Beiträge von Valerianus

    Grundrechte gelten nie uneingeschränkt, d.h. wenn die Einschränkungen dazu dienen ein anderes verfassungsrechtlich geschütztes Grundrecht zu sichern (hier vermutlich: Leben und körperliche Unversehrtheit) sind Einschränkungen durchaus zulässig, sie müssen nur verhältnismäßig sein (das ist wie bei allen schulischen Maßnahmen auch), d.h. geeignet (die Maßnahme wirkt), erforderlich (es gibt keine mildere Maßnahme die wirkt) und angemessen (die Nachteile der Maßnahme sind nicht völlig außer Verhältnis zu den Vorteilen) sein. Über das "erforderlich" und "angemessen" wird regelmäßig vor Gericht gestritten und nicht immer zum Nachteil der Kläger, da sind schon diverse Demonstrationen wieder erlaubt worden oder Geschäfte über einer gewissen m²-Zahl durften wieder öffnen.

    Ganz im Notfall holt der Schulleiter §59 ADO Absatz 2 raus und macht von seinem Weisungsrecht als Dienstvorgesetzter Gebrauch. Die Anweisung zur telefonischen Krankmeldung ist definitiv nicht unverhältnismäßig und liegt wie gesagt im Organisationsermessen der Schulleitung.

    P.S.: Die einfachste Regelung ist die, dass er dir sagt, dass eMails nicht abgerufen werden. Damit verstößt du gegen deine Dienstpflichten, wenn du dich doch nur per eMail krankmeldest. Ob ein Schulleiter so einen Quatsch dann hocheskalieren möchte (denn dazu braucht er die Schulaufsicht) steht wieder auf einem anderen Blatt...

    Fax dürfte ähnlich wie eMail sein, der Sendebericht ist ebenfalls keine Eingangsbestätigung, sondern zählt gerichtlich auch nur als Indiz (Quelle). Ich kann mir auch für jede meiner gesendeten Mails die Logs vom Server ziehen und nachweisen, dass das Ding rausgegangen ist. Wenn der annehmende Server aber die Fehlerantworten (Quota full, etc.) ausgeschaltet hat, kriege ich nicht mit ob das Ding angekommen ist, obwohl es definitiv rausgegangen ist.

    Du musst dich unverzüglich krank melden, wenn du deinen Dienst nicht antreten kannst, dabei ist keine besondere Form vorgeschrieben. Der Vorteil bei der telefonischen Krankmeldung liegt allerdings auf Seiten des Arbeitnehmers, nicht auf Seiten des Arbeitgebers. Wenn du dich per eMail krankmeldest und dein Chef dann sagt, dass er in der 1. Stunde keine Vertretung sicherstellen konnte, weil er das nicht rechtzeitig gelesen hat (die Zeit der Absendung ist hier irrelevant), kannst du dafür abgemahnt werden, weil du dich eben nicht unverzüglich abgemeldet hast, telefonisch hast du regelmäßig sichergestellt, dass deine Krankmeldung die richtige Stelle erreicht. Außerdem kann der Chef im Rahmen seines Organisationsermessens durchaus darauf hinweisen, dass man sich telefonisch krankmelden muss, weil eben eMails nicht rechtzeitig zur Kenntnis genommen werden.

    Durchstellen lassen oder irgendwie darüber diskutieren würde ich allerdings strikt ablehnen, das Vorgehen was O. Meier beschreibt ist völlig ausreichend.

    Habt ihr in euren Klassenräumen eigentlich keine Fenster? Ich frage nur interessehalber, weil das einer bedenklichen Aerosolkonzentration doch eigentlich entgegenwirken sollte...

    P.S.: Wir haben teilweise Klassenräume mit Fenstern raus zur Hauptstraße, die würde ich während jeder Stunde komplett offen lassen. Ist zwar von der Lautstärke her bescheiden, aber besser zweimal erklären als einmal krank. ;)

    Ich will ihm auch keineswegs die Glaubwürdigkeit absprechen, ich finde ihn sehr informativ und klar in seinen Aussagen, manchmal etwas fordernd, aber das kann ich bei der aktuellen Lage auch nachvollziehen. Es wird nur so getan, als wäre er irgendwie der weltweite Papst der Virologie und Epidemiologie und bei Gott, das ist er nicht.

