In den vergangenen Jahren gab es eine Reihe von Marktbereinigungen, strategischen Kurswechseln und leider auch Fällen, in denen Cloud-Anbieter extrem kurzfristig oder gar über Nacht verschwunden sind. Dabei kam es teilweise zu dramatischen und unwiederbringlichen Datenverlusten.
1. Strategische Abschaltungen (Mit Vorwarnung, aber Risiko für Nachzügler)
Bei großen, etablierten Marken laufen Abschaltungen meist geordnet ab. Dennoch kommt es hier zu "passivem" Datenverlust, wenn Nutzer die Fristen verpassen.
- Amazon Drive (Eingestellt am 31. Dezember 2023): Amazon fokussierte sich fortan rein auf Fotos (Amazon Photos). Dokumente, PDFs und ZIP-Archive wurden gelöscht. Wer die einjährige Übergangsfrist ignorierte, verlor diese Dateien dauerhaft.
- Samsung Cloud – Galerie-Synchronisation & Drive (Eingestellt 2021): Samsung gliederte diese Dienste an Microsoft OneDrive aus. Nach Ablauf der Frist wurden die verbliebenen Daten auf den Samsung-Servern unwiderruflich gelöscht.
- Adobe Creative Cloud – Synchronisierte Dateien (Eingestellt im Februar 2024 / verlängert bis Februar 2025): Adobe stellte die automatische Dateisynchronisierung ein. Da die Daten lokal auf den Rechnern lagen, hielt sich der Schaden in Grenzen – wer die Cloud jedoch als einzige Backup-Sicherung genutzt und lokale Daten gelöscht hatte, stand vor leeren Ordnern.
2. Plötzliches Verschwinden & "Nacht-und-Nebel"-Aktionen
Gefährlich wird es, wenn Anbieter insolvent gehen, gehackt werden oder rechtliche Probleme bekommen. Hier schrumpfen Vorwarnzeiten oft auf wenige Tage oder fallen komplett weg.
Joyent (Triton Object Storage) & GoGrid
- Was ist passiert? Kleinere und spezialisierte Cloud-Infrastruktur-Anbieter wurden teils im Zuge von Übernahmen oder strategischen Neuausrichtungen extrem schnell heruntergefahren.
- Datenverlust? Ja. Wenn die Fristen zur Datenmigration nur wenige Wochen betragen, verpassen viele Kunden (insbesondere inaktive Konten oder Archiv-Speicher) die Deadline.
Der Fall "Nirvanix" (Der wohl drastischste Fall von "Cloud-Flucht")
Auch wenn es schon etwas länger zurückliegt, bleibt der Fall des Cloud-Storage-Pioniers Nirvanix das Paradebeispiel für das plötzliche Sterben eines Anbieters:
- Die Frist: Das Unternehmen stellte im September 2013 völlig überraschend den Betrieb ein und gab seinen Kunden gerade einmal zwei Wochen Zeit, um teilweise Petabytes an Unternehmensdaten von den Servern abzuziehen.
- Datenverlust? Ja, massiv. Für viele Firmen war es technisch und bandbreitentechnisch unmöglich, solche Datenmengen in 14 Tagen über das Internet herunterzuladen. Unzählige Terabytes an Daten mussten abgeschrieben werden.
Megaupload (Zerschlagung von heute auf morgen)
- Was ist passiert? Im Jahr 2012 schaltete das FBI die Filesharing-Plattform Megaupload wegen Urheberrechtsverletzungen abrupt ab. Die Server wurden physisch beschlagnahmt und versiegelt.
- Datenverlust? Absolut. Millionen von Nutzern hatten den Dienst völlig legal als persönlichen Onlinespeicher für Familienfotos, Dokumente oder Backups genutzt. Sie erhielten nie wieder Zugriff auf ihre Daten.
3. Datenverlust durch fatale Fehler der Anbieter
Manchmal wird ein Onlinespeicher nicht abgeschaltet, verliert aber durch interne Fehler schlagartig die Daten seiner Kunden.
Der Google-Cloud-Fall "UniSuper" (Mai 2024)
Ein spektakulärer und beängstigender Vorfall betraf den australischen Pensionsfonds UniSuper, der seine Infrastruktur bei Google Cloud geparkt hatte.
- Was ist passiert? Durch eine Fehlkonfiguration (ein versehentlich leer gelassenes Parameter-Feld bei einer routinemäßigen Bereitstellung) startete ein automatisierter Lösch-Algorithmus bei Google Cloud. Dieser stufte das Konto als "abgelaufen" ein und löschte das gesamte Cloud-Konto inklusive aller Backups.
- Datenverlust? UniSuper hatte unglaubliches Glück, da sie ein zusätzliches, unabhängiges Backup bei einem anderen Cloud-Anbieter (in diesem Fall AWS) besaßen. Ohne diese Redundanz wären die Daten von über 600.000 Mitgliedern im Wert von 55 Milliarden Dollar für immer verloren gewesen.
Der Brand bei OVHcloud (März 2021)
Als ein Rechenzentrum des europäischen Cloud-Riesen OVHcloud in Straßburg abbrannte, verloren tausende Kunden ihre Daten. Viele hatten fälschlicherweise gedacht, "Cloud" bedeute automatische Ausfallsicherheit, hatten jedoch keine geographisch getrennten Backups gebucht.
Fazit: Wie schützt man sich?
Die wichtigste Erkenntnis aus den vergangenen Jahren lautet: Die Cloud ist kein Backup, sondern nur ein Speicherort. Wenn ein Synchronisations-Client eine Datei lokal löscht (oder durch Ransomware verschlüsselt), tut er dies oft zeitgleich in der Cloud.
Wer wichtige Daten sichern will, sollte sich an die bewährte 3-2-1-Regel halten:
- 3 Kopien aller wichtigen Daten anfertigen.
- Auf 2 unterschiedlichen Medien sichern (z. B. auf dem PC und auf einer externen Festplatte/NAS).
- 1 Kopie außer Haus lagern (und hier kommt eine verschlüsselte Cloud ins Spiel – aber eben nur als eine von mehreren Säulen).