Beiträge von plattyplus

    ob man nach einer Nottaufe auch wieder austreten kann, falls man doch überlebt

    Also ich habe als Zivi schon einmal eine Nottaufe machen müssen. Getauft am 24. Dezember morgens um 8.34 Uhr, gestorben 8.35 Uhr. Nach Kirchensteuer hat da niemand gefragt, auch hat niemand danach gefragt, daß es eine katholische Taufe war, wo ich Protestant bin. Und sollte doch jemand fragen, dann soll sich gefälligst die Kurie in Rom etwas einfallen lassen!

    Würde man nun 50% deines Beitrages zur GKV "gerechtigkeitshalber" für alle Beamten als Gehaltserhöhung umsetzen, würdest du dich doch weiterhin ungerecht behandelt fühlen

    Als gerecht würde ich es empfinden, wenn das "Hamburger Modell" zur Krankenkasse in allen Bundesländern eingeführt wird. Also entweder PKV + Beihilfe oder man verzichtet auf die Beihilfe und dafür zahlt der Arbeitgeber den Arbeitgeberanteil in die GKV.


    Aber macht ja nichts, wenn der Kita-Leiter in Wiesbaden 10.000 brutto bekommt - deshalb haben wir ja nicht weniger, stimmt's?

    Nicht ganz. Wenn viele Berufsgruppen mehr bekommen, konsumieren sie auch mehr und dadurch steigt die Inflationsrate. Bleibe ich jetzt bei meinem Einkommen, habe ich dadurch am Ende bedingt durch die gestiegene Inflation einen Kaufkraftverlust, eben weil "der Kita-Leiter in Wiesbaden" mehr bekommt.

    Ok, der einzelne Kita-Leiter hat zu geringe Auswirkungen auf die Inflation, als das es auffallen würde. Aber wenn große Gruppen in der Gesellschaft mehr bekommen, man selber aber Nullrunden hinnehmen soll, passiert genau das.

    Oder anders: Mein Ur-Opa war bei der Reichsbahn verbeamteter Fahrdienstleiter und als solcher Oberamtmann, was heute Besoldungsgruppe a13 entspricht. Er ist damals mit 125 Reichsmark monatlich nach Hause gegangen. Hätte er über Jahrzehnte Nullrunden hingenommen während alle anderen Werktätigen immer mehr Geld bekommen, hätte die Inflation das Einkommen soweit aufgefressen, daß er heute Grundsicherung beantragen müßte.

    als ihre erste Abrechnung kam, habe ich meine Kündigung dann doch nicht abgegeben.

    Als ich 2013 meine erste Abrechnung bekommen habe (a13, Erfahrungsstufe 3) und feststellen durfte, daß da nach GKV ca. 1.900 € netto übrig geblieben sind, hatte ich innerlich gleich gekündigt. "Und dafür hast Du studiert und dich im Referendariat erniedrigen lassen?" Besser wurde es, als sie zum 1.9.2014 in NRW die Erfahrungsstufen 3 und 4 gestrichen haben und ich entsprechend gleich in Stufe 5 eingruppiert wurde.

    Aber seitdem nölt mein Kollege rum, der ein Jahr vor mir angefangen ist, weil wir gleichzeitig hochgestuft werden und sein "Vorsprung" bei den Erfahrungsstufen weg ist. Soviel zum Thema "Lohnabstand".

    Mir erschließt sich ehrlich gesagt der ausgezahlte Betrag nicht. A13Z/8 in NRW sind doch 5081,18€ brutto, oder?

    • Grundgehalt: 4.980,79 €
    • Strukturzulage: 100,39 €
    • Gesamtbrutto: 5.081,18 €

    Soweit stimmen wir überein, jetzt kommen die Abzüge:

    • Lohnsteuer (Steuerklasse 1): 1.269.91 €
    • Kirchensteuer: 114,29 €
    • Gesetzliches Netto: 3.696,98 €
    • GKV + Pflege: 828,43 €
    • tatsächliches Netto: 2.868.55 €

    Das Thema Krankenkasse ist bei dir aber nun ein Sonderfall, der nicht unbedingt verallgemeinert werden sollte.