    "Das Argument "wenn's so wäre, wären wir längst alle krank" ist einfach falsch."

    --> Das stimmt nicht ganz. Die Infektiosität bei Aerosol liegt normalerweise immer unter der von Tröpfchen (das heißt, durch Tröpfchen wirst du eher krank als durch das Aerosol). Krankheiten bei denen Aerosol der Hauptübertragungsweg (> 50%) ist, sind normalerweise hochinfektiös, d.h. winzige Virusmengen reichen für die Ansteckung aus (z.B. Masern, Pocken) aus. ok, das gilt auch für offene Lungentuberkulose, ich bin mir gerade selber nicht mehr sicher wie gut mein Argument ist. Bei den meisten anderen Erkrankungen, die per Aerosol übertragbar sind, aber nicht so infektiös sind die anderen Ansteckungswege eigentlich stärker vertreten.

    Drosten vermutet hier, meiner Meinung nach, aber mehr herum, ich zitiere auch gerne:


    "Wenn ich das alles zusammenfasse, dann ist mein Bauchgefühl: Fast die Hälfte der Übertragung ist Aerosol, fast die andere Hälfte der Übertragung ist Tröpfchen und vielleicht zehn Prozent der Übertragung ist Schmierinfektion oder Kontaktinfektion." (Quelle (Nummer 40))

    Bauchgefühl ist nett, aber das sagen die Studien nicht aus, sonst wäre es kein Bauchgefühl...

    Ja, es kommen noch mehr Faktoren dazu das ist schon klar. Tuberkulose oder Aspergillose fielen mir als Beispiel ein die über Aerosol übertragen werden, aber ziemlich wenig ansteckend sind. Masern halt auf der anderen Seite (unnützes Wissen durch Computerspiele I: Plague Inc.). Bei den meisten Übertragungsketten in den asiatischen Ländern konnte man einen längeren direkten Kontakt nachweisen, dazu kommen halt die Ansteckungen bei "aerosolunterstützenden" Ereignissen wie Singen, Großraumbüros und Wohngebäude mit Klimaanlage. Gibt es eigentlich schon eine Untersuchung (Tierversuche) dazu die quantifiziert wie infektiös unterschiedlich große Aerosolteilchen und Mengen sind? Nerze scheinen sich ziemlich gut anstecken zu lassen haben die Niederländer doch versehentlich rausgefunden...

    P.S.: Aerodynamic analysis of SARS-CoV-2 in two Wuhan hospitals

    Da geht es darum wo besonders viel Virusmaterial in der Luft ist, passt im Wesentlichen zu den "aerosolunterstützenden" Bedingungen.

    Tom123: Ob einer der führenden Experten irgendwas behauptet, ist mir erst einmal ziemlich wurscht, er sollte seine Behauptungen auch empirisch belegen. "Experte" ist ein Titel für Talkshows, in der Wissenschaft geht es um Argumente, nicht um Namen. Was hat Drosten denn bisher zu Aerosolen und Corona selbst geforscht und publiziert?

    Ein Argument gegen Aerosol als Hauptweg (vor "normaler" Tröpfcheninfektion) ist doch, dass die Hygienemaßnahmen in vielen Ländern (außer vollständiger Quarantäne) gut angeschlagen haben und die waren auf die Verhinderung von Tröpfchen ausgelegt. Dazu kommt, dass der "virus load" mit der Schwere der Erkrankung zu tun hat und der dürfte bei Tröpfchen ebenfalls größer sein, als bei Aerosolen (ausgenommen o.g. Bedingungen), Quelle z.B. hier.

