiv sabotiert.

    passt jetzt nicht ganz dazu, aber:

    bei mir haben jetzt die elternvertreter für einen freitag nachmittags ein frühlingsfest in der schule organisiert, ohne mich vorher zu fragen, und mich eingeladen. finde ich jetzt auch nicht so geil, da ich freitags nach der schule immer wie tot bin und erstmal nur die wand anstarre bzw. auch abends freunde treffen will. aber nicht aufzukreuzen macht einen schlechten eindruck und fällt unnötig auf..

    "Hallo liebe Elternvertreter,

    vielen Dank für die Einladung. Ich komme gerne vorbei, habe allerdings im Anschluss noch einen privaten Termin, ich bitte daher um Verständnis, dass ich mich nach einer Stunde verabschieden muss."

    Ich bin bei solchen von Eltern organisierten Veranstaltungen grundsätzlich nicht durchgängig dabei, und ich bin dabei auch nicht privat, trinke keine Alkohol und erzähle keine Schänke aus dem Lehrerzimmer. Das sind für mich manchmal nette aber immer dienstliche Veranstaltungen.

    Nebenbei gesagt:

    die genannten Themen gemeinsam in einer achtstündigen Dienstbesprechung (wohl eher "Arbeitstagung") mit dem gesamten Teilkollegium zu erarbeiten ist die absolute Pest und der Gipfel an Ineffizienz.

    Man macht eine Dienstbesprechung, auf der man sich auf die Grundsätze einigt und die Inhalte aufteilt, die notwendigen Konzepte werden dann in Arbeitsgruppen von 2-3 Personen ausgearbeitet und auch der nächsten Konferenz kurz durchgegangenen beschlossen.

    So etwas passiert, wenn man das Kiffen legalisiert.

    Mal abgesehen davon, dass die Entscheidung in jeder Ebene völlig idiotisch für einen Bildungsgangleiter ist, der auch in Zukunft noch vernünftig mit seinem Personal zusammenarbeiten möchte, ist es rechtlich wirklich kompliziert, weil der Samstag tatsächlich formal ein Werktag ist.

    Ich würde an die Schulleitung herantreten und folgendermaßen argumentieren:

    Es gibt keine Pflicht, sich Samstage generell frei zu halten, Termine an diesen Tagen müssen so langfristig kommuniziert werden, dass dem Beschäftigten dadurch keine Nachteile entstehen. Bisher gab es solche Termine an der Schule nicht, daher habe ich im Vertrauen auf die bisherige Regelung einen Urlaub gebucht. Wenn die Anweisung bestehen bleibt, verschiebe ich die Abreise. Dadurch entstehen Zusatzkosten von 2000 €, die ich dann von der Dienststelle zurückfordern werde, notfalls auch vor Gericht.

    (Das ganze sollte dann ein Kollege machen, der Tatsächlich an diesem Tag abreisen will, ab besten gleich mehrere.)

    Ich kann wirklich nicht sagen, wie die Sache vor Gericht ausgehen würde, einen Erfolg halte ich aber für durchaus möglich. Zu dieser Erkenntnis wird vermutlich auch spätestens die übergeordnete Behörde kommen und den Bildungsgangleiter auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

Werbung