    Da die Krankenkasse aber generell bei den Beamten noch vom ausgezahtlen Betrag bezahlt werden muß, während sie beim Angestellten vorab abgeführt wird, denke ich schon, daß das da mit rein gehört. Außerdem haben wir in NRW ja nicht das Hamburger Modell, bei dem die Beamten zwischen der Beihilfe und der Übernahme des Arbeitgeberanteils durch das Land wählen können.

    Techniker kommen dort in die Entgeltgruppe 11. Das sind monatlich 4.224 € brutto. Das sind bei Steuerklasse 1 und ohne Kinder netto 2.586 €. Da liege ich mit A13 selbst auf der Eingangsstufe aber ganz massiv höher und nicht alle Absolventen haben das Glück, im Metalltarif unterzukommen.

    Ich habe gerade meine alte Bezügeabrechnung aus 2013 rausgeholt. Damals gab es in Besoldungsgruppe a13, Erfahrungsstufe 3 2.564,88€ monatlich ausgezahlt wovon noch ca. 600€ für Kranken- und Pflegeversicherung (GKV) abgegangen sind. Da war ich dann bei ca. 1.900€ netto.

    Heute bin ich in Erfahrungsstufe 8, weil die unteren Erfahrungsstufen bei a13 irgendwann gestrichen wurden, um mit den Gehältern in er Wirtschaft auch nur irgendwie halbwegs mithalten zu können. Aber viel mehr als die 2.568€ netto, die Du aufrufst, habe ich in Erfahrungsstufe 8 auch nicht. Denkt an die Krankenkasse! Konkret sind es in Erfahrungsstufe 8 aktuell 2.868.55 € netto nach GKV.

    Oder halt für eine private Krankenzusatzversicherung, wenn sie auf deinem Niveau abgesichert sein will.

    plattyplus du vergisst aber an der Stelle immer deine persönliche Sondersituation mit der voll gezahlten GKV als Beamter zu erwähnen.

    Ja, muß ich dazu sagen, daß ich in der gesetzlichen Krankenversicherung bin und entsprechend monatlich 830€ für die Kranken- und Pflegeversicherung zahlen darf. Als Beamter zahlt man da ja auch den Arbeitgeberanteil.

    Wenn die (private) Krankenkasse meine Krankenakte aus Kindertagen sieht, denke die halt, daß sie einen fast vollständig Gelähmten vor sich haben müßten, der gerade noch so eben mit einem Joystick im Mund einen elektrischen Rollstuhl bedienen kann, aber niemanden, dem man auf den ersaten Blick gar keine Besonderheit ansieht.

    Ich sehe es eher so, dass die unteren Einkommensgruppen viel stärker der Inflation ausgesetzt sind, als die Höheren. Die aktuell hohe Inflation ist doch vor allem durch die explodierenden Energiepreise verursacht.

    Mit hohem Gehalt wohne ich tendenziell eher in einem modernen Haus und habe zumindest die Möglichkeit, mir ein relativ neues und effizientes Auto zu kaufen.

    Genau auf der Basis kann man aber auch genau andersrum argumentieren. Die aktuelle Inflation wird von den exorbitant gestiegenen Energiepreisen befeuert. Ich habe da etwas von ca. 20% gegeüber dem Vorjahr gehört. Soweit stimme ich mit der Argumentation überein.

    Entsprechend läßt sich in Analogie argumentieren:

    Mit hohem Gehalt habe ich tendenziell einen spezialisierteren Beruf, den es nicht an jeder Ecke gibt. Entsprechend habe ich die Pflicht tendenziell weitere Strecken zum Arbeitsplatz zurückzulegen und verbrauche damit entsprechend viel mehr Energie als in den unteren Einkommensgruppen (vgl. Schulsekretärin), die als Verwaltungsfachangestellte genauso in der Kreisverwaltung arbeiten könnte. Ein Umzug ist ausgeschlossen, weil es das Modell der Hausfrauen-Ehe ja nun einmal nicht mehr gibt und entsprechend der Arbeitsort der Frau/Freundin berücksichtigt werden muß. Bringt ja nichts, wenn man selber dann weniger fährt, sie dafür aber mehr fahren muß.

    Lange Rede gar kein Sinn: Meine Freundin hat als Technikerin jeden Monat Netto nach Krankenkasse ca. 100€ mehr in der Tasche als ich (2.900€ zu 3.000€), dabei rede ich schon von Besoldungsgruppe a13, Erfahrungsstufe 8. Bei a12 sieht es entsprechend noch übler aus.