    Conni: Du hast das grundsätzlich richtig zusammengefasst, die Autoren sagen ja selbst, dass weitere Studien nötig wären

    "In contrast, we report lower expression of ACE2 and TMPRSS2 in sputum cells from asthma patients taking ICS, and this finding warrants prospective research to determine if ICS use predicts decreased susceptibility to SARS-CoV-2 infection or decreased COVID19 morbidity."
    Das Problem dafür ist, dass du ein Experimentaldesign bräuchtest und das ist aus moralischen Gründen kaum vertretbar (finde mal eine Ethikkommission oder Leute mit Asthma, denen du sagst: "Die Hälfte bekommt Placebo, die andere Hälfte weiter das gute Zeug was ihnen hilft und dann schauen wir mal, ob sich die mit Placebo nicht häufiger an Corona infizieren oder daran sterben." und die dich nachher nicht verhauen wollen)

    aberwitz: Ich verzichte aus guten Gründen darauf hier Statistikgrundlagenbildung zu betreiben, ich reg mich manchmal über ganz schlimme Schnitzer bei Leuten auf, die das eigentlich besser wissen müssen, weil sie ein Fach studiert haben, bei dem das eigentlich dazugehört, aber für dich mach ich eine Ausnahme: Du blubberst belanglosen Unsinn über Empirie. Ob eine Gruppe zu klein ist, Daten, Tests oder große Zahlen fehlen ist für Statistik völlig irrelevant. Du kannst auch eine Studie mit 10 Leuten machen, wenn du dabei einen signifikanten Befund machst, ist der genauso signifikant als wenn du ihn mit 10.000 Leuten machst. Das Problem ist das Zusammenspiel von Signifikanz und Effektstärke. Gravitation kannst du auch mit N = 10 Experimenten nachweisen umgekehrt gibt es eine Menge Leute die völlig irrelevante, aber durchaus signifikante Effekte in Studien mit 10.000 Personen nachweisen und einer Effektstärke, die der des Sackes voller Reis in China entspricht. Ob für eine Studie eine Korrelationsstudie oder ein Experimentaldesign oder auch qualitative Methoden notwendig sind ist keine Qualitäts-, sondern eine Forschungsfrage. Wenn ich eine Theorie finden will arbeite ich qualitativ oder ich korreliere wild vor mich hin. Wenn ich schon eine Theorie habe, mache ich ein Experimentaldesign, evtl. sogar in einem Längsschnitt mit Pre-Post-Follow Up, aber da wir gerade in einer Theoriefindungsphase sind ist das Vorgehen genau da, wo es aus forschungsmethodischer Sicht sein sollte. Ich würde dringend empfehlen entweder Grundlagen empirischer Forschungsmethoden oder Statistik I zu belegen, wenn du tatsächlich Interesse an solchen Fragestellungen hast.

    Falls du also weiter meinst du musst erwachsenen Menschen erzählen, wie sie sich auszudrücken haben: Spar dir das für deine Schüler und überleg mal wie ein Mathe- und Geschichtslehrer auf die höchst spannende Idee kommt, sich zu den Nebenwirkungen immunsuppressiver Medikamente bei Autoimmunerkankungen zu informieren und dann sag mir noch einmal, was ich nicht über mich selbst sagen darf. Ich spare mir hier die Wortwahl, die ich für angemessen halte für Menschen wie dich, ich bin schon zu oft verwarnt worden um das an jemanden mit der Beitragszahl zu verschwenden. :P

    aberwitz: Besser meine Wortwahl als eine Coronainfektion und die Wahrheit ändert sich ja nicht, weil die Wortwahl wohlgefälliger wird. Azathioprin macht generell anfälliger gegen Virusinfektionen (spezifische Nebenwirkung) und das z.B. hochdosiertes Prednisolon das Immunsystem fast komplett ausschaltet (bei Autoimmunerkrankungen nicht unbedingt ein unerwünschter Effekt) ist auch nicht toll, wenn du dir eine Virusinfektion fängst.

    Wenn Blitze kein Problem sind, wie erklärt man sich dann, dass jedes Jahr 10 Menschen durch Blitzschläge in Deutschland sterben? Die Aussage ist doch bescheuert. Ich hab doch gerade geschrieben, dass der Aerosolweg offensichtlich existiert, aber er ist nicht der primäre Übertragungsweg, sonst wären wir schon alle krank...

