Beiträge von plattyplus

    Elternabende sind ja schon wichtig für alle, aber wenn jemand wirklich unbedingt an der Fachkonferenz teilnehmen möchte, deren Termin schon über Monate im bekannt ist, dann kann die Person sich ja auch einfach mal den Nachmittag frei nehmen)

    Kann ich dann zu meinem Schulleiter gehen und Sonderurlaub beantragen, um als Elternteil zur Konferenz zu kommen? Ich frag nur, wie das mit "sich einfach mal frei nehmen" gemeint ist.

    Sonst könnte es geschehen, dass ihr mit Eltern 2.0 konfrontiert werdet.

    Ich hatte auch schon das Vergnügen mit den Eltern 4.0. Konkret hatten wir Termine und da mein Wartebereich vor dem Klassenraum frei war hatte ich keine Probleme damit, dass sich ein Gespräch etwas länger hin zog. Am folgenden Tag gabs Mecker von den anderen Eltern. Sie hätten in MS Teams eine Videokonferenz aufgemacht, dort auf mich gewartet und ich hätte mich zum avisierten Termin nicht in die Videokonferenz eingewählt.

    Das wir überhaupt Videokonferenzen anbieten war mir bis dahin nicht bekannt.

    Oder eine Divisionsaufgabe mit Rest.

    Das ist ja genau das. In der Ausbildung lernt man, dass man binnendifferenziert unterrichten soll. Die guten und sehr guten Schüler sollen also schwerere bzw. mehr Aufgaben bekommen.

    In der Praxis handeln diese Schüler aber eben wie jeder Homo Oeconomicus und arbeiten dann extra langsam, weil sie es ja eh können und sich die Mehrarbeit ersparen wollen.

    Dieses Handeln eines jeden Einzelnen ist durchaus verständlich, führt aber in Summe dazu, dass wir das Niveau immer weiter nach unten nivellieren. In der Folge beklagen wir dann an den allgemein bildenden Schulen, dass das Abitur nichts mehr wert ist und im berufsbildenden Bereich hat der (Handwerks-) Meistertitel an Reputation eingebüßt. Entsprechend hatte ich ja schon einmal die These aufgestellt, dass man oberhalb vom Handwerksmeister noch einen Abschluss einführen müssten, den wirklich nur die besten zehn Prozent bestehen, der also wirklich eine Auszeichnung darstellt und nicht bloß eine Erlaubnis ist eigenverantwortlich zu arbeiten.

    Aber hattest du nicht angeregt, dass man ins Outback reisen müsse, damit die Schüler über sich hinauswachsen und nicht die Verantwortung abgeben sollen?

    Aus pädagogischer Sicht befürworte ich das auch heute noch ausdrücklich, damit die Schüler aus ihrer Vollkasko-Mentalität herausgeholt werden und so mal erfahren, dass ihr Können bzw. Nicht-Können eben den Unterschied macht. Viele sagen heute ja: „Das kann ich nicht“ und meinen damit eigentlich „ich habe keinen Bock mich anzustrengen, um es zu erlernen.“

    Also: geh doch mit gutem Beispiel voran. Wenn du sowas forderst. 😉

    Ok, dann nehme ich also den attestiert schizophrenen Schüler mit, dessen Krankheit dadurch offenbar wurde, dass er im Wahn im Unterricht versucht hat Suizid zu begehen, weil die Stimmen ihm dies befohlen hätten?

    Die Eltern hatten uns davon auch nichts berichtet, eben bis es zum großen Knall kam. Mein erster Gedanke war nur: „Gottseidank haben ihm nicht die Stimmen befohlen einen Anderen umzubringen!“

    Unterschreibst Du als Schulleiter mir eine dienstliche Anordnung, dass ich diesen Schüler bei der Klassenfahrt mitnehmen muss?

    Wie soll ich mich als Laie auf so eine Fahrt vorbereiten? Du hast ja eingefordert, dass ich mich vorzubereiten hätte, um allen Schülern die Klassenfahrt zu ermöglichen. Außer einer echten 24/7 Bewachung dieses einen Schülers fällt mir da nichts ein.

    —> https://www.deutschlandfunk.de/opfer-und-taet…licher-100.html

    Aber du könntest auf Basis der Fragebögen reagieren und passend Hilfe holen.

    Die Antwort darauf habe ich oben schon gegeben:

    Ich bin nur Lehrer und kein Arzt, kann also gesundheitliche Probleme nicht in dem Umfang erkennen, wie es die Gerichte immer wieder einfordern. So bleibt eigentlich nur ärztlich begleitete „Seniorenreisen“ als Klassenfahrt zu buchen, um dem Haftungsrisiko zu entgehen. Aber solche Fahrten sind natürlich im Rahmen einer Klassenfahrt unbezahlbar teuer.