    RudiRudiRudiRudi

    „Die Techniker“ fangen im Alter von 16 ihre Lehre an und im Alter von 18 starten sie parallel zu Beginn des dritten Lehrjahrs ihre Technikerausbildung. Im Alter von 22 haben sie dann den Staatlich Geprüften Techniker. Für diesen Abschluß müssen sie fünf Jahre Berufserfahrung nachweisen, aber der Nachweis dieser Berufserfahrung muß erst bei der Zulassung zur Abschlußprüfung erfolgen und die Zeit der Berufsausbildung (=Lehre) zählt dazu.

    So, welcher Lehrer hat im Alter von 22 das zweite Staatsexamen in der Tasche? Ich kenne niemanden.

    Bis wir in unserem Beruf ans Verdienen kommen, sind wir knapp 30 Jahre alt und müssen im Vgl. zu den klassischen Lehrberufen in den nächsten 35 Jahren bis zur Rente deren 10 Jahre Gehaltsvorsprung aufholen.

    wenn ich etwas ändern könnte, dann nicht an der Summe des Geldes, sondern an Arbeitsbedingungen und Arbeitspensum.

    Aber das Gehalt und das Arbeitspensum hängen doch direkt miteinander zusammen. Wären die Löhne/Bezüge höher, hättest du auch mit einer 80% Stelle Dein Auskommen und entsprechend ein geringeres Arbeitspensum.

    Das Materiallager für Euer Infomterial ist häufig die Garage der Vorsitzenden.

    Das infomaterial braucht bei uns niemand, das wandert eh regelmäßig in den Müll. Was gewünscht ist, ist Kampfgeist nach dem Vorbild der Bergarbeiter-Streiks rund um das Jahr 1900.

    Wenn ich aber sehe, dass in vielen Schulen nur zwei von 10 Tarifbeschäftugten überhaupt zum Warnstreik kommen, dann Frage ich mich, wie sollen wir damit einen Arbeitskampf gewinnen.

    Wäre es dann nicht das richtige Zeichen nach innen den Arbeitskampf trotzdem zu starten, abzubrechen und zu verkünden, daß es erfolglos war, weil sich ja praktisch niemand daran beteiligt hat und es entsprechend niemanden zu interessieren scheint? Mir fehlt da das weithin öffentlich sichtbare Zeichen (ggf. auch das Zeichen des Scheiterns), das die Mitglieder zur Fahne ruft.

    Wie gesagt, es fehlt ein Claus Weselsky, der ganz klar sagt, daß er kein Problem damit hat, daß die ganze Bevölkerung ihn nicht mag. So lange er für seine Gewerkschaftsmitglieder Geld rausholt, hat er seinen Job richtig gut gemacht, denn nur den Mitgliedern ist er verpflichtet und eben nicht großen Kinderaugen.

    Ja, ich kenne den Unterschied. Nur hat die GEW halt nicht den Arsch in der Hose die Tarifverhandlungen für gescheitert zu erklären und die Schichtung abzulehnen. Warum sitzen da solche Schlappschwänze in den Gewerkschaften und Verbänden? Haben die privat evtl. noch ganz andere Interessen? Wie gesagt, ich interpretiere solche Abschlüsse wie den aktuellen als Hochverrat gegenüber den Gewerkschaftsmitgliedern.

    Denn prinzipiell hast du recht und das sollte man als Gewerkschaft auch tun.

    Wie gesagt, Weselsky zieht das bei der Bahn durch. Dessen Gewerkschaft, die GDL, überlegt sich wie sie mit möglichst kleinem Einsatz einen möglichst großen Effekt erzielen können. So bestreikt er z.B. nur einzelne Regionen. Wenn z.B. im Bahnhof Hamm alle Lokführer streiken, kommt kein ICE mehr von Berlin in Richtung Ruhrgebiet durch, weil der Bahnhof Hamm als Umsteigebahnhof blockiert ist. Die Gewerkschaft muß nur die paar Lokführer aus der Streikkasse bezahlen, die in Hamm am Bahnhof stehen. Die anderen Lokführer, die jetzt auch nicht mehr arbeiten können und irgendwo auf der Strecke stehen, müssen weiter von der DB AG bezahlt werden. Und selbstverständlich streikt man, wenn es wehtut, z.B. vom 23.-25.12., damit die Fahrgäste zu Weihnachten eben nicht mehr nach Hause kommen. So bekommt man Druck auf den Kessel.