    Das Problem ist doch, dass es da einfach uneinheitliche Studienergebnisse gibt. Es gibt zu Asthma meines Wissens nach eine Studie, das kortisonhaltiges Asthmaspray das Risiko eines schweren Verlaufes senkt (!). Dasselbe gibt es für Morbus-Crohn Patienten die TNF-Alpha Blocker (Immunsuppressives Medikament) erhalten. Die haben auch ein signifikant niedrigeres (!) Risiko für einen schweren Verlauf. Warum genau ist noch nicht geklärt, es wird vermutet, dass eine völlige Eskalation des Immunsystems verhindert wird. Asthmatiker die systemisch wirksame Medikamente nehmen oder Morbus Crohn Patienten die Azathioprin nehmen sind hingegen offenkundig eher am Arsch, weil das Zeug es dem Virus leichter macht, aber du kannst halt nicht immer vom einen zum anderen wechseln ohne andere schwerwiegende gesundheitliche Folgen zu riskieren und genaues weiß man bisher nicht, das dauert halt seine Zeit...

    Wenn Aerosol der primäre Ansteckungsweg wäre, dann hättest du eine viel höhere R0 Zahl und in einem Klassenraum wären tatsächlich alle krank, wenn ein Kranker darin atmet. Aerosol ist ein definitiv vorhandener Ansteckungsweg (Chor in den USA (Singen produziert mehr Aerosole als Sprechen), Großraumbüro in Südkorea (Klimaanlage unterstützt die Verteilung und Aufrechterhaltung von Aerosolen durch die gleichbleibende Luftfeuchtigkeit), etc.), aber er ist nicht der primäre und anscheinend auch nicht der gefährliche Ansteckungsweg (das Risiko eines schweren Verlaufs scheint von der Viruslast bei der Ansteckung abzuhängen und die ist bei Aerosolen logischerweise geringer als bei einer Tröpfchen- oder Schmierinfektion.

    Es gibt auch eine Studie dazu, dass ein zu niedriger Vitamin-D Spiegel das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs verdoppelt (nur niedrig) bis verzehnfacht (bei krankhaft niedrigem Spiegel, der in Europa auch häufig vorkommt). Schon angefangen in die Sonne zu gehen oder Pillen einzuwerfen? :P

    Ich bin auch nicht dafür das verpflichtend zu machen. Gerade in sozial gut aufgestellten Familien ist die heimische Förderung der staatlichen meilenweit überlegen, das ist ja das Problem. Sag mal irgendwelchen Eltern "Ey sorry, aber ihr bekommt das nicht auf die Kette, euer Kind geht verpflichtend in die Kita und zwar möglichst lange, damit wir möglichst viel reparieren können", dann lieber ein Kitapflichtjahr und gebundenen Ganztag für alle fordern, das ist gesellschaftlich noch irgendwie akzeptabel.

    Die OECD meckert vor allem wegen der enormen Abhängigkeit schulischer Leistung von sozio-ökonomischen Faktoren und da muss Schule, aber eben vor allem vorschulische Bildung ran. Ich hab während des Studiums in einem Kinderheim gearbeitet und fast jeder Erzieher und Pädagoge hat dir dasselbe gesagt: Wenn die Kinder vor dem 3. Geburtstag kommen, kannst du fast immer alles zum Guten wenden, wenn sie nach der Einschulung kommen geht es ziemlich sicher auch im Heim schief und da hast du wirklich ganz andere Interventionsmöglichkeiten als im schulischen Bereich...du kannst dir nicht vorstellen was man in den ersten Jahren alles versauen kann und da ist nun einmal keine Schule. Klar kannst du in der Schule auch viel verbessern. Mehr Psychologen und Sozialarbeiter wären ein Anfang, Tutoren-Programme, Ganztagsangebote, kostenloses Frühstück und Mittagessen selbst kochen in der Schule, Musik-, Sport-, und Clubaktivitäten am Nachmittag (das machen z.B. die asiatischen Länder)

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