Ich versuche den Blick der SuS für folgendes zu schärfen:
Was sagt ein Abitur eigentlich aus?
Ein bisschen Allgemeinbildung, na klar, aber durch die Wahlmöglichkeiten und das föderale System ist die Schnittmenge an Standards für alle Abiturienten relativ klein. Das Abitur ist also vorrangig kein Nachweis einer bestimmten Mindest-Kompetenz, wie ein genormtes Sprachzertifikat oder ein Führerschein.
Viel mehr bedeutet ein Abitur allerdings, sich mindestens 12 Jahre ca. 8 Stunden pro Werktag mit etwas beschäftigen zu können, was einen in den meisten Fällen nicht interessiert und dabei die absoluten Mindestanforderungen zu erfüllen.
Schule bereitet einen aufs Arbeitsleben vor, da wird man auch nicht immer intrinsisch motiviert sein. Selbst wenn man den perfekten Beruf ergreift, gibt es ätzende Phasen und langweiliges Tagesgeschäft. Irgendwie muss man seine Familie halt am Kacken halten. Spaß und Freizeit sind in den anderen 16 Stunden am Tag.
Wer das kapiert, Schule als "Arbeit" begreift, die eben gemacht werden muss, um später ein funktionierender Teil der Gesellschaft zu sein, dem fällt eine riesen Last von der Schulter. Man macht nichts falsch, wenn es mal anstrengend ist, oder wenn man mal keinen Bock hat. Es ist ganz normal, dass sich das nicht immer toll anfühlt. Wer seine Zeit in der Schule jedoch effizient nutzt, aufpasst und mitdenkt, kommt mit deutlich weniger als 8 Stunden täglich aus, umso mehr Zeit für die individuelle Lebensgestaltung bleibt übrig.
Wer das nicht aushält? Kein Problem! Schätze ich als Menschen noch ganz genauso, aber bestimmte Türen bleiben dann im weiteren Leben halt versperrt. Das ist keine Strafe, sondern eine Konsequenz.
Schulpflicht hin oder her, you are free to leave!