    Oder guck die Verdi an. Selbst die haben kapiert, daß es keinen Sinn macht Amazon in normalen Zeiten zu bstreiken, weil sie dann einfach alle Bestellungen in ausländische Amazon-Lager umleiten. Wenn sie streiken, dann pünktlich zum Weihnachtsgeschäft.

    Die Forderungen der GEW waren eindeutig und präzise formuliert. Sie wurden mit Nachdruck sowohl gegenüber der Politik als auch der Presse gegenüber geäußert.

    Über den Nachdruck kann ich nur lachen.

    Nachdrück würde für mich bedeuten, daß gezielt Abschlußprüfungen und die Erstellung von Abschlußzeugnissen bestreikt wird. Und ja, die Streiks werden vorab angekündigt, weil man das ja so machen muß. Sie werden mit einer Minute Vorlaufzeit angekündigt!

    Beispiele, wie man einen Arbeitskampf "hart" führen kann, ohne gleich alle Kollegen über Wochen in den Streik schicken zu müssen:

    • Angekündigte Streiks werden generell als "unbefristet" angekündigt, damit sich der AG nicht auf einen Termin einrichten kann, an dem wieder gearbeitet wird.
    • Ankünfigungen erfolgen mit einer Minute Vorlaufzeit, damit der AG möglichst nicht mehr reagieren kann.
    • Es werden gezielt Abschlußprüfungen bestreikt, auch wenn dann die Presse mit den "weinenden Kinderaugen" kommt. Aktuell müssen z.B. die Prüfungsvorschläge für die Abi- und FH-Prüfungen bis Weihnachten bei uns eingereicht werden. Entsprechend werden nur die Kollegen mit den Abschlußklassen, die solche Prüfungsvorschläge einreichen müssen, in den Streik geschickt.
    • Der Tarifabschluß geht generell immer bis Mai, damit man im Mai wieder die nächsten Abschlußprüfungen bestreiken kann.
    • Wenn die Abschlußprüfungen um 8 Uhr anfangen, wird an dem Morgen bei den beaufsichtigenden Kollegen um 7:59 Uhr der Streik ausgerufen, somit gibt es keine Klausuraufsicht mehr. Will man das Ganze noch steigern, ruft man am Prüfungstag um 8:10 Uhr zum Streik auf und legt um 8:15 Uhr die Aufsichts-Tätigkeit nieder. Damit ist die Abschlußprüfung, die um 8 Uhr begonnen hat, hinfällig und muß neu geschrieben werden. Dieser neue Termin kann dann wieder bestreikt werden...
    • Alle anderen Kollegen arbeiten selbstverständlich weiter, um die Streikkasse zu schonen.
    • Die Zeugnisausgaben und Zeugniskonferenzen könnte man auch gezielt bestreiken.

    SOWAS wäre ein Arbeitskampf. Der Kuschelkurs, den die GEW fährt, ist das genaue Gegenteil!

    Merke: Ein Arbeitskampf muß wehtun, sonst taugt er nichts!

    Zum Teil teile ich zwar deine Meinung, aber ...

    ... sich in der Gewerschaft zu engagieren.

    Ich würde sogar als Beamter sofort in die GDL eintreten bzw. in eine entsprechende Gewerkschaft im Bildungsbereich, wenn sie einen Claus Weselsky als 1. Vorsitzenden hätten, der verstanden hat, daß Arbeitskampf wirklich Kampf bedeutet und eine Gewerkschgaft eben kein Abnickverein ist. Aber im Bildungsbereich sind leider sämtliche Gewerkschaften und Verbände nur Arbeitgeber-Abnick-Vereine, die es nicht verstehen für ihre Mitglieder zu kämpfen.

    Kampf würde für mich z.B. bedeuten: Es werden gezielt Abschlußprüfungen bestreikt, um mit den geringsten Kosten (auf seiten der Gewerkschaft) den größtmöglichen Schaden anzurichten, auf das der Arbeitgeber versteht was Sache ist. Weselsky hat die Meßlatte gelegt.

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