    Es ging im vorliegenden Fall darum, dass bereits eine sehr einfache und standardmäßig zu erfolgende Abfrage unterlassen wurde und gerade deren Unterlassen ursächlich für den weiteren Verlauf war. Dass man bei der Durchführung von Fahrten eine solche Abfrage vornimmt, gehört schlicht zum kleinen 1x1 und lernen bei uns bereits die Lehramtsanwärter.

    Vor dem Vorfall habe ich von dieser Abfrage noch nie etwas gehört, weder in der Ausbildungsschule im Ref. noch an der aktuellen Schule. Entsprechend habe ich so etwas auch noch nie abgefragt. Nur dem Glück habe ich es folglich zu verdanken, dass ich nicht selber im Knast gelandet bin.

    Wer weiß welche Dinge ich noch alle falsch gemacht habe ohne es zu wissen. Vor dem Hintergrund empfinde ich Klassenfahrten jedenfalls als unkalkulierbares Risiko für mich als Lehrer, weswegen ich mir auch nicht vorstellen kann zu fahren. Zumal mir solche Fragebögen eh nicht helfen würden, weil ich nicht auf Basis der Angaben Schüler von der Klassenfahrt ausschließen kann. Ich denke diesbezüglich insb. an psychische Erkrankungen.

    Hast du das jemals so erlebt oder ist das das typische Lehrerzimmer(stammtisch)geschwätz?

    Ja, habe ich so erlebt.

    Irgendwann hat man es drin und es tut alles nicht weh.

    Ich denke an das zwangsweise Gendern immer nur an Bevormundung und an den Beutelsbacher Konsens, der an der Stelle mit Füßen getreten wird, von wegen Überwältigungsverbot und so.

    --> https://www.bpb.de/die-bpb/ueber-…bacher-konsens/

    Und ja, in diesem Sinne kann ich jeden Schüler verstehen, der sich gegen das aufgezwungene Gendern stellt.

    Tja, dann laufen wir langsamer, aber das schaffen wir.

    Ich hatte auf dem letzten Klassenausflug auch so ein Erlebnis. Es ging darum in Paderborn von der Universität zum Westerntor zu laufen. Das sind 1,8km mit leichtem Gefälle. Google veranschlagt für den Weg 27 Minuten. Ich hatte schon 50 Minuten eingeplant und die Schüler im Alter von 17 bis 21 haben selbst das nicht geschafft.

    Im Ergebnis war dann der Bus weg und wir mussten eine Stunde auf den nächsten Bus warten. Da der uns zum nächsten Veranstaltungsort bringen sollte und wir dort eine Führung mit festem Termin gebucht hatten, fiel somit die Mittagspause aus. Wir standen alle mehr schlecht als recht bei Regen im Bushäuschen. Innerlich habe ich mich schon ein wenig gefreut, da den Schülern so mal die Konsequenz ihres Handelns vor Augen geführt wurde.

    sagt Bescheid, wenn wir eine Sammlung erstellen sollen

    Hier, *Hand heb*

    Also: Wo gibt es in Deutschland Gegenden ohne Mobilfunkempfang, ohne Supermärkte und ohne ÖPNV im Umkreis von mindestens 30km (besser 50km)?

    Ich kenne nur einzelne Täler ohne Mobilfunkempfang. Da muss man dann erst einmal 2km den nächsten Hügel hinauf latschen, um wieder im Netz zu sein.

    Und wofür ist das wichtig?

    Damit die Schüler lernen, dass sie für ihr eigenes Fortkommen selber verantwortlich sind und ihre Vollkaskomentalität ablegen.

    Und wenn du einen medizinischen Notfall hast, sagen wir mal einen Schlangenbiss, einen allergischen Schock, einen Blinddarmdurchbruch oder sonstiges, dann ist es auch gaaaanz toll, irgendwie mit 20 Schülern in der australischen Pampa weit weg von medizinischer Versorgung zu hocken, nur damit sie mal lernen, auf sich gestellt zu sein.

    Nun, den Biss einer Brown Snake wirst du wohl nicht überleben. Selbst bei einem Autounfall könnte es schwer werden.

    Und ja, ich war selber schon in solchen Gegenden alleine unterwegs. Rund um den Mount Augustus in Western Australia ist es verdammt einsam. Und ja, ich war mir bewusst, dass ich dort „in the middle of nowhere“ unterwegs war und ja, ich habe eine gehörige Ehrfurcht vor der Situation bekommen: „Junge, bau jetzt keine Scheiße! Hier holt dich niemand mehr ab, wenn etwas schiefgeht!“

    Natürlich keine amerikanischen Verhältnisse, aber trotzdem ist es einsam und man kann durchaus Selbstversorger spielen.

