Im Sommer 2011 legte Dobrindt ein europakritisches Positionspapier vor, in welchem er vor einem Automatismus warnte, „der zu einer fortschreitenden Machtverschiebung in Richtung Brüssel führt“.[55] So warf ihm der Europaabgeordnete Elmar Brok (CDU) nach der Veröffentlichung eines europakritischen Positionspapiers vor, Dobrindts „Unkenntnis“ werde „nur durch seinen Populismus übertroffen“.[56]
Im gleichen Zusammenhang äußerte sich auch der CSU-Politiker Manfred Weber. Er sehe „einen ernsten Konflikt in der CSU“, wenn Dobrindt „Rechtspopulisten“ nachlaufe, und befürchte, dass die CSU deshalb „in der Europapolitik nicht mehr ernst genommen wird“.[57]
Im August 2012 verschärfte Dobrindt seine Kritik an der Regierung in Athen, er „sehe Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone“. Den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, bezeichnete er in Hinsicht auf dessen geplantes Programm zum Ankauf von Staatsanleihen als „Falschmünzer Europas“. Seine Äußerungen wurden parteiübergreifend kritisiert.[58]
Im Oktober 2012 erhielt Dobrindt von der Europa Union Deutschland e. V. den Negativpreis „Europa-Distel“ für den „größten europapolitischen Fauxpas“ sowie „für zahlreiche antieuropäische Kommentare im Rahmen der Finanzkrise, die eher zur Spaltung Europas denn zur Versöhnung und Überwindung der Schwierigkeiten beigetragen haben“.[59][60]
Gleichgeschlechtliche Ehe
Dobrindt wendet sich gegen eine rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Als er im März 2013 forderte: „Die Union als Volkspartei hat die Aufgabe, der stillen Mehrheit eine Stimme zu geben gegen eine schrille Minderheit“, wurde er auch aus den Regierungsparteien kritisiert, so vom CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, dem FDP-Generalsekretär Patrick Döring, dem stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Thomas Strobl und dem CDU-Abgeordneten Jens Spahn.[61][62]
Migration und Geflüchtete
Dobrindt lehnt die doppelte Staatsbürgerschaft strikt ab.[63] Er kritisierte Italien dafür, dass es afrikanische Flüchtlinge nach Deutschland schicke.[64]
Dobrindt machte am 23. Juni 2024 die Forderung der CSU im Bundestag publik, Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine zurückzuschicken, wenn sie keine Arbeit in Deutschland aufnehmen. Heute, über zwei Jahre nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine, müsse der Grundsatz gelten: „Arbeitsaufnahme in Deutschland oder Rückkehr in sichere Gebiete der Westukraine“.[65][66][67]
Experten sowie Vertreter der CSU, CDU, SPD, Grünen und FDP widersprachen umgehend dieser Forderung.[68][69] Die Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP, nannte den Vorschlag „gespenstisch“.[70] Das Auswärtige Amt lehnte die Forderung ebenfalls ab und verwies darauf, dass es keine sicheren Gebiete in der Ukraine gebe.[71]
In der CSU-Parteiführung wurde Verärgerung geäußert. Dobrindts Vorstoß sei nicht abgestimmt gewesen und in mehrfacher Hinsicht problematisch.[72]