Mir ist es unbegreiflich, wie studierte Menschen den Unterschied zwischen anekdotischer Evidenz und empirischer Evidenz sowie den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität nicht kennen können.
Den Punkt Korrelation und Kausalität möchte ich gerne nochmal etwas ergänzen, weil ich in dem Zusammenhang noch über einen höchst relevanten wie mich amüsierenden Artikel von Hans Wocken gestoßen bin:
Hans Wocken hat die SGB-II-Quote mit den Ergebnissen der IQB-Vergleichsarbeiten verglichen und dort jene Korrelation gefunden, die manche hier in dem Schulsystem der Bundesländer sehen wollen, obwohl dies natürlich nur eine Scheinkorrelation ist. Wenig überraschend ist es das Bundesland mit der geringsten SGB-II-Quote, welches die besten Ergebnisse erzielt. Das Bundesland mit der höchsten SGB-II-Quote hat die schlechtesten Ergebnisse eingefahren. Die Korrelation weist Wocken in dem Artikel auch für die anderen Bundesländer statistisch nach.
Soweit, so traurig. Amüsant finde ich dann aber seinen "pikanten Hinweis". Bayern und Sachsen sind also mit ihrem auf Selektion fußendem Bildungssystem der Beweis für den Vorteil eines separierenden Systems? Natürlich nicht:
Der Interpretation der IQB-Bildungstrends sei ein kurzer, aber pikanter Hinweis auf ein unscheinbares Nebenergebnis vorangeschickt. Bayern und Sachsen sind bekanntermaßen bekennende Vertreter eines sog. „differenzierten“, also hierarchisch gegliederten Schulwesens. Die Bildungstrends 2016 und 2021 beziehen sich aber nicht auf das ganze Schulsystem, sondern ausschließlich auf die Grundschule. Nun haben just die glühenden Verehrer eines gegliederten Schulsystems in einem Leistungswettbewerb gesiegt, an dem ausschließlich Vertreter eines gesamtschulartigen, integrierten Schulsystems teilgenommen haben.
Und auch hier nochmal der Hinweis auf die Fehlvorstellung von dem vermeintlichen Nachteil heterogener Lerngruppen:
Die von der Separation gerne vorgetragene Behauptung, dass heterogene Lerngruppen generell leistungshomogenen Jahrgangsklassen unterlegen sind, ist damit durch die diversen IQB-Bildungstrends wiederholte Male widerlegt worden. Bayern und Sachsen gebührt Anerkennung und Dank, dass sie einem integrierten, leistungsheterogenen Schulsystem die Ehre erwiesen und ein überzeugendes, empirisches Qualitätstestat ausgestellt haben.