    Es geht mir nicht ums Spielen der Selbstversorgung sondern darum, dass es wirklich kein Auffangnetz gibt. Wenn man die Zigaretten vergessen hat, gibt es eben keine. Wenn man das Toilettenpapier vergessen hat, …

    Wenn man erkennen muss, dass man das Auto pfleglich behandeln muss, weil dies die einzige Fahrkarte zurück in die Zivilisation ist. Wenn man täglich den Ölstand kontrolliert und auch selber Öl nachfüllen muss, weil es da einfach niemanden gibt, auf den man die Arbeit mit den Worten: „Ich kann das nicht“, abschieben kann.

    Das nächste Haus ist 400km weit weg, die nächste Ortschaft 800km und mit Glück kommen einem zwei PKWs am Tag entgegen. Wenn man Scheiße baut dauert es mindestens 48 Stunden, bis einen der Flying Doctor Service rausholt. Das meine ich damit die Schüler mit der unerbittlichen Realität zu konfrontieren. Das ist dann kein Spiel mehr.

    Warum um die halbe Welt fliegen? Warum nicht Sauerland/Siegerland/Eifel/Münsterland?

    Weil man dort noch Handy-Empfang hat und der nächste Supermarkt auch erreichbar ist. Es geht mir wirklich darum mit der unerbittlichen Realität konfrontiert zu werden und diesen zu begegnen. Es gibt da keine Entschuldigung mehr in Form von: „Ich kann das nicht (also soll es tunlichst ein Anderer machen).“ Es gibt keine Rückfallebene..

    Wandertouren durch die Eifel oder Naturgebiete mit Übernachtung im Zelt und Selbstverpflegung wären für mich persönlich besonders reizvoll, aber unsere übergewichtigen Schüler würden dagegen protestieren.

    Ich würde am liebsten mit den Schülern ins australische Outback wo das nächste Haus 400km entfernt ist, damit die Schüler mal wirklich auf sich selber gestellt sind, wenn es darum geht vorwärts zu kommen. Es gibt kein Entfliehen vor der Situation und den Anforderungen, die die Situation an die Schüler stellen.

    In dem Fall der diabetischen Schülerin war der Vorwurf des Gerichtes nicht, dass die Lehrerinnen die Diabetis nicht erkannt haben, sondern dass nichts von ihr wussten, weil sie sie nicht wirksam abgefragt hatten.

    Dann hätte ich gerne ein gerichtsfestes (= was da nicht abgefragt wird, kann der Lehrkraft später nicht angelastet werden) Formular vom Schulministerium, welches alle relevanten Vorerkrankungen abfragt zusammen mit einer Handreichung wie mit Schülern zu verfahren ist, die aufgrund der Angaben in diesem Formular offensichtlich nicht reisefähig sind.

    Ich ziehe eine Klassenfahrt einer Woche sonstigen Sonderunterricht immer vor, für mich ist das weniger anstrengend.

    Bei mir ist das genau umgekehrt. Wenn ich alleine an die Vorbereitung der Klassenfahrt denke, bei der ich in einer Person Reisebüro, Inkassounternehmen und Verwaltungsfachmann sein soll, entspricht so eine Klassenfahrt der Unterrichtstätigkeit von ca. 3-4 Wochen. Ich kann halt nicht einfach an den SBB-Schalter gehen und eine Gruppenreise buchen.

    Die Durchführung der Klassenfahrt entspricht dann ca. dem doppelten Arbeitsumfang des normalen Unterrichtsbetriebs.

    Aber beides sind keine Gründe weswegen ich Klassenfahrten für mich persönlich eher ablehne. Das Hauptproblem sehe ich in der Haftung bei der Fahrt. Ich denke da immer an die an verschwiegener Diabetes verstorbenen Schülerin. Gefühlt steht man als Lehrer bei einer Klassenfahrt mindestens mit einem Bein bereits im Knast, zumal man gezwungen ist alle Schüler mit z.T. extremen gesundheitlichen Vorbelastungen mitnehmen muss. Ich bin nur Lehrer und kein Arzt, kann also gesundheitliche Probleme nicht in dem Umfang erkennen, wie es die Gerichte immer wieder einfordern. So bleibt eigentlich nur ärztlich begleitete „Seniorenreisen“ als Klassenfahrt zu buchen, um dem Haftungsrisiko zu entgehen. Aber solche Fahrten sind natürlich im Rahmen einer Klassenfahrt unbezahlbar teuer.

    Mein Studienseminar war 70km von meiner Ausbildungsschule entfernt.


    Die Standorte für die Fachseminare sogar 100km

    Ich beneide dich. So ist wenigstens gewährleistet, dass Einsatzschule und Seminar wenigstens unabhängig voneinander agieren und sich die Ausbilder aus beiden Bereichen nicht am Wochenende beim Sport über dich das Maul zerreißen.

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